The Project Gutenberg EBook of Maerchen und Sagen, by Ernst Moritz Arndt Copyright laws are changing all over the world. Be sure to check the copyright laws for your country before downloading or redistributing this or any other Project Gutenberg eBook. This header should be the first thing seen when viewing this Project Gutenberg file. Please do not remove it. Do not change or edit the header without written permission. Please read the "legal small print," and other information about the eBook and Project Gutenberg at the bottom of this file. Included is important information about your specific rights and restrictions in how the file may be used. 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We are releasing two versions of this Etext, one in 7-bit format, known as Plain Vanilla ASCII, which can be sent via plain email-- and one in 8-bit format, which includes higher order characters-- which requires a binary transfer, or sent as email attachment and may require more specialized programs to display the accents. This is the 7-bit version. This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE. That project is reachable at the web site http://gutenberg2000.de. Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE" zur Verfügung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse http://gutenberg2000.de erreichbar. Maerchen und Sagen Ernst Moritz Arndt Inhalt: alphabetisch nach Titeln Das brennende Geld De Blagfoot De Bruegg bi Slemmin De Koeninge van den Deerden De Prester un de Duewel De Raw de Ringdeef De Wewer un de Steen De krassende Hahn De witte Fru to Loebnitz Der Rabenstein Der Schlangenkoenig Der Wiedehopf Der Wolf und die Nachtigall Der grosse Jochen Die Unterirdischen in den Neun Bergen bei Rambin Die alte Burg bei Loebnitz Dom buest du da? Geschichte von den sieben bunten Maeusen Halt den Mittelweg! Ick buen de Ridder Unvoerzagt und sla der Saewen mit eenem Slag Kater Martinchen Klas Avenstaken Prinzessin Svanvithe Rattenkoenig Birlibi Rotkehlchen und Kohlmeischen Schipper Gau un sin Puk Thrin Wulfen Das brennende Geld Drei Bauern kamen eine Herbstnacht oder vielmehr frueh, als es mehr gegen den Morgen ging, von einer Hochzeit aus dem Kirchdorf Lancken geritten. Sie waren Nachbarn, die in einem Dorfe wohnten, und ritten des Weges miteinander nach Hause. Als sie nun aus einem Walde kamen, sahen sie an einem kleinen Busche auf dem Felde ein grosses Feuer, das bald wie ein gluehender Herd voll Kohlen glimmte, bald wieder in hellen Flammen aufloderte. Sie hielten still und verwunderten sich, was das sein moege, und meinten endlich, es seien wohl Hirten und Schaefer, die es gegen die Nachtkaelte angezuendet haetten. Da fiel ihnen aber wieder ein, dass es am Schlusse Novembers war, und dass in dieser Jahreszeit keine Hirten und Schaefer im Felde zu sein pflegen. Da sprach der juengste von den dreien, ein frecher Gesell: "Nachbarn, hoert! Da brennt unser Glueck! Und seid still und lasset uns hinreiten und jeden seine Taschen mit Kohlen fuellen; dann haben wir fuer all unser Leben genug und koennen den Grafen fragen, was er fuer sein Schloss haben will." Der aelteste aber sprach: "Behuete Gott, dass ich in dieser spaeten Zeit aus dem Wege reiten sollte! Ich kenne den Reiter zu gut, der da ruft: Hoho! Hallo! Halt den Mittelweg!" Der zweite hatte auch keine Lust. Der juengste aber ritt hin, und was sein Pferd auch schnob und sich wehrte und baeumte, er brachte es an das Feuer, sprang ab und fuellte sich die Taschen mit Kohlen. Die andern beiden hatte die Angst ergriffen, und sie waren im sausenden Galopp davongejagt, und er liess sie auch ausreissen und holte sie dicht vor Vilmnitz wieder ein. Sie ritten nun noch ein Stuendchen miteinander und kamen schweigend in ihrem Dorfe an, und keiner konnte ein Wort sprechen. Die Pferde waren aber schneeweiss von Schaum, so hatten sie sich abgelaufen und abgeaengstigt. Dem Bauer war auch ungefaehr so zumute gewesen, als habe der Feind ihn schon beim Schopf erfasst gehabt. Es brach der helle, lichte Morgen an, als sie zu Hause kamen. Sie wollten nun sehen, was jener gefangen habe, denn seine Taschen hingen ihm schwer genug hinab, so schwer, als seien sie voll der gewichtigsten Dukaten. Er langte hinein, aber au weh! er brachte nichts als tote Maeuse an den Tag. Die andern beiden Bauern lachten und sprachen: "Da hast du deine ganze Teufelsbescherung! Die war der Angst wahrhaftig nicht wert!" Vor den Maeusen aber schauderten sie zusammen, versprachen ihrem Gesellen jedoch, keinem Menschen ein Sterbenswort von dem Abenteuer zu sagen. Man haette denken sollen, dieser Bauer mit den toten Maeusen habe nun fuer immer genug gehabt; aber er hat noch weiter gegruebelt ueber den Haufen brennender Kohlen und bei sich gesprochen: "Haettest du nur ein paar Koernlein Salz in der Tasche gehabt und geschwind auf die Kohlen streuen koennen, so haette der Schatz wohl oben bleiben muessen und nicht weggleiten koennen." Und er hat die naechste Nacht wieder ausreiten muessen mit grossem Schauder und Grauen, aber er hat es doch nicht lassen koennen; denn die Begier nach Geld war maechtiger als die Furcht. Und er hat es wieder brennen sehen genau an der gestrigen Stelle; bei Tage aber war da nichts zu sehen, sondern sie war grasgruen. Und er ist hingeritten und hat das Salz hineingestreuet und seine Taschen voll Kohlen gerafft, und so ist er im sausenden Galopp nach Hause gejagt und hat sich gehuetet, dass er einen Laut von sich gegeben noch jemand begegnet ist; denn dann ist es nicht richtig. Aber er hat doch nichts als Kohlen in der Tasche gehabt und ein paar Schillinge, die von den Kohlen geschwaerzt waren. Da hat er sich koeniglich gefreut, als sei dies der Anfang des Glueckes und das Handgeld, das die Geister ihm gegeben haben. Er mochte aber die paar losen Schillinge von ungefaehr in der Tasche gehabt haben, als er ausritt. Und die Schillinge haben dem armen Mann, der sonst ein fleissiger, ordentlicher Bauer war, keine Rast noch Ruhe mehr gelassen; jede Nacht, die Gott werden liess, hat er ausreiten muessen und seine besten Pferde dabei tot geritten. Man hat es aber nicht gemerkt, dass er Schaetze gefunden hat, sondern seine Wirtschaft hat von Jahr zu Jahr abgenommen, und endlich ist er auf einer Nachtfahrt gar einmal verschwunden. Und man hat von ihm und von seinem Pferde nie etwas wieder gesehen; seinen Hut aber haben die Leute in dem Schmachter See gefunden. Da muss der boese Feind ihn als Irrlicht hineingelockt haben; denn er braucht solche Kuenste gegen die, welche sich mit ihm einlassen und ihn suchen. De Blagfoot. Herr, wet de Herr, wat de Blagfoot is? Ja woll. Dat is een Falk edder Hawk edder doch so een Ding van Musfaenger un Vagelfaenger un Felddeef, een Vagel, dem jeder unverzagt up de Feddern knallen kann. O Jemerus! dat wet de Herr doch nich. Wi Buren suent ok klok. Ick will dem Herrn seggen, wat he foer een Prinz is. Blagfoot was in sinen Dagen een stolter voerwegner Kerl, een Junker un Minschenplager, un daruem roeppt de Bur noch juemmer Blagfoot, wenn he Junker seggen will edder wenn he voerbloemt eenen Eddelmann meent, de recht slimm is un juemmer de scharpen Sparen an hett. Blagfoot was in siner Tid een Junker un hedde schoene Hueser un Goeder, aewerst he was darbi voermeten un grotwaeterisch, un hedd et in siner Macht stahn, he hedd Gott im Himmel de Ogen utsteken. Aewerst Gott stuert de Boeme, datt se nich in den Haewen wassen. Junker Blagfoot was een rechter wilder Jaeger un Nuemmersatt Luede so pinigen, un dat was sine groetste Froid, wenn't am dicksten hagelde un een Sneedriwel was, datt man nich Hand voer Ogen sehn kunn, in so 'nem Weder sine Lued in Rusch un Busch heruttodriwen un Wol! Wol! to schreien. Gegen de Armod was he ahn Erbarmen un keen Bedelmann kam mehr aewer sine Scheden, un ick gloew, de Duewel ut der Hoell hedd sick nich unnerstahn, in sinem Forst sick een Spazierstoeckchen to sniden. So hantierde he as een Undeerd unner de Minschen, solang he lewde, un was keen Beduren un Bestueren mit em. Aewerst, min leewe Herr Blagfoot, so krus du di ook tierdest un so herrsch du ook uppkloptest, as schull de Welt sick unner diner Fust roegen, am Ende kam doch een groeter Herr un kloppte an dine Doer. De Dood kam un streckte un reckte minem Herrn Urian de Knaken ut un de Duewel schickte eene hele Legion siner Gesellen de arme Seel in de Hoell to slepen. Gott hett aewerst een Teken markt, woran sick alle unchristliche un harde Herren, wenn se willen, spegeln kaenen, un dat is de Vagel Blagfoot. Un se seggen, dat is een Duewelskind, dat van dem wilden Junker herstammt. Ick buen aewerst keen Doktor un voerstah nich, wo dat togahn kann. Un he hett sine Straf bawen der Erd, as sin Vader in der Hoell, datt he mit heschem un haesslichen Schreien rundflaggern un hungern un frieren muett, wenn alle annern Vaegel un ook dat Volk der Falken un Wihen sick voerlustiren. Denn wenn datt kold ward un de kahle un magre Winter kuemmt, denn macken de meisten Vaegel sick up un flegen aewer See un Land wiet weg hen, wo't warm is, un kamen erst im Froehjahr wedder wenn Snee un Riep weg suent. He aewerst muett hier beduren un utholden den langen kolden Winter un aewer den witten Streken flegen un luren un luren un luren, ob he woll een mageres Musken edder eenen helligen Vagel erwischen kunn. Denn luren muett de boese Schelm, erflegen kann he nicks Fettes un Waeliges: Gott hett em to Straf to sware Fluechten gewen. Un wenn wi den slimmen Junker flegen sehn, ropen wi: Blagfoot! Blagfoot! wo bekuemmt di de Kattenspise? wo smecken di de Muese? So muett he nu lewen bet in Ewigkeit un all sine Kinder un Kindskinder mit em nu in der wieden kolden Welt heruemflegen as een Minschenfiend un ook as een Vagelfiend; denn all sine Dag sueht man en in keener Gesellschaft. Wo aewerst Hueser suent un Minschen un Veh im Winter warm wahnen, da doert he nich henkamen; dat hett Gott em voerbaden un em davoer eenen Gruwel int Hart jagt. Un nu, Herr, wet he, wat dat mit dem Blagfoot foer 'ne Bewandniss hett un kann't den Junkers mal utleggen: denn Unsereen versteit dat nich so fin. De Bruegg bi Slemmin Ick muett bi disser Gelegenheit ook noch voertellen van der Bruegg in dem Slemminer Holt, wo de Weg nah Zornow utloept. Da geit dat gar wunnerlich to; wo menniger stolter Rueter hett sick dar den Sand vam Pels schueddeln muesst! Denn jede Kreatur weet daruem un wahrschuwt, datt et da nich richtig is. As ick een Jung van viertein, foeftein Jahren was, hoedd ick de Koi bi dem Hollaender to Slemmin un drew oft int Holt, un wenn ick ook dem wilden Jaeger sine Hund hett hedd, keen Kalf hedd ick achter de Suenn aewer de Bruegg kregen. Daruem steit da heruem ook juemmer dat schoenste un laengste Gras, denn dat Veh muesst den Verstand verlaren hebben, dat da mit egnem Willen graesen gahn wull, un ick gloew, keen dummer Dreihhals van Schaap edder Goos wuerd da een Halmken anruehren. Un wer des Nachts aewer de Bruegg foehren edder riden muett, o Herre Jemerus! wat kost't dat oft voer Kuenst un Sprueng! Un wo snuwen de Perd un zittern un daddern un baewern voer Angst, datt se aewer de behexte Bruegg schaelen, un scheten up der Bruegg in de Knee un laten den schumigen Sweet vam Liwe drueppeln, as hedden se een paar Mil im Galopp lopen, edder as wenn se in de Luechting van Kanonen springen schullen. De Minsch alleen wett nicks davon, wenn se em't nich voertellt hebben edder wenn he nich in der Nacht kuemmt un de Ulen und Kraihen in so dickem Swark uem de Duewelsbruegg flegen. Un ditt is de Geschicht van der Bruegg: In Zornow was eene smucke Dern, eenes Schepers Dochter, de hedd sick dreimal voerjumfert un jedesmal ehr Kind uembroecht, un de drei Kinder in dem Graben bi der Bruegg in de Erd steken. Aewerst achter dem druedden Kinde is de Satansundhad utkamen, un se hebben de Dern nahmen un se in eenen Sack dhan un bi der Bruegg in dem Graben voersoept, un hebben de Lik van der armen Suennersche bi ehren Kindekens ingraben. Aewerst wat kuenn tueschen dissen Voerdrag wesen? Un't is darnah eene dulle un wilde Wirtschaft worden, datt den Lueden de Haar to Barg stahn suent, so hebben sich de flegenden un klagenden Geisterken van den Kindekens foehlen un vernehmen laten. Un wer in dem Holte wat to dhon hett, dem will ick nich raden, datt he sick lang nah Suennenunnergang edder voer Suennenupgang da betrappeln lett. Dat piept un fluestert un wispert un tutet un huelt da denn de ganze Nacht doerch, as wenn Katten Hochtid hollen edder luette Kinder quarren, un Ulengequiek un Kraihengeschrei klingt juemmer datueschen. Denn in eener hollen Eek aewer der Bruegg sitt Dag und Nacht eene olde Ul, un dat is de arme Schepersdochter, de in disser Welt keene Rauh findt. Un des Nachts muett se juemmer hen un her flegen van Boom to Boom un van Twig to Twig un schreien un quiken, datt eenem de Haar up dem Kopp susen, un drei junge Ulen uhuen un flegen juemmer achter ehr her, un dat suent de drei Kinder, de se vermordt hett. Aewerst tueschen twelw un een da geit et erst recht lustig, un Gott gnade dem, de denn aewer de Bruegg muett. Denn hett sick dat ganze Ulenrik tosam voergadert, un se maken eene Musik in der Luft, wornah dat ganze duewelsche Heer in der ersten Mainacht danzen kuenn, un een hungriger Wulf mit gloenigem Rachen steit an der Eck un hoelt eene Bassviol tueschen den Beenen un speelt lustig up, un Voess un Katers un Marten, Ilken un Wesel un anner deefsches Nachtgesindel danzt dato. Ick hew't nich sehn, aewerst de Smitt in Slemmin hett't sehn. De is mal darunner geraden, un he was aewen nich up Gottes Strat, denn he hedd de Aex up'm Nacken un wull sick eene junge Eek hauen. Den hebben se terreten und terzust--hast du mir nicht gesehen--un so is he to Huse kamen ganz terkrasst un verbaast, un sine Oldsche hett em drei Weken eene Kindersupp kaken muesst: so hedden de Satansgesellen den armen Schelm afaengstigt. Dat is aewerst wiss un wahr, wat ick van den Koien un Perden voertelld hew, un keen ordentlich un christlich Deerd un Vagel, de van Gott weet, geit in de Eek edder sett't sick da heruem. Ick hew all min Dag keenen Vagel in ehren Twigen singen edder zirpen huert, Ulen un Hawks un Kraihen, Rawen und Hesters un anner dergliken Duewelsgeraet dat sueht man woll darup sitten. Mit der Bruegg is't aewen so; keen ehrlicher Vagel sitt up ehren Poesten edder Gelaender, nich eenmal eener van den lustigen un naeswisen Vaegeln, as de Meesk, de Quaekstart edder Steenbicker, de suenst so nuelich un flink suent alles Holt, wat se man sehn, to besitten un to befladdern. Denn ook de allergeringsten un luettesten Deerdeken weten een beten van Gott, un et weiht en ook een beten Wind to, wo wat Gewaltigs un Greulichs geschehn ist, un gruweln sick davoer." De Koeninge van den Deerden. Jochen Eigen un Johann Geese satten eenes Dags mit annern Meihers achter eener Weitenhock un hoellen ehre Ihrmdagstid un firden un voertellden sich Geschichten. Un Johann Geese, de een fram Minsch un in der Heiligen Schrift un in dem Gesangbook so to Hus was, datt he flinker as de Scholmeister un Koester upslan un finnen kunn, hedd de Geschicht voertelld, de man in dem negenden Kapittel des Books der Richter lest, wo Jotham den Lueden van Sichem eene Fabel voertellt van den Boemen, de hengingen un sich eenen Koening waehlen wullen, un wo de Oelboom un Figenboom un Winstock nich Koening warden wullen un wo to goder Letzt de Durnbusch Koening wurd, een ruger un harder Gesell, de de annern Boeme terruppen un terzusen schull. Da fung nu Jochen Eigen an un sprack: Broder Johann, hupen heel! datt is eene huebsche un nuedliche Geschicht van dem Abimelech un dem Durnbusch, un nu will ick ook eene Geschicht voertellen, un ji schaellt sehn, datt et nich licht is, een Koening to sin un et allen Minschen recht to dhon: denn to schellen un to bruemmeln giwt et juemmer watt, solang de Welt steit. Un nu spitzt de Uhren un markt up, Jungs! De