The Project Gutenberg EBook of Wissenshaft der Logik V2 by Georg Wilhelm Friedrich Hegel (#4 in our series by Georg Wilhelm Friedrich Hegel) Copyright laws are changing all over the world. Be sure to check the copyright laws for your country before downloading or redistributing this or any other Project Gutenberg eBook. This header should be the first thing seen when viewing this Project Gutenberg file. Please do not remove it. Do not change or edit the header without written permission. Please read the "legal small print," and other information about the eBook and Project Gutenberg at the bottom of this file. Included is important information about your specific rights and restrictions in how the file may be used. You can also find out about how to make a donation to Project Gutenberg, and how to get involved. **Welcome To The World of Free Plain Vanilla Electronic Texts** **eBooks Readable By Both Humans and By Computers, Since 1971** *****These eBooks Were Prepared By Thousands of Volunteers!***** Title: Wissenshaft der Logik V2 Author: Georg Wilhelm Friedrich Hegel Release Date: November, 2004 [EBook #6834] [Yes, we are more than one year ahead of schedule] [This file was first posted on January 28, 2003] Edition: 10 Language: German Character set encoding: ASCII *** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, WISSENSHAFT DER LOGIK V2 *** Thanks are given to Delphine Lettau for finding a huge collection of ancient German books in London. This Etext is in German. We are releasing two versions of this Etext, one in 7-bit format, known as Plain Vanilla ASCII, which can be sent via plain email-- and one in 8-bit format, which includes higher order characters-- which requires a binary transfer, or sent as email attachment and may require more specialized programs to display the accents. This is the 7-bit version. This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE. That project is reachable at the web site http://gutenberg2000.de. Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE" zur Verfuegung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse http://gutenberg2000.de erreichbar. Wissenschaft der Logik. Georg Wilhelm Friedrich Hegel Mit einem Vorwort von Leopold v. Henning, Berlin 1841. Zweiter Teil. Die subjektive Logik oder Lehre vom Begriff. Inhalt Vorrede zur ersten Ausgabe. Vorrede zur zweiten Auflage. Die subjektive Logik, oder: Die Lehre vom Begriff. Vom Begriff im Allgemeinen. Eintheilung. Erster Abschnitt. Die Subjektivitaet. Erstes Kapitel. Der Begriff. A. Der allgemeine Begriff. B. Der besondere Begriff. C. Das Einzelne. Zweites Kapitel. Das Urtheil. A. Das Urtheil des Daseyns. a. Das positive Urtheil. b. Negatives Urtheil. c. Unendliches Urtheil. B. Das Urtheil der Reflexion. a. Das singulare Urtheil. b. Das partikulare Urtheil. c. Das universelle Urtheil. C. Das Urtheil der Nowthwendigkeit. a. Das kategorische Urtheil. b. Das hypothetische Urtheil. c. Das disjunktive Urtheil. D. Das Urtheil des Begriffs. a. Das assertorische Urtheil. b. Das problematische Urtheil. c. Das apodiktische Urtheil. Drittes Kapitel. Der Schluss. A. Der Schluss des Daseyns. a. Erste Figur des Schlusses. b. Die zweite Figur: B-E-A. c. Die dritte Figur: E-A-B. d. Die vierte Figur: A-A-A, oder der mathematische Schluss. Anmerkung. B. Der Schluss der Reflexion. a. Schluss der Allheit. b. Schluss der Induktion. c. Der Schluss der Analogie. C. Der Schluss der Nothwendigkeit. a. Der kategorische Schluss. b. Der hypothetische Schluss. c. Der disjunktive Schluss. Zweiter Abschnitt. Die Objektivitaet. Erstes Kapitel. Der Mechanismus. A. Das mechanische Objekt. B. Der mechanische Process. a. Der formale mechanische Process. b. Der reale mechanische Process. c. Das Produkt des mechanischen Processes. C. Der absolute Mechanismus. a. Das Centrum. b. Das Gesetz. c. Uebergang des Mechanismus. Zweites Kapitel. Der Chemismus. A. Das chemische Objekt. B. Der Process. C. Uebergang des Chemismus. Drittes Kapitel. Teleologie. A. Der subjektive Zweck. B. Das Mittel. C. Der ausgefuehrte Zweck. Dritter Abschnitt. Die Idee. Erstes Kapitel. Das Leben. A. Das lebendige Individuum. B. Der Lebens-Process. C. Die Gattung. Zweites Kapitel. Die Idee des Erkennens. A. Die Idee des Wahren. a. Das analytische Erkennen. b. Das synthetische Erkennen. 1. Die Definition. 2. Die Eintheilung 3. Der Lehrsatz. B. Die Idee des Guten. Drittes Kapitel. Die absolute Idee. Vorrede zur ersten Ausgabe. Die voellige Umaenderung, welche die philosophische Denkweise seit etwa fuenf und zwanzig Jahren unter uns erlitten, der hoehere Standpunkt, den das Selbstbewusstseyn des Geistes in dieser Zeitperiode ueber sich erreicht hat, hat bisher noch wenig Einfluss auf die Gestalt der Logik gehabt. Dasjenige, was vor diesem Zeitraum Metaphysik hiess, ist, so zu sagen, mit Stumpf und Stiel ausgerottet worden, und aus der Reihe der Wissenschaften verschwunden. Wo lassen oder wo duerfen sich Laute der vormaligen Ontologie, der rationellen Psychologie, der Kosmologie oder selbst gar der vormaligen natuerlichen Theologie noch vernehmen lassen? Untersuchungen, zum Beispiel ueber die Immaterialitaet der Seele, ueber die mechanische und die Endursachen, wo sollten sie noch ein Interesse finden? Auch die sonstige Beweise vom Daseyn Gottes werden nur historisch, oder zum Behufe der Erbauung und Gemuethserhebung angefuehrt. Es ist diess ein Faktum, dass das Interesse Theils am Inhalte, Theils an der Form der vormaligen Metaphysik, Theils an beiden zugleich verloren ist. So merkwuerdig es ist, wenn einem Volke, z.B. die Wissenschaft seines Staatsrechts, wenn ihm seine Gesinnungen, seine sittlichen Gewohnheiten und Tugenden unbrauchbar geworden sind, so merkwuerdig ist es wenigstens, wenn ein Volk seine Metaphysik verliert, wenn der mit seinem reinen Wesen sich beschaeftigende Geist kein wirkliches Daseyn mehr in demselben hat. Die exoterische Lehre der kantischen Philosophie,--dass der Verstand die Erfahrung nicht ueberfliegen duerfe, sonst werde das Erkenntnisvermoegen theoretische Vernunft, welche fuer sich nichts als Hirngespinnste gebaehre, hat es von der wissenschaftlichen Seite gerechtfertigt, dem spekulativen Denken zu entsagen. Dieser popularen Lehre kam das Geschrei der modernen Paedagogik, die Noth der Zeiten, die den Blick auf das unmittelbare Beduerfniss richtet, entgegen, dass, wie fuer die Erkenntniss die Erfahrung das Erste, so fuer die Geschicklichkeit im oeffentlichen und Privatleben, theoretische Einsicht sogar schaedlich, und Uebung und praktische Bildung ueberhaupt das Wesentliche, allein Foerderliche sey.--Indem so die Wissenschaft und der gemeine Menschenverstand sich in die Haende arbeiteten, den Untergang der Metaphysik zu bewirken, so schien das sonderbare Schauspiel herbeigefuehrt zu werden, ein gebildetes Volk ohne Metaphysik zu sehen;--wie einen sonst mannigfaltig ausgeschmueckten Tempel ohne Allerheiligstes.--Die Theologie, welche in fruehern Zeiten die Bewahrerin der spekulativen Mysterien und der obzwar abhaengigen Metaphysik war, hatte diese Wissenschaft gegen Gefuehle, gegen das Praktisch-populare und gelehrte Historische aufgegeben. Welcher Veraenderung entsprechend ist, dass anderwaerts jene Einsamen, die von ihrem Volke aufgeopfert und aus der Welt ausgeschieden wurden, zu dem Zwecke, dass die Kontemplation des Ewigen und ein ihr allein dienendes Leben vorhanden sey, nicht um eines Nutzens, sondern um des Segens willen,--verschwanden; ein Verschwinden, das in einem andern Zusammenhange, dem Wesen nach als dieselbe Erscheinung, wie das vorhin Erwaehnte, betrachtet werden kann.--So dass, nach Vertreibung dieser Finsternisse, der farblosen Beschaeftigung des in sich gekehrten Geistes mit sich selbst, das Daseyn in die heitere Welt der Blumen verwandelt zu seyn schien, unter denen es bekanntlich keine schwarze giebt. Ganz so schlimm als der Metaphysik ist es der Logik nicht ergangen. Dass man durch sie denken lerne, was sonst fuer ihren Nutzen und damit fuer den Zweck derselben galt,--gleichsam als ob man durch das Studium der Anatomie und Physiologie erst verdauen und sich bewegen lernen sollte--, diess Vorurtheil hat sich laengst verloren, und der Geist des Praktischen dachte ihr wohl kein besseres Schicksal zu, als ihrer Schwester. Dessen ungeachtet, wahrscheinlich um einigen formellen Nutzens willen, wurde ihr noch ein Rang unter den Wissenschaften gelassen, ja sie wurde selbst als Gegenstand des oeffentlichen Unterrichts beibehalten. Diess bessere Loos betrifft jedoch nur das aeussere Schicksal; denn ihre Gestalt und Inhalt ist derselbe geblieben, als er sich durch eine lange Tradition fortgeerbt, jedoch in dieser Ueberlieferung immer mehr verduennt und abgemagert hatte; der neue Geist, welcher der Wissenschaft nicht weniger als der Wirklichkeit aufgegangen ist, hat sich in ihr noch nicht verspueren lassen. Es ist aber ein fuer allemal vergebens, wenn die substantielle Form des Geistes sich umgestaltet hat, die Formen frueherer Bildung erhalten zu wollen; sie sind welke Blaetter, welche von den neuen Knospen, die an ihren Wurzeln schon erzeugt sind, abgestossen werden. Mit dem Ignoriren der allgemeinen Veraenderung faengt es nach gerade an, auch im Wissenschaftlichen auszugehen. Unbemerkter Weise sind selbst den Gegnern die andern Vorstellung gelaeufig und eigen geworden, und wenn sie gegen deren Quelle und Principien fortdauernd sproede thun und sich widersprechend dagegen benehmen, so haben sie dafuer die Konsequenzen sich gefallen lassen, und des Einflusses derselben sich nicht zu erwehren vermocht; zu ihrem immer unbedeutender werdenden negativen Verhalten wissen sie sich auf keine andere Weise eine positive Wichtigkeit und einen Inhalt zu geben, als dass sie in den neuen Vorstellungsweisen mitsprechen. Von der andern Seite scheint die Zeit der Gaehrung, mit der eine neue Schoepfung beginnt, vorbei zu seyn. In ihrer ersten Erscheinung pflegt eine solche sich mit fanatischer Feindseligkeit gegen die ausgebreitete Systematisierung des fruehen Princips zu verhalten, Theils auch furchtsam zu seyn, sich in der Ausdehnung des Besondern zu verlieren, Theils aber die Arbeit die zur wissenschaftlichen Ausbildung erfordert wird, zu scheuen, und im Beduerfnisse einer solchen zuerst zu einem leeren Formalismus zu greifen. Die Anforderung der Verarbeitung und Ausbildung des Stoffes wird nun um so dringender. Es ist eine Periode in der Bildung einer Zeit, wie in der Bildung des Individuums, wo es vornehmlich um Erwerbung und Behauptung des Princips in seiner unentwickelten Intensitaet zu thun ist. Aber die hoehere Forderung geht darauf, dass es zur Wissenschaft werde. Was nun auch fuer die Sache und fuer die Form der Wissenschaft bereits in sonstiger Ruecksicht geschehen seyn mag; die logische Wissenschaft, welche die eigentliche Metaphysik oder reine spekulative Philosophie ausmacht, hat sich bisher noch sehr vernachlaessigt gesehen. Was ich unter dieser Wissenschaft und ihrer Standpunkte naeher verstehe, habe ich in der Einleitung vorlaeufig angegeben. Die Nothwendigkeit, mit dieser Wissenschaft wieder einmal von vorne anzufangen, die Natur des Gegenstandes selbst, und der Mangel an Vorarbeiten, welche fuer die vorgenommen Umbildung haetten benutzt werden koennen, moegen bei billigen Beurtheilern in Ruecksicht kommen, wenn auch eine vieljaehrige Arbeit diesem Versuche nicht eine groessere Vollkommenheit geben konnte. --Der wesentliche Gesichtspunkt ist, dass es ueberhaupt um einen neuen Begriff wissenschaftlicher Behandlung zu thun ist. Die Philosophie, indem sie Wissenschaft seyn soll, kann, wie ich anderwaerts erinnert Phaenomenologie des Geistes, Vorr. zur ersten Ausg.--Die eigentliche Ausfuehrung ist die Erkenntniss der Methode, und hat ihre Stelle in der Logik selbst, habe, hierzu ihre Methode nicht von einer untergeordneten Wissenschaft, wie die Mathematik ist, borgen, so wenig als es bei kategorischen Versicherungen innerer Anschauung bewenden lassen, oder sich des Raisonnements aus Gruenden der aeussern Reflexion bedienen. Sondern es kann nur die Natur des Inhalts seyn, welche sich im wissenschaftlichen Erkennen bewegt, indem zugleich diese eigne Reflexion des Inhalts es ist, welche seine Bestimmung selbst erst setzt und erzeugt. Der Verstand bestimmt und haelt die Bestimmungen fest; die Vernunft ist negativ und dialektisch, weil sie die Bestimmungen des Verstands in Nichts aufloest; sie ist positiv, weil sie das Allgemeine erzeugt, und das Besondere darin begreift. Wie der Verstand als etwas Getrenntes von der Vernunft ueberhaupt, so pflegt auch die dialektische Vernunft als etwas Getrenntes von der positiven Vernunft genommen zu werden. Aber in ihrer Wahrheit ist die Vernunft Geist, der hoeher als Beides, verstaendige Vernunft, oder vernuenftiger Verstand ist. Er ist das Negative, dasjenige, welches die Qualitaet sowohl, der dialektischen Vernunft, als des Verstandes ausmacht;--er negirt das Einfache, so setzt er den bestimmten Unterschied des Verstandes, er loest ihn eben so sehr auf, so ist er dialektisch. Er haelt sich aber nicht im Nichts dieses Resultates, sondern ist darin ebenso positiv, und hat so das erste Einfache damit hergestellt, aber als Allgemeines, das in sich konkret ist; unter dieses wird nicht ein gegebenes Besonderes subsumirt, sondern in jenem Bestimmen und in der Aufloesung desselben hat sich das Besondere schon mit bestimmt. Diese geistige Bewegung, die sich in ihrer Einfachheit ihre Bestimmtheit, und in dieser ihre Gleichheit mit sich selbst giebt, die somit die immanente Entwickelung des Begriffes ist, ist die absolute Methode des Erkennens, und zugleich die immanente Seele des Inhalts selbst. --Auf diesem sich selbst konstruirenden Wege allein, behaupte ich, ist die Philosophie faehig, objektive, demonstrirte Wissenschaft zu seyn.--In dieser Weise habe ich das Bewusstseyn in der Phaenomenologie des Geistes darzustellen versucht. Das Bewusstseyn ist der Geist als konkretes und zwar in der Aeusserlichkeit befangenes Wissen; aber die Formbewegung dieses Gegenstandes beruht allein, wie die Entwickelung alles natuerlichen und geistigen Lebens, auf der Natur der reinen Wesenheiten, die den Inhalt der Logik ausmachen. Das Bewusstseyn, als der erscheinende Geist, welcher sich auf seinem Wege von seiner Unmittelbarkeit und aeusserlichen Konkretion befreit, wird zum reinen Wissen, das sich jene reinen Wesenheiten selbst, wie sie an und fuer sich sind, zum Gegenstand giebt. Sie sind die reinen Gedanken, der sein Wesen denkende Geist. Ihre Selbstbewegung ist ihr geistiges Leben, und ist das, wodurch sich die Wissenschaft konstituirt, und dessen Darstellung sie ist. Es ist hiermit die Beziehung der Wissenschaft, die ich Phaenomenologie des Geistes nenne, zur Logik angegeben.--Was das aeusserliche Verhaeltniss betrifft, so war dem ersten Theil des Systems der Wissenschaft, (Bamberg und Wuerzburg bei Goebhard 1807). Dieser Titel wird der zweiten Ausgabe, die auf naechsten Ostern erscheinen wird, nicht mehr beigegeben werden.--An die Stelle des im Folgenden erwaehnten Vorhabens eines zweiten Theils, der die saemmtlichen andern philosophischen Wissenschaften enthalten sollte, habe ich seitdem die Encyklopaedie der philosophischen Wissenschaften, voriges Jahr in der dritten Ausgabe, ans Licht treten lassen (Anmerkung zur zweiten Ausgabe), der die Phaenomenologie enthaelt, ein zweiter Theil zu folgen bestimmt, welcher die Logik und die beiden realen Wissenschaften der Philosophie, die Philosophie der Natur und die Philosophie des Geistes, enthalten sollte, und das System der Wissenschaft beschlossen haben wuerde. Aber die nothwendige Ausdehnung, welche die Logik fuer sich erhalten musste, hat mich veranlasst, diese besonders ans Licht treten zu lassen; sie macht also in einem erweiterten Plane die erste Folge zur Phaenomenologie des Geistes aus. Spaeterhin werde ich die Verarbeitung der beiden genannten realen Wissenschaften der Philosophie folgen lassen.