The Project Gutenberg EBook of Wallensteins Tod, by Friedrich Schiller Copyright laws are changing all over the world. Be sure to check the copyright laws for your country before downloading or redistributing this or any other Project Gutenberg eBook. This header should be the first thing seen when viewing this Project Gutenberg file. Please do not remove it. Do not change or edit the header without written permission. Please read the "legal small print," and other information about the eBook and Project Gutenberg at the bottom of this file. Included is important information about your specific rights and restrictions in how the file may be used. 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Wallensteins Tod Friedrich Schiller Ein Trauerspiel in Fünf Aufzügen Personen: Wallenstein Octavio Piccolomini Max Piccolomini Terzky Illo Isolani Buttler Rittmeister Neumann Ein Adjutant Oberst Wrangel von Schweden gesendet Gordon Kommandant von Eger Major Geraldin Deveroux Macdonald Hauptleute in der Wallensteinischen Armee Schwedischer Hauptmann Eine Gesandtschaft von Kürassieren Bürgermeister von Eger Seni Herzogin von Friedland Gräfin Terzky Thekla Fräulein Neubrunn Hofdame der Prinzessin von Rosenberg Stallmeister der Prinzessin Dragoner Bediente. Pagen. Volk. Die Szene ist in den drei ersten Aufzügen zu Pilsen, in den zwei letzten zu Eger. Erster Aufzug Ein Zimmer, zu astrologischen Arbeiten eingerichtet und mit Sphären, Karten, Quadranten und anderm astronomischen Geräte versehen. Der Vorhang von einer Rotunde ist aufgezogen, in welcher die sieben Planetenbilder, jedes in einer Nische, seltsam beleuchtet, zu sehen sind. Seni beobachtet die Sterne, Wallenstein steht vor einer großen schwarzen Tafel, auf welcher der Planetenaspekt gezeichnet ist. Erster Auftritt Wallenstein. Seni. Wallenstein. Laß es jetzt gut sein, Seni. Komm herab. Der Tag bricht an, und Mars regiert die Stunde. Es ist nicht gut mehr operieren. Komm! Wir wissen g'nug. Seni. Nur noch die Venus laß mich Betrachten, Hoheit. Eben geht sie auf. Wie eine Sonne glänzt sie in dem Osten. Wallenstein. Ja, sie ist jetzt in ihrer Erdennäh' Und wirkt herab mit allen ihren Stärken. (Die Figur auf der Tafel betrachtend.) Glückseliger Aspekt! So stellt sich endlich Die große Drei verhängnisvoll zusammen, Und beide Segenssterne, Jupiter Und Venus, nehmen den verderblichen, Den tück'schen Mars in ihre Mitte, zwingen Den alten Schadenstifter, mir zu dienen. Denn lange war er feindlich mir gesinnt Und schoß mit senkrecht- oder schräger Strahlung, Bald im Gevierten, bald im Doppelschein, Die roten Blitze meinen Sternen zu Und störte ihre segenvollen Kräfte. Jetzt haben sie den alten Feind besiegt Und bringen ihn am Himmel mir gefangen. Seni. Und beide große Lumina von keinem Malefico beleidigt! der Saturn Unschädlich, machtlos, in cadente domo. Wallenstein. Saturnus' Reich ist aus, der die geheime Geburt der Dinge in dem Erdenschoß Und in den Tiefen des Gemüts beherrscht Und über allem, was das Licht scheut, waltet. Nicht Zeit ist's mehr, zu brüten und zu sinnen, Denn Jupiter, der glänzende, regiert Und zieht das dunkel zubereitete Werk Gewaltig in das Reich des Lichts--Jetzt muß Gehandelt werden, schleunig, eh' die Glücks- Gestalt mir wieder wegflieht überm Haupt, Denn stets in Wandlung