Deerde weren eenes Dags uneenig unner sich, wen se tom Koening kiesen schullen. De olde Loewe was dood, un eenen Loewen wullen se nich wedder; denn se seden: De hett scharpe Taenen un eenen Buk as een Oss un frett in Eenem furt, un man schall et sich noch as eene Gnad reknen, wenn he Eenen tom Hawe roeppt, datt man in sinen majestaetischen Buk herunnerspazieren muett. Un wenn he eenen ook grad nich upfrett, so is sin Anschien un sin Gelat un Gebruell schier eene Angst; un ook wenn he sacht un fruendlich dhon will, strakt he so mit den Tatzen, datt dat Blood darna kuemmt. Un sine Macht un Kraft, wat se sine Majestaet heten, wat helpt se, wenn he de meiste Tid voersloept? Da kaenen sine Landfleger un Vaegde un Eddellued un Jagdjunker doch dhon, wat se willen, un den armen Lueden dat Fell aewer de Uhren theen. Denn hett he een paar Ossen edder een paar Dutzend Hamel un Reh verslungen, so snorkt de Fuljahn oft dre vier Dage un deed sine Ogen nich up, un Recht un Tucht muett sine Ogen denn woll todhon. So spreken un meinden de meisten un wullen platterdings des Loewen Saehn nich waehlen, un streeden un kifden lang mit eenanner, wer denn de duechtigste were Koening to wesen un se mit Macht un Leewde to stueren. Un et ging bunt aewer Eck in dem Rike un was slimmere un groetere Verwirrung un Elend, as tor Tid der Loewigen Gierigkeit un Fulheit west was. Toletzt, wiel se up keene Wise eenen scharpen un klauigen Herrn hebben wullen, nehmen se den Pudel, un seden to em: Du schast unse Koening wesen. Denn se dheden mankanner spreken: De Pudel is sachtmoedig un fredselig un fruendlich mit den Lueden un sin Mul so grothartig as sin Swanz, womit he an allen henfichelt un sich anfruendlicht, un dheed keenem Kinde wat to Leeden, un is still un wis un nadenklich; un wenn he mal lustig sin will, watt foer schoene Kuenst ward he sinen leewen Underdanen voermaken! Ook frett he nich veel un hett eenen lichten Slap, un meist wakt he des Nachts un studiert as de olden Wisen in dem Mand un den Stiernen. He ward een finer un gerechter Herr sin un keen Deef un Roewer ward unner em upkamen kaenen. De gode Pudel, de keene hoge Gedanken van sich hedd un wuerklich in aller Sachtmoedigkeit un Demoth so voer sich henging, verschrack sich gar veele, as se em dat grote Ding seden, un wull nich Koening warden un struewde sich sehr. Awerst de Deerde noedigden en, un setteden em mit Gewalt de Kron up den Kopp un dheeden em Swert un Zepter in den Klauen, un so muesst he se woll dregen. Un alle Deerde tierden sick as unsinnig un jubilirden un juchheiden un krajoelden aewer de Maaten, datt se eenen so wisen un sachtmoedigen Koening hadden; un se noemden en mit eenen Binamen Koening Gapus, wat de Wisheit beduedet, un meenden, nu schuell de gueldene Tid wedderkamen un dat Paradies, wo keen Winter un keene Arbeit was, wo de Loewen un Tiger Gras gespist un de Wuelwe un Laemmer fredlich mit eenanner spelt hebben; un van Roof un Murddhaden un Doodslag wuerd man nu un nuemmer nicks mehr hoeren. Awerst o je! dat geschach gar anners. De Pudel was gewiss sehr fram un weekhartig un sachtmoedig un wedelde un bellde alle sine Unnerdanen fruendlich an un bleckte gegen keenen eenzigen de Taenen; un dat gefeel en woll. Ook was he een sparsam Husholler, un een paar Muese, de de Kater, de sin aewerste Kaekenmeister was, em daeglich lewern muesst, un een paar Happen van verrecktem Veeh edder Wild makten ein satt. De ganze grote Denerschaft, welke de Loew hollen hedd, Leoparden, Panther, Tiger, Veelfreter, Wuelwe, Voesse, Apen un all de bunten un lichten Musikanten, de Singvaegel, de ut allen Landen tohoopbroecht wurden, dem Koening un sinen Eddellueden bi der Tafel uptospelen, un all de annern Dhonichgode, de dat Land voerteerden, wurden voerjagt edder afdankt, un een einziges kleenes Huendeken, dat van Older krietwitt worden was, het' un was Salomos wiser Rath un Gesellschaft, un Hofmeister un Hofmarschaelle un Kammerjunker un Jagdjunker un Hingstrider un Voerrider un Loeper un all de blanke un hoge Staat wurden rein afschafft, un ook de Oberstwaschmeister un Oberstluser un de Flegen- und Muggen-Voerdriwer, de bi dem seligen Loewen de uepperste Mann west was, kregen ehren Afsched un mennige annere Deners, de de Loew sich to sinem Vergnoegen toleggd hedd. Denn de grote un luette Wasch un de Suewerung sines Liwes voerrichtede de Herr suelwest, un in siner Niederdraechtigkeit makte he sinen Unnerdhanen gar oft dat Voergnoegen, voer en int Water to gahn Soek Verlorn to spelen un to apportiren. Denn dat muett man gestahn, eene Nese hedd Koening Gapus, as keen Hund sit der Arche Noahs, eene rechte koenigliche Nese. Dat was aewerst sine beste Lust, int Water to springen; un sine Unnerdhanen, de to Hawe kemen, wuessten et all un braechten Stoecke un Steene mit, de se em int Water smeeten, wonach he swomm, un Stuecken Brod, wobi se Soek Verlorn repen, un de he fung un to gliker Tid upfratt. So wusch he sich denn juemmer suelwest un kostede dat dem Lande keenen Penning. Sin Oberstkamerling was dat witte Huendeken, dat he as sinen Fruend un Staatsminister mit sich hedd dat em mit sinen Poten de Haar torechtstrek, wenn he sich nah dem Bade an de Suenn droegde, un se glatt un lockig lede, wenn se em vam Wind mal voerstoewert weren. Un de Overluser edder de Overlusersche was de Kraih, un de dheed den Deenst uemsuenst un kreeg keene Traktamenten davoer; denn de Luese un Floeh, de se dem Herrn affung, smeckten ehr gar soete. Egentlich hedd se noch woll wat togewen schullt, datt se so uemsuenst juemmer de Tafel deckt fund, aewerst de groten Herren kaemen dat nich so nau nehmen als wi luette Luede, den 't knapp tosneden is. So was nu een gewaltig Jubeln un Froid aewer den fruendlichen wisen hushollerschen geburschen un niederdraechtigen Herrn Pudelkoenig Gapus, un alle Luede prisden sick gluecklich, datt de olde Loewe dood un sine Kinder van dem Thron verdraengt weren. Awerst dat durde nich lang, so wurd et unklar un unschier. Denn wat kann de beste un christlichste Koening utrichten, wenn de Groten im Lande un de egenen Fruende em nich tapper un rechtschaffen bistahn? Disse Fruende un Verwandten van Koening Gapus kemen nu all to minter Mal, as wenn de Muese bi hellem Suennenschien ut dem Stroh kribbeln un krimmeln, mit heelen Hupen to Hawe, all wat Hund, Koeter, Raekel un Tewe het up dre Beenen hinkt un mit dem Swanz waifelt un sweifelt. Da kam Dogge un Wulfshund, Jagdhund un Schothund, Hoehnerhund un Swinhund, Windhund un Spitz, ja de allerluettsten Moeppels un Dwarfhunde--un se wullen sick ook een beten suennen un bespegeln in der Majestaet van ehrem hogen Herrn Vetter un Deel hebben an siner Herrlichkeit. Ja wenn't hiermit een End west hedd? Et stellden sich noch veele mehr in, welke de Hunde suenst nich to ehre Fruendschaft rekent hedden; un wull nu de ganze Welt Hund wesen. Da kam de Roewer un Moerder Isegrim de Wulf, de Deef de Voss, de fichelnde Schelm de Mard, de Scheefkieker de Luchs, de Baar de Brummbart; ja de bunte Leopard un de sprenklichte Tiger kemen heran un schaemden sick nich, un leten sick Hund schellen, un wullen mit Koening Gapus as Vettern un Boelken am Stuerroder sitten. He was nu freilich een demoediger goder Herr un wull nich van vornehmeren Oeldern schienen, as he in der Dhaad was, un wees de Schelme vam Hawe weg un bedraude se sehr un hart, se schullen nich aeweldhon un de Armen un Ringen nich bedraengen. Aewerst he was en nich scharp noog. Denn as se sick am Hawe alles recht besehn un behorkt hedden, gingen se ut in alle de widen Lande un noemden sick Hertoge un Prinzen un Markgrafen un Grafen un makten sick grot un weesen Breeve un Papiere voer, de se sick suelwst makt hedden, un wullen Oberlandvaegde un Oberstaatholder sin, un grepen un tasteden slimm uem sick. Un bald gaff et een veel argeres un jaemmerlicheres Wesen un wurd veel mehr unschuldig Blood vergaten, as in de Tiden van dem Loewenkoening. Un de armen bedruckten Luede winselden un huelden: O Koening Gapus! wise un to gode Koening Gapus! wenn Du wuesst, wo dat im Rike tosteit, wo maennigen groenen Boom wuerdst du in witte Galgen verwandeln laten! Wat helpt uns all din stilles Lewen un din Stiernkieken, wenn du nich up de Riksschelme kikst? Un Koening Gapus wuesst et woll, aewerst he hedd nich Mod noch Macht et to aennern un de Boesen to strafen. As et nu to graeulich wurd un de bitigen un ritigen Deerde, de egentlich Undeerde heten, sick mankanner terreten un mit ehren glupschen Rachen alle Deerde, de soetes Fleesch hebben, voerdelgen un utrotten wullen, da makten disse eenen Upruhr un lepen tohoop to eenem groten Riksdag. Da kemen van des Rikes uetersten Ecken un Graenzen de Elefanten un Neshoerner un Ossen un Perde un Hirsche, Rehe, Swine un Schaape, un daerto alles, wat sick up Fluechten doer de Lucht swingt: Swanen, Goese, Puter, Anten, Hoehner, Duwen, Adebars, Reiger und alles, wat Feddern dreggt, van dem groten Vagel Struss bett up den luetten Tunkoening, worup de Slimmen un Listigen ook de luesternen Taenen wetten. Un de Loewen kemen ook un lagerden sick nich wiet van em as een Schutz, wenn de Fiend etwa keme den Riksdag antofallen un to voerstueren; denn se hapten wedder eenen Koening ut den Ehrigen to maken. Un veele listige Raethe funden sick in, Waldminschen, Wehrwuelwe, Apen, Meerkatten un sueslik Tueg, un lurden, ob nicks to gewinnen were in der Verwirring. Un se makten eene Gaderung unner sick un keeseden eenen Apen tom Riksdagsmarschall. Un disse Ap fuehrde de Schriewfedder un satte alle Klagen un Leeden to Papier, de dahen klungen, Koening Gapus were to gelind un kuenne nich riksen, he were ook to wise un to geleerd foer eenen Koening un aewerstudiert doerch sine Stiernkiekerei, woraewer dat Land to Grund ginge; denn de Geleerdheit, seden se, were weinig nuett un veel beter beraden dat Volk mit eenen Koening, de eenen duechtigen Tog mit dem Degen dhon kuenne, as de en mit de Fedder make. Koening Gapus voernam den Upruhr un datt sine Unnerdhanen riksdagden un en afsetten wullen; un he was sehr bedroewt un bereep sick um sin godes Gewissen. Awerst sine Veddern un Fruende, de ganze huendische Fruendschaft, un de sine Veddern un Boelken heten wullen, dewiel he Koening was, dheden sick ook tosam un makten sick hen, wo de Riksdag satt, un meenden en to tersprengen. As se aewerst vernehmen, datt ehre Anklaegers so mit heelen Hupen sick vergadert hedden un datt alle Loewen im Hinnerholt up der Lur legen un datt de listigen und grausamen Apen den Riksdag regierden, wurd en sehr bang, un de Frucht kam aewer se un jagde se ut eenanner, un se lepen de eene hierhen de annere darhen, un jeder verkrop sick in sin Loch. Un de veelen Klagen der Elendigen un der Loewen Gewalt un der Apen ehre Listigkeit drewen et so wiet, datt de Pudelkoening Gapus van sinem Thron verdraengt wurde. Darup rathslagden se lang aewer eenen nueen Koening un kamen veele in Voerslag. Tom Ersten de Elefant as de Starkste. Aewerst sine Fiende seden, he were to ungelenkig un plump un kuenne de Kron nich mit Geschick dregen. Tom Tweeten de Oss. Aewerst se meenden, he were to uploepsch un kortkoeppig, un so wurd he nich Koening. Darup dat Kamelopardel, een gar heges un staatsches Deerd, dat eenen Koeningsmantel woll mit Gunst un Kunst dregen kuenne. Aewerst se schoellen et hoffaerig un verwegen, un struewden sick de meisten dagegen. Ook stund et im boesen Geruecht van wegen siner Hoffardigkeit van voerledner Tid her, as he unner dem Loewenregiment Riksherold west was. Datt aewerst van dissen allen nuems Koening wurd, daran was de Ap de Riksdagsmarschall schuld; denn he spelde mit siner ganzen Fruendschaft datueschen, un alle Dumme un Infoldige hedd he begigelt un voergalstert mit sinen blanken un bunten Reden un zierlichen Spruengen un Buecklingen, un de Loewen huelpen em ook, denn he hedd en wiesmakt, he wuerd et tom Lesten all so richten un stellen, datt een Loewe Koening wuerd un nuems anners. Disse sleprigen Dickkoeppe voerleten sick up den Schelm, aewerst he bedrog se. Een Ap wurd tom Koening utropen, een van den Apen, de an Gelat dem Minschen aehnlich suent, een Waldminsch, eene arge tueckische un gewaltige Art. Se seggen, datt et eene Duewelstucht is, de de olde boese Fiend mit den Hexen in der Walburgsnacht tuegt hett. Awerst wer hett dat sehn? Un nu drog denn de haessliche Koening Waldminsch de Kron, un egentlich hedd et em nuems guennt, un alle voerwunnerden un voerfierden sick, datt he Koening worden was, un wuesst nuems, wo dat togahn hedd. Un se fruechten sick sehr un sweegen; denn se kennden den Waldminschen, wat dat fuer eene Doewelssaat was, wo gewaltig he was un allen Lueden to klook, un stark van Liwe un darto unbaendig un boes. Un he fung glick so een Regiment an, datt allen de Ogen aewergingen un se heemlich mankanner fluesterden: Dat hebben wi woll voerdeent uem unsen goden Koening Gapus, wo et uns duechte, datt dat to dull herging. Dat was doch een Herr, dem jedweder unvoerfiert unner de Ogen treden kunn. Da lachten wi Narren aewer sine Pudelkuenste un datt he dat huebsche Spill Soek Verlorn voerstund, un voerhoehnden en, wiel he nich groetern Staat makte un datt dat luette witte Huendeken sin hoegster Rathsherr un Minister un de Kater sin Oberstkaekenmeister un de Kraih sin Kammerdener was. So klagden disse armen Bedraengten sick ehr Weh un Leed; aewerst Koening Waldminsch leet sick dat nich anfechten. He wull nun dat Koenigrik recht vullut bruken un sick in vuller Pracht wisen; un wiel he unrustig was un praechtig un inbildsch, as alle Apen suent, so hedd ook nuems im ganzen Rike de Ruh. Sinen Hoff helt he mit aewergroter Hoffardigkeit un Herrlichkeit, un alle smucken un blanken Deerde un de huebsche Felle un bunte Feddern hadden, muessten juemmer bi em sin un uem en springen un danzen, spelen un singen un en mit allerhand Spill un Kortzwiel ergoetzen un em wat voerhaselieren; denn so wat maegen de Apen voer ehr Lewen gern. Un so voerwandelde he denn de nuedlichsten un smucksten Deerde in Spelers un Pipers un bude sick de kostbarsten Hueser un Slotte ut Gold un Suelwer un Rubinen un Demanten, un alle sine Unnerdhanen muessten darto frohnen un roboten. Und he hedd un helt eene gruwelige Menge van Hanswursten un Seildaenzern, Musikanten, Narrendokters un Komoediganten un desgliks Volk, un spelde suelwst mit in der Komoedie, un sung un danzte ook voer allen Lueden mit der Koenigliche Kron up dem Kopp up Jahrmarkten un in groten Boden, datt et eene Schand was. Un all sine Minister un Rathsherren kleedden sick apisch in bunten Roecken, de van swerem Golde un Suelwer tor Erde sleepten; un ook sinen Drabanten un Soldaten dheed he de buntesten un praechtigsten Kleeder an und gaff en jeden Mand nuee un schoenere Mundering. Un sin praechtiges Apinnenhus, dat he sick buwen leet--o du Herr Jemine! wat dat foer eene Duewelspracht was! Een Hus van purem lichten Golde un de Finstern ut Demant un Edelsteen. Da ging dat lustiger un arger her, as in Koening Salomonis Tiden. He helt sick nich weiniger as teindusend Wiwer un Matrazzen. Dat kostede ju erst Geld. Ji wett woll, wo staatsch un pagellursch dat Wiw van Natur is, wenn man em den Taegel scheten lett un wo gern et sick mit sinem bunten Swanz an de Suenn dreiht, un vullends desgliken Wiwer. De pudelsche Fruendschaft hedd et woll slimm makt un alle, de sick der Tid to den Hunden rekenden; aewerst de Apen un de Apenfruende un Apenvoerwandten makten et dusentmal slimmer; un was in dem ganzen Lande nicks as Ueppigkeit, Feegheit, Hinnerlist, Uplurerei, Anklatscherei, Achterklappen un mannigerlei Wirrwarr un Unglueck. Denn darin weren de Apen utgeleert, datt se verstunden de besten Fruende mankanner to verhetzen un to den giftigsten Fiende to maken; un se lachten int Fuestken, wenn de, de ehre Herrschaft hedden stoerten un ehre Macht ringen kunnt, eenanner de Haelse terbroken. Un hier sach man, wat man to dissen Dagen nich huert hedd, datt de