--Dieser erste Band der Logik aber enthaelt als erstes Buch die Lehre vom Seyn; das zweite Buch, die Lehre vom Wesen, als zweite Abtheilung des ersten Bandes; der zweite Band aber wird die subjektive Logik, oder die Lehre vom Begriff enthalten. Nuernberg, den 22 Maerz 1812 Vorrede zur zweiten Auflage. An diese neue Bearbeitung der Wissenschaft der Logik, wovon hiermit der erste Band erscheint, bin ich wohl mit dem ganzen Bewusstseyn sowohl der Schwierigkeit des Gegenstandes fuer sich und dann seiner Darstellung, als der Unvollkommenheit, welche die Bearbeitung desselben in der ersten Ausgabe an sich traegt, gegangen; so sehr ich nach weiterer vieljaehriger Beschaeftigung mit dieser Wissenschaft bemueht gewesen, dieser Unvollkommenheit abzuhelfen, so fuehle ich noch Ursache genug zu haben, die Nachsicht des Lesers in Anspruch zu nehmen. Ein Titel solchen Anspruchs aber zunaechst darf wohl auf den Umstand gegruendet werden, dass sich fuer den Inhalt vornehmlich nur aeusserliches Material in der frueheren Metaphysik und Logik vorgefunden hat. So allgemein und haeufig dieselben, die letztere noch bis auf unsere Zeiten fort, getrieben worden, so wenig hat solche Bearbeitung die spekulative Seite betroffen; vielmehr ist im Ganzen dasselbe Material wiederholt, abwechselnd bald bis zu trivialer Oberflaechlichkeit verduennt, bald der alte Ballast umfangsreicher von Neuem hervorgeholt und mitgeschleppt worden, so dass durch solche, haeufig ganz nur mechanische Bemuehungen dem philosophischen Gehalt kein Gewinn zuwachsen konnte. Das Reich des Gedankens philosophisch, d.i. in seiner eigenen immanenten Thaetigkeit, oder was dasselbe ist, in seiner nothwendigen Entwickelung darzustellen, musste deswegen ein neues Unternehmen seyn, und dabei von vorne angefangen werden; jenes erworbene Material, die bekannten Denkformen, aber ist als eine hoechst wichtige Vorlage, ja eine nothwendige Bedingung, dankbar anzuerkennende Voraussetzung anzusehen, wenn dieselbe auch nur hier und da einen duerren Faden, oder die leblosen Knochen eines Skeletts, sogar in Unordnung untereinander geworfen, dargiebt. Die Denkformen sind zunaechst in der Sprache des Menschen herausgesetzt und niedergelegt, es kann in unseren Tagen nicht oft genug daran erinnert werden, dass das, wodurch sich der Mensch vom Thiere unterscheidet, das Denken ist. In Alles, was ihm zu einem Innerlichen, zur Vorstellung ueberhaupt, wird, was er zu dem Seinigen macht, hat sich die Sprache eingedraengt, und was er zur Sprache macht und in ihr aeussert, enthaelt eingehuellter, vermischter, oder herausgearbeitet, eine Kategorie; so sehr natuerlich ist ihm das Logische, oder vielmehr dasselbige ist seine eigenthuemliche Natur selbst. Stellt man aber die Natur ueberhaupt, als das Physikalische, dem Geistigen gegenueber, so muesste man sagen, dass das Logische vielmehr das Uebernatuerliche ist, welches sich in alles Naturverhalten des Menschen, in sein Empfinden, Anschauen, Begehren, Beduerfniss, Trieb eindraengt und es dadurch ueberhaupt zu einem Menschlichen, wenn auch nur formell, zu Vorstelllungen und Zwecken, macht. Es ist der Vortheil einer Sprache, wenn sie einen Reichthum an logischen Ausdruecken, naemlich eigenthuemlichen und abgesonderten, fuer die Denkbestimmungen selbst besitzt; von den Praepositionen, Artikeln, gehoeren schon viele solchen Verhaeltnissen an, die auf dem Denken beruhen; die chinesische Sprache soll es in ihrer Ausbildung gar nicht oder nur duerftig bis dahin gebracht haben; aber diese Partikeln treten ganz dienend, nur etwas weniges abgeloester, als die Augmente, Flexionszeichen und dergl. auf. Viel wichtiger ist es, dass in einer Sprache die Denkbestimmungen zu Substantiven und Verben herausgestellt und so zur gegenstaendlichen Form gestempelt sind; die deutsche Sprache hat darin viele Vorzuege vor den anderen modernen Sprachen; sogar sind manche ihrer Woerter von der weiteren Eigenheit, verschiedene Bedeutungen nicht nur, sondern entgegengesetzte zu haben, so dass darin selbst ein spekulativer Geist der Sprache nicht zu verkennen ist; es kann dem Denken eine Freude gewaehren, auf solche Woerter zu stossen, und die Vereinigung Entgegengesetzter, welches Resultat der Spekulation fuer den Verstand aber widersinnig ist, auf naive Weise schon lexikalisch als Ein Wort von den entgegengesetzten Bedeutungen vorzufinden. Die Philosophie bedarf daher ueberhaupt keiner besonderen Terminologie; es sind wohl aus fremden Sprachen einige Woerter aufzunehmen, welche jedoch durch den Gebrauch bereits das Buergerrecht in ihr erhalten haben, ein affektirter Purismus wuerde da, wo es am entschiedensten auf die Sache ankommt, am wenigsten am Platze seyn.--Das Fortschreiten der Bildung ueberhaupt und insbesondere der Wissenschaften, selbst der empirischen und sinnlichen; indem sie im Allgemeinen sich in den gewoehnlichsten Kategorien (z.B. eines Ganzen und der Theile, eines Dinges und seiner Eigenschaften und dergleichen) bewegen, foerdert nach und nach auch hoehere Denkverhaeltnisse zu Tage, oder hebt sie wenigstens zu groesserer Allgemeinheit und damit zu naeherer Aufmerksamkeit hervor. Wenn z.B. in der Physik die Denkbestimmung der Kraft vorherrschend geworden ist, so spielt in neuerer Zeit die Kategorie der Polaritaet, die uebrigens zu sehr... tort e... travers in Alles selbst in das Licht eingedraengt wird, die bedeutendste Rolle,--die Bestimmung von einem Unterschiede, in welchem die Unterschiedenen untrennbar verbunden sind;--dass auf solche Weise von der Form der Abstraktion, der Identitaet, durch welche eine Bestimmtheit z.B. als Kraft eine Selbststaendigkeit erhaelt, fortgegangen, und die Form des Bestimmens, des Unterschiedes, welcher zugleich als ein Untrennbares in der Identitaet bleibt, herausgehoben und eine gelaeufige Vorstellung geworden, ist von unendlicher Wichtigkeit. Die Naturbetrachtung bringt durch die Realitaet, in welcher ihre Gegenstaende sich festhalten, dieses Zwingende mit sich, die Kategorien, die in ihr nicht laenger ignorirt werden koennen, wenn auch mit der groessten Inkonsequenz gegen andere, die auch geltend gelassen werden, zu fixiren, und es nicht zu gestatten, dass, wie im Geistigen leichter geschieht, zu Abstraktionen von dem Gegensatze und zur Allgemeinheit uebergegangen wird. Aber indem so die logischen Gegenstaende, wie deren Ausdruecke, etwa in der Bildung Allbekanntes sind, so ist, wie ich anderwaerts gesagt, was bekannt ist, darum nicht erkannt, und es kann selbst die Ungeduld erregen, sich noch mit Bekanntem beschaeftigen zu sollen, und was ist bekannter, als eben die Denkbestimmungen, von denen wir allenthalben Gebrauch machen, die uns in jedem Satze, den wir sprechen, zum Munde herausgehen. Ueber den Gang des Erkennens von diesem Bekannten aus, ueber das Verhaeltniss des wissenschaftlichen Denkens zu diesem natuerlichen Denken, die allgemeinen Momente anzugeben soll dieses Vorwort bestimmt seyn, so viel, zusammengenommen mit dem, was die fruehere Einleitung enthaelt, wird hinreichend seyn, um eine allgemeine Vorstellung, wie man eine solche von einer Wissenschaft zum voraus, vor derselben, welche die Sache selbst ist, zu erhalten fordert, von dem Sinne des logischen Erkennens zu geben. Zunaechst ist es als ein unendlicher Fortschritt anzusehen, dass die Formen des Denkens von dem Stoffe, in welchen sie im selbstbewussten Anschauen, Vorstellen, wie in unserem Begehren und Wollen, oder vielmehr auch in dem vorstellenden Begehren und Wollen (--und es ist kein menschliches Begehren oder Wollen ohne Vorstellen--) versenkt sind, befreit, diese Allgemeinheiten fuer sich herausgehoben, und wie Plato, dann aber Aristoteles vornehmlich gethan, zum Gegenstande der Betrachtung fuer sich gemacht worden; diess giebt den Anfang des Erkennens derselben. "Erst nachdem beinahe alles Nothwendige", sagt Aristoteles, "und was zur Bequemlichkeit und zum Verkehr des Lebens gehoert, vorhanden war, hat man angefangen, sich um philosophische Erkenntniss zu bemuehen." "In Aegypten," hatte er vorher bemerkt, "sind die mathematischen Wissenschaften frueh ausgebildet worden, weil daselbst der Priesterstand frueh in die Lage versetzt worden, Musse zu haben."--In der That setzt das Beduerfniss sich mit den reinen Gedanken zu beschaeftigen einen weiten Gang voraus, den der Menschengeist durchgemacht haben muss, es ist, kann man sagen, es ist das Beduerfniss des schon befriedigten Beduerfnisses der Nothwendigkeit der Beduerfnisslosigkeit, zu dem er gekommen seyn muss, der Abstraktion von dem Stoffe des Anschauens, Einbildens u.s.f. der konkreten Interessen des Begehrens, der Triebe, des Willens, in welchem Stoffe die Denkbestimmungen eingehuellt stecken. In den stillen Raeumen des zu sich selbst gekommenen und nur in sich seyenden Denkens schweigen die Interessen, welche das Leben der Voelker und der Individuen bewegen. "Nach so vielen Seiten," sagt Aristoteles in demselben Zusammenhange, "ist die Natur des Menschen abhaengig, aber diese Wissenschaft, die nicht zu einem Gebrauche gesucht wird, ist allein die an und fuer sich freie und sie scheint darum nicht ein menschlicher Besitz zu seyn. "--Die Philosophie ueberhaupt hat es noch mit konkreten Gegenstaenden, Gott, Natur, Geist, in ihren Gedanken zu thun, aber die Logik beschaeftigt sich ganz nur mit diesen fuer sich in ihrer vollstaendigen Abstraktion. Diese Logik pflegt darum dem Studium der Jugend zunaechst anheim zu fallen, als welche noch nicht in die Interessen des konkreten Lebens eingetreten ist, in der Musse in Ruecksicht derselben lebt, und nur erst fuer ihren subjektiven Zweck mit der Erwerbung der Mittel und der Moeglichkeiten, in den Objekten jener Interessen thaetig zu werden, sich und mit diesen selbst noch theoretisch sich zu beschaeftigen hat. Unter diese Mittel wird im Widerspiele von der angefuehrten Vorstellung des Aristoteles, die logische Wissenschaft gerechnet, die Bemuehung mit derselben ist eine vorlaeufige Arbeit, ihr Ort die Schule, auf welche erst der Ernst des Lebens und die Thaetigkeit fuer die wahrhaften Zwecke folgen soll. Im Leben geht es zum Gebrauch der Kategorien, sie werden von der Ehre, fuer sich betrachtet zu werden, dazu herabgesetzt, in dem geistigen Betrieb lebendigen Inhalts in dem Erschaffen und Auswechseln der darauf bezueglichen Vorstellungen, zu dienen,--Theils als Abbreviaturen durch ihre Allgemeinheit;--denn welche unendliche Menge von Einzelnheiten des aeusserlichen Daseyns und der Thaetigkeit fasst die Vorstellung. Schlacht, Krieg, Volk, oder Meer, Thier u.s.f. in sich zusammen;--wie ist in der Vorstellung: Gott oder Liebe u.s.f. in die Einfachheit solchen Vorstellens eine unendliche Menge von Vorstellungen, Thaetigkeit, Zustaenden u.s.f. epitomirt!--Theils zur naeheren Bestimmung und Findung der gegenstaendlichen Verhaeltnisse, wobei aber Gehalt und Zweck, die Richtigkeit und Wahrheit des sich einmischenden Denkens ganz von dem Vorhandenen selbst abhaengig gemacht ist und den Denkbestimmungen fuer sich keine Inhaltbestimmende Wirksamkeit zugeschrieben wird. Solcher Gebrauch der Kategorien, der vorhin die natuerliche Logik genannt worden ist, ist bewusstlos, und wenn ihnen in wissenschaftlicher Reflexion das Verhaeltniss, als Mittel zu dienen, im Geiste angewiesen wird, so wird das Denken ueberhaupt zu etwas den anderen geistigen Bestimmungen Untergeordnetem gemacht. Von unseren Empfindungen, Trieben, Interessen sagen wir nicht wohl, dass sie uns dienen, sondern sie gelten als selbststaendige Kraefte und Maechte, so dass wir diess selbst sind, so zu empfinden, diess zu begehren und zu wollen, in diess unser Interesse zu legen. Aber wieder kann es vielmehr unser Bewusstseyn werden, dass wir im Dienste unserer Gefuehle, Triebe, Leidenschaften, Interessen, ohnehin von Gewohnheiten stehen, als dass wir sie im Besitz haben, noch weniger, dass sie bei unser innigen Einheit mit ihnen uns als Mittel dienen. Dergleichen Bestimmungen des Gemueths und Geistes zeigen sich uns bald als Besondere im Gegensatze gegen die Allgemeinheit, als die wir uns bewusst werden, in der wir unsere Freiheit haben, und halten dafuer, in diesen Besonderheiten vielmehr befangen zu seyn, von ihnen beherrscht zu werden. Sonach koennen wir dann viel weniger dafuer halten, dass die Denkformen, die sich durch alle unserer Vorstellungen, diese seyen bloss theoretisch, oder enthalten einen Stoff, der der Empfindung, dem Triebe, dem Willen angehoert, hindurch ziehen, uns dienen, dass wir sie, und sie nicht vielmehr uns im Besitz haben; was ist uns uebrig gegen sie, wie sollen wir, ich mich als das Allgemeinere ueber sie hinausstellen, sie die selbst das Allgemeine als solches sind. Wenn wir uns in eine Empfindung, Zweck, Interesse legen, und uns darin beschraenkt, unfrei fuehlen, so ist der Ort, in den wir daraus heraus und in die Freiheit zurueck zu ziehen vermoegen, dieser Ort der Gewissheit seiner selbst, der reinen Abstraktion, des Denkens. Oder ebenso, wenn wir von den Dingen sprechen wollen, so nennen wir die Natur oder das Wesen derselben ihren Begriff, und dieser ist nur fuer das Denken; von den Begriffen der Dinge aber werden wir noch viel weniger sagen, dass wir sie beherrschen oder dass die Denkbestimmungen, von denen sie der Komplex sind, uns dienen, im Gegentheil muss sich unser Denken nach ihnen beschraenken und unsere Willkuer oder Freiheit soll sie nicht nach sich zurichten wollen. Insofern also das subjektive Denken unser eigenstes, innerlichstes Thun ist, und der objektive Begriff der Dinge die Sache selbst ausmacht, so koennen wir aus jenem Thun nicht heraus seyn, nicht ueber demselben stehen, und ebenso wenig koennen wir ueber die Natur der Dinge hinaus. Von der letzteren Bestimmung jedoch koennen wir absehen; sie faellt mit der ersteren insofern zusammen, da sie eine Beziehung unserer Gedanken auf die Sache, aber nur etwas Leeres ergaebe, weil die Sache damit als Regel fuer unsere Begriffe aufgestellt werden wuerde, aber eben die Sache fuer uns nichts Anderes als unsere Begriffe von ihr seyn kann. Wenn die kritische Philosophie das Verhaeltniss dieser drei Terminorum so versteht, dass wir die Gedanken zwischen uns und zwischen die Sachen als Mitte stellen in dem Sinne, dass diese Mitte uns von den Sachen vielmehr abschliesst, statt uns mit denselben zusammenzuschliessen, so ist dieser Ansicht die einfache Bemerkung entgegenzusetzen, dass eben diese Sachen, die jenseits unserer und jenseits der sich auf sie beziehenden Gedanken auf dem anderen Extreme stehen sollen, selbst Gedankendinge, und als ganz unbestimmte, nur Ein Gedankending, (--das sogenannte Ding-an-sich) der leeren Abstraktion selbst sind. Doch diess mag fuer den Gesichtspunkt genuegen, aus welchem das Verhaeltniss verschwindet, nach welchem die Denkbestimmungen nur als zum Gebrauch und als Mittel genommen werden; wichtiger ist das weiter damit Zusammenhaengende, nach welchem sie als aeussere Formen gefasst zu werden pflegen.