ist der Himmelsbogen. (Es geschehen Schläge an die Tür.) Man pocht. Sieh, wer es ist. Terzky. (draußen). Laß öffnen! Wallenstein. Es ist Terzky. Was gibt's so Dringendes? Wir sind beschäftigt. Terzky. (draußen) Leg alles jetzt beiseit', ich bitte dich, Es leidet keinen Aufschub. Wallenstein. Öffne, Seni. (Indem jener dem Terzky aufmacht, zieht Wallenstein den Vorhang vor die Bilder.) Zweiter Auftritt Wallenstein. Graf Terzky. Terzky. (tritt ein). Vernahmst du's schon? Er ist gefangen, ist Vom Gallas schon dem Kaiser ausgeliefert! Wallenstein. (zu Terzky) Wer ist gefangen? Wer ist ausgeliefert? Terzky. Wer unser ganz Geheimnis weiß, um jede Verhandlung mit den Schweden weiß und Sachsen, Durch dessen Hände alles ist gegangen-- Wallenstein. (zurückfahrend) Sesin doch nicht? Sag nein, ich bitte dich. Terzky. Grad auf dem Weg nach Regenspurg zum Schweden Ergriffen ihn des Gallas Abgeschickte, Der ihm schon lang die Fährte abgelauert. Mein ganz Paket an Kinsky, Matthes Thurn, An Oxenstirn, an Arnheim führt er bei sich. Das alles ist in ihrer Hand, sie haben Die Einsicht nun in alles, was geschehn. Dritter Auftritt Vorige. Illo kommt. Illo. (zu Terzky) Weiß er's? Terzky. Er weiß es. Illo. (zu Wallenstein) Denkst du deinen Frieden Nun noch zu machen mit dem Kaiser, sein Vertraun zurückzurufen? wär' es auch: Du wolltest allen Planen jetzt entsagen, Man weiß, was du gewollt hast. Vorwärts mußt du, Denn rückwärts kannst du nun nicht mehr. Terzky. Sie haben Dokumente gegen uns In Händen, die unwidersprechlich zeugen-- Wallenstein. Von meiner Handschrift nichts. Dich straf ich Lügen. Illo. So? Glaubst du wohl, was dieser da, dein Schwager, In deinem Namen unterhandelt hat, Das werde man nicht dir auf Rechnung setzen? Dem Schweden soll sein Wort für deines gelten, Und deinen Wiener Feinden nicht! Terzky. Du gabst nichts Schriftliches--Besinn dich aber, Wie weit du mündlich gingst mit dem Sesin. Und wird er schweigen? Wenn er sich mit deinem Geheimnis retten kann, wird er's bewahren? Illo. Das fällt dir selbst nicht ein! Und da sie nun Berichtet sind, wie weit du schon gegangen, Sprich! was erwartest du? Bewahren kannst du Nicht länger dein Kommando, ohne Rettung Bist du verloren, wenn du's niederlegst. Wallenstein. Das Heer ist meine Sicherheit. Das Heer Verläßt mich nicht. Was sie auch wissen mögen, Die Macht ist mein, sie müssen's niederschlucken, --Und stell ich Kaution für meine Treu', So müssen sie sich ganz zufrieden geben. Illo. Das Heer ist dein; jetzt für den Augenblick Ist's dein; doch zittre vor der langsamen, Der stillen Macht der Zeit. Vor offenbarer Gewalt beschützt dich heute noch und morgen Der Truppen Gunst; doch gönnst du ihnen Frist, Sie werden unvermerkt die gute Meinung, Worauf du jetzo fußest, untergraben, Dir einen um den andern listig stehlen-- Bis, wenn der große Erdstoß nun geschieht, Der treulos mürbe Bau zusammenbricht. Wallenstein. Es ist ein böser Zufall! Illo. Oh! einen glücklichen will ich ihn nennen, Hat er auf dich die Wirkung, die er soll, Treibt dich zu schneller Tat--Der schwed'sche Oberst-- Wallenstein. Er ist gekommen? Weißt du, was er bringt? Illo. Er will nur dir allein sich anvertraun. Wallenstein. Ein böser, böser Zufall--Freilich! Freilich! Sesina weiß zu viel und wird nicht schweigen. Terzky. Er ist ein böhmischer Rebell und Flüchtling, Sein Hals ist ihm verwirkt; kann er sich retten Auf deine Kosten, wird er Anstand nehmen? Und wenn sie auf der Folter ihn befragen, Wird er, der Weichling, Stärke g'nug besitzen?