Loewen Kammerdener un Loeper sin muessten un datt se den Apen, de en de Foet up den Nacken setteden, zitternd un krupend de Tatzen leckten, un datt de maechtigen Elefanten Holt un Water dregen un de Tiger as Heiducken an den Doeren stahn muessten. So slug un listig was Koening Ap in sinen Kuensten. Un da all dat Volk sehr geplagt un elendig was un dat Land de grausame Ueppigkeit un Geldverspillung un den snoeden Aewermod der Apen nich laenger voerdregen kunn, so voerswuren se sick woll oft un stunden up gegen den Koening; aewerst he was en to klok mit den Sinigen, un Loewen un Panther missten den Kopp und Wuelwe un Voesse wurden as Verraeder un Koenigsmoerder an den Galgen haengt, un de armen Hunde wurden veelnah utgerottet, un dem olden Koening Gapus goeten se een paar Kellen gloeeig Blei in de Kehl, datt he jaemmerlich sturf; denn veele hadden sick ehr Verlangen nah em marken laten. Doch dat Sprickwurt seggt: de Krog geit so lang to Water, bet he breckt, un dat schull Koening Waldminsch ook erfahren. Denn toletzt is't eenem Baaren gelungen--de was de Obersthofmeister aewer des Koenings Wiwer un aewer sin Jumfernhus--de hett en im Lager des Nachts aewerfallen un terreten un alle Unnerdhanen suent van allen Enden un Ecken her tosamlopen mit hellen Hupen un hebben nu alle Apen doodslagen, as man unvernoenftig Veeh doodsleit. Un se muessten nu wedder eenen Koening hebben, un se suennen lang hen un her, wiel se voer jedem Koening eenen Gruwel hedden, de scharpe Taenen wisen kunn; un so hebben to goder Letzt de Deerde dat Aewerspitt gewunnen, de Gras freten, un hebben sick eenen Koening halt ut eenem sachtmoedigen Stamm, ut dem Geslecht der Buecke; denn se bildeden sick in, unner em wuerden se gode Dage hebben. Un so hett et sick begewen, datt de Zeegenbuck Koening worden is, un se hebben an sinem Koeningsdage sungen, as't im olden Leede klingt: Juchhe! Juchhe! de Loew is dood, De Hund un Ap de suent bi Gott-- Nu meistert uns de Zeegenbuck, He dreggt den bunten Koeningsrock, He dreggt de gueldne Koeningskron. Juch! Zickelbuck un Sniders Sohn! Juch! Koening mit dem langen Bart! Juch! Zickelbuck un Sniders Art! Aewerst o du Herre Je! an dat Zeegenregiment warden se denken, solang de Welt steit. He hett den Esel to sinem Kanzler un den Rambuck to sinem Feldmarschall makt, un an sinem Hawe was't eene recht tuerksche Wirthschaft, ja veel arger as bi Tuerken un Heiden. Un sin Wiwerregiment man kann't unmoeglich voer Christenminschen voertellen. Dat was dusentmal mehr as Koening Salomo, as he van Gott affallen was un as 't de grote Soldan, de olde Stambull in Konstantinopel, bedrivt. Ick segg ju man so veel, datt dem Koening Zickelbuck dat Wiwerhus van dem Apen veel to kleen was. Un wiel tor Tid van Koening Waldminsch de meisten Loewen un de annern vernehmen Geslechter doer Bil un Galgen un in Kriegen un Upruhren uemkamen weren, so is nuems west, de't hett wehren kuennt, un dat zeegenbuckische un eselsche Regiment hett woll een foeftig Jahr durt, un wo hett dat Land utsehn? o du min Je! grad as wenn de Durnbusch Abimelech Koening west were. Denn disse hebben de Wirthschaft nah ehrer Wise bedrewen. Da hett man keene Boeme mehr sehn mit Appeln un Beeren, keene groene Wischen, keen Weiten- un Roggen-Feld. Se hebben regiert, as wenn de leewe Herrgott im Himmel dem Boesen de vulle Macht gewen hedd, den ganzen heelen Fluch uttoseien, den de Herr in sinem Grimm spraken hedd, as he Adam un Eva ut dem Garden Eden jagde. Nicks as Distel un Durn in dem ganzen widen Rike vom Koening Zeegenbuck; denn de Esel wull Disteln freten un dem Koening smeckten de bittern Blaeder van den Durnbueschen am soetesten. Wat anners hett de sachtmoedige Buck nuems to Leeden dhan, as datt dat Land van Durn un Disteln woist worden is. As nu de Koening Zeegenbuck toletzt im hogen Older verscheden was, da hett et dem Volke der Deerde duecht, se hebben et nu mit dem Koeningswessel noog voersoecht, un suent wedder tom Loewen torueggkamen un hebben eenem jungen Loewenprinzen van den Weinigen, de noch aewrig blewen weren, de Kron up dat Hoevt sett't. Un de hett regiert streng un bequem glik sinen Voerfaehren. Un de Herrschaft mag woll streng un hart wesen muetten; denn de sanftmoedigen Herren kann de slimme Welt nich dregen, un de Luetten un Ringen muetten nu een un alle Mal Haar laten. So voertellde de redselige Jochen Eigen, un se horkten all to, bet de Voermeiher sine Saisse nam un wedder in den Weiten haude. Da dheden se, wat se muessten, un Loewen, Pudel, Buecke, Apen un Esel un alle hoge un koenigliche Gedanken un Geschichten floegen weg. De Prester un de Duewel Starkow hett juemmer deege Presters hett, de as unser Pastor Scheer den Minschen woll an't Hart to kamen un den Duewel, wenn he sick nich gar to sehr inwoertelt hett, uttodriwen voerstunden. Un wet de Herr, wo dat herkuemmt? In olden Tiden, as de Heiden hier utdrewen un Gotts Wurt un dat bloodige Kruetz predigt wurden, was disse Gegend hier uem Starkow Redbass un Loebnitz nicks as Holt, Heid un Morast, wo hier un dar een Mann in sinem Huesken wahnde. Da kam ook een Pastor un de nuee Kark schull buwt warden; aewerst der Luede was wenig un dat Weinige ook noch arm. De Pastor is een sehr gottsfuerchtig Mann west un klok dabi un hett veel hen un her sunnen, up wat Wis he Gotts Wark vollbringen un sinem hilligen Wurt eene Stad bereiden kuenn. Un da is em de Duewel infollen, de olde Schalk un Seelenfaenger, de sick oft bi em infund, wenn he sine stille Bedstund in sinem Kamerken helt. Denn he kennde en woll, wenn he sick as eene swarte Fleg up sine Bibel settede un darup heruemwipperde. Denn de Stank blef nah, wenn de Fleg wegflog. Un de kloke Herr hett den Duewel mit List dran kregen un bedragen, un Satan hett sweeten muesst, datt em de hoellschen Druppen aewer de Naes lepen. Un in drei Dagen hett de Kark fix und fardig da stahn, as de Herr se noch sueht, un is eene van den oeldesten in Pamerland, un ehr Baumeister hett se nich mit inwihen helpen doerft. Aewerst dat muett man em laten, so slimm de olde Fiend is, he hett eene grote Daegd, un dat is de Daegd der Geduld un Arbeitsamkeit, datt he sick nicks voerdreten lett, wat to sinem Geschaeft huert--un datt kuenn een Christenminsch sick ook woll van dem Doiwel leeren laten. Wo sehr de kloke Prester en ook vexirrt un narrt hedd, he makte een fruendlich Gesicht dato, un kam juemmer wedder un frog sinen Kunden, ob he em noch nich in wat denen kuenn un ob he nich noch eene kleene Arbeit foer en hedd. De Prester oewerst fuerchte sick voer dem Schelm, datt he en doch beluren muegte, un wull nicks mehr mit em to dhon hebben. Nu was da een Doerp, dat nah Starkow in de Kark ging; dat lag achter dem Holt heel nah, un de Pastor muesst oft dahinriden. Aewerst so nah dat Doerp ook lag, was't wegen Unwegsamkeit doch een Dreiviertelwegs. Denn he muesst eenen wieden Weg maken aewer Oldenhagen un uem den groten Wald heruem, wiel in dem Holt een deeper Morast was, wo man alleen im Sommer aewer kunn. Da foell dem Pastor eenes Dages in, ob he sinen Werkmeister nich wedder bruken un dran kriegen schull. Un as de Duewel eenmal wedderkam, slot he den Handel af mit em un besprack sick mit dem Boesen: He schull em in drei Dagen den Weg doer't Holt un eenen Damm aewer den Morast maken, un he wulle mit Lif und Seel sin wesen, wenn he en betrappelde, datt he man eenen Strohhalm breet ut sinem Voerbeet ging. De Prester satt awerst in sinem Garden unner eenem Boom un las de Predigt aewer, de he den naechsten Suenndag holden wull; un sin Swur was: "Duewel, wenn du in drei Dagen den Weg un Damm doer dat Holt to der Horst fardigkrigst, so schast du mine Seel nehmen, wo du se findst, wenn ick nich mehr up dissen minen Voerbeet stah." Un de Duewel schmunzelde in sinem Sinn un dachte: Den Vagel hest du fangen; denn wo will de dumme Prester dat woll anfangen, datt ick'n nich mal uter sinem Voerbeet treffen schall? Dat Lewen is lang un de Gedanken suent kort un ehr Beten van Faden ritt licht af. Un he ging lustig weg un makte sick an de Arbeit, haude Eeken af un makte Brueggen un slepte Steene un karde Sand, un ehr drei Dag uem weren, stund de grade Weg da un lag de schoene Damm fardig, so schoen un glatt, datt een Koennig mit Lust draewerfahren kunn. Un he kam to dem Prester un sede: "De Weg un de Damm suent makt." Un he lurde em nu up, wo he en faten un begigeln kuenn. Un kum vergingen een paar Dag, so nam de Prester sinen Stock in de Hand un ging den Weg nah Redbas herut, sick sine Brewe un Zeitungen van der Post to halen. Un as he kum an de Bruegg kamen was, wo de Sched is tueschen de Redbasser un Starkower Feldmark, wipps, hast du mir nicht gesehn, was de olde Grising da in sinem roden scharlaken Tressenrock un mit sinem Hahnenfoot, wippelde as een Hester uem dat kranke Kueken, uem den Prester heruem, un stellde sick achter em up den Weg, datt he em nich wedder toruegg lopen kuenn. Un he gruesste en up sine doewelsche Wise gar fruendlich un reep: "Willkamen, Presting! Nu muesst du mal mit mi kamen un tosehn, wo't sick in der Hoell lewt un ob du se denen Buren richtig utleggt hest. Wo steiht et? Hest du din Fell brav insmeert, datt et in der Hitt nich springt?" Un as de Duewel disse spoetsche Red dhan hedd, makte he sick an den Prester un wull en packen; aewerst he kunn nich! Denn em kam een Gruwel un Grusen an, as wenn he mit sinen Klauen in kold Is tastet hedd. Un de Prester lachte mit grotem Vergnoegen, blos em ut siner Pip den Tabaksrook in de Naes un sede: "Holt, Duewel! da is noch een Sticken voer, datt du nich herin kannst. Markst du, datt ick up minen Voerbeet stah? Un damit du Schlangenschelm et begrippst un in dinen Duewelsknaken zitterst un baewerst, so kumm her un seh!" Un de Prester tog eenen Staewel ut un wieste dem Duewel, datt he drei, vier Blaeder ut dem Evangelienbook in sine Socken inneiht hedd. Un de hedd he ook in sinen Staeweln hett, as he im Garden den Eid swur un sinen Handel aewer den Weg doer't Holt afslot. Un de rode Duewel wurd voer Grimm blass un bleek as de Kalk an der Wand un schaemde sick un voerzagde an dem Prester, un neihde ut, as wenn em Fuer unner den Salen brennde, un hett sick sin Leder nich mehr bi em sehn laten. Un de Prester hett as een gottselig Mann lewt, un is so storwen, un de Kark steiht bet dissen huetigen Dag, un de Damm liggt noch un fuehrt den Namen sines Baumeisters, het de Duewelsdamm; aewerst nahgrad wer't woll noedig, datt man den Duewel eenmal wedder dran krege tom Utbetern; denn he hett voerdammt veele Loecher. Un wenn man ditt so bedenkt un de olden Geschichten huert, so mag man sick woll wundern, datt de Presters nu tor Tiden so weinig kaenen un den Duewel nich mehr am Strick hebben. Se segen, de olde Herr van der Finsternis un Duesternis is dood un lewt nich mehr, aewerst se kaenen't nich bewiesen un ick gloewt nich; denn he reckt sine Tatzen noch oft nog hervoer. Un wahrhaftig leider Gotts! an dem Duewel fehlt et nich, man de rechte Glow fehlt un de rechte Leewe, de rechte fuerige himmlische Leewe, de de ganze vullgeproppte gloenige Hoell un alle Millionen Duewels mit eenanner utbrennen un in Asch voerwandeln kann. Un daruem voerseggt en dat Hart, et mit em uptonehmen. De Olden voerstunden't beter un wuessten den Spruch mit der Dhad uttoleggen: West klok as de Slangen un eenfoldig as de Duwen. To der Tid, as de Duewel Karken und Kloester buwen muesst, gaff't gottskloke Luede; nu aewerst suent se duewelsklok un negenklok un aewer all der Klokheit is de Voernunft dumm worden, wo se de goden un slimmen Geister mit eenem Blick underscheiden un den Engels und Duewels in Christo begripen un den Lueden utdueden kunnen. Se soeken den leewen Gott in der Welt, wo he is un ook nich is, un nich in der Bibel, wo en jeder finden kann, dem Negenklokheit de Oogen nich voerglastert hett. Weer he so saeker un wiss up der Landstrat to finden, so were de leewe Heiland jo uemsues vam Himmel herunnerkamen, sin duerbares Blood am Kruetz foer uns to voergeten. De Raw de Ringdeef. Da was eenmal een Grewe, de was sehr rik un grot un hedd een praechtig Slott un schoene Haewe un Doerper; dat edelste un herrlichste Klenod aewerst, dat he hedd, was sine Grewin, dat schoenste Wif, dat up der Erde lewde. Un de Grewe hoell se leewer as sin Lewen un as alle sine annern Schaetz un Herrlichkeiten. Mannig schoen Jahr hedden se in Lust un Froid mit eenanner lewt, da kam een Krieg up un de Grewe muesste furt un in wider Froemde truren. Un as he afreisen schull, was he sehr bedroewt, un ehr he sin Perd besteg, uemhalsde he sine Grewin noch eenmal unner dausend Thranen un nam eenen gueldnen Ring van dem Finger un stack en an ehren Finger, un sede dabi: An dissem Ring will ick marken, ob du miner noch gedenkst, un daruem voerwahr en ja recht woll. Un mit dissen Wurden swung he sick in den Sadel, un flugs ut dem Dur herut. Mannig Jahr voerging un de Grewe kam nich wedder, un de Grewin dachte, he were in der Fremde dood blewen, un se betrurde en as eenen Dooden. Aewerst se sach daruem nich nah den Lebendigen hen, man se graemde sick juemmerfurt uem ehren Herrn un was em tru as Gold. Veele rike un voernehme Friers kemen un wurben uem de schoene Fru, aewerst se wull se gar nich sehn, un sede: Lewt min Herr nich mehr, de de schoenste un leewste Mann up Erden was, wat schull ick mit eenem annern anfangen? un ick will eene Wittfru bliwen un truren, bet Gott mi im seligen Paradiese mit minem Leewsten un Besten wedder tosam bringt. Un nu huert, wat sick begaff. Eenen schoenen Sommermorgen stund de Grewin voer der Doer--se was in dem Garden west un hedd Blomen plantet--da blos de Trumpeter lud in't Horn, un se huerde van dem Dur her de Grewe! de Grewe! schallen un ropen. Se leep flink de Trepp up sick to waschen, denn ehre Finger weren vull Erd un Smutz van dem Blomenplanten. Un as se sick wusch, lede se den Ring up dat apne Finster, un een Raw kam flegen un nam den Ring weg; un as sen an den Finger steken wull, fund se en nich; un se was sehr voerwundert un bestoert't, wo doch de Ring blewen were. Un in dem Oogenblick trat de Grewe in ehre Stuw un flog ehr uem den Hals un trutede un kuesste se sehr. Awerst de arme Grewin kunn nich recht herzen un kuessen van wegen des Ringes un sach verstuert un bleek ut. Un de Grewe voerwunderte sick aewer ehren kolden voerlegnen Empfang, un sede: wo is't mit di bestellt, mine schoene Grewin? un hest du den Ring noch, den ick di bi'm Afsched gaff as een Teken un as eenen Voermahner to Tru un Leew! Un de geswinde Frag makte de arme Fru noch bleeker un voerstuerder, datt se hedd in de Erd sinken muegt, un in ehrer Beklemmniss kunn se keen Starwenswurt verbringen. Dat slog dem Grewen in't Hart un he slog sick de Hand voer de Stiern un reep: O Gott im Himmel! hier steiht et nuemmer, as et wesen schull--waruem buen ick nich im Heidenlande as een ehrlicher Riddersmann fallen un begrawen? Dat ick ditt noch erlewen muesst? Un nu, Fru, wies mi glik den Ring! Un de arme Fru bekennde voer em, as't wahr was, un sede: O du ewiger barmhartiger Gott! wat hew ick doch voerbraken, datt ick in disse entsetzliche Noth geraden buen? O min leewe Herr un Gemal, west nich so ungeduldig un huert mi un gloewt mi, datt ick juw ehrlich un tru Wif buen un keenen annern Gedanken in minem Harten hegt hew, as ju un juwe Leewe. Awerst wo is't mi gahn un wo geiht et mi? As ick den Trumpeter up der Wart blasen huerde un juwen Namen van dem Dur her klingen, stund ick voer der Doer un kam aewen ut dem Garden, wo ick Blomen plantet hew; un ick hedd swarte Haend un slichte Gardenschoh an un dachte: So schast du voer dinem Herrn nich erschienen. Un so sprung ick strax de Trepp herup un wusch mi de Haend un lede dabi den Ring in dat apne Finster. Un as ick'n wedder anstecken wull, was he weg; un ick kann nich begripen, wat dat is un ob noch Toewerer un Hexen lewen, de mi arme Fru in't Unglueck bringen willen. So is't schehn, un Gott im Himmel weet, datt