--Die uns alle Vorstellungen, Zwecke, Interessen und Handlungen durchwirkende Thaetigkeit des Denkens ist, wie gesagt, bewusstlos geschaeftig (die natuerliche Logik); was unser Bewusstseyn vor sich hat, ist der Inhalt, die Gegenstaende der Vorstellungen, das, womit das Interesse erfuellt ist; die Denkbestimmungen gelten nach diesem Verhaeltniss als Formen, die nur an dem Gehalt, nicht der Gehalt selbst seyen. Wenn es aber an dem ist, was vorhin angegeben worden, und was sonst im Allgemeinen zugestanden wird, dass die Natur, das eigenthuemliche Wesen, das wahrhaft Bleibende und Substantielle bei der Mannigfaltigkeit und Zufaelligkeit des Erscheinens und der Zufaelligkeit des Erscheinens und der voruebergehenden Aeusserung, der Begriff der Sache, das in ihr selbst Allgemeine ist, wie jedes menschliche Individuum zwar ein unendlich eigenthuemliches, das Prius aller seiner Eigenthuemlichkeit darin Mensch zu seyn in sich hat, wie jedes einzelne Thier, das Prius, Thier zu seyn: so waere nicht zu sagen, was, wenn diese Grundlage aus dem mit noch so vielfachen sonstigen Praedikaten Ausgeruesteten weggenommen wuerde, ob sie gleich wie die anderen ein Praedikat genannt werden kann, was so ein Individuum noch seyn sollte. Die unerlaessliche Grundlage, der Begriff, das Allgemeine, das der Gedanke, insofern man nur von der Vorstellung bei dem Worte: Gedanke, abstrahiren kann, selbst ist, kann nicht nur als eine gleichgueltige Form, die an einem Inhalte sey, angesehen werden. Aber diese Gedanken aller natuerlichen und geistigen Dinge, selbst der substantielle Inhalt, sind noch ein socher, der vielfache Bestimmtheiten enthaelt und noch den Unterschied einer Seele und eines Leibes, des Begriffs und einer relativen Realitaet an ihm hat; die tiefere Grundlage ist die Seele fuer sich, der reine Begriff, der das Innerste der Gegenstaende, ihr einfacher Lebenspuls, wie selbst des subjektiven Denkens derselben ist. Diese logische Natur, die den Geist beseelt, in ihm treibt und wirkt, zum Bewusstseyn zu bringen, diess ist die Aufgabe. Das instinktartige Thun unterscheidet sich von dem intelligenten und freien Thun dadurch ueberhaupt, dass dieses mit Bewusstseyn geschieht, indem der Inhalt des Treibenden heraus aus der unmittelbaren Einheit mit dem Subjekte zur Gegenstaendlichkeit vor dieses gebracht ist, beginnt die Freiheit des Geistes, der in dem instinktweisen Wirken des Denkens befangen in den Banden seiner Kategorien in einen unendlich mannigfachen Stoff zersplittert ist. In diesem Netze schuerzen sich hin und wieder festere Knoten, welche die Anhalts- und Richtungspunkte seines Lebens und Bewusstseyns sind, sie verdanken ihre Festigkeit und Macht eben dem, dass sie vor das Bewusstseyn gebracht an und fuer sich seyenden Begriffe seiner Wesenheit sind. Der wichtigste Punkt fuer die Natur des Geistes ist das Verhaeltniss nicht nur dessen, was er an sich ist, zu dem was er wirklich ist, sondern dessen, als was er sich weiss; dieses Sichwissen ist darum, weil er wesentlich Bewusstseyn, Grundbestimmung seiner Wirklichkeit. Diese Kategorien, die nur instinktmaessig als Triebe wirksam sind, und zunaechst vereinzelt, damit veraenderlich und sich verwirrend in das Bewusstseyn des Geistes gebracht, und ihm so eine vereinzelte und unsichere Wirklichkeit gewaehren, zu reinigen und ihn damit in ihnen zur Freiheit und Wahrheit zu erheben, diess ist also das hoehere logische Geschaeft. Was wir als Anfang der Wissenschaft, dessen hoher Werth fuer sich und zugleich als Bedingung der wahrhaften Erkenntniss vorhin anerkannt worden ist, angaben, die Begriffe und die Momente des Begriffs ueberhaupt, die Denkbestimmungen zunaechst als Formen, die von dem Stoffe verschieden und nur an ihm seyen, zu behandeln, diess giebt sich sogleich an sich selbst als ein zur Wahrheit, die als Gegenstand und Zweck der Logik angegeben wird, unangemessenes Verhalten kund. Denn so als blosse Formen, als verschieden von dem Inhalte, werden sie in einer Bestimmung stehend angenommen, die sie zu endlichen stempelt und die Wahrheit, die in sich unendlich ist, zu fassen unfaehig macht. Mag das Wahre sonst, in welcher Ruecksicht es sey, wieder mit Beschraenkung und Endlichkeit vergesellschaftet seyn, diess ist die Seite seiner Negation, seiner Unwahrheit und Unwirklichkeit, eben seines Endes, nicht der Affirmation, welche es als Wahres ist. Gegen die Kahlheit der bloss formellen Kategorien hat der Instinkt der gesunden Vernunft sich endlich so erstarkt gefuehlt, dass er ihre Kenntniss mit Verachtung dem Gebiete einer Schullogik und Schulmetaphysik ueberlaesst, zugleich mit der Missachtung des Werthes, den schon das Bewusstseyn dieser Faeden fuer sich hat, und mit der Bewusstlosigkeit, in dem instinktartigen Thun natuerlicher Logik, noch mehr in dem reflektirten Verwerfen der Kenntniss und Erkenntniss der Denkbestimmungen selbst, im Dienste des ungereinigten und damit unfreien Denkens gefangen zu seyn. Die einfache Grundbestimmung oder gemeinschaftliche Formbestimmung der Sammlung solcher Formen ist die Identitaet, die als Gesetz, als A=A, als Satz des Widerspruchs in der Logik dieser Sammlung behauptet wird. Die gesunde Vernunft hat ihre Ehrerbietung vor der Schule, die im Besitze solcher Gesetze der Wahrheit und in der sie noch immer so fortgefuehrt werden, so sehr verloren, dass sie dieselbe darob verlacht, und einen Menschen, der nach solchen Gesetzen wahrhaft zu sprechen weiss: die Pflanze ist eine--Pflanze, die Wissenschaft ist--die Wissenschaft, und sofort ins Unendliche, fuer unertraeglich haelt. Ueber die Formeln auch, welche die Regeln des Schliessens, das in der That ein Hauptgebrauch des Verstandes ist, hat sich--so ungerecht es ist zu verkennen, dass sie ihr Feld in der Erkenntniss haben, worin sie gelten muessen und zugleich, dass sie wesentliches Material fuer das Denken der Vernunft sind,--das ebenso gerechte Bewusstsein festgesetzt, dass sie gleichgueltige Mittel wenigstens ebenso sehr des Irrthums und der Sophisterei sind, und wie man auch sonst die Wahrheit bestimmen mag, fuer die hoehere, z.B. die religioese Wahrheit unbrauchbar sind; dass sie ueberhaupt nur eine Richtigkeit der Erkenntnisse, nicht die Wahrheit betreffen. Die Unvollstaendigkeit dieser Weise, das Denken zu betrachten, welche die Wahrheit auf der Seite laesst, ist allein dadurch zu ergaenzen, dass nicht bloss das, was zu aeusseren Form gerechnet zu werden pflegt, sondern der Inhalt mit in die denkende Betrachtung gezogen wird. Es zeigt sich von selbst bald, dass was in der naechsten gewoehnlichsten Reflexion als Inhalt von der Form geschieden wird, in der That nicht formlos, nicht bestimmungslos in sich, seyn soll; so waere er nur das Leere, etwa die Abstraktion des Dings-an-sich,--dass er vielmehr Form in ihm selbst, ja durch sie allein Beseelung und Gehalt hat und dass sie selbst es ist, die nur in den Schein eines Inhalts, so wie damit auch in den Schein eines an diesem Scheine Aeusserlichen, umschlaegt. Mit dieser Einfuehrung des Inhalts in die logische Betrachtung, sind es nicht die Dinge, sondern die Sache, der Begriff der Dinge, welcher Gegenstand wird. Hierbei kann man aber auch daran erinnert werden, dass es eine Menge Begriffe, eine Menge Sachen giebt. Wodurch aber diese Menge beschraenkt wird, ist Theils vorhin gesagt worden, dass der Begriff als Gedanke ueberhaupt, als Allgemeines, die unermessliche Abbreviatur gegen die Einzelnheit der Dinge, wie sie ihre Menge dem unbestimmten Anschauen und Vorstellen vorschweben, ist; Theils aber ist ein Begriff sogleich erstens der Begriff an ihm selbst, und dieser ist nur Einer, und ist die substantielle Grundlage; vor's Andere aber ist er wohl ein bestimmter Begriff, welche Bestimmtheit an ihm das ist, was als Inhalt erscheint, die Bestimmtheit des Begriffs aber ist eine Formbestimmung dieser substantiellen Einheit, ein Moment der Form als Totalitaet, des Begriffes selbst, der die Grundlage der bestimmten Begriffe ist. Dieser wird nicht sinnlich angeschaut oder vorgestellt; er ist nur Gegenstand, Produkt und Inhalt des Denkens, und die an und fuer sich seyende Sache, der Logos, die Vernunft dessen, was ist, die Wahrheit dessen, was den Namen der Dinge fuehrt; am wenigsten ist es der Logos, was ausserhalb der logischen Wissenschaft gelassen werden soll. Es muss darum nicht ein Belieben seyn, ihn in die Wissenschaft herein zu ziehen oder ihn draussen zu lassen. Wenn die Denkbestimmungen, welche nur aeusserliche Formen sind, wahrhaft an ihnen selbst betrachtet werden, kann nur ihre Endlichkeit und die Unwahrheit ihres Fuer-sich-seyn-sollens und als ihre Wahrheit, der Begriff, hervorgehen. Daher wird die logische Wissenschaft, indem sie die Denkbestimmungen, die ueberhaupt unsern Geist instinktartig und bewusstlos durchziehen, und selbst indem sie in die Sprache hereintreten, ungegenstaendlich, unbeachtet bleiben, abhandelt, auch die Rekonstruktion derjenigen seyn, welche durch die Reflexion herausgehoben und von ihr als subjektive, an dem Stoff und Gehalt aeussere Formen fixiert sind. Die Darstellung keines Gegenstandes waere an und fuer sich faehig, gar streng ganz immanent plastisch zu seyn, als die der Entwickelung des Denkens in seiner Nothwendigkeit; keiner fuehrte so sehr diese Forderung mit sich; seine Wissenschaft muesste darin auch die Mathematik uebertreffen, denn kein Gegenstand hat in ihm selbst diese Freiheit und Unabhaengigkeit. Solcher Vortrag erforderte, wie diess in seiner Art in dem Gange der mathematischen Konsequenz vorhanden ist, dass bei keiner Stufe der Entwickelung eine Denkbestimmung und Reflexion vorkaeme, die nicht in dieser Stufe unmittelbar hervorgeht, und aus den vorhergehenden in sie heruebergekommen ist. Allein auf solche abstrakte Vollkommenheit der Darstellung muss freilich im Allgemeinen Verzicht gethan werden; schon indem die Wissenschaft mit dem rein Einfachen, hiermit dem Allgemeinsten und Leersten, anfangen muss, liesse der Vortrag nur eben diese selbst ganz einfachen Ausdruecke des Einfachen ohne allen weiteren Zusatz irgend eines Wortes zu;--was der Sache nach Statt finden duerfte, waeren negirende Reflexionen, die das abzuhalten und zu entfernen sich bemuehten, was sonst die Vorstellung oder ein ungeregeltes Denken einmischen koennte. Solche Einfaelle in den einfachen immanenten Gang der Entwickelung sind jedoch fuer sich zufaellig, und die Bemuehung, sie abzuwehren, wird somit selbst mit dieser Zufaelligkeit behaftet; ohnehin ist es vergeblich allen solchen Einfaellen, eben weil sie ausser der Sache liegen, begegnen zu wollen, und wenigstens waere Unvollstaendigkeit das, was hierbei fuer die systematische Befriedigung verlangt wuerde. Aber die eigenthuemliche Unruhe und Zerstreuung unseres modernen Bewusstseyns laesst es nicht anders zu, als gleichfalls mehr oder weniger auf nahe liegende Reflexionen und Einfaelle Ruecksicht zu nehmen, ein plastischer Vortrag erfordert dann auch einen plastischen Sinn des Aufnehmens und Verstehens; aber solche plastische Juenglinge und Maenner so ruhig mit der Selbstverlaeugnung eigener Reflexionen und Einfaelle, womit das Selbstdenken sich zu erweisen ungeduldig ist, nur der Sache folgende Zuhoerer, wie sie Plato dichtet, wuerden in einem modernen Dialoge nicht aufgestellt werden koennen; noch weniger duerfte auf solche Leser gezaehlt werden. Im Gegentheil haben sich mir zu haeufig und zu heftig solche Gegner gezeigt, welche nicht die einfache Reflexion machen mochten, dass ihre Einfaelle und Einwuerfe Kategorien enthalten, welche Voraussetzungen sind und selbst erst der Kritik beduerfen, ehe sie gebraucht werden. Die Bewusstlosigkeit hierueber geht unglaublich weit; sie macht das Grund-Missverstaendniss, das ueble d. h. ungebildete Benehmen, bei einer Kategorie, die betrachtet wird, etwas Anderes zu denken und nicht diese Kategorie selbst. Diese Bewusstlosigkeit ist um so weniger zu rechtfertigen, als solches Anderes andere Denkbestimmungen und Begriffe sind, in einem Systeme der Logik aber eben diese anderen Kategorien gleichfalls ihre Stelle muessen gefunden haben, und daselbst fuer sich der Betrachtung werden unterworfen seyn. Am auffallendsten ist diess in der ueberwiegenden Menge von Einwuerfen und Angriffen, die auf die ersten Begriffe oder Saetze der Logik, das Seyn und Nichts und das Werden, als welches, selbst eine einfache Bestimmung, wohl unbestritten,--die einfachste Analyse zeigt diess,--jene beiden Bestimmungen als Momente enthaelt. Die Gruendlichkeit scheint zu erfordern, den Anfang, als den Grund, worauf Alles gebaut sey, vor Allem aus zu untersuchen, ja nicht weiter zu gehen, als bis er sich fest erwiesen hat, im Gegentheil vielmehr, wenn diess nicht der Fall ist, alles noch Folgende zu verwerfen. Diese Gruendlichkeit hat zugleich den Vortheil, die groesste Erleichterung fuer das Denkgeschaeft zu gewaehren, sie hat die ganze Entwickelung in diesen Keim eingeschlossen vor sich, und haelt sich fuer mit Allem fertig, wenn sie mit diesem fertig ist, der das Leichteste zum Abthun ist, denn er ist das Einfachste, das Einfache selbst; es ist die geringe Arbeit, die erforderlich ist, wodurch sich diese so selbst zufriedene Gruendlichkeit wesentlich empfiehlt. Diese Beschraenkung auf das Einfache laesst der Willkuer des Denkens, das fuer sich nicht einfach bleiben will, sondern seine Reflexionen darueber anbringt, freien Spielraum. Mit dem guten Rechte, sich zuerst nur mit dem Princip zu beschaeftigen, und damit sich auf das Weitere nicht einzulassen, thut diese Gruendlichkeit in ihrem Geschaefte selbst das Gegentheil hiervon, vielmehr das Weitere, d.i. andere Kategorien als nur das Princip ist, andere Voraussetzungen und Vorurtheile herbeizubringen. Solche Voraussetzungen, dass die Unendlichkeit verschieden von der Endlichkeit, der Inhalt etwas Anderes als die Form, das Innere ein Anderes als das Aeussere, die Vermittelung ebenso nicht die Unmittelbarkeit sey, als ob einer dergleichen nicht wuesste, werden zugleich belehrungsweise vorgebracht und nicht sowohl bewiesen, als erzaehlt und versichert. In solchem Belehren als Benehmen liegt--man kann es nicht anders nennen,--eine Albernheit; der Sache nach aber Theils das Unberechtigte, dergleichen nur vorauszusetzen und geradezu anzunehmen, Theils aber noch mehr die Unwissenheit, dass es das Beduerfniss und Geschaeft des logischen Denkens ist, eben diess zu untersuchen, ob denn so ein Endliches ohne Unendlichkeit etwas Wahres ist, ebenso solche abstrakte Unendlichkeit, ferner ein formloser Inhalt und eine inhaltlose Form, so ein Inneres fuer sich, das keine Aeusserung hat, eine Aeusserlichkeit ohne Innerlichkeit u.s.f.--etwas Wahres, ebenso etwas Wirkliches ist.--Aber diese Bildung und Zucht des Denkens, durch welche ein plastisches Verhalten desselben bewirkt und die Ungeduld der einfallenden Reflexion ueberwunden wuerde, wird allein durch das Weitergehen, das Studium und die Produktion der ganzen Entwickelung verschafft. Bei der Erwaehnung platonischer Darstellung kann, wer ein selbststaendiges Gebaeude philosophischer Wissenschaft in modernen Zeiten neu aufzufuehren arbeitet, an die Erzaehlung erinnert werden, dass Plato seine Buecher ueber den Staat sieben Mal umgearbeitet habe. Die Erinnerung hieran, eine Vergleichung, insofern sie eine solche in sich zu schliessen schiene, duerfte nur um so mehr bis zu dem Wunsch treiben, dass fuer ein Werk, das, als der modernen Welt angehoerig, ein tieferes Princip, einen schwereren Gegenstand und ein Material von reicherm Umfang zur Bearbeitung vor sich hat, die freie Musse, es sieben und siebenzig Mal durchzuarbeiten, gewaehrt gewesen waere. So aber musste der Verfasser, indem er es im Angesicht der Groesse der Aufgabe betrachtet, sich mit dem begnuegen, was es hat werden moegen, unter den Umstaenden einer aeusserlichen Nothwendigkeit, der unabwendbaren Zerstreuung durch die Groesse und Vielseitigkeit der Zeitinteressen, sogar unter dem Zweifel, ob der laute Laerm des Tages und die betaeubende Geschwaetzigkeit der Einbildung, die auf denselben sich zu beschraenken eitel ist, noch Raum fuer die Theilnahme an der leidenschaftslosen Stille der nur denkenden Erkenntniss offen lasse. Berlin, den 7. November 1831. Die subjektive Logik, oder: Die Lehre vom Begriff. Dieser Theil der Logik, der die _Lehre vom Begriffe_ enthaelt, und den dritten Theil des Ganzen ausmacht, wird auch unter dem besondern Titel: _System der subjektiven Logik_, zur Bequemlichkeit derjenigen Freunde dieser Wissenschaft ausgegeben, die fuer die hier abgehandelten, in dem Umfange der gewoehnlich so genannten Logik befassten Materien ein groesseres Interesse zu haben gewoehnt sind, als fuer die weitern logischen Gegenstaende, die in den beiden ersten Theilen abgehandelt worden.