-- Wallenstein. (in Nachsinnen verloren) Nicht herzustellen mehr ist das Vertraun. Und mag ich handeln, wie ich will, ich werde Ein Landsverräter ihnen sein und bleiben. Und kehr ich noch so ehrlich auch zurück Zu meiner Pflicht, es wird mir nichts mehr helfen-- Illo. Verderben wird es dich. Nicht deiner Treu', Der Ohnmacht nur wird's zugeschrieben werden. Wallenstein. (in heftiger Bewegung auf und ab gehend) Wie? Sollt' ich's nun im Ernst erfüllen müssen, Weil ich zu frei gescherzt mit dem Gedanken? Verflucht, wer mit dem Teufel spielt!-- Illo. Wenn's nur dein Spiel gewesen, glaube mir, Du wirst's in schwerem Ernste büßen müssen. Wallenstein. Und müßt' ich's in Erfüllung bringen, jetzt, Jetzt, da die Macht noch mein ist, müßt's geschehn-- Illo. Wo möglich, eh' sie von dem Schlage sich In Wien besinnen und zuvor dir kommen-- Wallenstein. (die Unterschriften betrachtend) Das Wort der Generale hab ich schriftlich-- Max Piccolomini steht nicht hier. Warum nicht? Terzky. Es war--er meinte-- Illo. Bloßer Eigendünkel! Es brauche das nicht zwischen dir und ihm. Wallenstein. Es braucht das nicht, er hat ganz recht-- Die Regimenter wollen nicht nach Flandern, Sie haben eine Schrift mir übersandt Und widersetzen laut sich dem Befehl. Der erste Schritt zu Aufruhr ist geschehn. Illo. Glaub mir, du wirst sie leichter zu dem Feind Als zu dem Spanier hinüber führen. Wallenstein. Ich will doch hören, was der Schwede mir Zu sagen hat. Illo. (pressiert) Wollt Ihr ihn rufen, Terzky? Er steht schon draußen. Wallenstein. Warte noch ein wenig. Es hat mich überrascht--Es kam zu schnell-- Ich bin es nicht gewohnt, daß mich der Zufall Blind waltend, finster herrschend mit sich führe. Illo. Hör ihn fürs erste nur. Erwäg's nachher. (Sie gehen.) Vierter Auftritt Wallenstein. (mit sich selbst redend) Wär's möglich? Könnt' ich nicht mehr, wie ich wollte? Nicht mehr zurück, wie mir's beliebt? Ich müßte Die Tat vollbringen, weil ich sie gedacht, Nicht die Versuchung von mir wies--das Herz Genährt mit diesem Traum, auf ungewisse Erfüllung hin die Mittel mir gespart, Die Wege bloß mir offen hab gehalten?-- Beim großen Gott des Himmels! Es war nicht Mein Ernst, beschloßne Sache war es nie. In dem Gedanken bloß gefiel ich mir; Die Freiheit reizte mich und das Vermögen. War's unrecht, an dem Gaukelbilde mich Der königlichen Hoffnung zu ergötzen? Blieb in der Brust mir nicht der Wille frei, Und sah ich nicht den guten Weg zur Seite, Der mir die Rückkehr offen stets bewahrte? Wohin denn seh ich plötzlich mich geführt? Bahnlos liegt's hinter mir, und eine Mauer Aus meinen eignen Werken baut sich auf, Die mir die Umkehr türmend hemmt! (Er bleibt tiefsinnig stehen.) Strafbar erschein ich, und ich kann die Schuld, Wie ich's versuchen mag! nicht von mir wälzen; Denn mich verklagt der Doppelsinn des Lebens, Und--selbst der frommen Quelle reine Tat Wird der Verdacht, schlimmdeutend, mir vergiften. War ich, wofür ich gelte, der Verräter, Ich hätte mir den guten Schein gespart, Die Hülle hätt' ich dicht um mich gezogen, Dem Unmut Stimme nie geliehn. Der Unschuld, Des unverführten