ick de unschuldige Wahrheit segge, un desuelwige Gott im Himmel voerhoede, datt mi de groetste Froid nich een grotes Leid ward! Awerst de Grewe, as he dat voernahmen, ergrimmde in sinem Sinn un sine Oogen voerdunkelden sick, un he stoedde de arme Grewin van sick as eene Laegnerin un untruwe Bedregerin, de ehre Untreu un Falschheit mit schoenen Wurden un Thranen bemanteln un vertuschen wull. Un daruem let he se gripen un in eenem olden Thorm in een deep Loch versenken, un voerklagde se as eene Buhlerin un Ehbrekerin. Un sin Grimm wurd van Dage to Dage arger, un he leet eenen Galgen buwen, da schull de falsche Grewin dran haengen. Un wat de arme Fru em ook toswur un bat un wat verstaendige Luede ook seggen un bidden muegten, he let sick nich ruetteln noch roegen van sinem harden Sinn. Un as de Grewin nu tom Hochgericht herutfuehrt wurd mit grotem Geleide un de Grewe mit veelen groten Herren dabi stund, un se de Galgenledder upstiegen muesste, da slog dat arme Wif noch eenmal de Haend tosam un schreide, datt alle huerden: Du groter Gott im Himmel! erbarme di miner letzten Bede un lat mine witte Unschuld nich so jaemmerlich am Galgen voerdarwen! Un in dem tog de Scharprichter ehr de Ledder unner den Foeten weg, un se haengde un voersched. Un de Luede rund uemher weenden un bededen barmhartiglich un alle Armen ut drei vier Kaspels in der Runde uem dat Slott huelden un wehklagden lude; denn se was eene rechte fruendliche Armenmoder west. Veele aewerst jammerden ook, datt een so schoenes Wif in jungen Jahren up disse schaendliche Wise hedd starwen muesst. Un sueh! as se keen Lewensteken mehr van sick gaff un dat Geleide un de harde Grewe sick anschickten wegtogahn, kam een swarter Rawe flegen, un sette sick up den Galgen dicht bi ehr un reep Kork! Kork! datt allen Lueden een Schrecken un Voerstaunen ankam. Aewerst wo voerfierden un voerschreckten se sick, as de Raw eenen gueldnen Ring ut dem Snawel an de Erd fallen let. Aewerst am meisten voerschrack sick de Grewe, as em de Ring in de Hand kam, un stund da un baewerde, as hedd en Gotts Dunner slagen. Un so stund he lang as een Voerdunnerter un Farw un Sprak voerleten en. Toletzt reep he: De Ring! de Ring! de unglueckselige Ring! un don tog he sin blankes Swert ut der Schede un foell darin, datt sin rodes Blod tom Haewen herup spritzte. Un se nehmen de Fru van dem Galgen un nehmen den dooden Mann un growen een grotes deepes Graf, da leden se beide still herin ahn Prester un Koester un Sang un Klang. Denn wo Gott een to gewaltig Wurt spreckt, da voergeiht dem Minschen dat Singen un Klingen woll. De Wewer un de Steen De Herr hett woll dat steenerne Kruetz sehn, dat am Wege steiht, wo man van der Loebnitzer Maehl nach Redbas geiht. Da lag voer dissem een Steen, de was in twee Stuecken tersprungen. Den hebben se wegnahmen, as de Fuerst Hessenstein de praechtige Redbasser Bruegg buwen let; un dat is schad, denn de Steen hedd wat in sick, un't was eene Geschicht mit em, woran sick Mennigeen spegeln un wobi jeder Wandersmann, de voerbiging, sine goden Gedanken hebben kun; un he was recht een Wahrnagel foer de Deewe un foer alle falschen Nachtslikers. Nu he aewerst weg is, ward et woll to swind voergaeten sin, un wer weet, wo lang dat Kruetz noch steiht, denn nu is de Tid da, wo se alles umkehren un dat Olde voerachten. Voer langen langen Tiden, lang voer Minschengedenken, wahnde in Redebas een Wewer, dat was een groter Schelm. He wewerde aewerst nich veel--denn sin Wewstohl stund juemmer still--aewerst he grep to eener Kunst, wodoer man een lustig Lewen holden un swind rik warden kann; un de Duewel hedd to sinem Gespinst den Inslag makt, un nu mag de arme Stacker tosehn, wo he dat Netz utrawweln will, dat he sick suelwst wewt hett. Des Nachts, wenn de ehrlichen Luede slapen, was min Wewer juemmer flink mit sinen Gesellen up den Beenen, un fette Swin un Goes, de de Bur den annern Morgen tohauen wull, un Schinken un Mettwurst un mennig swarer Immenrump un blanker Schepel Weiten kam int Hus, un nuems wusste, up wat foer eenem Wege. Dat aewerst wuessten alle Luede im Doerp, datt de Wewer ful was as de Oss uem Wihnachten un datt he fedder lewde as de Schult un Voerwalter. Un se munkelden woll unner sick, he were een Deef un Roewer un stuend' ook mit dem olden Draken im Voerbund, de em alles todroege; aewerst bewiesen kunn em't keener. Nu begaff sick't eenes Dages, datt unser Meister Urian mit sinem Gesellen dem Loebnitzer Moeller eene Nacht in de Maehl brok, un datt jeder sinen Sack Weiten furtdrog. Glik drup kam de Moeller mit sinem Burschen, un se funden de Maehl apen un den Weiten weg un lepen up den Wegen herut, ob se nuems gewahr warden kuennen. Un se kemen ook up den Redbasser Weg un packten unsern Wewer, de mit sinem Weiten up eenem groten Steen satt; de Gesell aewerst was wiet voerut. De Moeller un de Maehlenbursch nehmen nu unsern Wewer tueschen sich un pruegelden en deeg af, un darup muesst he sinen Weiten wedder upsacken un mit gewaltigem Pusten un Staenen nah Loebnitz bet an dat Moellerhus dregen. Da hoelden se en fest, denn se meenden ganz saeker; datt he de Weitendeef were. Un den annern Voermiddag was groter Gerichtsdag to Loebnitz. Un de Wewer hoelt sick stif und loegnede alles, un lede sware Klag up den Moeller un den Maehlenburschen, datt se en as eenen Deef festholden, up der Landstrat slagen un em sinen egnen Weiten afnahmen hedden. "Denn"--schreide he--"ditt is min Sack (he hedd aewerst sinen egnen Sack mit sinem Namenteken mitnahmen un den Weiten darin schueddet) un de Weiten darin is min Weiten, den ick mi gistern Awend van dem Buren to Holthof koefft hew. Un wenn ji't nich gloewen willt, so schickt hen un latet den Buren halen un fragen, un wenn he seggt, datt ick den Weiten van em nich koefft hew, will ick nu un ewig een Schelm heten." Un se schickten nah'm Holthof, un de Bur sede ut, as de Wewer beduert hedd; denn he stack ook mit drin un was een Afflegger un Deewshehler. Un nu wuesste de Richter keenen annern Rat, he hoelt den Wewer woll foer eenen Deef, aewerst he kunn em't nich up't Lif seggen, un daruem muesst he en tom Swur laten. Un he nam den Moeller un den Maehlenburschen un den Waewer, un se gingen mit eenanner to dem Steen un dem Kruetz up der Heid am Wege, wo de Moeller en packt hedd, un da voermahnde he den Wewer noch eenmal, Gott de Ehre to laten, wenn he suendigt hedd, un leewer sine Suend to bekennen un de Straf to liden, as eenen falschen Eid to dhon un ewig in der Hoell to braden. "Denn"--sede he un sach den Schelm dabi sehr ernsthaftig an--"disse Steen wat woll tuegen gegen di, wenn du falsch swerst, un disse Durnbuesche warden de Koepp aewer di tohop stecken un Weh und Zeter aewer di schreien." De Wewer aewerst let sick nicks anfechten, he makte sin Hart fast un verschot keene Min un schwur frisch weg, datt he unschuldig were an des Moellers Doer un Weiten, un sprack mit frecher luder Stimm: "Lat dissen Steen in Stuecken springen, un wenn et een muntlos Kindeken weet, datt ick de Deef buen, lat et oogenblicklich dat Wurt gewinnen." Un da gingen se van dem Steen weder nach Loebnitz toruegg, un de Spruch was: De Moeller un de Maehlenbursch muessten dem Wewer Afbidde dhon un foer den Schimp un de Slaege hundertfoeftig Daler betalen und alle Kosten stahn. Dat hedden se noch to ehrem Schaden; de Wewer aewerst strek dat Geld in un lachte in sin Fuestken, nam sinen Weitensack up den Puckel un plegde sick eenen goden Dag van dem Roof un van dem gluecklichen Geldfang. Nu was't to spad em totoropen: "Holl up! Holl up!" he was to dicht van den Doiwelsstricken bestrickt, un kunn nich mehr herut; sin Wagen was loslaten, un lep stoertlings bargaf. He dref dat lichte Handwark noch een paar Jahr un wurd een Perddeef un Stratroewer un Moerder un strek an Galgen un Strick oft hart voerbi. Toletzt aewerst wurde he in Rostock fast mit mehrern siner Gesellen, un da kam et ut, datt he voer drei Jahren in Kenz een Hus anstaken hedd, worin eene olde Frau un drei Kinder voerbrennt weren. De arme Suender wurd nu utlewert nah Redebas, wo he to Hus was, un sin Urtel wurd spraken: He schull an dem Pal voerbrennt warden. As he hier satt, dachten se in Loebnitz un Redbas wedder an den Weitensack un wo he sick an dem Steen up der Heid losswaren hedd. Un de Koenigliche Amtmann un de Schult leten dat Holt, worup he verbrennen schull, dahenfuehren un richteden em an dem Steen sinen letzten fuerigen Stol up. Un da hett sick begewen, as he in der heeten Qual satt un sinen letzten Lewensschrei van sick gaf, datt et unner dem brennenden Holte klungen hett, as wenn een Kind weent. Un alle Minschen, de dabistunden, hebben sick voerwundert un voerfiert aewer de Kinderstimm, un een old Wif hett seggt: "Da hett mal eene Mordhand een Kind in de Erd scharrt, un dat ruehrt sick nu in siner Gruft." Aewerst de Maehlenbursch van voermals, de nu Moeller in Karnin was un dabistund, reep ganz lude, datt alle Lued et huerden: "Ne! keene arme Suendersche hett ehr Kind da in de Erd voergraben, da hett de Schelm up dat Evangelienbook sin falsch Wurt ingraben, un dat muett, damit de Wahrheit an den Dag kuemmt, unner der Erd herutschreien: 'Wewer, du hest Gott belagen.' Un nu will'n wi sehn, wo't mit dem Steen utsueht." Un de Moeller voertellde de ganze Geschicht van dem Weitensack un wat de Richter bi dem Steen seggt hed un wo sehr he den Wewer up sine ewige Seligkeit voermahnt hedd, un up wat Wise un mit wat foer Wurden de Wewer sick darup voerswaren hedd. Un de Luede voerstaunden sick un keener kunn een Wurt spreken voer Schrecken. Un as de arme Suender voerbrennt was un nicks as Asch un Knaken aewrig weren, da trat de Moeller to dem Steen un rakte mit dem Stock de Asch weg van dem Steen, un sueh! de Steen was terborsten un in twee Stuecken zersprungen. Un alle Luede seden: "Seht! dat is Gotts Finger", un gingen in Furcht un Zittern to Hus. Aewerst ob van allen den, de dabistunden, ook nich eener mal stahlen hett, dafoer will ick nich godstahn; denn so ward et woll in disser Welt bliwen, so lang se steiht. De krassende Hahn. Een Foerster, de im Holt wahnde, hedd twee Saehns, eenen van twelw den annern van viertein Jahren. Nu geschach et eenmal, datt he mit siner Frau utfuhr, un de beiden Jungs blewen alleen to Hus. Sick de Langewil toe voerdriwen gingen se in ehres Vaders Stuw, nehmen sick jeder een Gewehr, loeden se, un gingen in den Garden Sparlinge to scheten. Se fuenden aewerst keene Vaegel. As se nu wedder ut dem Garden herut gahn wullen, spelden se mit den Flinten, as unfrode Jungs dhon, un leden up eenanner an, as wenn se scheten wullen. Un as dat Sprickwurt seggt: _Wenn de Minsch voerbaden Spill makt, gift de Duewel uemsuenst de Musik dato_--dem oeldsten Jungen ging dat Gewehr los un sin Broder stoertete dal as een Sperling, un was muschdood un mickte nich. In der Angst voer sinem Vader leep de Jung hen, nam eenen Spaden, un grof sinen Broder in de Erd, wo he fallen was. Un as he dabi was, flog een roder Hahn up den Tun, slog de Fluechten tosam un kraihde mit luder Stimm. Un de Jung sede to em: Hahn, du swiggst. Un he nam ook de beiden Flinten un haengde se wedder an ehre Stell. Un as den Awend Vader un Moder to Hus kemen un fragden, wo sin Broder were, antwurte he as Kain: Wat weet ick, wo he is? He leep int Holz, glik as ji weg wert, un he is woll sinem Dohnenstieg nahgan un ward jo woll noch kamen. Un dat wurd spad, un de Jung kam nich un kunn nich kamen, un de Oeldern wurden sehr unruhig un trurig. Aewerst de Doodscheter let sick nicks marken un dheede, as wenn he van nicks wuesste. Un se schickten ut in den ganzen groten Forst un lepen suelwst uem up allen Wegen un doer alle Dohnenstiege un spoerden uem in allen Doerpern uemher, wo he hen to gahn plegde to den Nawers, un keen Minsch kunnt en wat van dem Jungen voertellen. Un toletzt gloewden se, he were in een Water fallen un voerunglueckt edder een Wulf edder anner Undeerd hedd en terreten. Awerst de Hahn lewde noch, de den Dooden begraben sehn und den Grafgesang dato kreiht hedd. Un hier sach man recht, datt ook de dummen un unvoernuenftigen Deerde aewer Doodslag un aewer voergaten Minschenblood Lut un Teken van sick gewen muetten, wenn't Gotts Will is, datt et an den Dag kamen schalt. Keen Dag voerging, datt de rode Hahn nicht twee- dree-mal henging, aewer den Gardentun flog un sick henstellde, wo de erschatene Jung voerscharrt lag, un dabi kraihde, as wull he seggen: Hier liggt, wat ji soekt, kamt her, halt et herut. Aewerst keen Minsch hedd Acht darup gewen, wiel den Sommer da Kartueffeln stunden, wobi nuems wat to dhon hedd. Awerst as de Erdtueffeln herut nahmen weren, ging de Foersterfru hen un seiede Blomensaat up der Stell, un as se sach, datt de Hahn dat bekrassede, jog se en weg. Un as he den tweeten un druedden Dag juemmer wedder kam un't nich beter makte, nam se den Hahn un spunde en in, un let en erst den soesten Dag wedder ut, as dat Saat all heel groen upgahn was, un meende, nu wuerd he ehr de Blomen woll tofreden laten. Awerst kum hedd se den Rueggen wendt, so wurd se ut dem Finster gewahr, datt de Hahn all wedder da was un ut sinen besten Kraeften un Kuensten krassede un kraihde. Un se leep hen un reep ehre Magd un den Jaegerburschen, datt se ehr den Hahn gripen huelpen; denn se was utermaaten boes un wull em den Hals uemdreihen, wenn se en kriegen kuenn. De Hahn aewerst was keen Narr un leet sick nich gripen. Un as se sick all ut dem Athem lopen hedden uem den Hahn un he to Busch flagen was, kam de Mann van der Jagd, un de Fru voertellde em, wo't ehr mit dem Hahn ging, un sede dabi: Were ick aewergloewsch, ick kunn mi inbilden, datt da wat Soetes unner der Erd liggt un een Schatz foer uns voergrawen is; denn de Duewel weet, wat de Hahn da sues to dhon hett un juemmer mit den Fluechten waifelt un kraiht, as wenn he sinen ganzen Frauenstall to sick locken wull. Un se sproeken daraewer, un de Mann sede: Will tom Spass mal tosehn; da mag woll eene seltsame Woertel sin edder so wat, datt man in der Wirthschaft bruken kann; denn dat is eenmal wiss, ehre Witterung hebben de Deerde, un de Vaegel hebben de allerfinste Naes, dat muett ick as Jaeger weeten, un de is nich to verachten. Un he nam Hack un Spaden, un grof, un grof sick de bitterste Thranenwoertel ut der Erd, datt he voer Jammer hedd voergahn muegt. Un as se de Lik utstellden un up eenen Karkhoff in hillige Erd leggen wullen, kunn de arme Broder et nich laenger utholden un voerswigen un voertellde: wo et sick im Spelen so trurig begewen hedd. Un he erinnerde sick ook an den roden Hahn, datt he up dem Tun satt un kraihde, un datt he to em spraken hedd: _Hahn, du swigst._ De witte Fru to Loebnitz In Loebnitz ging de Red, datt eene witte Fru bi nachtslapender Tid rundging. Ehr Gang was van der Bleke aewer dat Steg, dat achter dem Backhuse up der Beek liggt, doerch dat Backhus uem den Schaapstall un uem de grote Schuen, un denn gar langsam doer den Boomgarden un Blomengarden, wo se oft still stund un sick bueckte, as wenn se Aeppel upsammelde edder Blomen plueckte. Van da ging se toletzt in dat Hus, wo se uem Klock een meist ut dem Keller unner der Trepp herupsteeg mit eenem Licht in der Hand, waran blage Fuenkschen stoeweden un dat hell upgnisterde. So is se oft sehn uem de Gespensterstund; un ook mine selige Moder sede, se hedd se mal schemern sehn. Se plag juemmer an der Trepp stilltostahn un sick wunnerlich uemtokiken ook woll de Husdoer to befoehlen, ob se slaten were; denn ging se langsam un potentatisch de Trepp herup un steg to Baenen unner de Oken to den Katten un loeschte ehr Licht ut. Dat is enmal wiss, keen Minsch ging to der Tid gern up de Dele un up de Trepp; un dat was dat Besuennlichste, datt keen Hund da je to liggen edder to rasten plegde. Un oft is't schehn, datt Maege, de de Trepp mit Licht herupgingen edder des Nachts da wat to bestellen hedden, ploetzlich as foer dood henstoerteden un denn elendig krank