--Fuer diese fruehern Theile konnte ich auf die Nachsicht billiger Beurtheiler wegen der wenigen Vorarbeiten Anspruch machen, die mir einen Anhalt, Materialien und einen Faden des Fortgangs haetten gewaehren koennen. Bei dem gegenwaertigen darf ich diese Nachsicht vielmehr aus dem entgegengesetzten Grunde ansprechen; indem sich fuer die Logik des _Begriffs_ ein voellig fertiges und festgewordenes, man kann sagen, verknoechertes Material vorfindet, und die Aufgabe darin besteht, dasselbe in Fluessigkeit zu bringen, und den lebendigen Begriff in solchem todten Stoffe wieder zu entzuenden; wenn es seine Schwierigkeiten hat, in einem oeden Lande eine neue Stadt zu erbauen, so findet sich zwar Material genug, aber desto mehr Hindernisse anderer Art, wenn es darum zu thun ist, einer alten, festgebauten, in fortwaehrendem Besitz und Bewohnung erhaltenen Stadt eine neue Anlage zu geben; man muss sich unter anderem auch entschliessen, von vielem sonst Werthgeachtetem des Vorraths gar keinen Gebrauch zu machen.-Vornehmlich aber darf die Groesse des Gegenstandes selbst zur Entschuldigung der unvollkommenen Ausfuehrung angefuehrt werden. Denn welcher Gegenstand ist erhabener fuer die Erkenntniss, als die _Wahrheit_ selbst?--Der Zweifel aber, ob nicht dieser Gegenstand es eben sey, der einer Entschuldigung beduerfe, liegt nicht aus dem Wege, wenn man sich des Sinns erinnert, in welchem _Pilatus_ die Frage: _was ist Wahrheit?_ sagte;--nach dem Dichter:--mit der Miene des Hofmanns, die kurzsichtig, doch laechelnd des Ernstes Sache verdammet. Jene Frage schliesst dann den Sinn, der als ein Moment der Hoeflichkeit angesehen werden kann, und die Erinnerung daran in sich, dass das Ziel, die Wahrheit zu erkennen, etwas bekanntlich Aufgegebenes, laengst Abgethanes, und die Unerreichbarkeit der Wahrheit auch unter Philosophen und Logikern von Profession etwas Anerkanntes sey?--Wenn aber die Frage der _Religion_ nach dem Werthe der Dinge, der Einsichten und Handlungen, die dem Inhalte nach einen gleichen Sinn hat, in unsern Zeiten ihr Recht sich wieder mehr vindicirt, so muss wohl die Philosophie hoffen, dass es auch nicht mehr so auffallend gefunden werde, wenn sie wieder, zunaechst in ihrem unmittelbaren Felde, ihr wahrhaftes Ziel geltend macht, und nachdem sie in die Art und Weise und in die Anspruchslosigkeit anderer Wissenschaften auf Wahrheit herabgefallen, sich wieder zu demselben zu erheben strebt. Wegen dieses Versuchs kann es eigentlich nicht erlaubt seyn, eine Entschuldigung zu machen; aber wegen der Ausfuehrung desselben darf ich fuer eine solche noch erwaehnen, dass meine Amtsverhaeltnisse und andere persoenliche Umstaende mir nur eine zerstreute Arbeit in einer Wissenschaft gestatten, welche einer unzerstreuten und ungetheilten Anstrengung bedarf und wuerdig ist. Nuernberg, den 21. Jul. 1816. Vom Begriff im Allgemeinen. _Was die Natur des Begriffes_ sey, kann so wenig unmittelbar angegeben werden, als der Begriff irgend eines andern Gegenstandes unmittelbar aufgestellt werden kann. Es koennte etwa scheinen, dass, um den Begriff eines Gegenstandes anzugeben, das Logische vorausgesetzt werde, und dieses somit nicht wieder etwas Anderes zu seinem Voraus haben, noch ein Abgeleitetes seyn koenne, wie in der Geometrie logische Saetze, wie sie in Anwendung auf die Groesse erscheinen und in dieser Wissenschaft gebraucht werden, in der Form von _Axiomen, unabgeleiteten und unableitbaren_ Erkenntnissbestimmungen vorangeschickt werden. Ob nun wohl der Begriff nicht nur als eine subjektive Voraussetzung, sondern als _absolute Grundlage_ anzusehen ist, so kann er diess doch nicht seyn, als insofern er sich zur Grundlage _gemacht_ hat. Das abstrakt-Unmittelbare ist wohl ein _Erstes_; als diess Abstrakte ist es aber vielmehr ein Vermitteltes, von dem also, wenn es in seiner Wahrheit gefasst werden soll, seine Grundlage erst zu suchen ist. Diese muss daher zwar ein Unmittelbares seyn, aber so, dass es aus der Aufhebung der Vermittelung sich zum Unmittelbaren gemacht hat. _Der Begriff_ ist von dieser Seite zunaechst ueberhaupt als _das Dritte_ zum _Seyn_ und _Wesen_, zum _Unmittelbaren_ und zur _Reflexion_ anzusehen. Seyn und Wesen sind insofern die Momente seines _Werdens_; er aber ist ihre _Grundlage_ und _Wahrheit_, als die Identitaet, in welcher sie untergegangen und enthalten sind. Sie sind in ihm, weil er ihr _Resultat_ ist, enthalten, aber nicht mehr als _Seyn_ und als _Wesen_; diese Bestimmung haben sie nur, insofern sie noch nicht in diese ihre Einheit zurueckgegangen sind. _Die objektive Logik_, welche das _Seyn_ und _Wesen_ betrachtet, macht daher eigentlich die _genetische Exposition des Begriffes_ aus. Naeher ist die _Substanz_ schon das _reale Wesen_, oder das _Wesen_, insofern es mit dem _Seyn_ vereinigt und in Wirklichkeit getreten ist. Der Begriff hat daher die Substanz zu seiner unmittelbaren Voraussetzung, sie ist das _an sich_, was er als _Manifestirtes_ ist. Die _dialektische Bewegung der Substanz_ durch die Kausalitaet und Wechselwirkung hindurch ist daher die unmittelbare _Genesis_ des _Begriffes_, durch welche sein _Werden_ dargestellt wird. Aber sein _Werden_ hat, wie das Werden ueberall, die Bedeutung, dass es die Reflexion des Uebergehenden in seinen _Grund_ ist, und dass das zunaechst anscheinend _Andere_, in welches das Erstere uebergangen, dessen _Wahrheit_ ausmacht. So ist der Begriff die _Wahrheit_ der Substanz, und indem die bestimmte Verhaeltnissweise der Substanz die _Nothwendigkeit_ ist, zeigt sich die _Freiheit_ als die _Wahrheit der Nothwendigkeit_, und als _die Verhaeltnissweise des Begriffs_. Die eigene, nothwendige Fortbestimmung der Substanz ist das _Setzen_ dessen, was _an und fuer sich_ ist; der _Begriff_ nun ist diese absolute Einheit des _Seyns_ und der _Reflexion_, dass das _An- und Fuersichseyn_ erst dadurch ist, dass es ebenso sehr _Reflexion_ oder _Gesetzseyn_ ist, und dass das _Geseztseyn_ das _An- und Fuersichseyn_ ist.--Diess abstrakte Resultat erlaeutert sich durch die Darstellung seiner konkreten Genesis; sie enthaelt die Natur des Begriffes; sie muss aber dessen Abhandlung vorangegangen seyn. Die Haupt-Momente dieser Exposition (welche im zweiten Buch der objektiven Logik ausfuehrlich abgehandelt worden ist) sind daher hier kuerzlich zusammen zu stellen: Die Substanz ist das _Absolute_, das an- und fuer-sichseyende Wirkliche;--_an sich_ als einfache Identitaet der Moeglichkeit und Wirklichkeit, absolutes, alle Wirklichkeit und Moeglichkeit in _sich_ enthaltendes Wesen; _fuer sich_, diese Identitaet als absolute _Macht_ oder schlechthin sich auf sich beziehende _Negativitaet_.--Die Bewegung der Substantialitaet, welche durch diese Momente gesetzt ist, besteht darin, 1. Dass die Substanz, als absolute Macht oder sich auf sich beziehende _Negativitaet_, sich zu einem Verhaeltnisse unterscheidet, worin jene zunaechst nur einfache Momente, als _Substanzen_, und als urspruengliche _Voraussetzungen_ sind.--Das bestimmte Verhaeltniss derselben ist das einer _passiven_ Substanz,--der Urspruenglichkeit des einfachen _An-sich-seyns_, welches machtlos sich nicht selbst setzend, nur urspruengliches _Gesetztseyn_ ist;--und von _aktiver_ Substanz der _sich auf sich beziehenden_ Negativitaet, welche als solche sich als Anderes gesetzt hat, und _auf diess_ Andere bezieht. Diess Andere ist eben die passive Substanz, welche sie sich in der Urspruenglichkeit ihrer Macht als Bedingung _vorausgesetzt_ hat.--Diess Voraussetzen ist so zu fassen, dass die Bewegung der Substanz selbst zunaechst unter der Form des einen Moments ihres Begriffs, des _An-sich-seyns_ ist, dass die Bestimmtheit der einen der im Verhaeltniss stehenden _Substanzen_ auch Bestimmtheit dieses _Verhaeltnisses_ selbst ist. 2. Das andere Moment ist das _Fuersichseyn_, oder dass die Macht _sich als sich auf sich selbst_ beziehende Negativitaet setzt, wodurch sie das _Vorausgesetzte_ wieder aufhebt.--Die aktive Substanz ist die _Ursache_; sie _wirkt_; das heisst, sie ist nun das _Setzen_, wie sie vorher das _Voraussetzen_ war, dass a) der Macht auch der _Schein_ der Macht, dem Gesetztseyn auch der _Schein_ des Gesetztseyns gegeben wird. Das, was in der Voraussetzung _Urspruengliches_ war, wird in der Kausalitaet _durch die Beziehung auf Anderes_ das, was es an sich ist; die Ursache bringt eine Wirkung, und zwar an einer andern Substanz hervor; sie ist nunmehr _Macht in Beziehung auf ein Anderes; erscheint_ isofern als Ursache, aber ist es erst durch diess _Erscheinen_.--An die passive Substanz tritt die Wirkung, wodurch sie als _Gesetztseyn_ nun auch erscheint, aber erst darin passive Substanz ist. 3. Aber es ist noch mehr hierin vorhanden, als nur diese _Erscheinung_; naemlich a). Die Ursache wirkt auf die passive Substanz; sie _veraendert_ deren Bestimmung; aber diese ist das Gesetztseyn, sonst ist nichts an ihr zu veraendern; die andere Bestimmung aber, die sie erhaelt, ist die Ursachlichkeit; die passive Substanz wird also zur Ursache, Macht und Thaetigkeit. b) Es wird die Wirkung an ihr _gesetzt_ von der Ursache; das aber von der Ursache Gesetzte ist die im Wirken mit sich identische Ursache selbst; es ist diese, welche sich an die Stelle der passiven Substanzen setzt. --Ebenso in Ansehung der aktiven Substanz ist a) das Wirken das Uebersetzen der Ursache in die Wirkung, in ihr _Anderes_, das Gesetztseyn, und b) in der Wirkung zeigt sich die Ursache als das, was sie ist, die Wirkung ist identisch mit der Ursache, nicht ein Anderes; die Ursache zeigt also im Wirken das Gesetztseyn als das, was sie wesentlich ist.--Nach beiden Seiten also des identischen sowohl als des negativen _Beziehens der andern auf sie_, wird jede das _Gegentheil_ ihrer selbst; diess Gegentheil aber wird jede, dass die andere, also auch jede, _identisch mit sich selbst_ bleibt.--Aber Beides, das identische und das negative Beziehen, ist ein und dasselbe; die Substanz ist nur in ihrem Gegentheil identisch mit sich selbst, und diess macht die absolute Identitaet der als zwei gesetzten Substanzen aus. Die aktive Substanz wird durch das Wirken, d. h. indem sie sich als das Gegentheil ihrer selbst setzt, was zugleich das Aufheben ihres _vorausgesetzten Anderseyns_, der passiven Substanz, ist, als Ursache oder urspruengliche Substantialitaet manifestirt. Umgekehrt wird durch das Einwirken das Gesetztseyn _als_ Gesetztseyn, das Negative _als_ Negatives, somit die passive Substanz als _sich auf sich beziehende_ Negativitaet, manifestirt; und die Ursache geht in diesem Andern ihrer selbst schlechthin nur mit sich zusammen. Durch diess Setzten wird also die _vorausgesetzte_ oder _an sich seyende_ Urspruenglichkeit _fuer sich_; aber diess An- und Fuer-sichseyn ist nur dadurch, dass diess Setzen ebenso sehr ein _Aufheben_ des Vorausgesetzten ist, oder die absolute Substanz nur _aus_ und _in ihrem Gesetztseyn_ zu sich selbst zurueckgekommen, und dadurch absolut ist. Diese Wechselwirkung ist hiermit die sich wieder aufhebende Erscheinung; die Offenbarung des _Scheins_ der Kausalitaet, worin die Ursache _als_ Ursache ist, _dass er Schein ist_. Diese unendliche Reflexion in sich selbst, dass das An- und Fuersichseyn erst dadurch ist, dass es Gesetztseyn ist, ist die _Vollendung der Substanz_. Aber diese Vollendung ist nicht mehr die _Substanz_ selbst, sondern ist ein Hoeheres, der _Begriff_ das _Subjekt_. Der Uebergang des Substantialitaets-Verhaeltnisses geschieht durch seine eigene immanente Nothwendigkeit, und ist weiter nichts, als die Manifestation ihrer selbst, dass der Begriff ihre Wahrheit, und die Freiheit die Wahrheit der Nothwendigkeit ist. Es ist schon frueher im zweiten Buch der objektiven Logik S. 194 f. Anm. erinnert worden, dass die Philosophie, welche sich auf den Standpunkt der _Substanz_ stellt und darauf stehen bleibt, das _System des Spinoza_ ist. Es ist daselbst zugleich der _Mangel_ dieses Systems sowohl der Form als Materie nach aufgezeigt worden. Ein Anderes aber ist die _Widerlegung_ desselben. In Ruecksicht auf die Widerlegung eines philosphischen Systems ist anderwaerts gleichfalls die allgemeine Bemerkung gemacht worden, dass daraus die schiefe Vorstellung zu verbannen ist, als ob das System als durchaus _falsch_ dargestellt werden solle, und als ob das _wahre_ System dagegen dem falschen _nur entgegengesetzt_ sey. Aus dem Zusammenhange, in welchem hier das spinozistische System vorkommt, geht von selbst der wahre Standpunkt desselben und der Frage, ob es wahr oder falsch sey, hervor. Das Substantialitaets-Verhaeltniss erzeugte sich durch die Natur des _Wesens_; diess Verhaeltniss, so wie seine zu einem Ganzen erweiterte Darstellung in einem Systeme ist daher ein _nothwendiger Standpunkt_, auf welchen das Absolute sich stellt. Ein solcher Standpunkt ist daher nicht als eine Meinung, eine subjektive, beliebige Vorstellungs- und Denkweise eines Individuums, als eine Verirrung der Spekulation, anzusehen; diese findet sich vielmehr auf ihrem Wege nothwendig darauf versetzt, und insofern ist das System vollkommen wahr.--Aber es _ist nicht der hoechste Standpunkt_. Allein insofern kann das System nicht als _falsch_, als der _Widerlegung_ beduerftig und faehig angesehen werden; sondern nur diess daran ist als das _Falsche_ zu betrachten, dass es der hoechste Standpunkt sey. Das _wahre_ System kann daher auch nicht das Verhaeltniss zu ihm haben, ihm nur _entgegengesetzt_ zu seyn; denn so waere diess Entgegengesetzte selbst ein Einseitiges. Vielmehr als das Hoehere muss es das Untergeordnete in sich enthalten. Ferner muss die Widerlegung nicht von Aussen kommen, d. h. nicht von Annahmen ausgehen, welche ausser jenem System liegen, denen es nicht enspricht. Es braucht jene Annahmen nur nicht anzuerkennen; der _Mangel_ ist nur fuer den ein Mangel, welcher von den auf sie gegruendeten Beduerfnissen und Forderungen ausgeht. Insofern ist gesagt worden, dass wer die Freiheit und Selbststaendigkeit des selbstbewussten Subjekts nicht fuer sich als entschieden voraussetze, fuer den koenne keine Widerlegung des Spinozismus Statt finden. Ohnehin ignorirt ein so hoher, und in sich schon so _reicher_ Standpunkt, als das Substantialitaets-Verhaeltniss, jene Annahmen nicht, sondern enthaelt sie auch; eins der Attribute der spinozistischen Substanz ist das _Denken_. Er versteht vielmehr die Bestimmungen, unter welchen diese Annahmen ihm widerstreiten, aufzuloesen und in sich zu ziehen, so dass sie _in demselben_, aber in den ihm angemessenen Modifikationen, erscheinen. Der Nerv des aeusserlichen Widerlegens beruht dann allein darauf, die entgegengesetzten Formen jener Annahmen, z.B. das absolute Selbstbestehen des denkenden Individuums gegen die Form des Denkens, wie es in der absoluten Substanz mit der Ausdehnung identisch gesetzt wird, seiner Seits steif und fest zu halten. Die wahrhafte Widerlegung muss in die Kraft des Gegners eingehen und sich in den Umkreis seiner Staerke stellen; ihn ausserhalb seiner selbst angreifen und da Recht zu behalten, wo er nicht ist, foerdert die Sache nicht. Die einzige Widerlegung des Spinozismus kann daher nur darin bestehen, dass sein Standpunkt zuerst als wesentlich und nothwendig anerkannt werde, dass aber zweitens dieser Standpunkt _aus sich selbst_ auf den hoehern gehoben werde. Das Substantialitaets-Verhaeltniss, ganz nur _an und fuer sich selbst_ betrachtet, fuehrt sich zu seinem Gegentheil, dem _Begriffe_, ueber. Die im letzten Buch enthaltene Exposition der Substanz, welche zum _Begriffe_ ueberfuehrt, ist daher die einzige und wahrhafte Widerlegung des Spionzismus. Sie ist die _Enthuellung_ der Substanz, und diese ist die _Genesis des Begriffs_, deren Haupt-Momente oben zusammengestellt worden.