Willens mir bewußt, Gab ich der Laune Raum, der Leidenschaft-- Kühn war das Wort, weil es die Tat nicht war. Jetzt werden sie, was planlos ist geschehn, Weitsehend, planvoll mir zusammenknüpfen, Und was der Zorn und was der frohe Mut Mich sprechen ließ im Überfluß des Herzens, Zu künstlichem Gewebe mir vereinen Und eine Klage furchtbar draus bereiten, Dagegen ich verstummen muß. So hab ich Mit eignem Netz verderblich mich umstrickt, Und nur Gewalttat kann es reißend lösen. (Wiederum stillstehend.) Wie anders! da des Mutes freier Trieb Zur kühnen Tat mich zog, die rauh gebietend Die Not jetzt, die Erhaltung von mir heischt. Ernst ist der Anblick der Notwendigkeit. Nicht ohne Schauder greift des Menschen Hand In des Geschicks geheimnisvolle Urne. In meiner Brust war meine Tat noch mein: Einmal entlassen aus dem sichern Winkel Des Herzens, ihrem mütterlichen Boden, Hinausgegeben in des Lebens Fremde, Gehört sie jenen tück'schen Mächten an, Die keines Menschen Kunst vertraulich macht. (Er macht heftige Schritte durchs Zimmer, dann bleibt er wieder sinnend stehen.) Und was ist dein Beginnen? Hast du dir's Auch redlich selbst bekannt? Du willst die Macht, Die ruhig, sicher thronende erschüttern, Die in verjährt geheiligtem Besitz, In der Gewohnheit festgegründet ruht, Die an der Völker frommem Kinderglauben Mit tausend zähen Wurzeln sich befestigt. Das wird kein Kampf der Kraft sein mit der Kraft, Den fücht ich nicht. Mit jedem Gegner wag ich's, Den ich kann sehen und ins Augen fassen, Der, selbst voll Mut, auch mir den Mut entflammt. Ein unsichtbarer Feind ist's, den ich fürchte, Der in der Menschen Brust mir widersteht, Durch feige Furcht allein mir fürchterlich-- Nicht, was lebendig kraftvoll sich verkündigt, Ist das gefährlich Furchtbare. Das ganz Gemeine ist's, das ewig Gestrige, Was immer war, und immer wiederkehrt Und morgen gilt, weil's heute hat gegolten! Denn aus Gemeinem ist der Mensch gemacht, Und die Gewohnheit nennt er seine Amme. Weh dem, der an den würdig alten Hausrat Ihm rührt, das teure Erbstück seiner Ahnen! Das Jahr übt eine heiligende Kraft; Was grau für Alter ist, das ist ihm göttlich. Sei im Besitze, und du wohnst im Recht, Und heilig wird's die Menge die bewahren. (Zu dem Pagen, der hereintritt.) Der schwed'sche Oberst? Ist er's? Nun, er komme. (Page geht. Wallenstein hat den Blick nachdenkend auf die Türe geheftet.) Noch ist sie rein--noch! Das Verbrechen kam Nicht über diese Schwelle noch--So schma ist Die Grenze, die zwei Lebenspfade scheidet! Fünfter Auftritt Wallenstein und Wrangel. Wallenstein. (nachdem er einen forschenden Blick auf ihn geheftet) Ihr nennt Euch Wrangel? Wrangel. Gustav Wrangel, Oberst Vom blauen Regimente Südermannland. Wallenstein. Ein Wrangel war's, der vor Stralsund viel Böses Mir zugefügt, durch tapfre Gegenwehr Schuld war, daß mir die Seestadt widerstanden. Wrangel. Das Werk des Elements, mit dem Sie kämpften, Nicht mein Verdienst, Herr Herzog! Seine Freiheit Verteidigte mit Sturmes Macht der Belt, Es sollte Meer und Land nicht einem dienen. Wallenstein. Den Admiralshut rißt Ihr mir vom Haupt. Wrangel. Ich komme, eine Krone drauf zu setzen. Wallenstein. (winkt ihm, Platz zu nehmen, setzt sich). Euer Kreditiv. Kommt Ihr mit ganzer Vollmacht? Wrangel. (bedenklich) Es sind so manche Zweifel noch