wurden; un de hebben voertellt, de witte Fru wer en mit dem blagen gnistrigen Licht in den Weg treden un hedd se anpust't. Van disser witten Fru voertellde Johann Geese eenmal: "Mit der witten Fru, de to gewissen Tiden, am meisten im Harwst un Winter to Loebnitz uemgeiht, schall man sick woll in acht nehmen, un den Duewel nich im Aewermod voersoeken. Dat is een erzboeses Wif, un se geiht nich voergaews in der wilden Unruh rund un makt ehrlichen Lueden de Nacht gruwlich. Dat's woll hundert Jahr her un laenger, datt se to Loebnitz wuerklich lewde un regierde. Se was een rikes un voernehmes Eddelmannswif un se seggen, se kam ut Polen--so schoen un witt as de witte Dag, datt ehres Gliken van Schoenheit kum up der Welt west is. Aewerst se was eene leidige Hex un falsch un listig van Grund ut, un slimmer as Bollis im Winter; un de olde Fiend hedd ehr den letzten Bloodsdruppen voergiftet, datt ook nich een god Haar mehr an ehr was. Se was grausam hoffardig un lichtfardig, solang se jung un schoen was, un schall ehren olden Mann mit Gift voergewen hebben. As et aewerst mit ehr gegen dat Older ging un se een, drei Stieg Jahr up dem Puckel hedd, da voerlet se de lustige Duewel, de im Blood sitt, aewergaff se sinem slimmsten Broder, dem hungrigen un kattigen Gitzduewel, dem Duewel, de nich slapen kann, dem rechten Negendoeder der Seelen, as de Herr Pastor seggt. Nu wurd dat olde Wif eene slimme Minschenschinnerin un Luedplagerin un kratzte ut dem Blood und Sweet der armen Luede Gold in Hupen tosam un voergrof't an veelen Stellen. Un as se endlich van disser Welt weg muesst, is't ehr tor Straf sett't, datt se up desuelwige Wis, as se annern keene Rauh un Rast guennt hett, ook im Grawe noch keene Rauh finden schull. Daruem muett se nu uemgahn in der doistern Nacht, wenn alle frame Kreaturen un christlichen Minschen slapen, un de hungrigen Wuelw und Voess un Marten un Ilken un anner sodhan Tueg alleen up den Beenen suent. Denn muett se herut in Hagel un Snei un Wind un Regen in dem witten Doodenhemd mit dem gefaehrlichen Licht in der Hand. Un wiel se im Keller un in der Bleke dat meiste Geld vorgrawen hett, daruem muett se dar am meisten uemlopen. De Herr hett woll de Loecher sehn, de de Schatzgroewers dissen Winter up der Bleke upwoehlt hebben? Aewerst de dummen Narren! da ward keen Minsch wat finden. Denn je slimmer de Minsch ist, de Geld in der Erd voergroeft, desto groetere Macht hett de Boes aewer den Schatz un desto deeper kann he en to sick heruntertrecken. Un wer seggt uns, wo veele dausend Faden deep he ehre Geldkasten in de Erd herunnerslaken hett? Dat is ook wahr un is doer veele Teken bewist, datt dueslike vordammte Seelen, de im Graw keene Rauh hebben, van Gott brukt warden de Slimmen in Tucht to holden. Denn wer in voerbadner Tid as Sliker edder Deef heruemlurt un wat soecht, wo he nicks voerlaren hett, un dem witten Wiwe in den Wurf kuemmt, mit dem doerft se affahren, as't ehr gefoellt, wenn he nich noch tor rechten Tid een himmlisch Gewehr ergrippt, as een Evangelienbook edder een Gebet, dem Gott anmarkt, datt et nich tom Spass ut der Kehle geiht. Dat hett sick voer een twintig Jahr begewen. Da was in Langenhanshagen een Snider, de het Jakobs un was as een Toewerer un Deef voerropen, de des Nachts selden in sinem Bedd sleep. Den funden se eenes Morgens to Loebnitz an der Eek achter dem Backhus, wo de Steg aewer de Beek geiht. O je! wo bummelde de grote Kramsvagel! un wo frisch weihede dat Sniderhoiken im Wind! He was mit eener frischen groenen Wide upknueppt. Sine Fruendschaft sede woll, datt he sick woll suelwst een Leed andhan hedd; aewerst wi weten dat beter: sine Uphengersche lewt noch." Der Rabenstein Es gibt viele absonderliche und wunderseltsame Geschichten und Dinge in der Natur, von welchen kein Mensch begreift, wie sie sich begeben und zusammenhaengen, und sind doch da. Und wenn die Menschen sie erzaehlen hoeren, erstaunen sie und erschrecken, aber wissen koennen sie sie nicht. So ist es auch mit dem Rabenstein, wovon viele erzaehlen, aber keiner etwas Gewisses weiss; dass es aber Rabensteine gibt, das weiss man wohl. Ihr habt auch wohl von Diebslichtern gehoert. Die sind fast eben wie der Rabenstein und wie andere unsichtbare Diebslaternen. Es ist aber greulich zu erzaehlen, wie Diebslichter gewonnen werden. Sie sind die Finger von ungeborenen und unschuldigen Kindlein; denn die Finger von schon geborenen und getauften Kindern kann man dazu nicht gebrauchen. Und was fuer ungeborene Kindlein sind das? Und wie muss man die Lichter gewinnen? Wenn eine Diebin oder Moerderin sich selbst erhaengt oder ersaeuft hat oder gehaengt oder gekoepft worden ist und ein Kind in ihrem Leibe traegt, dann musst du hingehen um die Mitternacht, auf des Teufels Strassen, und nicht auf Gottes Strassen, mit Beschwoerungen und Zaubereien, und nicht mit Gebet und Segen, und musst ein Beil oder Messer nehmen, das von Henkershaenden gebraucht ist, und damit den Bauch der armen Suenderin oeffnen, das Kind herausnehmen und seine Finger abschneiden und zu dir stecken. Aber solches muss durchaus um die Mitternacht vollbracht werden und in vollkommenster Einsamkeit und Schweigsamkeit, so dass auch kein leisester Laut, ja kein ach! und kein Seufzer ueber die Lippen des Suchenden gehen darf. So gewinnst du Lichter, die, wenn du willst, brennen, und, wie kurz sie auch sind, doch nimmer ausbrennen, sondern immer gleich lang bleiben. Diese Zauberlichter haben die sonderliche Natur und Eigenschaft, dass sie augenblicklich brennen, wie und wo ihr diebischer Inhaber nur denkt oder wuenscht, dass sie brennen sollen, und ebenso geschwind als sein Wunsch und Gedanke erloeschen. Durch ihre Hilfe kann er in der dichtesten finstersten Nacht, wenn und wo er will, alles sehen; sie leuchten aber nur fuer ihn und fuer keinen andern, und er selbst bleibt unsichtbar, wenn sie auch alles andere hell machen. Dabei sitzt noch die Greulichkeit in ihnen, dass sie eine geheime Gewalt ueber den Schlaf haben und dass in den Zimmern, wo sie angezuendet werden, der Schlafende so fest schnarcht, dass man zehn Donnerbuechsen ueber seinem Kopf losknallen koennte und er doch nicht erwachte. Denke, wie lustig sich da stehlen und nehmen laesst! Auf diese Weise werden die Diebslichter gewonnen und gebraucht, aber anders der Rabenstein und nicht so greulich, wiewohl auch ein vom Satan und von seinen Geluesten verblendetes und verhaertetes Herz dazu gehoert, sich den Rabenstein in die Tasche zu schaffen. Dies ist aber der Rabenstein, und auf folgende Weise wird er gewonnen: Die Raben, Kraehen, Adler und andre solche Voegel, welche scharfe Schnaebel und Klauen haben und von Gott auf den Raub angewiesen sind, sagen die Leute, werden sehr alt und leben wohl zweihundert und dreihundert Jahre, also viel laenger als die aeltesten Menschen. Wenn nun ein Rabenpaar hundert Winter miteinander gelebt und geheckt hat, dann legt es erst den Rabenstein, und, wie sie sagen, alle zehn Winter einen neuen Stein. Dieser Rabenstein soll nach der Sage aus den Augen der Diebe herauswachsen, welche die Raben am Galgen ausgehackt haben; und das muessen die Raben an vielen hundert Dieben getan haben, ehe sie einen solchen Wunderstein legen koennen. Er ist von der Groesse einer Waelschen Nuss oder eines Rabeneies, ganz rund und glatt und feuerrot wie ein Karfunkelstein, und die Raben legen ihn in der letzten Nacht des Hornungs: denn noch im Winter legen sie ihre Eier und im ersten Fruehling, wann es noch reift und friert, haben sie schon befiederte Jungen. Es hat aber dieser grausige Wunderstein zwei Eigenschaften; die erste, dass er in der Nacht leuchtet wie eine Sonne und alles umher hell, seinen Traeger aber unsichtbar macht, so dass sich herrlich mit ihm stehlen laesst: die zweite, dass er zu Galgen und Rad hinlockt. Wer einen Rabenstein suchen und fangen will, der muss in die hohen Forsten suchen gehen, wo die grossen, himmelhohen Baeume stehen; denn auf den schlanksten und schiersten Fichten, Eschen und Buchen, welche der gewandteste Matrose nicht leicht erklettern kann, baut der kluge Vogel Rabe sein Nest. Da muss er lauschen und lugen, wo er Rabentoene aus hoher Luft klingen hoeren und Rabennester entdecken mag, und zwar an solchen Tagen, wo Schnee gefallen ist; denn dann kann er allein die rechten Nester finden. Er mag naemlich alle Nester ruhig sitzen lassen, unter deren Baeumen Schnee liegt, denn in solchen ist kein Rabenstein. Der Rabenstein naemlich ist so warm von oben, dass es unter seinem Neste nimmer friert noch taut und dass der Schnee in der Minute vergeht, in welcher er faellt. Aber wer dies auch weiss, kann doch wohl hundert Jahre in allen Waeldern und unter allen Baeumen herumlaufen und sich die Augen aus dem Kopfe gucken, und findet doch das Nest mit dem Rabenstein nicht. Denn das Glueck oder gottlob leider der Teufel laesst sich nicht immer so leicht greifen, als die einfaeltigen Leute sich einbilden. Denn ueberhaupt sind wenige Raben in der Welt, und von diesen wenigen wie wenige werden hundert Jahre alt oder gar zweihundert und dreihundert! Weil strenge Winter, wilde Buben, Jaeger und maechtigere Raubvoegel die meisten in der Jugend verderben--und ferner, wie schwer auch sind die Rabennester zu finden, da der Rabe nur einen Klang oder Ton macht, wenn er in hoher Luft fliegt oder auf dem Aase sitzt oder im Neste angegriffen wird, sonst aber der verschwiegenste und einsamste aller Voegel ist! Hat nun auch einer einmal einen solchen Baum gefunden, so will es noch ein rechtes Loewenherz, ja Satansherz dazu, den Rabenstein aus dem Neste herunterzuholen. Denn hoert, wie das geschehen muss: Wer den Rabenstein haben will, der muss in der letzten Nacht des besagten Hornungs in den Wald gehen, wo der Baum mit dem hoffnungsvollen Neste steht. Er muss ganz einsam und allein kommen, und auch keine Menschenseele muss wissen, wohin und wofuer er ausgegangen ist; und auch keinen Laut, nicht einmal ein Hustchen oder ein Seufzerlein darf er von sich geben. Auf die Glocke der Zeit muss er achtgeben und genau um die Mitternachtstunde zur Stelle sein; denn nur in der Gespensterstunde, zwischen zwoelf und eins in der Nacht, laesst der Stein sich gewinnen. Dann muss er sich so splitterfasernackt entkleiden, wie Adam weiland im Unschuldkleide der Natur im Garten Eden gestanden ist; und in diesem Naturkleide muss er nun den Stamm hinaufklettern und zitternd und bebend im Sinn behalten, dass er keinen Ton vernehmen lassen darf; denn alsbald ihm auch nur der leiseste Laut entfuehre, wuerde er gleich des Todes sein. Aber nun merkt euch hierbei wieder des Teufels List. Wenn er den armen gierigen Kletterer bis oben zur Spitze hinaufgelockt hat, wo das heillose Nest sitzt, dann darf er nicht hineinschauen und sich den leuchtenden Stein aussuchen, sondern er muss sich nun noch dreimal um den Stamm herumschwingen, die Augen zutun, und blind hineingreifen, und was sein Finger zuerst beruehrt, das muss er behalten. So hat sich's oft begeben, dass manche mit einem faulen Ei heruntergekommen sind und fuer alle Angst, Arbeit und Schmerzen nur Spott gehabt haben. Es bringen es ueberhaupt wohl wenige zustande mit dem Rabenstein, unter Hunderten, die ihn begehren, wohl kaum einer. Denn alles ist dabei halsbrechend und ungeheuer. Den meisten vergeht gewiss schon die Lust, wenn es um die kalte tote Mitternacht an das Auskleiden gehen soll, und sie nehmen in der Angst die Flucht, und haben dann gewiss das Geschwirr und Gesurr des hoellischen Nachtgesindels im Nacken hinter sich. Auf diese Weise hat mancher freche und verwegene Bursch Schuh und Stiefeln, Rock und Hut verloren und den Leuten hinterher von Dieben und Raeubern erzaehlt, die ihn so bis aufs Hemd ausgezogen haben; die guten Leute haetten diese Raeuber und Kleider und Schuh aber unter dem Rabennest finden koennen. Viele erfrieren und ermatten auch, indem sie den Stamm kaum halb hinaufgeklettert sind, oder koennen es vor Schmerz nicht laenger aushalten, denn es geht dabei wohl an ein ehrliches Schinden der Knie, Schenkel und Arme, und so muessen sie endlich mit Schimpf zurueckkriechen oder fallen auch wohl gar jaemmerlich herunter. Das bleibt aber wahr, wenn sie auch oben bis zur aeussersten Spitze und zum Neste gelangt sind, dann wird's erst recht teuflisch und gefaehrlich. Nun in der Mattigkeit und Angst den vollen Verstand behalten und den Ton so bezwingen, dass auch kein Laut aus der Brust dringt, die Augen zutun, sich dabei dreimal um den Stamm schwingen, und dann mit der Hand ins Nest fahren und den letzten Gluecksgriff tun--das ist wahrhaftig nicht jedermanns Ding. Dabei stuerzen noch die meisten herunter und brechen den Hals, besonders wenn es ihnen zu maechtig wird und sie doch stoehnen oder murmeln. Dann ist es um sie getan. Sowie auch nur der leiseste Laut fast nur atmet, geschweige klingt, ist sogleich ein ganzes Heer da, das mit zu dem Satansgaukelspiel gehoert. Viele hunderttausend Raben fuellen ploetzlich mit ihrem Gekraechze die Luft und umflattern den armen Suender, und fallen mit Fluegeln, Klauen und Schnaebeln so dicht auf ihn, dass er herunter muss, er mag wollen oder nicht. Da geht's denn zuletzt an den Sturz und an ein Hals- und Beinbrechen--denn waere der Kletterer ein Loewe von Mut und Staerke, er muss herunter--und mit den Augen und einem bisschen von Wangen und Nase nimmt die Gesellschaft gleich fuerlieb. Dies sind die Geschichten, wovon man so oft hoert, die man auch oft in Zeitungen liest, wo auf die vermeinten Moerder gelauscht und gefahndet werden soll: ein junger Jaegerbursch oder Handwerksbursch sei nackt und zerrissen und zerfleischt im Walde gefunden, von Raeubern ausgepluendert und erschlagen oder von zuckenden Baeren und Woelfen zerrissen. Er hat sein mitternaechtliches Wagstueck mit dem schwarzen Federvolke so bezahlen muessen, und die Raeuber, Moerder und reissenden Tiere haben weder Knueppel und Pistolen noch Zaehne und Tatzen gefuehrt. Und nun will ich auch eine Geschichte erzaehlen von einem, der den Rabenstein besessen hat, und was er ausgerichtet und wie es mit ihm geendet hat. Vor langer langer Zeit lebte zu Boldewitz auf Ruegen ein reicher und vornehmer Herr, der vieler Kaiser und Koenige und Potentaten in schweren Faellen Kriegsobrister gewesen war, der hiess Herr Friedrich von Rotermund. Dieser brachte aus der Tuerkei oder aus der Tartarei, kurz, aus den Heidenlaendern, wo sie Weiber kaufen, wie bei uns die Pferde, ein wunderschoenes Weib mit, von welcher kein Mensch wusste, ob sie eine Heidin oder Christin war. Sie war aber nicht sein eheliches Weib, sondern seine Kebsin. Mit dieser zeugte er ein Feierabendskind, und das war ein Knabe und hiess auch Friedrich. Es war aber kein Friedrich, sondern ein rechter Kriegerich; denn der Krieg und die Wildheit steckte darin, und er war von keinem Schulmeister noch Zuechtiger zu baendigen, sondern ging durch wie ein kosakisches oder tartarisches Pferd. Er war aber schoen wie Sonnenschein und stark wie Eichbaeume und bei all seiner Wildheit den Menschen ueber die Massen angenehm und gefaellig; so dass jeder den Buben gern hatte. Nach seines Vaters Tode, als er fuenfzehn Jahre alt war und nun einem aelteren Bruder gehorchen sollte, welcher der Sohn der echten Ehefrau des alten Rotermund war, ertrug er die strengere Zucht nicht, sondern entlief und kam nach der Insel Hiddensee, und ging von da zu Schiffe in alle Welt hinaus und ward ein gewaltiger Matros. Als er sich das muntre Seeleben ein halbes Dutzend Jahre versucht hatte, ist er einmal wieder nach Stralsund gekommen und von da zu Hause nach Bergen in Ruegen, wo seine Mutter wohnte. Und seine Mutter und andere Freunde haben ihn dort beredet, er solle auf dem Lande bleiben, welchem Gott feste Balken untergelegt hat, und das unstaete und unsichere Meer verlassen. Und er ist zu einem Foerster in die Lehre gegangen, dass er das froehliche und lustige Weidwerk lernte, und bald ein flinker und