--Die _Einheit_ der Substanz ist ihr Verhaeltniss der _Nothwendigkeit_; aber so ist sie nur _innere Nothwendigkeit_; indem sie durch das Moment der absoluten Negativitaet _sich setzt_, wird sie _manifestirte_ oder _gesetzte Identitaet_, und damit die _Freiheit_, welche die Identitaet des Begriffs ist. Dieser, die aus der Wechselwirkung resultirende Totalitaet, ist die Einheit der _beiden Substanzen_ der Wechselwirkung, so dass sie aber nunmehr der Freiheit angehoeren, indem sie nicht mehr ihre Identitaet als ein Blindes, das heisst _Innerliches_, sondern dass sie wesentlich die Bestimmung haben, als _Schein_ oder Reflexions-Momente zu seyn, wodurch jede mit ihrem Andern oder ihrem Gesetztseyn ebenso unmittelbar zusammengegangen und jede ihr Gesetztseyn _in sich_ selbst enthaelt, somit in ihrem Andern schlechthin nur als identisch mit sich gesetzt ist. Im _Begriffe_ hat sich daher das Reich der _Freiheit_ eroeffnet. Er ist das freie, weil die _an und fuer sich seyende Identitaet_, welche die Nothwendigkeit der Substanz ausmacht, zugleich als aufgehoben, oder als _Gesetztseyn_ ist, und diess Gesetztseyn, als sich auf sich selbst beziehend, eben jene Identiaet ist. Die Dunkelheit der im Kausal-Verhaeltnisse stehenden Substanzen fuer einander ist verschwunden, denn die Urspruenglichkeit ihres Selbstbestehens ist in Gesetztseyn uebergegangen, und dadurch zur sich selbst durchsichtigen _Klarheit_ geworden; die _urspruengliche_ Sache ist diess indem sie nur die _Ursache ihrer selbst_ ist, und diess ist die _zum Begriffe befreite Substanz_. Es ergiebt sich hieraus fuer den Begriff sogleich folgende naehere Bestimmung. Weil das An- und Fuersichseyn unmittelbar als _Gesetztseyn_ ist, ist der Begriff in seiner einfachen Beziehung auf sich selbst absolute _Bestimmtheit_; aber welche ebenso als sich nur auf sich beziehend unmittelbar einfache Identitaet ist. Aber diese _Beziehung_ der Bestimmtheit _auf sich selbst_, als das _Zusammengehen_ derselben mit sich, ist ebenso sehr die _Negation_ der _Bestimmtheit_, und der Begriff ist als diese Gleichheit mit sich selbst das _Allgemeine_. Aber diese Identitaet hat so sehr die Bestimmung der Negativitaet; sie ist die Negation oder Bestimmtheit, welche sich auf sich bezieht, so ist der Begriff _Einzelnes_. Jedes von ihnen ist die Totalitaet, jedes enthaelt die Bestimmung des Andern in sich, und darum sind diese Totalitaeten ebenso schlechthin nur _Eine_, als diese Einheit die Diremition ihre selbst in den freien Schein dieser Zweiheit ist;--einer Zweiheit, welche in dem Unterschied des _Einzelnen_ und _Allgemeinen_ als vollkommener Gegensatz erscheint, der aber so sehr _Schein_ ist, dass, indem das eine begriffen und ausgesprochen wird, darin das Andere unmittelbar begriffen und ausgesprochen ist. Das so eben Vorgetragene ist als der _Begriff des Begriffes_ zu betrachten. Wenn derselbe von demjenigen abzuweichen scheinen kann, was man sonst unter Begriff verstehe, so koennte verlangt werden, dass aufgezeigt wuerde, wie dasselbe, was hier als der Begriff sich ergeben hat, in anderen Vorstellungen oder Erklaerungen enthalten sey. Einer Seits kann es jedoch nicht um eine durch die _Autoritaet_ des gewoehnlichen Verstehens begruendete Bestaetigung zu thun seyn; in der Wissenschaft des Begriffes kann dessen Inhalt und Bestimmung allein durch die _immanenten Deduktion_ bewaehrt werden, welche seine Genesis enthaelt, und welche bereits hinter uns liegt. Auf der andern Seite muss wohl an sich in demjenigen, was sonst als der Begriff des Begriffs vorgelegt wird, der hier deducirte zu erkennen seyn. Aber es ist nicht so leicht, das aufzufinden, was andere von der Natur des Begriffes gesagt haben. Denn meistens befassen sie sich mit dieser Aufsuchung gar nicht, und setzen voraus, dass jeder es schon von selbst verstehe, wenn man von dem Begriffe spreche. Neuerlich konnte man sich der Bemuehung mit dem Begriffe um so mehr ueberhoben glauben, da, wie es eine Zeit lang Ton war, der Einbildungskraft, dann dem Gedaechtnisse alles moegliche Schlimme nachzusagen, es in der Philosophie seit geraumer Zeit zur Gewohnheit geworden, und zum Theil noch gegenwaertig ist, auf den _Begriff_ alle ueble Nachrede zu haeufen, ihn, der das Hoechste des Denkens ist, veraechtlich zu machen und dagegen fuer den hoechsten, sowohl scientifischen als moralischen, Gipfel das _Unbegreifliche_ und das _Nichtbegreifen_ anzusehen. Ich beschraenke mich hier auf eine Bemerkung, die fuer das Auffassen der hier entwickelten Begriffe dienen kann, und es erleichtern mag, sich darein zu finden. Der Begriff, insofern er zu einer solchen _Existenz_ gediehen ist, welche selbst frei ist, ist nichts Anderes als _Ich_ oder das reine Selbstbewusstseyn. Ich _habe_ wohl Begriffe, das heisst, bestimmt Begriffe; aber _Ich_ ist der reine Begriff selbst, der als Begriff zum _Daseyn_ gekommen ist. Wenn man daher an die Grundbestimmungen, welche die Natur des Ich ausmachen, erinnert, so darf man voraussetzen, dass an etwas Bekanntes, d. i. der Vorstellung Gelaeufiges, erinnert wird. _Ich_ aber ist diese _erstlich_ reine sich auf sich beziehende Einheit, und diess nicht unmittelbar, sondern indem es von aller Bestimmtheit und Inhalt abstrahirt, und in die Freiheit der schrankenlosen Gleichheit mit sich selbst zurueckgeht. So ist es _Allgemeinheit_; Einheit, welche nur durch jenes _negative_ Verhalten, welches als das Abstrahiren erscheint, Einheit mit sich ist, und dadurch alles Bestimmtseyn in sich aufgeloest enthaelt. _Zweitens_ ist Ich ebenso unmittelbar als die sich auf sich selbst beziehende Negativitaet, _Einzelnheit absolutes Bestimmtseyn_, welches sich Anderem gegenueberstellt, und es ausschliesst; _individuelle Persoenlichkeit_. Jene absolute _Allgemeinheit_, die ebenso unmittelbar absolute _Vereinzelung_ ist, und ein An- und Fuersichseyn, welches schlechthin Gesetztseyn und nur diess _An- und Fuersichseyn_ durch die Einheit mit dem _Gesetztseyn_ ist, macht ebenso die Natur des _Ich_, als des _Begriffes_ aus; von dem einen und dem Andern ist nichts zu begreifen, wenn nicht die angegebenen beiden Momente zugleich in ihrer Abstraktion und zugleich in ihrer vollkommenen Einheit aufgefasst werden. Wenn nach der gewoehnlichen Weise von dem _Verstande_, den _Ich habe_, gesprochen wird, so versteht man darunter ein _Vermoegen_ oder _Eigenschaft_, die in dem Verhaeltnisse zu Ich stehe, wie die Eigenschaft des Dings zum _Dinge_ selbst, --einem unbestimmten Substrate, welches nicht der wahrhafte Grund und das Bestimmende seiner Eigenschaft sey. Nach dieser Vorstellung _habe_ Ich Begriffe und den Begriff, wie ich auch einen Rock, Farbe und andere aeusserliche Eigenschaften habe. --_Kant_ ist ueber diese aeusserliche Verhaeltniss des Verstandes als des Vermoegens der Begriffe, und der Begriffe selbst, zum Ich, hinausgegangen. Es gehoert zu den tiefsten und richtigsten Einsichten, die sich in der Kritik der Vernunft finden, dass die _Einheit_, die das _Wesen des Begriffs_ ausmacht, als die _urspruenglich-synthetische_ Einheit _der Apperception_, als Einheit des: _Ich denke_, oder des Selbstbewusstseyns erkannt wird.--Dieser Satz macht die sogenannte _transcendentale_ Deduktion der Kategorie aus; sie hat aber von jeher fuer eines der schwersten Stuecke der kantischen Philosophie gegolten,--wohl aus keinem andern Grunde, als weil sie fordert, dass ueber die blosse _Vorstellung_ des Verhaeltnisses, in welchem _Ich und der Verstand_ oder der die _Begriffe_ zu einem Ding und seinen Eigenschaften oder Accidenzen stehen, zum _Gedanken_ hinausgegangen werden soll.--_Objekt_, sagt Kant, Kritik der r. V. S. 137, 2. Ausg., ist das, in dessen _Begriff_ das _Mannigfaltige_ einer gegebenen Anschauung _vereinigt_ ist. Alle Vereinigung der Vorstellungen erfordert aber _Einheit des Bewusstseyns_ in der _Synthesis_ derselben. Folglich ist diese _Einheit des Bewusstseyns_ dasjenige, was allein die Beziehung der Vorstellungen auf einen Gegenstand, mithin ihre _objektive Gueltigkeit_, ausmacht, und worauf selbst _die Moeglichkeit des Verstandes_ beruht. Kant unterscheidet die _subjektive Einheit_ des Bewusstseyns hiervon, die Einheit der Vorstellung, ob ich mir eines Mannigfaltigen als _zugleich_ oder nach einander bewusst bin, was von empirischen Bedingungen abhaenge. Die Principien dagegen der _objektiven_ Bestimmung der Vorstellungen seyen allein aus dem Grundsatze der _transcendentalen Einheit der Apperception_ abzuleiten. Durch die Kategorien, welche diese objektiven Bestimmungen sind, werde das Mannigfaltige gegebener Vorstellungen so bestimmt, dass es zur _Einheit des Bewusstseyns_ gebracht werde.--Nach dieser Darstellung ist die Einheit des Begriffs dasjenige, wodurch etwas nicht blosse _Gefuehlsbestimmung, Anschauung_ oder auch blosse _Vorstellung_, sondern _Objekt_ ist, welche objektive Einheit, die Einheit des Ich mit sich selbst ist.--_Das Begreifen_ eines Gegenstandes besteht in der That in nichts Anderem, als dass Ich denselben sich zu _eigen_ macht, ihn durchdringt, und ihn in _seine eigene Form,_ d. i. in die _Allgemeinheit_, welche unmittelbar _Bestimmtheit_, oder Bestimmtheit, welche unmittelbar Allgemeinheit ist, bringt. Der Gegenstand in der Anschauung oder auch in der Vorstellung ist noch ein _Aeusserliches, Fremdes_. Durch das Begreifen wird das _An- und Fuersichseyn_, das er im Anschauen und Vorstellen hat, in ein _Gesetztseyn_ verwandelt; Ich durchdringt ihn _denkend_. Wie er aber im Denken ist, so ist er erst _an und fuer sich_; wie er in der Anschauung oder Vorstellung ist, ist er _Erscheinung_; das Denken hebt seine _Unmittelbarkeit_, mit der er zunaechst vor uns kommt, auf, und macht so ein _Gesetztseyn_ aus ihm; diess sein _Gesetztseyn_ aber ist _sein An- und Fuersichseyn_, oder seine _Objektivitaet_. Diese Objektivitaet hat der Gegenstand somit im _Begriffe_, und dieser ist die _Einheit des Selbstbewusstseyns_, in die er aufgenommen worden; seine Objektivitaet oder der Begriff ist daher selbst nichts Anderes, als die Natur des Selbstbewusstseyns; hat keine andere Momente oder Bestimmungen, als das Ich selbst. Hiernach rechtfertigt es sich durch einen Hauptsatz der kantischen Philosophie, dass, um das zu erkennen, was der _Begriff_ sey, an die Natur des Ich erinnert wird. Umgekehrt aber ist hierzu nothwendig, den _Begriff_ des Ich aufgefasst zu haben, wie er vorhin angefuehrt worden. Wenn bei der blossen _Vorstellung_ des Ich stehen geblieben wird, wie sie unserem gewoehnlichen Bewusstseyn vorgeschwebt, so ist Ich nur das einfache _Ding_, welches auch _Seele_ genannt wird, dem der Begriff als ein Besitz oder Eigenschaft _inhaerirt_. Diese Vorstellung, welche sich nicht damit einlaesst, weder Ich noch den Begriff zu begreifen, kann nicht dazu dienen, das Begreifen des Begriffs zu erleichtern oder naeher zu bringen. Die angefuehrte kantische Darstellung enthaelt noch zwei Seiten, die den Begriff betreffen, und einige weitere Bemerkungen nothwendig machen. Vor's Erste sind der _Stufe_ des _Verstandes_ die _Stufen des Gefuehls und der Anschauung_ vorausgeschickt; und es ist ein wesentlicher Satz der kantischen Transcendentalphilosophie, dass die _Begriffe ohne Anschauung leer_ sind, und allein als _Beziehung_ des durch die Anschauung gegebenen _Mannigfaltigen_ Gueltigkeit haben. Zweitens ist der Begriff als das _Objektive_ der Erkenntniss angegeben worden, somit als die _Wahrheit_. Aber auf der andern Seite wird derselbe als etwas _bloss Subjektives_ genommen, aus dem sich die _Realitaet_, unter welcher, da sie der Subjektivitaet gegenuebergestellt wird, die Objektivitaet zu verstehen ist, nicht _herausklauben_ lasse; und ueberhaupt wird der Begriff und das Logische fuer etwas nur _Formelles_ erklaert, das, weil es von dem Inhalt abstrahire, die Wahrheit nicht enthalte. Was nun erstens _jenes Verhaeltniss des Verstandes oder Begriffs zu den ihm vorausgesetzten Stufen_ betrifft, so kommt es darauf an, welches die Wissenschaft ist, die abgehandelt wird, um die Form jener Stufen zu bestimmen. In unserer Wissenschaft, als der reinen _Logik_, sind diese Stufen _Seyn_ und _Wesen_. In der _Psychologie_ sind es das _Gefuehl_ und die _Anschauung_, und dann die _Vorstellung_ ueberhaupt, welche dem Verstande vorausgeschickt werden. In der _Phaenomenologie_ des Geistes, als der Lehre vom Bewusstseyn, wurde durch die Stufen des _sinnlichen Bewusstseyns_ und dann des _Wahrnehmens_ zum Verstande aufgestiegen. Kant schickt ihm nur Gefuehl und Anschauung voraus. Wie _unvollstaendig_ zunaechst diese Stufenleiter ist, giebt er schon selbst dadurch zu erkennen, dass er als _Anhang_ zu der transcendentalen Logik oder Verstandeslehre noch eine _Abhandlung_ ueber die _Reflexions-Begriffe_ hinzufuegt;--eine Sphaere, welche zwischen der _Anschauung_ und dem _Verstande_, oder dem _Seyn_ und _Begriffe_ liegt. Ueber die Sache selbst ist _vor's Erste_ zu bemerken, dass jene Gestalten von _Anschauung, Vorstellung_ und dergleichen dem _selbstbewussten Geiste_ angehoeren, der als solcher nicht in der logischen Wissenschaft betrachtet wird. Die reinen Bestimmungen von Seyn, Wesen und Begriff machen zwar auch die Grundlage und das innere einfache Gerueste der Formen des Geistes aus; der Geist als _anschauend_, ebenso als _sinnliches Bewusstseyn_, ist in der Bestimmtheit des unmittelbaren Seyns, so wie der Geist als _vorstellend_, wie auch als _wahrnehmendes_ Bewusstseyn sich vom Seyn auf die Stufe des Wesens oder der Reflexion erhoben hat. Allein diese konkreten Gestalten gehen die logische Wissenschaft so wenig an, als die konkreten Formen, welche die logischen Bestimmungen in der Natur annehmen, und welche _Raum und Zeit_, alsdann der sich erfuellende Raum und Zeit, als _unorganische Natur_, und die _organische Natur_ seyn wuerde. Ebenso ist hier auch der Begriff, nicht als Aktus des selbstbewussten Verstandes, nicht der _subjektive Verstand_ zu betrachten, sondern der Begriff an und fuer sich, welcher ebenso wohl eine _Stufe_ der _Natur_, als des _Geistes_ ausmacht. Das Leben oder die organische Natur ist diese Stufe der Natur, auf welcher der Begriff hervortritt; aber als blinder, sich selbst nicht fassender, d. h. nicht denkender Begriff; als solcher kommt er nur dem Geiste zu. Von jener ungeistigen aber sowohl, als von dieser geistigen Gestalt des Begriffes ist seine logische Form unabhaengig, es ist hierueber schon in der _Einleitung_ die noethige Vorerinnerung gemacht worden; es ist diess eine Bedeutung, welche nicht erst innerhalb der _Logik_ zu rechtfertigen ist, sondern mit der man _vor_ derselben im Reinen seyn muss. Wie nun aber auch die Formen gestaltet seyn moechten, welche dem Begriffe vorangehen, so kommt es _zweitens_ auf das _Verhaeltniss_ an, in welchem der _Begriff_ zu _denselben gedacht_ wird. Diess Verhaeltniss wird sowohl in der gewoehnlichen psychologischen Vorstellung, als auch in der kantischen Transcendentalphilosophie so angenommen, dass der empirische _Stoff_, das Mannigfaltige der Anschauung und Vorstellung zuerst _fuer sich da_ ist, und dass dann der Verstand dazu _hintrete, Einheit_ in denselben bringe, und ihn durch _Abstraktion_ in die Form der _Allgemeinheit_ erhebe. Der Verstand ist auf diese Weise eine fuer sich leere _Form_, welche Theils nur durch jenen _gegebenen_ Inhalt Realitaet erhaelt, Theils von ihm _abstrahirt_, naemlich ihn als etwas, aber nur fuer den Begriff Unbrauchbares _weglaesst_. Der Begriff ist in dem einen und dem andern Thun nicht das Unabhaengige, nicht das Wesentliche und Wahre jenes vorausgehenden Stoffes, welches vielmehr die Realitaet an und fuer sich ist, die sich aus dem Begriffe nicht herausklauben laesst. Es muss nun allerdings zugegeben werden, dass der _Begriff als solcher_ noch nicht vollstaendig ist, sondern in die _Idee_ sich erheben muss, welche erst die Einheit des Begriffs und der Realitaet ist; wie _sich_ in dem Verfolge durch die Natur des Begriffes _selbst ergeben_ muss. Denn die Realitaet, die er sich giebt, darf nicht als ein Aeusserliches aufgenommen, sondern muss nach wissenschaftlicher Forderung aus ihm selbst abgeleitet werden. Aber es ist wahrhaftig nicht jener durch die Anschauung und die Vorstellung gegebene Stoff, welcher gegen den Begriff als das _Reale_ geltend gemacht werden darf. _"Es ist nur ein Begriff"_, pflegt man zu sagen, indem man nicht nur die Idee, sondern das sinnliche, raeumliche und zeitliche handgreifliche Daseyn als etwas gegenueberstellt, das vortrefflicher sey, als der Begriff. Das _Abstrakte_ haelt man dann darum fuer geringer, als das Konkrete, weil aus jenem so viel dergleichen Stoff weggelassen worden sey. Das Abstrahiren hat in dieser Meinung die Bedeutung, dass aus dem Konkreten nur