zu lösen-- Wallenstein. (nachdem er gelesen) Der Brief hat Händ' und Füß'. Es ist ein klug, Verständig Haupt, Herr Wrangel, dem Ihr dienet. Es schreibt der Kanzler: er vollziehe nur Den eignen Einfall des verstorbnen Königs, Indem er mir zur böhm'schen Kron' verhelfe. Wrangel. Er sagt, was wahr ist. Der Hochselige Hat immer groß gedacht von Euer Gnaden Fürtrefflichem Verstand und Feldherrngaben, Und stets der Herrschverständigste, beliebt' ihm Zu sagen, sollte Herrscher sein und König. Wallenstein. Er durft' es sagen. (Seine Hand vertraulich fassend.) Aufrichtig, Oberst Wrangel--Ich war stets Im Herzen auch gut schwedisch--Ei, das habt ihr In Schlesien erfahren und bei Nürnberg. Ich hatt' euch oft in meiner Macht und ließ Durch eine Hintertür euch stets entwischen. Das ist's, was sie in Wien mir nicht verzeihn, Was jetzt zu diesem Schritt mich treibt--Und weil Nun unser Vorteil so zusammengeht, So laßt uns zu einander auch ein recht Vertrauen fassen. Wrangel. Das Vertraun wird kommen, Hat jeder nur erst seine Sicherheit. Wallenstein. Der Kanzler, merk ich, traut mir noch nicht recht. Ja, ich gesteh's--Es liegt das Spiel nicht ganz Zu meinem Vorteil--Seine Würden meint, Wenn ich dem Kaiser, der mein Herr ist, so Mitspielen kann, ich könn' das gleiche tun Am Feinde, und das eine wäre mir Noch eher zu verzeihen als das andre. Ist das nicht Eure Meinung auch, Herr Wrangel? Wrangel. Ich hab hier bloß ein Amt und keine Meinung. Wallenstein. Der Kaiser hat mich bis zum Äußersten Gebracht. Ich kann ihm nicht mehr ehrlich dienen. Zu meiner Sicherheit, aus Notwehr tu ich Den harten Schritt, den mein Bewußtsein tadelt. Wrangel. Ich glaub's. So weit geht niemand, der nicht muß. (Nach einer Pause.) Was Eure Fürstlichkeit bewegen mag, Also zu tun an ihrem Herrn und Kaiser, Gebührt nicht uns zu richten und zu deuten. Der Schwede ficht für seine gute Sach' Mit seinem guten Degen und Gewissen. Die Konkurrenz ist, die Gelegenheit Zu unsrer Gunst, im Krieg gilt jeder Vorteil, Wir nehmen unbedenklich, was sich bietet; Und wenn sich alles richtig so verhält-- Wallenstein. Woran denn zweifelt man? An meinem Willen? An meinen Kräften? Ich versprach dem Kanzler, Wenn er mir sechzehntausend Mann vertraut, Mit achtzehntausend von des Kaisers Heer Dazuzustoßen-- Wrangel. Euer Gnaden sind Bekannt für einen hohen Kriegesfürsten, Für einen zweiten Attila und Pyrrhus. Noch mit Erstaunen redet man davon, Wie Sie vor Jahren, gegen Menschendenken, Ein Heer wie aus dem Nichts hervorgerufen. Jedennoch-- Wallenstein. Dennoch? Wrangel. Seine Würden meint, Ein leichter Ding doch möcht' es sein, mit nichts Ins Feld zu stellen sechzigtausend Krieger, Als nur ein Sechzigteil davon (er hält inne) Wallenstein. Nun, was? Nur frei heraus! Wrangel. Zum Treubruch zu verleiten. Wallenstein. Meint er? Er urteilt wie ein Schwed' und wie Ein Protestant. Ihr Lutherischen fechtet Für eure Bibel, euch ist's um die Sach'; Mit eurem Herzen folgt ihr eurer Fahne.