huebscher Jaegerbursch geworden, vor welchem die Weiber und Maedchen in den Tueren und Fenstern stillstanden und ausschauten und freundlich nickten und gruessten, wenn er vorueberging; denn er ist wohl einer der schoensten und reisigsten Menschen gewesen, die man weit und breit sehen konnte. Hier hat er nun aber, wie es oft bei den Weidmaennern geschieht, mancherlei verbotene Kuenste gelernt, ist ein Freischuetz geworden, und hat sich den Rabenstein geholt. Dies war dem mutigen Matrosen nur ein Spiel gewesen, welchem im wildesten Sturm nimmer ein Mast zu hoch noch zu glatt gewesen, dass er ihn nicht erklettert und von seiner Spitz dem heulenden Meer froehlich in den offenen Todesrachen geschaut haette. Fritz Rotermund--so nannten ihn die Leute--hat sich nun von seinem Funde des Rabensteins nichts merken lassen, sondern seinen karfunklischen Diebsschluessel gar lustig gebraucht; doch weil er von Natur sehr gutherzig und freundlich war, hat er keine sehr greuliche Taten getan, sondern solche, welche die leichtsinnige Jugend oft nur lustige Streiche nennt. Weil er mit seinem Stein unsichtbar in alle Haeuser und Kammern gehen konnte, so hat er freilich die lustige Gabe genutzt, aber nie keinem ehrlichen oder armen Menschen nur einen Heller genommen; sondern wo er einen boesen, ungerechten Herrn wusste, der auf seinen Schaetzen lag, die er aus dem Schweiss und Blut seiner geplagten Untertanen zusammengepresst hatte, oder einen Filz und Wucherer, der unersaettlich die letzte Habe der Kleinen und Geringen im Volk verschlang, da hat er fleissig eingesprochen und ihre Kisten und Beutel etwas leichter und schlaffer gemacht. Das ist aber besonders an ihm gewesen, dass er von solcher Diebsbeute fast nie etwas fuer sich behalten, sondern es fast alles hingetragen hat, wo er arme und notleidende Alte und hungrige und verlassene Kindlein gewusst hat. Da ist er naechtlich und mitternaechtlich, wo alle Augen der tiefste Schlaf geschlossen hielt, in die Haeuser geschlichen und hat die silbernen oder goldenen Gaben auf Tische, Betten und Wiegen hingeschuettet; dass die Leute, wenn sie erwachten, erstaunten und die Haende zusammenfalteten und beteten. Denn sie konnten nicht meinen, dass eine unsichtbare Diebshand die wohltaetige Verteilerin gewesen sei, sondern mussten glauben, es sei von oben gekommen und ein Englein vom Himmel habe es ihnen ins Haus getragen. Und so ist in den Staedten und Doerfern, welche der Foerster Fritz besuchte, mancherlei Gerede entstanden zugleich von verwegenen Dieben und von wohltaetigen Engeln, wie denn Gottes Reich und Satans Reich und die Gespraeche darueber hier auf Erden immer mitsammen sind. Aber noch viele andre Schalkstreiche hat der lose Fritz veruebt, der leicht wie der Wind allenthalben aus und ein schluepfen konnte; und was wuerden die Tueren und Fenster, wenn sie Mund haetten, von ihm nicht alles zu erzaehlen wissen! Doch das darf ich nicht alles erzaehlen, weil es sich hier nicht schickt; und auch die andern Possenstreiche alle koennte ich nimmer auserzaehlen, die er zu Weihnachten und Fastnacht und bei Hochzeiten, Taenzen und Mummereien als der unvermummte und doch unsichtbare Gast gespielt hat. Eine Not aber hat Fritz bald in dem Rabenstein gefuehlt, die eine schwere Not war und die als eine Teufelsplage der verbotenen Kunst anhaengt. Weil naemlich der Rabenstein aus Galgenvoegeln und Galgenaugen geboren wird, so hat er einen heimlichen und unueberwindlichen Trieb zu Galgen und Rad in sich, eine Witterung, die seinen Traeger und Besitzer treibt, dass er mit dabei sein muss, wenn es an solchen hohen Stellen etwas zu tun gibt. Wenn daher auf der Insel in einem Hochgericht und an einem Galgen einer gekoepft oder gehaengt werden sollte, so trieb's ihn mit Teufelsgewalt und wie auf Windesfluegeln hin; er musste mit dabei sein, und sollte er drei, vier Meilen in zwei Stunden laufen, dass dem Atemlosen die Zunge aus dem Halse hing. Das war aber noch viel schlimmer und grausiger, dass er die Geburtstage und Jahrestage der gerichteten armen Suender mitfeiern musste. An dem Jahrestage der Hinrichtung naemlich versammelten sich die Geister der Gerichteten, damit sie ihren naechtlichen Totentanz um die Hochgerichte halten; und diesen Tanz begehen sie um die grausige Mitternacht, und da muessen alle die mitfeiern und mittanzen, welche den Rabenstein haben. So musste denn auch Fritz manche liebe Nacht, wo er gern anderswo geweilt oder geschlafen haette, im Hagel und Schnee, im Sturm und Donnerwetter hinaus in das wilde Weite und ueber Heiden und Felder, gleich einem Kain, zu Galgen und Hochgericht fortlaufen und den schaurigen Tanz mittanzen, bis ihm oft der Atem schier auszugehen anfing; denn seine Mittaenzer und Mittaenzerinnen huepften begreiflicherweise auf den allerleichtesten Fuessen einher. Und die Leute konnten ihm die Reise zu einem solchen naechtlichen Ball wohl anmerken, und dass ihm irgend was Unrechtes widerfahren war--denn er sah acht, vierzehn Tage nachher noch bleich und krank aus--er aber schuettelte alle fremde Bemerkungen und Fragen leicht von sich ab, machte irgendeinen Scherz oder Wind darueber und sagte: "Ei was! Ihr Siebenschlaefer, die ihr euch jeden Abend zu regelmaessiger Zeit auf eurem weichen Pfuehl hinstreckt, koennt euch wohl rosige Wangen und dicke Baeuchlein anschnarchen; aber mit dem Jaeger ist es gar anders bestellt, der muss viel ein naechtlicher Gesell sein: Fuechse, Marder, Ottern und anderes Wild, das euch die warmen Pelze liefert, faengt und belauert man nicht beim Sonnenschein. Man stoesst da auch wohl zuweilen auf etwas, das nichts taugt, aber das schuettelt ein tapfrer Jaeger auch wieder ab, und die tuechtigen und geheimen Jaegerkuenste zu lernen und die tapfern Jaegergeschichten zu bestehen, dazu gebricht euch das Herz." So hatte Fritz Rotermund es manches liebes Jahr getrieben und hatte wohl frisch und lustig gelebt und fuer Taenze und Gelage und Spiel und schoene Maedchen immer Geld in der Tasche; aber reich war er nicht geworden, denn volle Taschen konnte er nicht leiden. Er war bisher mit seinem gruenen Rock zufrieden gewesen und immer noch ein Jaegersmann geblieben; da begab sich aber von ungeschicht etwas, das den wilden Jaeger zu einem zahmen Edelmann machen sollte, und das war dieses: Im Kriege, zur Zeit des Koenigs Karolus*, waren bei der Stadt Bergen zwei Juden gehaengt, die man als Pferdediebe ertappt hatte. Sie hatten dort schon ein Jahr an dem Galgen gebaumelt, als Fritz Rotermund zur Jahresfeier heraus musste, um zu lernen, wie auf hebraeisch um Galgen und Rad getanzt wird. Und da hat er einen recht geschwinden davidischen Reigen tanzen gelernt, denn die juedischen Geister hatten sich in einem so schnellen asiatischen Schwunge herumgedreht, dass er--was ihm noch nie begegnet war--ermattet in Schlaf hingesunken und erst erwacht war, als das Morgenrot den Ost schon zu hellen begann. Da, als er erschrocken aufsprang, begab es sich, dass der Wind ihm die lumpigen Rockzipfel des einen Galgenkrametvogels, unter dessen duerren Beinen er in Schlaf gefallen war, so heftig gegen die linke Backe wehte, dass das Blut darnach heraussprang. Der Fritz, als er den Backenstreich fuehlte und auf der darnach tastenden Hand Blut erblickte, rief halb schauderig, halb lachend aus: "Ei! ei! Mauschelchen! Du hast auch verdammt scharfe Knoepfe und willst deine Leute wohl an mir raechen, welchen ich in andern Geschaeften zuweilen auch wohl mitternaechtliche Besuche abzustatten pflege?" Und zugleich schaute er nach dem Rocke, und sah auch kein kleinstes Zeichen von einem Knopf, und das verwunderte und schauderte ihn noch mehr. Er ergriff daher den im Winde fliegenden Zipfel, damit er naeher untersuchte, ob irgend in den Falten ein Knopf verborgen stecke. Aber auch da fand sich nichts. Wohl aber fuehlte er etwas Hartes in den Ecken, und sah bald, dass diese mit tausend Faeden hin und her im Unterfutter so durchnaeht waren, als wenn sie bis zum Juengsten Tage halten sollten. Er griff nun frisch zu mit seinen Jaegerfaeusten und riss den ganzen Rockzipfel zu Fetzen auseinander, und was erblickte er? Ein paar funkelnde Edelsteine fielen vor ihm auf die Erde. -------------------------- * In Schweden und in den damals schwedischen deutschen Ostseelanden ist dieser Koenig Karolus (Karl der Zwoelfte) gleich dem Iskander der Morgenlaender und unserm Friedrich Rotbart auf dem Kyffhaeuser wenige Jahrzehnte nach seinem Tode ein mythischer Name geworden. Alles laengstvergangne Ungeheure und Gewaltige reiht sich unter solche Namen; ob ein Jahrhundert oder einige Jahrtausende rueckwaerts oder vorwaerts gerechnet werden muessen, was kuemmert das das Volk, welches fuer das Poetische und Mythische eine wahrhaft goettliche Zeitrechnung hat, das heisst: nach dem gewoehnlichen Masse gemessen gar keine. -------------------------- Er nahm sie auf und betrachtete sie an seinem Rabenstein und an dem hellen Morgenrot, und fand, dass diese gegen jene Steine nur wie blasses Wasser waren gegen das rote Feuer. Und hoch sprang er in die Luft empor und rief: "Nun, dies ist der erste Galgentanz, der etwas anderes als Schauder und Greuel gebracht hat", und so trollte er sich davon. Als er aber nach einer halben Stunde Galgen und Furcht weit hinter sich hatte und die Sonne schon am klaren Himmel stehen sah, da holte er die Steine wieder aus der Tasche und beschaute sie genauer, und wusste bald, was sie wert waren. Denn auf seinen vielen und weiten Seereisen hatte er viele Weltwunder und Meerwunder gesehen, und war auch gewesen, wo die schoenen gruenlockigen Seejungfern so zauberisch singen, dass die Schiffer den Matrosen, damit sie nicht zu ihnen in die Tiefe springen, die Ohren voll Teer giessen und mit Wachs zukleben muessen, und war auch an das Land gekommen, wo die Diamanten und Rubinen am Strande im Sande liegen, wie bei uns die Kieselsteine, hatte aber keine aufsammeln und mitnehmen duerfen wegen der greulichen Drachen und Greifen, die sie bewachen. Er lief nun froehlich zu Hause, holte sein Pferd aus dem Stall, sattelte es, und sagte auf acht Tage Ade, und so trabte er auf die Alte Faehre zu, und von da ging's auf Hamburg oder Berlin, wo er die kostbaren Judendiamanten wieder an Juden verkaufte und mit grossen Saecken voll Dukaten, wohl ueber ein paar Tonnen Goldes, nach wenigen Tagen heimkam. Nun hatte Fritz Geld in Huelle und Fuelle, und mit dem Gelde kamen ihm auch vornehme und ernsthafte Gedanken, ja ganz neue Gedanken, wie er sie noch in seinem Leben nicht gehabt hatte. Er ging hin und ward ein Edelmann, und kaufte seinem Bruder Boldevitz ab, wo sein Vater gewohnt hatte und wo er geboren war, und kaufte auch Unruh und auch mehrere andere schoene Gueter, die da herumliegen. Und der Jaeger Fritz fuhr nun mit Vieren und mit Sechsen und mit langen Straengen, und hatte Diener und Jaeger hinter sich auf dem Bock stehen und Laeufer mit silbernen Staeben vor sich herlaufen, und hiess Herr Fritz von Rotermund, wie sein Vater in seinen Tagen geheissen hatte. Und nun nahm er sich auch ein schoenes adliges Fraeulein zur Frau und zeugte Soehne und Toechter, und lebte und gebaerdete sich wie ein anderer Herr. Er blieb aber so freundlich und gebaeurisch mit den Menschen und war so mild gegen seine Leute und so mitleidig gegen die Armen, dass alle verwundert sagten: Der wilde und leichtfertige Fritz ist ja ein Mensch und dazu noch ein Christenmensch geworden. Und das war nicht bloss eitler Schein, sondern es war ihm herzlicher Ernst. Als Fritz so grosses Gut erworben hatte und ein Edelmann geworden war, da schien auch wirklich ein neuer Geist in ihn gefahren zu sein, ein besserer Geist, der sonst so selten mit dem geschwinden und ploetzlichen Reichtum ins Haus zu kommen pflegt. Er verabscheute von nun an seinen Rabenstein und seine mitternaechtlichen Diebsschliche, liebte auch seine alten Schalkstreiche nicht mehr, sondern wollte sich wirklich von Herzen umwenden und bekehren und wieder ein Mensch Gottes werden, hielt sich daher hinfort zu andern guten Christen und zu Kirche und Abendmahl, und lebte mit Frau und Kindern und mit Freunden und Nachbarn und mit allen Menschen so, dass alle ihn lieb und wert hielten und seiner Jugend und Jugendstreiche gern vergassen. Wie er nun aber wirklich christlich und menschlich zu sein und zu leben strebte, so hatte er doch noch einen plagenden Wurm, um welchen er und sein Gott allein wussten, und dieser schlimme Wurm war sein Rabenstein. Was der arme Mann um diesen ausgestanden und gelitten hat, das ist gar nicht zu beschreiben. Er fuehlte naemlich, sowie er sich wieder zum Christentum und zum Glauben seiner Kindheit zurueckgewendet hatte, dass der Rabenstein nichts Geheures war, sondern eine boese teuflische Gaukelei, und haette ihn sogleich von sich werfen moegen in den tiefsten See oder in die verborgenste Erde vergraben oder in dem gewaltigsten Feuer verbrennen, damit nimmer eine Menschenhand ihn wiederfaende und mit seinem hoellischen Glanze Unheil stiftete. Aber! aber! Wie ist es dir ergangen, armer Fritz Rotermund? Man wird des Rabensteins noch viel schwerer los, als man ihn gewinnt. Sowie Fritz den Rabenstein von sich werfen, wie er ihn der verschlingenden See, dem verzehrenden Feuer ueberliefern wollte, wich der tueckische Stein kaum eine Sekunde von ihm, und flog ihm immer wieder in die Hand zurueck, die ihn mit aller Gewalt von sich geschleudert hatte, oder in die Tasche, woraus er genommen war. Da hat nun Fritz, der jetzt wahrhaftig nicht der muntre und froehliche Fritz heissen konnte, es nach und nach mit allen Elementen versucht, ob etwa eines den Stein lieber annaehme als das andre; aber der fuerchterliche Stein ist der unverlierbare und unzerstoerbare geblieben. Er hat es ausser diesen ungluecklichen Proben am eifrigsten und unablaessigsten mit dem allerbesten Element versucht, mit Andacht und Gebet; und wie viel er da gerungen hat, wie viel und oft er um die stille Mitternacht in seiner Kammer und im einsamen Walde und an heiliger Staette auf den Knien gelegen und seinen Gott und Heiland um Barmherzigkeit gefleht hat, dass er ihn von dem Boesen erloesen wolle, das weiss auch Gott allein. Immer noch hat er die blutigen Gerichtstage mithalten und die mitternaechtlichen Galgentaenze noch mittanzen muessen, und jetzt mit entsetzlichem Grausen und Schaudern, weil der Christ wusste, was es war. So hat er wohl zwanzig Jahre gelebt in seinem neuen Stande, aeusserlich der freundliche, christliche Mensch, der milde und barmherzige Herr, innerlich der Gepeinigte und Gemarterte. Er hat aber nicht abgelassen und ist nicht muede geworden in Demut und Gebet, und hat dies alles mit gebeugtem Herzen getragen als ein armer Suender, den Gott fuer seinen leichtfertigen Uebermut und seine heidnische Frechheit strafen und durch das, was ihm nun eine so grimme Pein geworden, vielleicht erretten wolle. Endlich ist der Tag dieser Errettung und Begnadigung gekommen, aber auf eine grauenvolle Weise. Fritz ward eine Nacht zu einem Galgenfest getrieben nach Putbus, wo an dem Wege, auf dem man nach Kasnevitz faehrt, etwa eine halbe Stunde vom Schlosse, auf einem oeden Heidehuegel, noch heute die Truemmer eines Galgens stehen. Dort fand er bei seiner Ankunft das greuliche Nachtgesindel schon in dem greulichen Tanze rundfliegen, und zugleich mit ihm ritt von der andern Seite her als Mittaenzer ein Mann auf, der noch mit lebendigem Fleisch umkleidet war wie er und maechtig zu Rosse sass und einen blanken Saebel in der Rechten schwang, als forderte er jemand heraus. Und gewiss, er forderte heraus, denn der Fritz fuehlte bei seinem Anblick den heissesten Grimm in sich entbrennen, und musste sein Schwert ziehen und gegen ihn anlaufen, der, als er Fritzen zu Fuss anrennen sah, von seinem Rappen heruntersprang. Fritz erkannte ihn alsbald als den verrufenen alten Erzboesewicht, der am aeussersten Ende der Insel auf Jasmund hauste und von dem die Leute sich viele greuliche