zu _unserem subjektiven Behuf ein_ oder _das andere Merkmal_ so herausgenommen werden, dass mit dem Weglassen so vieler anderer _Eigenschaften_ und _Beschaffenheiten_ des Gegenstandes denselben an ihrem _Werthe_ und ihrer _Wuerde_ nichts benommen seyn solle; sondern sie als das _Reelle_, nur auf der andern Seite drueben, noch immer als voellig Geltendes gelassen werden; so dass es nur das _Unvermoegen_ des Verstandes sey, solchen Reichthum nicht aufzunehmen, und sich mit der duerftigen Abstraktion begnuegen zu muessen. Wenn nun der gegebene Stoff der Anschauung und das Mannigfaltige der Vorstellung als das Reelle gegen das Gedachte und den Begriff genommen wird, so ist diess eine Ansicht, welche abgelegt zu haben nicht nur Bedingung des Philosophirens ist, sondern schon von der Religion vorausgesetzt wird; wie ist ein Beduerfniss und der Sinn derselben moeglich, wenn die fluechtige und oberflaechliche Erscheinung des Sinnlichen und Einzelnen noch fuer das Wahre gehalten wird? Die Philosophie aber giebt die _begriffene_ Einsicht, was es mit der Realitaet des sinnlichen Seyns fuer eine Bewandniss habe, und schickt jene Stufen des Gefuehls und der Anschauung, des sinnlichen Bewusstseyns u. s. f. insofern dem Verstande voraus, als sie in dessen Werden seine Bedingungen, aber nur so sind, dass der Begriff _aus ihrer Dialektik_ und _Richtigkeit_ als ihr _Grund_ hervorgeht, nicht aber, dass er durch ihre _Realitaet_ bedingt waere. Das abstrahirende Denken ist daher nicht als blosses Auf-die-Seite-stellen des sinnlichen Stoffes zu betrachten, welcher dadurch in seiner Realitaet keinen Eintrag leide, sondern es ist vielmehr das Aufheben und die Reduktion desselben als blosser _Erscheinung_ auf das _Wesentliche_, welches nur im _Begriff_ sich manifestirt. Wenn das freilich nur als ein _Merkmal_ oder _Zeichen_ dienen soll, was von der konkreten Erscheinung in den Begriff aufzunehmen sey, so darf es allerdings auch irgend eine nur sinnliche einzelne Bestimmung des Gegenstandes seyn, die wegen irgend eines aeusserlichen Interesses aus den anderen herausgewaehlt wird, und von gleicher Art und Natur, wie die uebrigen, ist. Ein hauptsaechlicher Missverstand, welcher hierbei obwaltet, ist, als ob das _natuerliche_ Princip, oder der _Anfang_, von dem in der _natuerlichen_ Entwickelung oder in der _Geschichte_ des sich bildenden Individuums ausgegangen wird, das _Wahre_ und im _Begriffe Erste_ sey. Anschauung oder Seyn sind wohl der Natur nach das Erste oder die Bedingung fuer den Begriff, aber sie sind darum nicht das an und fuer sich Unbedingte, im Begriffe hebt sich vielmehr ihre Realitaet und damit zugleich der Schein auf, den sie als das bedingende Reelle hatten. Wenn es nicht um die _Wahrheit_, sondern nur um die _Historie_ zu thun ist, wie es im Vorstellen und dem erscheinenden Denken zugehe, so kann man allerdings bei der Erzaehlung stehen bleiben, dass wir mit Gefuehlen und Anschauungen anfangen, und der Verstand aus dem Mannigfaltigen derselben eine Allgemeinheit oder ein Abstraktes herausziehe, und begreiflich jene Grundlage dazu noethig habe, welche bei diesem Abstrahiren noch in der ganzen Realitaet, mit welcher sie sich zuerst zeigte, dem Vorstellen stehen bleibe. Aber die Philosophie soll keine Erzaehlung dessen seyn, was geschieht, sondern eine Erkenntniss dessen, was _wahr_ darin ist, und aus dem Wahren soll sie ferner das begreifen, was in der Erzaehlung als ein blosses Geschehen erscheint. Wenn in der oberflaechlichen Vorstellung von dem, was der Begriff ist, alle Mannigfaltigkeit _ausser dem Begriffe_ steht, und diesem nur die Form der abstrakten Allgemeinheit oder der leeren Reflexionsidentitaet zukommt, so kann schon zunaechst daran erinnert werden, dass auch sonst fuer die Angaben eines Begriffs oder die Definition, zu der Gattung, welche selbst schon eigentlich nicht rein abstrakte Allgemeinheit ist, ausdruecklich auch die _specifische Bestimmtheit_ gefordert wird. Wenn nur mit etwas denkender Betrachtung darauf reflektirt wuerde, was diess sagen will, so wuerde sich ergeben, dass damit das _Unterscheiden_ als ein ebenso wesentliches Moment des Begriffes angesehen wird. _Kant_ hat diese Betrachtung durch den hoechst wichtigen Gedanken eingeleitet, dass es _synthetische Urtheile_ a priori gebe. Diese urspruengliche Synthesis der Apperception ist eines der tiefsten Principien fuer die spekulative Entwickelung; sie enthaelt den Anfang zum wahrhaften Auffassen der Natur des Begriffs, und ist jener leeren Identitaet oder abstrakten Allgemeinheit, welche keine Synthesis in sich ist, vollkommen entgegengesetzt.--Diesem Anfange entspricht jedoch die weitere Ausfuehrung wenig. Schon der Ausdruck: _Synthesis_ leitet leicht wieder zur Vorstellung einer _aeusserlichen_ Einheit, und _blossen Verbindung_ von solchen, die _an und fuer sich getrennt_ sind. Alsdann ist die kantische Philosophie nur bei dem psychologischen Reflexe des Begriffs stehen geblieben, und ist wieder zur Behauptung der bleibenden Bedingtheit des Begriffs durch ein Mannigfaltiges der Anschauung zurueck gegangen. Sie hat die Verstandeserkenntnisse und die Erfahrung nicht darum als einen _erscheinenden_ Inhalt ausgesprochen, weil die Kategorien selbst nur endliche sind, sondern aus dem Grunde eines psychologischen Idealismus, weil sie _nur_ Bestimmungen seyen, die vom Selbstbewusstseyn herkommen. Auch gehoert hierher, dass der Begriff wieder ohne das Mannigfaltige der Anschauung _inhaltslos_ und _leer_ seyn soll, ungeachtet er a priori eine _Synthesis_ sey; indem er diess ist, hat er ja die Bestimmtheit und den Unterschied in sich selbst, Indem sie die Bestimmtheit des Begriffs, damit die _absolute Bestimmtheit_, die _Einzelnheit_, ist, ist der Begriff Grund und Quelle aller endlichen Bestimmtheit und Mannigfaltigkeit. Die formelle Stellung, welche er als Verstand behaelt, wird in der kantischen Darstellung dessen, was _Vernunft_ sey, vollendet. In der Vernunft, der hoechsten Stufe des Denkens, sollte man erwarten, der Begriff werde die Bedingtheit, in welcher er auf der Stufe des Verstandes noch erscheint, verlieren, und zur vollendeten Wahrheit kommen. Diese Erwartung wird aber getaeuscht. Dadurch, dass Kant das Verhalten der Vernunft zu den Kategorien als nur _dialektisch_ bestimmt, und zwar das Resultat dieser Dialektik schlechthin nur als das _unendliche Nichts_ auffasst, so verliert die unendliche Einheit der Vernunft auch noch die Synthesis und damit jenen Anfang eines spekulativen, wahrhaft unendlichen Begriffs, sie wird zu der bekannten ganz formellen, _bloss regulativen Einheit_ des _systematischen Verstandesgebrauchs_. Es wird fuer einen Missbrauch erklaert, dass die Logik, die bloss _ein Kanon der Beurtheilung_ seyn solle, als ein _Organon_ zur Hervorbringung _objektiver_ Einsichten angesehen werde. Die Vernunftbegriffe, in denen man eine hoehere Kraft und tiefern Inhalt ahnen musste, haben nichts _Konstitutives_ mehr, wie noch die Kategorien; sie sind _blosse_ Ideen; es soll _ganz wohl erlaubt_ seyn, sie zu gebrauchen, aber mit diesen intelligibeln Wesen, in denen sich alle _Wahrheit_ ganz aufschliessen sollte, soll weiter nichts gemeint seyn, als _Hypothesen_, denen eine Wahrheit an und fuer sich zuzuschreiben, eine voellige Willkuer und Tollkuehnheit seyn wuerde, da sie--_in keiner Erfahrung vorkommen koennen._--Haette man es je denken sollen, dass die Philosophie den intelligibeln Wesen darum die Wahrheit absprechen wuerde, weil sie des raeumlichen und zeitlichen Stoffes der Sinnlichkeit entbehren? Es haengt hiermit unmittelbar der Gesichtspunkt zusammen, in Ruecksicht auf welchen der Begriff und die Bestimmung der Logik ueberhaupt zu betrachten ist, und der in der kantischen Philosophie auf die gleiche Weise, wie insgemein genommen wird; das _Verhaeltniss_ naemlich des _Begriffs_ und _seiner Wissenschaft_ zur _Wahrheit_ selbst. Es ist vorhin aus der kantischen Deduktion der Kategorien angefuehrt worden, dass nach derselben das _Objekt_, als in welchem das Mannigfaltige der Anschauung _vereinigt_ ist, nur diese Einheit ist _durch die Einheit des Selbstbewusstseyns_. Die _Objektivitaet des Denkens_ ist also hier bestimmt ausgesprochen, eine Identitaet des Begriffs und des Dinges, welche _die Wahrheit_ ist. Auf gleiche Weise wird auch insgemein zugegeben, dass, indem das Denken einen gegebenen Gegenstand sich aneignet, dieser dadurch eine Veraenderung erleidet, und aus einem sinnlichen zu einem gedachten gemacht werde; dass aber diese Veraenderung nicht nur nichts an seiner Wesentlichkeit aendere, sondern dass er vielmehr erst in seinem Begriffe in seiner _Wahrheit_; in der Unmittelbarkeit, in welcher er gegeben ist, aber nur _Erscheinung_ und _Zufaelligkeit_, dass die Erkenntniss des Gegenstandes, welche ihn begreift, die Erkenntniss desselben, wie er _an und fuer sich_ ist, und der Begriff seine Objektivitaet selbst sey. Auf der andern Seite wird aber ebenso wieder behauptet, _wir koennen die Dinge doch nicht erkennen_, _wie sie an und fuer sich seyen_, und die _Wahrheit_ sey fuer _die erkennende Vernunft unzugaenglich_; jene Wahrheit, welche in der Einheit des Objekts und des Begriffs besteht, sey doch nur Erscheinung; und zwar nun wieder aus dem Grunde, weil der Inhalt nur das Mannigfaltige der Anschauung sey. Es ist hierueber schon daran erinnert worden, dass eben im Begriffe vielmehr diese Mannigfaltigkeit, insofern sie der Anschauung im Gegensatze gegen den Begriff angehoert, aufgehoben werde, und der Gegenstand durch den Begriff in seine nicht zufaellig Wesenheit zurueckgefuehrt sey; diese tritt in die Erscheinung, darum eben ist die Erscheinung nicht bloss ein Wesenloses, sondern Manifestation des Wesens. Die aber ganz frei gewordene Manifestation desselben ist der Begriff.--Diese Saetze, an welche hier erinnert wird, sind darum keine dogmatische Assertionen, weil sich aus der ganzen Entwickelung des _Wesens_ durch sich selbst hervorgegangene Resultate sind. Der jetzige Standpunkt, auf welchen diese Entwickelung gefuehrt hat, ist, dass die Form des _Absoluten_, welche hoeher als Seyn und Wesen der _Begriff_ ist. Indem er nach dieser Seite, Seyn und Wesen, wozu auch bei anderen Ausgangspunkten Gefuehl und Anschauung und Vorstellung gehoeren, und welche als seine vorangehenden Bedingungen erschienen, _sich unterworfen_ und sich _als ihren unbedingten Grund_ erwiesen hat, so ist nun noch die _zweite Seite_ uebrig, deren Abhandlung dieses dritte Buch der Logik gewidmet ist, die Darstellung naemlich, wie er die Realitaet, welche in ihm verschwunden, in und aus sich bildet. Es ist daher allerdings zugegeben worden, dass die Erkenntniss, welche nur bei dem Begriff rein als solchem steht, noch unvollstaendig ist und nur erst zur _abstrakten Wahrheit_ gekommen ist. Aber ihre Unvollstaendigkeit liegt nicht darin, dass sie jener vermeintlichen Realitaet, die im Gefuehl und Anschauung gegeben sey, entbehre; sondern dass der Begriff noch nicht seine _eigene_ aus ihm selbst erzeugte Realitaet sich gegeben hat. Darin besteht die gegen und an dem empirischen Stoff und genauer an seinen Kategorien und Reflexions-Bestimmungen erwiesene Absolutheit des Begriffes, dass derselbe nicht, wie er _ausser_ und _vor_ dem Begriffe erscheint, _Wahrheit_ habe, sondern allein in seiner Idealitaet, oder Identitaet mit dem Begriffe. Die _Herleitung_ des Reellen aus ihm, wenn man es Herleitung nennen will, besteht zunaechst wesentlich darin, dass der Begriff in seiner formellen Abstraktion sich als unvollendet zeigt, und durch die in ihm selbst gegruendete Dialektik zur Realitaet so uebergeht, dass er sie aus sich erzeugt, aber nicht, dass er zu einer fertigen, ihm gegenueber gefundenen Realitaet wieder zurueckfaellt, und zu etwas, das sich als das Unwesentliche der Erscheinung kund gethan, seine Zuflucht nimmt, weil er, nachdem er sich um ein Besseres umgesehen, doch dergleichen nicht gefunden habe.--Es wird immer als etwas Verwundernswuerdiges ausgezeichnet werden, wie die kantische Philosophie dasjenige Verhaeltniss des Denkens zum sinnlichen Daseyn, bei dem sie stehen blieb, fuer ein nur relatives Verhaeltniss der blossen Erscheinung erkannte, und eine hoehere Einheit beider in der _Idee_ ueberhaupt, und z.B. in der Idee eines anschauenden Verstandes sehr wohl anerkannte und aussprach, doch bei jenem relativen Verhaeltnisse und bei der Behauptung stehen geblieben ist, dass der Begriff schlechthin von der Realitaet getrennt sey und bleibe,--somit als die _Wahrheit_ dasjenige behauptete, was sie als endliche Erkenntniss aussprach, und das fuer ueberschwenglich, unerlaubt und fuer Gedankendinge erklaerte, was sie als _Wahrheit_ erkannte, und wovon sie den bestimmten Begriff aufstellte. Indem es zunaechst hier die _Logik_, die Wissenschaft ueberhaupt ist, von derem Verhaeltnisse zur Wahrheit die Rede ist, so muss ferner noch zugegeben werden, dass jene als die _formelle Wissenschaft_ nicht auch diejenige Realitaet enthalten koennen und solle, welche der Inhalt weiterer Theile der Philosophie, der _Wissenschaften der Natur und des Geistes_, ist. Diese konkreten Wissenschaften treten allerdings zu einer reellern Form der Idee heraus als die Logik, aber zugleich nicht so, dass sie zu jener Realitaet sich wieder umwendeten, welche das ueber seine Erscheinung zu Wissenschaft erhobene Bewusstseyn aufgegeben, oder auch zum Gebrauch von Formen, wie die Kategorien und Reflexions-Bestimmungen sind, deren Endlichkeit und Unwahrheit sich in der Logik dargestellt hat, wieder zurueckkehrten. Vielmehr zeigt die Logik die Erhebung der _Idee_ zu der Stufe, von daraus sie die Schoepferin der Natur wird und zur Form einer _konkreten Unmittelbarkeit_ ueberschreitet, deren Begriff aber auch diese Gestalt wieder zerbricht, um zu sich selbst, als _konkreter Geist_, zu werden. Gegen diese konkreten Wissenschaften, welche aber das Logische oder den Begriff zum innern Bildner haben und behalten, wie sie es zum Vorbildner hatten, ist die Logik selbst allerdings die _formelle_ Wissenschaft, aber die Wissenschaft der _absoluten Form_, welche in sich Totalitaet ist, und die _reine Idee der Wahrheit selbst_ enthaelt. Diese absolute Form hat an ihr selbst ihren Inhalt oder Realitaet; der Begriff, indem er nicht die triviale, leere Identitaet ist, hat in dem Momente seiner Negativitaet oder des absoluten Bestimmens die unterschiedenen Bestimmungen; der Inhalt ist ueberhaupt nichts Anderes als solche Bestimmungen der absoluten Form; der durch sie selbst gesetzte, und daher auch ihr angemessene Inhalt.--Diese Form ist darum auch von ganz anderer Natur, als gewoehnlich die logische Form genommen wird. Sie ist schon _fuer sich selbst die Wahrheit_, indem dieser Inhalt seiner Form, oder diese Realitaet ihrem Begriffe angemessen ist, und die _reine Wahrheit_, weil dessen Bestimmungen noch nicht die Form eines absoluten Andersseyns oder der absoluten Unmittelbarkeit haben.--Kant, indem er Kr. der r. Vern. S. 83 in Beziehung auf die Logik, auf die alte und beruehmte Frage: _Was die Wahrheit sey?_ zu reden kommt, _schenkt_ vor's Erste als etwas Triviales die Namenerklaerung, dass sie die Uebereinstimmung der Erkenntniss mit ihrem Gegenstande sey;--eine Definition, die von grossem, ja von dem hoechsten Werthe ist. Wenn man sich derselben bei der Grundbehauptung des transcendentalen Idealismus erinnert, dass die _Vernunfterkenntniss_ die _Dinge an sich zu_ erfassen nicht vermoegend sey, dass die _Realitaet schlechthin_ ausser _dem Begriffe_ liege, so zeigt sich sogleich, dass eine solche _Vernunft_, die sich mit ihrem Gegenstande, den Dingen an sich, _nicht in Uebereinstimmung zu stezen_ vermag, und die _Dinge an sich_, die nicht mit dem Vernunftbegriffe, der Begriff, der nicht mit der Realitaet, eine Realitaet, die nicht mit dem Begriffe in Uebereinstimmung ist, _unwahre Vorstellungen_ sind. Wenn Kant die Idee eines _anschauenden Verstandes_ an jene Definition der Wahrheit gehalten haette, so wuerde er diese Idee, welche die geforderte Uebereinstimmung ausdrueckt, nicht als ein Gedankending, sondern vielmehr als Wahrheit behandelt haben. "Das, was man zu wissen verlange, giebt Kant ferner an, sey ein _allgemeines_ und _sicheres Kriterium der Wahrheit einer jeden Erkenntniss_; es wuerde ein solches seyn, welches von allen Erkenntnissen, _ohne Unterschied ihrer Gegenstaende_, gueltig waere; da man aber bei demselben _von allem Inhalt_ der Erkenntniss (_Beziehung auf ihr Objekt) abstrahiert_, und _Wahrheit gerade diesen Inhalt_ angeht, so wuerde es ganz _unmoeglich_ und _ungereimt_ seyn, nach einem Merkmal der _Wahrheit dieses Inhaltes_ der Erkenntnisse zu fragen. "--Es ist hier die gewoehnliche Vorstellung von der formellen Funktion der Logik sehr bestimmt ausgedrueckt, und das angefuehrte Raisonnement scheint sehr einleuchtend zu seyn. Vor's Erste aber ist zu bemerken, dass es solchem formellen Raisonnement gewoehnlich so geht, in seinem Reden die Sache zu vergessen, die es zur Grundlage gemacht und von der es spricht. Es wuerde ungereimt seyn, heisst es, nach einem Kriterium der _Wahrheit des Inhalts_ der Erkenntniss zu fragen; --aber nach der Definition macht nicht der _Inhalt_ die Wahrheit aus, sondern die _Uebereinstimmung_ desselben mit dem Begriffe. Ein Inhalt, wie von ihm hier gesprochen wird, _ohne den Begriff_, ist ein Begriffloses, somit Wesenloses; nach dem Kriterium der Wahrheit eines solchen kann freilich nicht gefragt werden, aber aus dem entgegengesetzten Grunde; darum naemlich nicht, weil er um seiner Begrifflosigkeit willen nicht die _geforderte Uebereinstimmung_ ist, sondern weiter nichts als ein der wahrheitslosen Meinung Angehoeriges seyn kann.--Lassen wir die Erwaehnung des Inhalts bei Seite, der hier die Verwirrung verursacht, in welche aber der Formalismus jedesmal verfaellt, und die ihn das Gegentheil dessen sagen laesst, was er vorbringen will, so oft er sich auf Erlaeuterung einlaesst, und bleiben bei der abstrakten Ansicht stehen, dass das Logische nur formell sey, und von allem Inhalt vielmehr abstrahire;--so haben wir eine einseitige Erkenntniss, welche keinen Gegenstand enthalten soll, eine leere, bestimmungslose Form, die also ebenso wenig eine _Uebereinstimmung_, da zur Uebereinstimmung wesentlich _Zwei_ gehoeren, --ebenso wenig Wahrheit ist.--An der a priorischen _Synthesis_ des Begriffs hatte Kant ein hoeheres Princip, worin die Zweiheit in der Einheit, somit dasjenige erkannt werden konnte, was zur Wahrheit gefordert wird; aber der sinnliche Stoff, das Mannigfaltige der Anschauung war ihm zu maechtig, um davon weg zur Betrachtung des Begriffs und der Kategorien _an und fuer sich_, und zu einem spekulativen Philosophiren kommen zu koennen. Indem die Logik Wissenschaft der absoluten Form ist, so muss diess Formelle, _damit es ein Wahres seye_, an ihm selbst einen _Inhalt_ haben, welcher seiner Form gemaess sey, und um so mehr, da das logische Formelle die reine Form, also das logische Wahre, die _reine Wahrheit_ selbst seyn muss. Dieses Formelle muss daher in sich viel reicher an Bestimmungen und Inhalt, so wie auch von unendlich groesserer Wirksamkeit auf das Konkrete gedacht werden, als es gewoehnlich genommen wird. Die logischen Gesetze fuer sich (das ohnehin Heterogene, die angewandte Logik und uebrige psychologische und anthropologische Material weggerechnet) werden gewoehnlich ausser dem Satze des Widerspruchs auf einige duerftige Saetze, die Umkehrung der Urtheile, und die Formen der Schluesse betreffend, beschraenkt. Die selbst hierbei vorkommenden Formen, so wie weitere Bestimmungen derselben werden nur gleichsam historisch aufgenommen, nicht der Kritik, ob sie an und fuer sich ein Wahres sehen, unterworfen. So gilt z.B. die Form des positiven Urtheils fuer etwas an sich voellig Richtiges, wobei es ganz allein auf den Inhalt ankomme, ob ein solches Urtheil wahr sey. Ob diese Form _an und fuer sich_ eine Form der Wahrheit, ob der Satz, den sie ausspricht, _das Einzelne ist ein Allgemeines_, nicht in sich dialektisch sey, an diese Untersuchung wird nicht gedacht. Es wird geradezu dafuer gehalten, dass diess Urtheil fuer sich faehig, Wahrheit zu enthalten, und jener Satz, den jedes positive Urtheil ausspricht, ein wahrer sey; obschon unmittelbar erhellt, dass ihn dasjenige fehlt, was die Definition der Wahrheit fordert, naemlich die Uebereinstimmung des Begriffs und seines Gegenstandes; das Praedikat, welches hier das Allgemeine ist, als den Begriff, das Subjekt, welches das Einzelne ist, als den Gegenstand genommen, so stimmt das eine mit dem andern nicht ueberein. Wenn aber das _abstrakte Allgemeine_, welches das Praedikat ist, noch nicht einen Begriff ausmacht, als zu welchem allerdings mehr gehoert; --so wie auch solches Subjekt noch nicht viel weiter als ein grammatisches ist, wie sollte das Urtheil Wahrheit enthalten koennen, da sein Begriff und Gegenstand nicht uebereinstimmen, oder ihm der Begriff, wohl auch der Gegenstand, gar fehlt?--Diess ist daher vielmehr das _Unmoegliche_ und _Ungereimte_, in dergleichen Formen, wie ein positives Urtheil und wie das Urtheil ueberhaupt ist, die Wahrheit fassen zu wollen. So wie die kantische Philosophie die Kategorien nicht an und fuer sich betrachtete, sondern sie nur aus dem schiefen Grunde, weil sie subjektive Formen des Selbstbewusstseyns seyen, fuer endliche Bestimmungen, die das Wahre zu enthalten unfaehig seyen, erklaerte, so hat sie noch weniger die Formen des Begriffs, welche der Inhalt der gewoehnlichen Logik sind, der Kritik unterworfen; sie hat vielmehr einen Theil derselben, naemlich die Funktionen der Urtheile fuer die Bestimmung der Kategorie aufgenommen, und sie als gueltige Voraussetzungen gelten lassen. Soll in den logischen Formen auch weiter nichts gesehen werden, als formelle Funktionen des Denkens, so waeren sie schon darum der Untersuchung, in wiefern sie fuer sich der _Wahrheit_ entsprechen, wuerdig. Eine Logik, welche diess nicht leistet, kann hoechstens auf den Werth einer naturhistorischen Beschreibung der Erscheinungen des Denkens, wie sie sich vorfinden, Anspruch machen. Es ist ein unendliches Verdienst des _Aristoteles_, welches uns mit der hoechsten Bewunderung fuer die Staerke dieses Geistes erfuellen muss, diese Beschreibung zuerst unternommen zu haben. Aber es ist noethig, dass weiter gegangen, und Theils der systematische Zusammenhang, Theils aber der Werth der Formen erkannt werde. Eintheilung. Der Begriff zeigt sich obenhin betrachtet als die Einheit des _Seyns_ und _Wesens_. Das Wesen ist die _erste Negation_ des Seyns, das dadurch zum _Schein_ geworden ist, der Begriff ist die _zweite_, oder die Negation dieser Negation; also das wiederhergestellte Seyn, aber als die unendliche Vermittlung und Negativitaet desselben in sich selbst.--_Seyn_ und _Wesen_ haben daher im Begriffe nicht mehr die Bestimmung, in welcher sie als _Seyn_ und _Wesen_ sind, noch sind sie nur in solcher Einheit, dass jedes in dem andern _scheine_. Der Begriff unterscheidet sich daher nicht in diese Bestimmungen. Er ist die Wahrheit des substantiellen Verhaeltnisses, in welchem Seyn und Wesen ihre erfuellte Selbststaendigkeit und Bestimmung durch einander erreichen. Als die Wahrheit der Substantialitaet erwies sich die _substantielle Identitaet_, welche ebenso sehr und nur als das _Gesetztseyn_ ist. Das Gesetztseyn ist das _Daseyn_ und _Unterscheiden_; das An- und Fuersichseyn hat daher im Begriffe ein sich gemaesses und wahres Daseyn erreicht, denn jenes Gesetztseyn ist das An- und Fuersichseyn selbst. Diess Gesetztseyn macht den Unterschied des Begriffes in ihm selbst aus, seine _Unterschiede_, weil sie unmittelbar das An- und Fuersichseyn ist, sind selbst _der ganze Begriff; in ihrer Bestimmtheit allgemeine, und identisch mit ihrer Negation_. Diess ist nun der Begriff selbst des Begriffes. Aber es ist _nur erst_ sein Begriff;--oder er ist selbst auch _nur_ der Begriff. Weil er das An- und Fuersichseyn ist, insofern es Gesetztseyn ist, oder die absolute Substanz, insofern sie die _Nothwendigkeit_ unterschiedener Substanzen als _Identitaet_ offenbart, so muss diese Identitaet das, was sie ist, selbstsetzen. Die Momente der Bewegung des Substantialitaets-Verhaeltnisses, wodurch der Begriff _geworden_ ist, und die dadurch dargestellte Realitaet ist erst im Uebergange zum Begriffe; sie ist noch nicht als _seine eigene_, aus ihm hervorgegangene Bestimmung; sie fiel in die Sphaere der Nothwendigkeit, die seinige kann nur seine _freie_ Bestimmung, ein Daseyn seyn, in welchem er als identisch mit sich dessen Momente Begriffe und durch ihn selbst _gesetzte_ sind. _Zuerst_ ist also der Begriff nur _an sich_ die Wahrheit; weil er _nur_ ein _Inneres_ ist, so ist er ebenso sehr _nur_ ein _Aeusseres_. Er ist _zuerst_ ueberhaupt ein _Unmittelbares_, und in dieser Gestalt haben seine Momente die Form von _unmittelbaren, festen Bestimmungen_. Er erscheint als der _bestimmte Begriff_, als die Sphaere des blossen _Verstandes_.--Weil diese Form der Unmittelbarkeit ein seiner Natur noch nicht angemessenes Daseyn ist, da er das sich nur auf sich selbst beziehende _Freie_ ist, so ist sie eine _aeusserliche_ Form, in der der Begriff nicht als An- und Fuersichseyendes, sondern als _nur Gesetztes_ oder ein _Subjektives_ gelten kann.--Die Gestalt des _unmittelbaren_ Begriffes macht den Standpunkt aus, nach welchem der Begriff ein subjektives Denken, eine der _Sache_ aeusserliche Reflexion ist. Diese Stufe macht daher die _Subjektivitaet_ oder den _formellen Begriff_ aus. Die Aeusserlichkeit desselben erscheint in dem _festen Seyn_ seiner _Bestimmungen_, wodurch jede fuer sich als ein Isolirtes, Qualitatives auftritt, das nur in aeusserer Beziehung auf sein Anderes ist. Die _Identitaet_ des Begriffes aber, die eben das _innere_ oder _subjektive_ Wesen derselben ist, setzt sie in dialektische Bewegung, durch welche sich ihre Vereinzelung und damit die Trennung des Begriffs von der Sache aufhebt und als ihre Wahrheit die _Totalitaet_ hervorgeht, welche _der objektive Begriff_ ist. _Zweitens_. Der Begriff in seiner _Objektivitaet_ ist die _an- und fuersichseyende Sache selbst_. Durch seine nothwendige Fortbestimmung macht der _formelle_ Begriff sich selbst zur Sache, und verliert dadurch das Verhaeltniss der Subjektivitaet der aus seiner _Innerlichkeit hervorgetretene_ und in das Daseyn uebergangene _reale Begriff_.--In dieser Identitaet mit der Sache hat er somit _eigenes_ und _freies_ Daseyn. Aber er ist diess noch eine _unmittelbare_, noch nicht _negative_ Freiheit. Eins mit der Sache ist er in sie _versenkt_; seine Unterschiede sind objektive Existenzen, in denen er selbst wieder das _Innere_ ist. Als die Seele des objektiven Daseyns muss er _sich_ die Form der _Subjektivitaet geben_, die er als _formeller_ Begriff _unmittelbar_ hatte; so tritt er _in der Form_ des Freien, die er in der Objektivitaet noch nicht hatte, ihr gegenueber, und macht darin die Identitaet mit ihr, die er _an und fuer sich als objektiver_ Begriff mit ihr hat, zu einer auch _gesetzten_. In dieser Vollendung, worin er in seiner Objektivitaet ebenso die Form der Freiheit hat, ist der _adaequate Begriff_ die _Idee_. Die _Vernunft_, welche die Sphaere der Idee ist, ist die sich selbst _enthuellte Wahrheit_, worin der Begriff die schlechthin ihm angemessene Realisation hat, und insofern frei ist, als er diese seine objektive Welt in seiner Subjektivitaet, und diese in jener erkennt. Erster Abschnitt. Die Subjektivitaet. Der Begriff ist zuerst der _formelle_, der Begriff im _Anfang_ oder der als _unmittelbarer_ ist.--In der unmittelbaren Einheit ist sein Unterschied oder Gesetztseyn _zuerst_ zunaechst selbst einfach und nur _ein Schein_, so dass die Momente des Unterschiedes unmittelbar die Totalitaet des Begriffes sind, und nur der _Begriff als solcher_ sind. _Zweitens_ aber, weil er die absolute Negativitaet ist, so dirimirt er sich, und setzt sich als das _Negative_ oder als das _Andere_ seiner selbst; und zwar, weil er erst der _unmittelbare_ ist, hat diess Setzen oder Unterscheiden die Bestimmung, dass die Momente _gleichgueltig gegeneinander_ und jedes fuer sich wird; seine Einheit ist in dieser _Theilung_ nur noch aeussere _Beziehung_. So als _Beziehung_ seiner als _selbststaendig_ und _gleichgueltig_ gesetzten Momente ist er das _Urtheil_. _Drittens_ das Urtheil enthaelt wohl die Einheit des in seine selbststaendigen Momente verlorenen Begriffs, aber sie ist nicht _gesetzt_. Sie wird diess durch die dialektische Bewegung des Urtheils, das hierdurch der _Schluss_ geworden ist, zum vollstaendig gesetzten Begriff; indem im Schluss ebenso wohl die Momente desselben als _selbststaendige_ Extreme, wie auch deren _vermittelnde Einheit_ gesetzt ist. Indem aber _unmittelbar_ diese _Einheit_ selbst als die vereinigende _Mitte_, und die _Momente als selbststaendige_ Extreme zunaechst einander gegenueber stehen, so hebt diess widersprechende Verhaeltniss, das im _formalen Schlusse_ Statt findet, sich auf, und die _Vollstaendigkeit_ des Begriffs geht in die Einheit der _Totalitaet_ ueber, die _Subjektivitaet_ des Begriffes in seine _Objektivitaet_. Erstes Kapitel. Der Begriff. Durch den _Verstand_ pflegt das Vermoegen der Begriffe ueberhaupt ausgedrueckt zu werden, er wird insofern von der _Urtheilskraft_ und dem Vermoegen der Schluesse, als der formellen _Vernunft_, unterschieden. Vornehmlich aber wird er der _Vernunft_ entgegengesetzt; insofern aber bedeutet er nicht das Vermoegen des Begriffs ueberhaupt, sondern der _bestimmten_ Begriffe, wobei die Vorstellung herrscht, als ob der Begriff _nur_ ein _Bestimmtes_ sey. Wenn der Verstand in dieser Bedeutung von der formellen Urtheilskraft und der formellen Vernunft unterschieden wird, so ist er als Vermoegen des _einzelnen_ bestimmten Begriffs zu nehmen. Denn das Urtheil und der Schluss oder die Vernunft sind selbst, als Formales, nur ein _Verstaendiges_, indem sie unter der Form der abstrakten Begriffsbestimmtheit stehen. Der Begriff gilt aber hier ueberhaupt nicht als bloss abstrakt-Bestimmtes; der Verstand ist daher von der Vernunft nur so zu unterscheiden, dass jener nur das Vermoegen des Begriffes ueberhaupt sey. Dieser allgemeine Begriff, der nun hier zu betrachten ist, enthaelt die drei Momente: _Allgemeinheit, Besonderheit_ und _Einzelheit_. Der Unterschied und die Bestimmungen, die er sich in dem Unterscheiden giebt, machen die Seite aus, welche vorhin _Gesetztseyn_ genannt wurde. Da dieses in dem Begriffe identisch mit dem An- und Fuersichseyn ist, so ist jedes jener Momente so sehr _ganzer_ Begriff, als _bestimmter Begriff_, und als _eine Bestimmung_ des Begriffs. Zuerst ist er _reiner Begriff_, oder die Bestimmung der _Allgemeinheit_. Der reine oder allgemeine Begriff ist aber auch nur ein _bestimmter_, oder _besonderer_ Begriff, der sich auf die Seite neben die anderen stellt. Weil der Begriff die Totalitaet ist, also in seiner Allgemeinheit oder rein identischen Beziehung auf sich selbst, wesentlich das Bestimmen und Unterscheiden ist, so hat er in ihm selbst den Maassstab, wodurch diese Form seiner Identitaet mit sich, indem sie alle Momente durchdringt und in sich fasst, ebenso unmittelbar sich bestimmt, _nur_ das _Allgemeine_ gegen die Unterschiedenheit der Momente zu seyn. _Zweitens_ ist der Begriff dadurch als dieser _besondere_ oder als _bestimmte_ Begriff, welcher als gegen andere unterschieden gesetzt ist. _Drittens_ die _Einzelheit_ ist der aus dem Unterschiede in die absolute Negativitaet sich reflektirende Begriff. Diess ist zugleich das Moment, worin er aus seiner Identitaet in sein _Andersseyn_ uebergetreten ist, und zum _Urtheil_ wird. A. Der allgemeine Begriff. Der reine Begriff ist das absolut Unendliche, Unbedingte und Freie. Es ist hier, wo die Abhandlung, welche den Begriff zu ihrem _Inhalte_ hat, beginnt, noch einmal nach seiner Genesis zurueckzusehen. Das _Wesen_ ist aus dem _Seyn_, und der Begriff aus dem Wesen, somit auch aus dem _Seyn geworden._ Diess Werden hat aber die Bedeutung des _Gegenstosses_ seiner selbst, so dass das _Gewordene_ vielmehr das _Unbedingte_ und _Urspruengliche_ ist. Das _Seyn_ ist in seinem Uebergange zum Wesen zu einem _Schein_ oder _Gesetztseyn_, und das _Werden_ oder das Uebergehen in _Anderes_ zu einem _Setzen_ geworden, und umgekehrt hat das _Setzen_ oder die Reflexion des Wesens sich aufgehoben und sich zu einem Nichtgesetzten, einem _urspruenglichen_ Seyn hergestellt. Der Begriff ist die Durchdringung dieser Momente, dass das Qualitative, und urspruenglich-Seyende nur als Setzen und nur als Rueckkehr-in-sich ist, und diese reine Reflexion-in-sich schlechthin das _Anderswerden_ oder die _Bestimmtheit_ ist, welche ebenso daher unendliche, sich auf sich beziehende _Bestimmtheit_ ist. Der Begriff ist daher zuerst so die _absolute Identitaet mit sich_, dass sie diess nur ist, als die Negation der Negation, oder als die unendliche Einheit der Negativitaet mit sich selbst. Diese _reine Beziehung_ des Begriffs auf sich, welche dadurch diese Beziehung ist, als durch die Negativitaet sich setzend, ist die _Allgemeinheit_ des Begriffs. _Die Allgemeinheit_, das sie die hoechst _einfache_ Bestimmung ist, scheint keiner Erklaerung faehig zu seyn; denn eine Erklaerung muss sich auf Bestimmungen und Unterscheidungen einlassen, und von ihrem Gegenstand praediciren, das Einfache aber wird hierdurch vielmehr veraendert, als erklaert. Es ist aber gerade die Natur des Allgemeinen, ein solches Einfaches zu seyn, welches durch die absolute Negativitaet den hoechsten Unterschied und Bestimmtheit _in sich_ enthaelt. Das _Seyn_ ist einfaches, als _unmittelbares_; deswegen ist es ein nur _Gemeintes_, und kann man von ihm nicht sagen, was es ist; es ist daher unmittelbar eins mit seinem Andern, dem _Nichtseyn_. Eben diess ist sein Begriff, ein solches Einfaches zu seyn, das in seinem Gegentheil unmittelbar verschwindet; er ist das _Werden_. Das _Allgemeine_ dagegen ist das _Einfache_, welches ebenso sehr das _Reichste in sich selbst_ ist; weil es der Begriff ist. Es ist daher _erstens_ die einfach Beziehung auf sich selbst; es ist nur in sich. Aber diese Identitaet ist _zweitens_ in sich absolute _Vermittelung_; nicht aber ein _Vermitteltes_. Vom Allgemeine, welches ein vermitteltes, naemlich das _abstrakte_, dem Besondern und Einzelnen entgegengesetzte Allgemeine ist, ist erst bei dem bestimmten Begriffe zu reden.