und mordliche Geschichten erzaehlten. Sein Name war von Zuhmen. Der alte graue Schelm erschien aber auf diesem Tanzplatz, weil er vor ein paar Monaten einen Rabenstein gefunden hatte. Nun war er der zweite auf der Insel, der einen Rabenstein besass und zu dieser mitternaechtlichen Totenfeier hinaus musste. Denn das ist auch noch eine treibende Wut und ein unseliges Verhaengnis des entsetzlichen Steins, dass, wenn zwei sich begegnen, die den Rabenstein haben, sie auf Leben und Tod einen Kampf miteinander halten muessen. Und so trafen denn die zwei in blinder Wut aufeinander und kaempften den graesslichen Kampf, waehrend das leichte Heer seinen lustigen Reigen um sie tanzte und wirbelte; und wie die Schlaege ihrer Klingen sich verdoppelten, so verdoppelte sich in ihren Herzen auch der Grimm. Sie waren aber beide reisige Maenner und gewaltig an Faeusten und Gliedern und waren im ruestig frischen Alter ergraut. Und der Kampf dauerte solange der Tanz dauerte, und das Gras um den Galgen war von ihrem Blute rot gefaerbt; da, als es von dem Turm eins schallte, stuerzte, von einem letzten gewaltigen Streich getroffen, der alte Jasmunder Boesewicht als Leiche hin, Fritz aber entfloh mit Grausen und mit tiefen und blutenden Wunden, die seinen Weg hinter ihm roeteten. Er hatte sich aber auf des Feindes Rappen geschwungen, denn seine Fuesse haetten ihn nicht nach Hause zu tragen vermocht. Und als der Sommermorgen graute, ritt er matt und blutig ins Tor zu Boldevitz ein und hatte nicht Angst um sein Leben, sondern um seine arme Seele. Und er weckte alsbald seinen treuen Diener und hiess ihn geschwinde ein Pferd satteln und gen Gingst galoppieren, dass er ihm den dortigen Herrn Pfarrer holte. Denn er sprach zu ihm: "Ich war ausgeritten und bin in dem Walde bei Kubbelkow unter Raeuber geraten, und sieh! wie sie mich zerhauen haben und wie die Blutstroeme aus den tiefen Wunden an mir herabrinnen! Es wird in wenigen Stunden aus sein mit dem alten Fritz." Und der Diener flog wie der Wind auf seinem Pferde dahin, denn er liebte seinen guten Herrn ueber alles. Und der erschrockene Pfarrer in Gingst war nicht Saeumiger, denn er nannte Herrn Fritz Rotermund den besten Christen und den fleissigsten Kirchengaenger unter seinen eingepfarrten Edelleuten. Und anderhalb Stunden nach des Dieners Ausflug waren beide in Boldewitz und fanden den alten Herrn auf dem Lager blass und bleich wie den Tod und sein Weib und seine Kinder um ihn, welche ihm seine Wunden verbunden hatten. Er aber, als der Pastor hereingetreten ist, hat allen gewinkt herauszugehen, damit er mit dem geistlichen Herrn betete und sich zur Abfahrt bereitete. Und als sie beide allein geworden, hat er dem Pastor alles erzaehlt und gebeichtet und den Mann so bestuerzt, dass er kaum hat beten koennen. Bald aber hat der fromme Mann sich wieder genommen und hat die Bibel ergriffen und des todwunden Ritters Haende gefasst, und ueber ihm gebetet, dass der gnaedige Himmel sich des reuigen und zagenden Suenders erbarmen wolle. Und der Himmel hat sich gnaedig auf das Gebet herabgelassen, und Fritz hat mit lauter Stimme und sehnsuechtigem Herzen die Worte des geistlichen Herrn nachgesprochen. Und bald hat er sich zum erstenmal in vielen Jahren ganz getroestet gefuehlt und laut ausgerufen: "Gelobt und gepriesen sei Gott und Jesus Christus fuer diese Wunden!" Und der Pastor ist froehlich erstaunt ueber diesen Ausruf und ueber des Ritters erheitertes und erleuchtetes Angesicht, und bald noch viel mehr und viel froehlicher, als der Herr von oben das hoerbare und sichtbare Zeichen der Gnade gegeben. Denn kaum hatte Fritz diesen froehlichen Ruf des erloesten Herzens getan, als der unselige Karfunkelstein ploetzlich aus der Tasche des Edelmanns herausfuhr, wie ein leuchtender Blitz durch die Luft hinzischte, und dann wie eine springende Feuerkugel sich gegen den Ofen schnellte, und kling! Kling! in der Sekunde in Millionen Stuecke zerstob, wie ein Sandhaufen auseinanderweht, so dass man auch die Spur nicht von ihm sah. Und Fritz hat wieder freudig gerufen: "Mein Gott und mein Heiland, wie barmherzig bist du! Und sahet und hoertet Ihr wohl, Herr Pastor, wie der Teufel in nichts zerklungen und in Staub zerflogen ist?" Und er faltete in Inbrunst die Haende und dankte und betete; und der Pastor dankte und betete mit ihm und sprach: "So bist du gnaedig, barmherziger Gott und Erhalter und Behalter aller Dinge, und erloesest und erquickest den reuigen Suender!" Und unter den beiden war grosse Freude, und sie umhalsten sich in Wonne, wie sich die Engel im Himmel umhalsen, und Fritz sprach: "Mein Abschied ist nahe, und darum geht, Herr Pastor, und holet mir Weib und Kinder." Und der Pastor hat sie gebracht, und Fritz hat die Haende auf sie gelegt und sie zum letztenmal gekuesst und gesegnet, und ist dann augenblicklich mit Zuversicht und Freuden heimgegangen. Denn das Blut war aus seinen Adern gelaufen und die Luft an dem irdischen Leben aus seiner Seele. Der Schlangenkoenig. Schlangenkoenig wohnte auf einer fernen Insel in der Ostsee, die gen Daenemark liegt, und hatte dort sein Schloss. Dieses Schloss lag aber wieder in einer kleinen Insel, die in der grossen Insel steckte, wie der Kraemer die kleinen Schachteln in die grossen steckt. Dieses Inselchen lag in einem grossen Landsee. Da hatte Schlangenkoenig sein Schloss unter einem Huegel in der Erde gebaut, und es war sehr schoen darinnen und schimmerte und funkelte von Silber und Gold und Edelsteinen und hatte die allerpraechtigsten Gemaecher. Darinnen sass Schlangenkoenig ein armer verwandelter Prinz und wartete auf seine Erloesung. Er war aber verwandelt wegen seiner Eitelkeit. Denn er war ein wunderschoener Prinz gewesen und hatte viele schoene Prinzessinnen und Koeniginnen und Kaiserinnen mit seiner Schoenheit gelockt, aber keine geliebt sondern alle mit wankelmuethigem Herzen verlassen. Deswegen war er zur Strafe verwandelt worden, damit er auch versuchte, was es heisst keine Liebe finden, und er mag nun wohl als der Schlangenkoenig kriechen muessen bis an den juengsten Tag. Weil er nemlich so viele arme Prinzessinnen betrogen hat, die er sitzen liess und weiter ging, so hat ihn die Strafe getroffen, und das Wort ist zu ihm gesprochen: Sey der Schlangenkoenig und krieche als der Schlangenkoenig und iss Erde und sauge Gift aus Wurzeln und Kraeutern und sey den Menschen ein Abscheu und den Thieren ein Grauen, bis ein unschuldiges junges Blut sich ueber dich erbarmt und mit dir zu Bett geht und dich ohne Grausen kuesst. Das merke dir aber: wirst du dieser wieder ungetreu, dann wirst du auf ewig in das tiefste hoellische Feuer hinabgestossen. Schlangenkoenig hatte bei seiner Verwandlung ganz die Farbe des Kleides behalten, das er trug, weil er noch Prinz war. Er trug nemlich einen gruen und gelb gestreiften seidenen Rock, und jetzt schleicht er als eine schoene gruen und gelb gestreifte Schlange umher mit einer goldenen Krone auf dem Kopf, und pfeift und zischelt wie eine Schlange, aber sprechen kann er nicht. Nur sind gewisse Tage im Jahre, wo er singen darf, und da singt er mit so wunderschoener und suesser Stimme, dass er schon manches arme Kind verlockt hat, mit ihm zu gehen in sein Schloss, aber noch hat er keine einzige gefunden, die ihn hat kuessen wollen. Die aber mit ihm gegangen sind, muessen in seinem Schlosse sitzen, bis er eine findet, die es ueber das Herz bringen kann, ihn in Liebe zu kuessen. Die das thut, das wird die Koenigin und alle die andern, die er hineingelockt hat, werden ihre Dienerinnen. Und auf diese Weise allein koennen sie aus dem Schlosse erloeset werden. Nicht weit von dem See, wo Schlangenkoenigs Schloss auf der Insel war, lag ein Dorf, das hiess Thorstorp. Die Wiesen und Weiden dieses Dorfes liefen bis an den See hinab, und da trieben die Kinder des Dorfs ihre Kuehe hin und hueteten sie daselbst. Unter diesen Hirtenkindern waren zwei, die hatten einander sehr lieb und trieben ihre Heerden fast immer zusammen. Es war eine kleine Dirne, die hiess Margarethe, und ein Knabe, der hiess Jakob. Margarethe war vierzehen Jahre alt und Jakob sechszehn. Sie waren beide beinahe erwachsen aber unschuldig wie die kleinen Kinder und wussten nicht, warum sie einander so lieb hatten. Aber dass sie sich ueber alles liebten, das ist wahr. Diese und die andern Knaben und Maedchen, welche dort das Vieh hueteten, hatten Schlangenkoenig oft laufen sehen und mogten ihn gern leiden, denn er war sehr bunt und schoen und seine Krone funkelte auf das allerschoenste. Der Schelm kam oft durch den See geschwommen und ringelte sich im Grase herum und wand seinen schoenen schlanken Leib um die Baeume und Buesche, dass die Kinder seinen Spielen zusahen und ihre Freude daran hatten. Aber ganz nah kamen sie ihm nicht, denn sie hatten doch ein Grauen vor ihm, weil er Schlangengestalt trug, obgleich sie wussten, dass er nicht biss und keinem was zu Leide that. Die Kinder hatten noch nie einen Gesang von ihm gehoert, obgleich die Rede ging, der Schlangenkoenig koenne singen und habe schon manche schoene Dirne verlockt, die nun in seinem Schlosse sitzen und weinen muesse, sondern vor ihnen hatte er immer nur gezischelt, wie andere Schlangen thun. Er durfte ja auch nicht alle Tage singen und ausserdem war er viel zu klug, als dass er sichs in Gesellschaft haette merken lassen, dass er singen konnte; denn da konnte es ihm ja zu nichts helfen. Nein, wann seine Singetage waren und wenn er dann ein huebsches Kind allein belauschen konnte, dann liess er seine Stimme ertoenen und brachte es gewoehnlich mit weg. Eines Tages sass Jakob mit seiner Margarethe hinter einem gruenen Busche und die beiden Kinder erzaehlten sich Geschichten und ihre Kuehe graseten vor ihnen, die andern Hirten aber hatten weiter abwaerts getrieben. Da kam Botschaft, dass Jakob geschwinde zu Hause musste. Er kuesste seine liebe Margarethe und sagte: Margarethe, gieb derweile auch auf meine Kuehe Acht, bis ich wiederkomme, und kommt der Schlangenkoenig etwa, so bleibe bei Leibe nicht allein, sondern treibe nur geschwinde zu den andern Hirten hin. Er koennte dich wegsingen, denn der Schelm soll es in der Stimme haben. Sie versprach es, aber rief dem weglaufenden Burschen lachend nach: O das ist nur eine Fabel mit dem Singen des Schlangenkoenigs, er kann ja nicht einmal sprechen: der soll mich nicht wegsingen. Jakob war kaum hundert Schritt fort, so kam der Schlangenkoenig ueber den See geschwommen und ringelte sich dann in den allerlustigsten Kreisen ueber die Wiesen hin und machte so viele niedliche Schlingungen und Windungen und richtete sein Koepfchen mit der goldenen Krone so lieblich laechelnd und so hell guckend auf, dass die kleine Margarethe recht ihre Freude daran hatte und ihr Versprechen, das sie Jakob gethan, auch ganz und gar vergass. Und Schlangenkoenig ringelte sich immer naeher heran und kroch auf einen gruenen Baum, der vor Margarethen stand, und schaukelte sich einige Minuten in seinen Zweigen herum, dann sang er mit der allersuessesten und beweglichsten Stimme, als haetten hunderttausend Fruehlingsnachtigallen zugleich geschlagen, und Margarethe konnte nun nicht mehr von der Stelle und musste ihm zuhoeren: sie sass, als wenn sie festgezaubert war, wiewohl sie an ihres Jakobs Worte dachte. Er sang ihr aber diesen Gesang, den sie des Schlangenkoenigs Brautlied nennen, und womit er schon manche zarte Jungfrau in sein Schloss gelockt hat: Komm, schoenes Jungfraeuelein, Schlafe bei mir! Ich hab' ein Goldringelein, Das schenk' ich dir, Ich hab' ein Goldkaemmerlein, Das ist fuer dich, Ich hab' ein Goldwiegelein, Drin wieg' ich dich. Komm, schoenes Jungfraeuelein, Schlafe bei mir! Suessen und kuehlen Wein Trinkst du bei mir, Zucker heisst hier das Brod, Fleisch, Marcipan, Aepfelchen rosenroth Beisset dein Zahn. Komm, schoenes Jungfraeuelein, Schlafe bei mir! Dienerinnen huebsch und fein Warten der Thuer, Kammerfrau'n ohne Zahl Stehen am Bett, Das in dem goldnen Saal Hochzeitlich steht. Komm, schoenes Jungfraeuelein, Schlafe bei mir! Zieh in mein Schloss mit ein, Treu bin ich dir. Heissa! wie fliegt zum Tanz Lustig der Strich! Du traegst den Hochzeitkranz, Braeut'gam bin ich. Schlangenkoenig hatte ausgesungen, blinzelte freundlich auf das Maegdlein herab, kam dann herunter, schlug im Grase einige Ringelein um das Kind und sang gar leise und leidig: Komm mit! Komm mit! Und Margarethe kam mit. Aber kaum war sie zehen Schritt mit Schlangenkoenig gegangen, so bedachte sie sich und wollte zurueckfliehen. Aber es war zu spaet, sie war nun in Schlangenkoenigs Gewalt: er umzingelte sie und trug sie ueber die Wiese hin mit weg, und umsonst schrie sie: Jakob! Jakob! hilf! hilf! und rief den andern Hirten zu, aber weder Jakob noch die Hirten waren da, und Schlangenkoenig kehrte sich an ihr Geschrei nicht und rollte geschwinder als der Blitz mit ihr davon und schwamm durch den See. Als Schlangenkoenig sie ueber das Wasser nach der Insel hinuebergetragen hatte, war er ploetzlich verschwunden, die kleine Margarethe aber war vor Angst ohnmaechtig geworden und wusste gar nicht, wie sie ueber den See gekommen war. Das war aber das Sonderbarste, dass auch kein Troepflein Wasser sich an ihre Locken und Kleider gehaengt hatte noch durchgedrungen war: sie war ganz trocken auf die kleine Insel gekommen. Und als sie sich wieder besinnen konnte, da befand sie sich in einem wunderschoenen Garten voll der allerlustigsten Baeume und buntesten Blumen; und es war alles, wie das Lied gesungen hatte, an allen Zweigen hing Zucker und Marcipan und rosenrothe Aepfel und durch den Garten floss ein tiefer Bach von Milch und Quellen suessen Weines sprudelten aus dem Huegel. Das Schloss aber unter dem Huegel war noch viel schoener, als Schlangenkoenigs Brautgesang es beschrieben hatte, und waren so praechtige Saele und funkelnde Kammern und Gemaecher darin, dass kein Mensch die Herrlichkeit schildern koennte; und wenn man ihm auch eine Ewigkeit Zeit gaebe, die schoensten Worte zu suchen, womit er es beschreiben und ausmalen wollte, er kriegte es doch nicht fertig. Und als Margarethe vor dem Schlosse erschien, siehe da waren flugs wohl hundert Dienerinnen zur Stelle, welche Kerzen und Lampen trugen. Diese fuehrten sie in einen hohen Marmorsaal, der mit Gold und Silber und Edelsteinen verziert war, und zogen ihr goldene und silberne Kleider an und setzten ihr eine goldene Krone auf den Kopf und nannten sie Koenigin und Herrin und sprangen dienend um sie herum und brachten ihr alles, was sie nur verlangte. Diese Dienerinnen waren alle jung und trugen schneeweisse Kleider und gruene Kraenzlein im Haar und sahen die meisten mehr traurig als froehlich aus. Und als es dunkelte und gegen die Nacht ging, kamen wieder andere Jungfrauen und fuehrten Margarethen in ein Kaemmerlein, das blitzte und funkelte wie eitel Gold, und dann stand ein goldenes Bett, auf welchem rosenrothe und himmelblaue seidene Kissen und Decken lagen. Und sie naheten sich ihr sehr ehrerbietig und zogen ihr die Kleider aus und die Schuhe von den Fuessen und nahmen ihr die Krone vom Kopfe und legten sie dann weich ins Bett. Als sie das gethan, loeschten sie die Lampen aus bis auf eine, und verneigten sich stumm und schweigend und gingen weg. Und es waehrte nicht lange, so fluesterte es und knisperte und wisperte an der Thuere, und die Thuere that sich auf, und der Schlangenkoenig kam herein und kroch an Margarethens Bett und lispelte und zischelte ihr leise zu: Willkommen, meine auserkorene Koenigin! willkommen, meine suesse Braut! Nun komme ich als dein Braeutigam zu dir, mein suesses Margrethchen! wie ich dir unter dem gruenen Baume vorgesungen habe; nun wird alles wahr werden! O komm und nimm mich in deine Arme! und druecke mich an dein warmes Herz! und kuesse mich und habe mich recht lieb! Dann bin ich erloest und du bist eine reiche und grosse Koenigin. Denn ach! das ist mein trauriges Schicksal, solange muss ich als Schlangenkoenig auf der Erde herumkriechen, bis ein unschuldiges Kind mich in Liebe umhalset und wieder in den schoensten Prinzen verwandelt, der ich gewesen bin. Und er zischelte gar lose und leise und sah sie mit funkelnden Augen an und hob seinen Kopf zu ihr hinauf, als wolle er zu ihr ins Bett steigen--Margaretha aber schrie gewaltig und rief: Fort du buntes Scheusal! Nein nimmer--nimmer--nimmermehr! und wenn du so schoen waerest, als du haesslich bist. Ich will deine Koenigin nicht werden, ich will in meinem Leben keinen andern Braeutigam haben, als meinen lieben Jakob.