--Aber auch schon das _Abstrakte_ enthaelt diess, dass, um es zu erhalten, erfordert werde, andere Bestimmungen des Konkreten _wegzulassen_. Diese Bestimmungen sind als Determinationen ueberhaupt _Negationen_; ebenso ist ferner das _Weglassen_ derselben ein _Negiren_. Es kommt also beim Abstrakten gleichfalls die Negation der Negation vor. Diese gedoppelte Negation aber wird vorgestellt, als ob sie demselben _aeusserlich_ sey, und sowohl die weggelassenen weiteren Eigenschaften des Konkreten von der beibehaltenen, welche der Inhalt des Abstrakten ist, verschieden seyen, als auch diese Operation des Weglassens der uebrigen und des Beibehaltens der einen, ausser derselben vorgehe. Zu solcher _Aeusserlichkeit_ hat sich das Allgemeine gegen jene Bewegung noch nicht bestimmt; es ist noch selbst in sich jene absolute Vermittelung, welche eben die Negation der Negation oder absolute Negativitaet ist. Nach dieser urspruenglichen Einheit ist vor's Erste das erste Negative oder die _Bestimmung_ keine Schranke fuer das Allgemeine, sondern es _erhaelt sich darin_, und ist positiv mit sich identisch. Die Kategorien des Seyns waren, als Begriffe, wesentlich diese Identitaeten der Bestimmungen mit sich selbst, in ihrer Schranke oder ihrem Andersseyn; diese Identitaet war aber nur _an sich_ der Begriff; sie war noch nicht manifestirt. Daher die qualitative Bestimmung als solche in ihrer andern unterging und eine von ihr _verschiedene_ Bestimmung zu ihrer Wahrheit hatte. Das Allgemeine hingegen, wenn es sich auch in eine Bestimmung setzt, _bleibt_ es darin, was es ist. Es ist die _Seele_ des Konkreten, dem es inwohnt, ungehindert und sich selbst gleich in dessen Mannigfaltigkeit und Verschiedenheit. Es wird nicht mit in das _Werden_ gerissen, sonder _kontinuirt sich_ ungetruebt durch dasselbe, und hat die Kraft unveraenderlicher, unsterblicher Selbsterhaltung. Ebenso _scheint_ es aber nicht nur in sein Anderes, wie die Reflexions-Bestimmung. Diese als ein _Relatives_ bezieht sich nicht nur auf sich, sondern ist ein _Verhalten. Sie giebt sich_ in ihrem Andern _kund_; aber _scheint_ nur erst an ihm, und das Scheinen eines jeden an dem Andern oder ihr gegenseitiges Bestimmen hat bei ihrer Selbststaendigkeit die Form eines aeusserlichen Thuns.--Das _Allgemeine_ dagegen ist gesetzt als das _Wesen_ seiner Bestimmung, die _eigene positive Natur_ derselben. Denn die Bestimmung, die sein Negatives ausmacht, ist im Begriffe schlechthin nur als ein _Gesetztseyn_, oder wesentlich nur zugleich als das Negative des Negativen, und sie ist nur als diese Identitaet des Negativen mit sich, welche das Allgemeine ist. Dieses ist insofern auch die _Substanz_ seiner Bestimmungen; aber so, dass das, was fuer die Substanz als solche ein _Zufaelliges_ war, die eigene _Vermittelung_ des Begriffes mit sich selbst, seine eigene _immanente Reflexion_ ist. Diese Vermittelung, welche das Zufaellige zunaechst zur _Nothwendigkeit_ erhebt, ist aber die _manifestirte_ Beziehung; der Begriff ist nicht der Abgrund der formlosen Substanz, oder die Nothwendigkeit, als die _innere_ Identitaet von einander verschiedener und sich beschraenkender Dinge oder Zustaende, sondern als absolute Negativitaet das Formirende und Erschaffende, und weil die Bestimmung nicht als Schranke, sondern schlechthin so sehr als aufgehobene, als Gesetztseyn ist, so ist der Schein die Erscheinung als _des Identischen_. Das Allgemeine ist daher die _freie_ Macht; es ist es selbst und greift ueber sein Anderes ueber; aber nicht als ein _Gewaltsames_, sondern das vielmehr in demselben ruhig und _bei sich selbst_ ist. Wie es die freie Macht genannt worden, so koennte es auch die _freie Liebe_ und _schrankenlose Seligkeit_ genannt werden, denn es ist ein Verhalten seiner zu dem _Unterschiedenen_ nur als _zu sich selbst_, in demselben ist es zu sich selbst zurueckgekehrt. Es ist so eben der _Bestimmtheit_ erwaehnt worden, obgleich der Begriff nur erst als das Allgemeine und nur mit sich _Identische_ noch nicht dazu fortgegangen ist. Es kann aber von dem Allgemeinen nicht ohne die Bestimmtheit, welche naeher die Besonderheit und Einzelnheit ist, gesprochen werden; denn es enthaelt sie in seiner absoluten Negativitaet an und fuer sich; die Bestimmtheit wird also nicht von Aussen dazu genommen, wenn beim Allgemeinen von ihr gesprochen wird. Als Negativitaet ueberhaupt, oder nach der _ersten, unmittelbaren_ Negation hat es die Bestimmtheit ueberhaupt als _Besonderheit_ an ihm; als _Zweites_, als Negation der Negation ist es _absolute Bestimmtheit_, oder _Einzelnheit_ und _Konkretion_.--Das Allgemeine ist somit die Totalitaet des Begriffes, es ist Konkretes, ist nicht ein Leeres, sondern hat vielmehr durch seinen Begriff _Inhalt_;--einen Inhalt, in dem es sich nicht nur erhaelt, sondern der ihm eigen und immanent ist. Es kann von dem Inhalte wohl abstrahirt werden; so erhaelt man aber nicht das Allgemeine des Begriffs, sondern das _Abstrakte_, welches ein isolirtes, unvollkommenes Moment des Begriffes ist, und keine Wahrheit hat. Naeher ergiebt sich das Allgemeine so als diese Totalitaet. Insofern es die Bestimmtheit in sich hat, ist sie nicht nur die _erste_ Negation, sondern auch die Reflexion derselben in sich. Mit jener ersten Negation fuer sich genommen, ist es _Besonders_, wie es sogleich wird betrachtet werden; aber es ist in dieser Bestimmtheit wesentlich noch Allgemeines; diese Seite muss hier noch aufgefasst werden.--Diese Bestimmtheit ist naemlich als im Begriffe die totale Reflexion, der _Doppelschein_, einmal der Schein _nach Aussen_, die Reflexion in Anderes; das andere Mal der Schein _nach Innen_, die Reflexion in sich. Jenes aeusserliche Scheinen macht einen Unterschied gegen _Anderes_; das Allgemeine hat hiernach eine _Besonderheit_, welche ihre Aufloesung in einem hoehern Allgemeinen hat. Insofern es nun auch nur ein relativ-Allgemeines ist, verliert es seinen Charakter des Allgemeinen nicht; es erhaelt sich in seiner Bestimmtheit, nicht nur so, dass es in der Verbindung mit ihr nur gleichgueltig gegen sie bliebe,--so waere es nur mit ihr _zusammengesetzt_,--sondern dass es das ist, was so eben das _Scheinen nach Innen_ genannt wurde. Die Bestimmtheit ist als bestimmter _Begriff_ aus der Aeusserlichkeit _in sich zurueckgebogen_; sie ist der eigene, immanente _Charakter_, der dadurch ein Wesentliches ist, dass er in die Allgemeinheit aufgenommen und von ihr durchdrungen, von gleichem Umfange, identisch mit ihr sie ebenso durchdringt; es ist der Charakter, welcher der _Gattung_ angehoert, als die von dem Allgemeinen ungetrennte Bestimmtheit. Er ist insofern nicht eine nach Aussen gehende _Schranke_, sondern _positiv_, indem er durch die Allgemeinheit in der freien Beziehung auf sich selbst steht. Auch der bestimmte Begriff bleibt so in sich unendlich freier Begriff. In Ansehung der andern Seite aber, nach welcher die Gattung durch ihren bestimmten Charakter begrenzt ist, ist bemerkt worden, dass sie als niedrigere Gattung in einem hoehern Allgemeinen ihre Aufloesung habe. Dieses kann auch wieder als Gattung, aber als eine abstraktere aufgefasst werden, gehoert aber immer wieder nur der Seite des bestimmten Begriffes an, die nach Aussen geht. Das wahrhaft hoehere Allgemeine ist, worin diese nach Aussen gehende Seite nach Innen zurueckgenommen ist, die zweite Negation, in welcher die Bestimmtheit schlechthin nur _als_ Gesetztes, oder _als_ Schein ist. Leben, Ich, Geist, absoluter Begriff, sind nicht Allgemeine nur als hoehere Gattungen, sondern _Konkrete_, deren Bestimmtheiten auch nicht nur Arten oder niedrige Gattungen sind, sondern die in ihrer Realitaet schlechthin nur in sich und davon erfuellt sind. Insofern Leben, Ich, endlicher Geist, wohl auch nur bestimmte Begriffe sind, so ist ihre absolute Aufloesung in demjenigen Allgemeinen, welches als wahrhaft absoluter Begriff, als Idee des unendlichen Geistes zu fassen ist, dessen _Gesetztseyn_ die unendliche, durchsichtige Realitaet ist, worin er seine _Schoepfung_, und in ihr sich selbst anschaut. Das wahrhafte, unendliche Allgemeine, welches unmittelbar ebenso sehr Besonderheit als Einzelnheit in sich ist, ist nun zunaechst naeher als _Besonderheit_ zu betrachten. Es _bestimmt_ sich frei; seine Verendlichung ist kein Uebergehen, das nur in der Sphaere des Seyns Statt hat; _es ist schoepferische Macht_, als die absolute Negativitaet, die sich auf sich selbst bezieht. Es ist als solche das Unterscheiden in sich, und dieses ist _Bestimmen_, dadurch, dass das Unterscheiden mit der Allgemeinheit eins ist. Somit ist es ein Setzen der Unterschiede selbst als allgemeiner, sich auf sich beziehender. Hierdurch werden sie _fixirte_, isolirte Unterschiede. Das isolirte _Bestehen_ des Endlichen, das sich frueher als sein Fuersichseyn, auch als Dingheit, als Substanz bestimmte, ist in seiner Wahrheit die Allgemeinheit, mit welcher Form der unendliche Begriff seine Unterschiede bekleidet,--eine Form, die eben einer seiner Unterschiede selbst ist. Hierin besteht das _Schaffen_ des Begriffs, das nur in diesem Innersten desselben selbst zu begreifen ist. B. Der besondere Begriff. _Die Bestimmtheit_ als solche gehoert dem Seyn und dem Qualitativen an; als Bestimmtheit des Begriffs ist sie _Besonderheit_. Sie ist keine _Grenze_, so dass sie sich zu einem _Andern_ als einem _Jenseits_ ihrer verhielte, vielmehr, wie sich so eben zeigte, das eigene immanentes Moment des Allgemeinen; dieses ist daher in der Besonderheit nicht bei einem Andern, sondern schlechthin bei sich selbst. Das Besondere enthaelt die Allgemeinheit, welche dessen Substanz ausmacht; die Gattung ist _unveraendert_ in ihren Arten; die Arten sind nicht von dem Allgemeinen, sondern nur _gegen einander_ verschieden. Das Besondere hat mit den _anderen_ Besonderen, zu denen es sich verhaelt, eine und dieselbe Allgemeinheit. Zugleich ist die Verschiedenheit derselben, um ihrer Identitaet mit dem Allgemeinen willen, _als solche_ allgemein; sie ist _Totalitaet._--Das Besondere _enthaelt_ also nicht nur das Allgemeine, sondern stellt dasselbe auch _durch seine Bestimmtheit_ dar; dieses macht insofern eine _Sphaere_ aus, welche das Besondere erschoepfen muss. Diese Totalitaet erscheint, insofern die Bestimmtheit des Besondern als blosse _Verschiedenheit_ genommen wird, als _Vollstaendigkeit_. Vollstaendig sind in dieser Ruecksicht die Arten, insofern es deren eben nicht mehrere _giebt_. Es ist fuer sie kein innerer Maassstab, oder _Princip_ vorhanden, weil die _Verschiedenheit_ eben der einheitslose Unterschied ist, an welchem die Allgemeinheit, die fuer sich absolute Einheit ist, bloss aeusserlicher Reflex, und eine unbeschraenkte, zufaellige Vollstaendigkeit ist. Die Verschiedenheit aber geht in _Entgegensetzung_, in eine _immanente Beziehung_ der Verschiedenen ueber. Die Besonderheit aber ist als Allgemeinheit an und fuer sich selbst, nicht durch Uebergehen solche immanente Beziehung; sie ist Totalitaet an ihr selbst, und _einfache_ Bestimmtheit, wesentlich _Princip_. Sie hat keine _andere_ Bestimmtheit, als welche durch das Allgemeine selbst gesetzt ist, und sich aus demselben folgendermassen ergiebt. Das Besondere ist das Allgemeine selbst, aber es ist dessen Unterschied oder Beziehung auf ein _Anderes_, sein _Scheinen nach Aussen_; es ist aber kein Anderes vorhanden, wovon das Besondere unterschieden waere, als das Allgemeine selbst.--Das Allgemeine bestimmt _sich_, so ist es selbst das Besondere; die Bestimmtheit ist _sein_ Unterschied; es ist nur von sich selbst unterschieden. Seine Arten sind daher nur a) das Allgemeine selbst und b) das Besondere. Das Allgemeine als der Begriff ist es selbst und sein Gegentheil, was wieder es selbst als seine gesetzte Bestimmtheit ist; es greift ueber dasselbe ueber, und ist in ihm bei sich. So ist es die Totalitaet und Princip seiner Verschiedenheit, die ganz nur durch es selbst bestimmt ist. Es giebt daher keine andere wahrhafte Eintheilung, als dass der Begriff sich selbst auf die Seite stellt, als die _unmittelbare_, unbestimmte Allgemeinheit; eben diess Unbestimmte macht seine Bestimmtheit, oder dass er ein _Besonderes_ ist. _Beides_ ist das Besondere, und ist daher _koordinirt_. Beides ist auch als Besonderes das _Bestimmte gegen_ das Allgemeine; es heisst demselben insofern _subordinirt_. Aber eben diess Allgemeine, _gegen_ welches das Besondere bestimmt ist, ist damit vielmehr selbst auch _nur eines_ der Gegenueberstehenden. Wenn wir von _zwei Gegenueberstehenden_ sprechen, so muessen wir also auch wieder sagen, dass sie beide das Besondere ausmachen, nicht nur _zusammen_, dass sie nur fuer die aeussere Reflexion darin _gleich_ waeren, Besondere zu seyn, sondern ihre Bestimmtheit _gegeneinander_ ist wesentlich zugleich nur _Eine_ Bestimmtheit, die Negativitaet, welche im Allgemeinen _einfach_ ist. Wie sich der Unterschied hier zeigt, ist er in seinem Begriffe, und damit in seiner Wahrheit. Aller fruehere Unterschied hat diese Einheit im Begriffe. Wie er unmittelbarer Unterschied im Seyn ist, ist er als die _Grenze_ eines _Andern_; wie er in der Reflexion ist, ist er relativer, gesetzt als sich auf sein Anderes wesentlich beziehend; hier beginnt somit die Einheit des Begriffs _gesetzt_ zu werden; aber zunaechst ist sie nur der _Schein_ an einem Andern.--Das Uebergehen und die Aufloesung dieser Bestimmungen hat nur diesen wahren Sinn, dass sie ihren Begriff, ihre Wahrheit erreichen; Seyn, Daseyn, Etwas oder Ganzes und Theile u. s. f., Substanz und Accidenzen, Ursache und Wirkung sind fuer sich Gedankenbestimmungen; als bestimmte _Begriffe_ werden sie aufgefasst, insofern jede in der Einheit mit ihrer and