--Und Schlangenkoenig musste sich duken und fliehen, Und als es Tag geworden war, kamen dieselben weissen Jungfrauen, die Margarethen ausgekleidet hatten, und zogen ihr die praechtigen Koenigskleider wieder an und setzten ihr die gueldene Krone wieder auf das Haupt und die andern im Saale und vor der Thuere verneigten sich nun vor ihr und bedienten sie. Und sie ging im Schlosse und im Garten umher und besah sich allen den Glanz und die Pracht. Aber weiter als den Garten konnte sie nicht kommen; denn es lief eine himmelhohe krystallene Mauer rings um ihn herum und seine Thore waren dicht verschlossen. Sie sah aber den ganzen Tag nicht das Geringste von Schlangenkoenig, und das war ihr sehr lieb. Aber an ihren Jakob hat sie viel denken und oft bitterlich weinen muessen und sie hat gerufen mitten in der schimmernden Herrlichkeit: O mein lieber Jakob! saesse ich nur mit dir jetzt in einem schlechten Kleide unter einem gruenen Baum, wie viel gluecklicher waere ich! Pfui der abscheuliche Schlangenkoenig! wie hat er mich verlockt und verfuehrt durch seinen Gesang! Und als es Nacht ward, fuehrte man sie eben so wie gestern in ihre Goldkammer und brachte sie ins Bett und loeschte die Lampen. Und auch der Schlangenkoenig kam eben so wieder wie gestern und schlich an ihr Bett und flehete, dass sie ihn ins Bett nehmen und lieb haben und Koenigin werden sollte. Sie aber ward noch viel boeser als gestern und jagte ihn mit schlimmen Worten fort. Und Schlangenkoenig musste traurig wieder aus der Kammer kriechen und die Nacht wieder auf der kalten feuchten Erde schlafen. So ging es noch drei Tage und Schlangenkoenig versuchte noch dreimal, ob das Kind ihn lieb gewinnen und bei ihm schlafen wolle. Sie aber rief immer: Fort fort, du blanker gleissender Gaukler! Jakob wird mein Mann und kein anderer in Ewigkeit! Mit dem fuenften Male waren auch die Proben vorbei, welche Margrethchen auszustehen hatte, und der traurige Schlangenkoenig rief nun den Frauen und Dienerinnen zu, dass sie sie des Schmuckes entkleiden und aus der goldnen Kammer fuehren moegten, und sagte zu Margarethen. Nun bist du nicht mehr Koenigsbraut und kannst es nimmermehr werden, wenn du auch wolltest. So ist die Ordnung des Schicksals hier. Du bist hinfort eine schlechte Dienerin, gehe darum zu den andern Dienerinnen und warte der hohen Frau, die da kommen und mich erloesen soll. Er meinte aber diejenige, welche sich ueber ihn erbarmen und ihn von Herzen kuessen und liebhaben und Koenigin und Herrin aller dieser Dienerinnen werden wuerde, welche seine Liebe verschmaeht hatten. Und Margarethe hatte jetzt ein weisses Kleid an und trug ein gruenes Kraenzlein und musste mit den andern jungen Dirnen vor der Thuere des Schlosses und in dem grossen Saale stehen und warten. Es waren lauter junge Kinder die Dienerinnen und Kammerfrauen, keine unter dreizehn Jahren und keine ueber siebzehn, wohl mehr als hundert und fuenfzig an der Zahl, alle huebsch und fein. Mit einer jeden hatte Schlangenkoenig es eben so versucht, wie mit Margrethchen, aber keine einzige von so vielen hatte sein Flehen erhoeren und ihn lieb haben wollen. Diese niedlichen Kinder waren nun freilich recht fein gekleidet und hatten der Speise und des Trankes und was sie zum Leben bedurften vollauf, auch wurden sie mit keiner Muehe und Arbeit geplagt und konnten den Tag singen und tanzen und oft auch in dem schoenen Garten spazieren gehen und sich Blumen pfluecken und die Voegelein in den Zweigen auf das allerlustigste singen hoeren; aber die Zeit ward ihnen doch herzlich lang in aller dieser Pracht und die meisten waren voll Traurigkeit und Sehnsucht. Die eine sehnte sich nach Vater und Mutter, die andere nach Bruder und Schwester, die dritte nach einem Herzallerliebsten; Margarethe sehnte sich nach nichts als nach ihrem lieben Jakob, von welchem sie sich so jaemmerlich hatte weglocken lassen. Jakob war bald gekommen, nachdem Margarethe von Schlangenkoenig entfuehrt worden war, und suchte seine Margarethe im Walde und auf der Weide bei den andern Hirten. Er fand sie nirgends, aber die Hirten sagten ihm, Schlangenkoenig werde sie wohl weggefangen haben. Jakob hoerte auch bald von einem Manne, der da unten am See pfluegte, er habe in der Ferne ein Gewimmer gehoert und das moege die entfuehrte Margarethe wohl gewesen seyn. Der kleine Jakob war sehr traurig und musste jeden Tag ja jede Stunde an sein Margrethchen denken und immer nach der Insel hinueber schauen, zu welcher sich kein Mensch wagte; denn es ging die Sage, derjenige muesse gleich des blassen Todes seyn, der sich ohne ein sicheres Pfand in dieses Gebiet des Schlangenkoenigs wage. Da schaute Jakob traurig und sehnlich hinueber und seufzte: Ach Margrethchen! Margrethchen! warum hast du dir die Ohren nicht zugestopft, als der luegnerische und gleissnerische Schelm sang? und rief auch wohl zuweilen fuer sich: Halt dich wacker, Margrethchen! werde keine Koenigin, Margrethchen! Das hatte er aber gewiss nicht noethig; denn Margarethe war ihm treu wie Gold. Das war ihm aber das Allertraurigste bei dieser Geschichte wenn er Schlangenkoenig ueber die Wiesen hinschluepfen sah in seinem bunten Rock, dass er ihm nichts thun durfte. So waren Jakob zwei Jahre verflossen in Gram und Traurigkeit ueber seine liebe verlorne Margarethe, da hoerte er von einem alten Schaefer einen Rath, wie man verzauberter Prinzen und Prinzessinnen und selbst der Hexen und Hexenmeister Herr werden koennte, und wenn sie noch so schlimm waeren. Und Jakob ging flugs in den Wald und hieb sich einen grossen knotigen Dornstock aus einem Dornstrauch, welcher der Kreuzdorn heisst, und darauf schnitt er noch ein Kreuz aus. Als nun der Schlangenkoenig das naechste Mal wieder ueber die Wiese hinschlaengelte, fasste Jakob sich ein Herz und fuhr auf ihn zu, so dass der Schlangenkoenig sich verwunderte, was der Bauerbursche wolle; denn er war es nicht gewohnt, dass die Leute auf ihn losgingen, sondern, dass die meisten vor ihm flohen. Und Schlangenkoenig dachte bei sich: Den Bauerjungen will ich schon jagen, dass ihm die Haare auf dem Kopfe sausen sollen; und er richtete sich auf und spruehete Funken aus den glaenzenden Augen und streckte die zischende Zunge aus und machte seine Krone auf dem Kopfe feuerroth vor Zorn und zuckte mit dem Ruecken, als wolle er auf Jakob springen. Aber Jakob ging ihm fest entgegen und rief: Komm nur her, Herr Heidenkoenig! komm nur her! Ich bin nicht bange vor dir, du sollst schon Gemach lernen. Und als Schlangenkoenig gegen ihn sprang, beruehrte er ihn nur leise mit seinem Dornstock, und o Wunder! Schlangenkoenig kruemmte sich und wand sich um den Dornstock, wie die Rebe sich um ihren Stab windet. Und Jakob freuete sich und rief voller Freude: Halt fest, mein Prinzchen! ich muss mein Kunststueck versuchen. Und er nahm den Stock und schwang ihn dreimal um den Kopf, dass er durch die Luefte sausete, und Schlangenkoenig hielt fest, als wenn er daran gewachsen waere. Der Stock ist gut und der Schaefer ist nicht dumm, sprach Jakob, und fragte Schlangenkoenig: Schlangenkoenig willst du mir Margrethchen wiedergeben, so mache ich dich strax los und du magst hingehen, wohin du willst. Schlangenkoenig aber schuettelte den Kopf. Und Jakob sprach wieder: So fahrwohl fuer heute, mein Prinz! friere die Nacht hier und bedenke dich bis morgen. Und er nahm den Dornstock und stiess ihn fest in die Erde, und Schlangenkoenig hing darum, und es sah gar lustig aus. Den andern Morgen kam Jakob wieder und sprach zu Schlangenkoenig: Schlangenkoenig willst du mir Margrethchen wiedergeben? Schlangenkoenig aber schuettelte mit dem Kopf noch staerker als gestern. Da ward Jakob sehr boese und ging hin und schnitt sich einen frischen Haselstock und sprach: Ich muss wohl einmal dein buntes Jaeckchen fragen, was das zu dem Scherze sagt; vielleicht giebt mir das eine gescheidtere Antwort. Und er schlug Schlangenkoenig auf seinen bunten Rock, dass er sich kruemmte wie ein Ohrwurm und die Zunge laut zischelnd ausstreckte, aber er nickte nicht mit dem Kopfe: Jakob ich will dir Margrethchen wiedergeben. Als Jakob meinte, dass er ihn diesmal genug geschlagen habe, ging er weg und sprach: Fuer heut ist's genug, bedenke dich bis morgen. Den dritten Morgen kam Jakob wieder und sprach zu Schlangenkoenig: Schlangenkoenig gestern und vorgestern fragte ich dich: Schlangenkoenig, willst du mir Margrethen wiedergeben? Heute kommst du so wohlfeilen Kaufs nicht ab; heut heisst es: Schlangenkoenig willst du mir Margrethen wiedergeben und alle die armen Jungfrauen, die in deinem Schlosse und Garten eingesperrt sind? Und Schlangenkoenig schuettelte zweimal mit dem Kopfe. Da nahm Jakob seinen Haselstock, und schlug ihn unbarmherzig, so viel als er schlagen konnte, so dass der Schlangenkoenig ihn fast jammerte; aber doch nickte und kopfschuettelte Schlangenkoenig ihm kein Ja zu. Da sagte Jakob: Heut ist das letzte Mal, dass ich Geduld habe. Du magst hier an dem Dornstock verfaulen, denn du kommst in Ewigkeit nicht los, wenn ich dich nicht loese. Also noch einmal und das letzte Mal, bedenke dich bis morgen. Und als Jakob den vierten Morgen wiederkam, fragte er Schlangenkoenig wieder: Schlangenkoenig willst du mir Margrethchen wiedergeben und die andern Jungfrauen, dass sie frei aus deinem Gebiete weggehen und eine jede so viel mittragen duerfen, als sie mit den Haenden tragen koennen? Und Schlangenkoenig war muerb geworden, denn es hatte diese Nacht sehr gefroren, und ihn hungerte und durstete gewaltig, auch sah er, dass Jakob einen frischen Haselstock in der Hand fuehrte doppelt so dick als der vorige. Und Schlangenkoenig liess es diesmal auf den Stock nicht ankommen und nickte dreimal mit dem Kopfe Ja. Und Jakob sagte zu ihm: Schlangenkoenig schwoere mir's bei deiner Seligkeit und bei der Hoffnung, die du hegst, dieser haesslichen bunten Haut einmal ledig zu werden--und Schlangenkoenig nickte ihm den Schwur auch dreimal zu. Als dies geschehen war, nahm Jakob sein Messer und schnitt das Kreuz glattweg von dem Kreuzstock, worum Schlangenkoenig geschlungen hing, und in demselben Augenblick glitt Schlangenkoenig herunter und ringelte sich im Grase und machte sich die erfrornen und zerschlagenen Glieder erst wieder ein wenig geschmeidig. Darauf kroch er vor Jakobs Fuesse und richtete sich auf und senkte sich dann wieder vor ihm, wie ein kluges und gehorsames Pferd sich erst vor dem Reiter zu richten und wieder zu senken pflegt, dass er aufsteige. Und Jakob verstand den Wink, denn er wusste wohl, dass zu der Insel weder Bruecke fuehrte noch Nachen ging; und er zeichnete sich mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und betete ein Gebet und rief: Nun in Gottes Namen! und so schwang er sich auf sein buntes Pferd. Und sausend fuhr Schlangenkoenig mit ihm ueber die Wiese dahin und in einem Hui hatte er ihn ueber das Wasser getragen. Schlangenkoenig sprang nun gegen das eiserne Gartenthor, welches kein anderer oeffnen konnte als er, und das Thor that sich sogleich auf, und sie gingen beide hinein. Da fand Jakob seine Margarethe wieder, und wie sich die beide gefreut haben, wer will das beschreiben? Aber unendlich ward der Jubel im Schlosse und Garten und klang und brausete aus allen Stimmen zum Himmel, als Jakob verkuendigte, alle eingefangene Jungfrauen sollen nun wieder frei seyn und mit ihm und Margrethen aus dem verzauberten Schlosse und Garten ziehen. Und er hiess die huebschen Kinder sich tummeln und einpacken, was jedes mitnehmen wolle, denn in zwei Stunden solle die Reise von der Insel vor sich gehen. Und sie liefen die eine hiehin die andere dahin und waren sehr geschaeftig, aber Schlangenkoenig war sehr traurig und sah es mit weinenden Augen an. Und als Jakob ihn so traurig sah, jammerte ihn seines Schicksals und dass er in dem scheusslichen Schlangenrock gehen musste wegen seiner frueheren Suenden und Schulden, bis ein unschuldiges junges Blut sich ueber ihn erbarmte und ihn lieb haette. Und er troestete ihn und sprach: Schlangenkoenig sey du nur nicht so traurig, dass diese alle von dir gehen und wieder zu den Ihrigen reisen wollen; denn von diesen allen kann dich ja doch keine einzige mehr erloesen. Und dass sie dir das Schloss ein bischen leer machen, das schadet dir ja auch nichts: du behaeltst immer noch Schaetze und Herrlichkeiten genug. Du jammerst mich und ich will dir darum noch einen guten Rath geben, und den verschmaehe nicht. Lass dein trotziges und herrisches Wesen fahren und sey nicht so klug und listig. Denn mit Klugheit und List richtest du es nicht aus, das hast du wohl lange merken koennen, und obgleich du der Schlangenkoenig heisseste bist du gewiss nicht verwandelt worden, dass du ein Herr seyn sollst, sondern ein Diener sollst du seyn und dienen sollst du lernen in Reue und Busse ueber deine begangenen Suenden, damit derjenige sich ueber dich erbarme, welcher der Herr aller Koenige ist. So ist es gemeint mit dem bunten Schlangenrock, den du tragen musst: du sollst demuethig und gehorsam werden, so magst du noch wohl Liebe und Erloesung finden. Aber ein trotziges und listiges Herz, das keine Demuth hat, kann auch keine Liebe in der Brust haben; und wie kannst du glauben, dass ein junges unschuldiges Herz den Schlangenkoenig umarmen soll, wenn es ihm nicht anmerkt, dass Liebessehnsucht und Froemmigkeit in ihm wohnt? So sprach Jakob ganz beweglich zum Schlangenkoenig, und als die Jungfrauen und Margarethe fertig waren, da rief er: Thu uns auf, Schlangenkoenig! Und Schlangenkoenig stiess mit dem Kopf gegen das Eisenthor des Gartens und es sprang weit auf; und sie gingen alle heraus und Schlangenkoenig ging mit ihnen. Als sie nun an das Wasser kamen, war da weder Bruecke noch Nachen, und Jakob sprach. Hurtig, Schlangenkoenig! mach Anstalt! mach uns die Bruecke fertig! Schlangenkoenig aber konnte es nicht lassen, er brauchte wieder eine List und spannte ein duennes glaenzendes Spinnwebchen wie einen Bogen ueber das Wasser von einem Ufer zum andern und sprach laechelnd: Ich kann euch nicht helfen, dies ist die einzige Bruecke, auf welcher man von dieser Insel ueber den See kommen kann. Er hoffte aber in seinem Herzen, es werde niemand darauf treten, aus Furcht zu ersaufen, und so werde er durch diese Feinheit alle die Jungfrauen gluecklich da behalten als Dienerinnen und den Jakob obenein als Diener. Aber Jakob hatte von solchen Kniffen der Geister schon oft gehoert, nahm sein Margrethchen an die Hand und rief: In Gottes Namen! alle mir nach! Und so sprang er auf die duenne Spinnwebbruecke und Margrethchen mit ihm, und in demselben Augenblicke legte sich die Spinnwebenbruecke als die schoenste und breiteste Marmorbruecke ueber das Wasser, und er und Margrethchen und die andern Jungfrauen gelangten gluecklich hinueber. Und als sie alle am Lande waren, war die Bruecke in der Sekunde wie versunken und man sah keine Spur mehr von ihr, auch nicht einmal das Spinnwebenfaedchen. Und sie waren alle froh aber erstaunt und sahen und hoerten nichts als ein leises Wimmern hinter sich; das war wohl der Schlangenkoenig, der ueber seine schoenen Jungfrauen weinte. Jakob lief nun ueber die Wiese hin mit seinem Margrethchen und mit der schneeweissen Jungfrauenschaar, die er erloest hatte, und sie zogen jubelnd und jauchzend in Thorstorp ein. Und alle Leute sind entsetzt gewesen ueber diesen Geschichten und haben l