-- Wer zu dem Feinde läuft von euch, der hat Mit zweien Herrn zugleich den Bund gebrochen. Von all dem ist die Rede nicht bei uns-- Wrangel. Herr Gott im Himmel! Hat man hierzulande Denn keine Heimat, keinen Herd und Kirche? Wallenstein. Ich will Euch sagen, wie das zugeht--Ja, Der Österreicher hat ein Vaterland Und liebt's und hat auch Ursach', es zu lieben. Doch dieses Heer, das kaiserlich sich nennt, Das hier in Böheim hauset, das hat keins; Das ist der Auswurf fremder Länder, ist Der aufgegebne Teil des Volks, dem nichts Gehöret als die allgemeine Sonne. Und dieses böhm'sche Land, um das wir fechten, Das hat kein Herz für seinen Herrn, den ihm Der Waffen Glück, nicht eigne Wahl gegeben. Mit Murren trägt's des Glaubens Tyrannei, Die Macht hat's eingeschreckt, beruhigt nicht. Ein glühend, rachvoll Angedenken lebt Der Greuel, die geschahn auf diesem Boden. Und kann's der Sohn vergessen, daß der Vater Mit Hunden in die Messe ward gehetzt? Ein Volk, dem das geboten wird, ist schrecklich, Es räche oder dulde die Behandlung. Wrangel. Der Adel aber und die Offiziere? Solch eine Flucht und Felonie, Herr Fürst, Ist ohne Beispiel in der Welt Geschichten. Wallenstein. Sie sind auf jegliche Bedingung mein. Nicht mir, den eignen Augen mögt Ihr glauben. (Er gibt ihm die Eidesformel. Wrangel durchliest sie, legt sie, nachdem er gelesen, schweigend auf den Tisch.) Wie ist's? Begreift Ihr nun? Wrangel. Begreif 's, wer's kann! Herr Fürst! Ich laß die Maske fallen--Ja! Ich habe Vollmacht, alles abzuschließen. Es steht der Rheingraf nur vier Tagemärsche Von hier mit funfzehntausend Mann, er wartet Auf Ordre nur, zu Ihrem Heer zu stoßen. Die Ordre stell ich aus, sobald wir einig. Wallenstein. Was ist des Kanzlers Forderung? Wrangel. (bedenklich) Zwölf Regimenter gilt es, schwedisch Volk. Mein Kopf muß dafür haften. Alles könnte Zuletzt nur falsches Spiel-- Wallenstein. (fährt auf) Herr Schwede! Wrangel. (ruhig fortfahrend) Muß demnach Darauf bestehn, daß Herzog Friedland förmlich, Unwiderruflich breche mit dem Kaiser, Sonst ihm kein schwedisch Volk vertrauet wird. Wallenstein. Was ist die Forderung? Sagt's kurz und gut. Wrangel. Die span'schen Regimenter, die dem Kaiser Ergeben, zu entwaffnen, Prag zu nehmen Und diese Stadt wie auch das Grenzschloß Eger Den Schweden einzuräumen. Wallenstein. Viel gefordert! Prag! Sei's um Eger! Aber Prag? Geht nicht. Ich leist euch jede Sicherheit, die ihr Vernünft'gerweise von mir fordern möget. Prag aber--Böhmen--kann ich selbst beschützen. Wrangel. Man zweifelt nicht daran. Es ist uns auch Nicht ums Beschützen bloß. Wir wollen Menschen Und Geld umsonst nicht aufgewendet haben. Wallenstein. Wie billig. Wrangel. Und so lang, bis wir entschädigt, Bleibt Prag verpfändet. Wallenstein. Traut ihr uns so wenig? Wrangel. (steht auf) Der Schwede muß sich vorsehn mit dem Deutschen. Man hat uns übers Ostmeer hergerufen; Gerettet haben wir vom Untergang Das Reich--mit unserm Blut des Glaubens Freiheit, Die heil'ge Lehr' des Evangeliums Versiegelt--Aber jetzt schon fühlet man Nicht mehr die Wohltat, nur die Last, erblickt Mit scheelem Aug' die Fremdlinge im Reiche Und schickte gern mit einer Handvoll Geld Uns heim in unsre Wälder. Nein! wir haben Um Judas' Lohn, um klingend Gold und Silber Den König auf der Walstatt nicht gelassen! So vieler Schweden adeliges Blut, Es ist um Gold und Silber nicht geflossen! Und nicht mit magerm Lorbeer wollen wir Zum Vaterland die Wimpel wieder lüften, Wir wollen Bürger bleiben auf dem Boden, Den unser König fallend sich erobert. Wallenstein. Helft den gemeinen Feind mir niederhalten, Das schöne Grenzland kann euch nicht entgehn. Wrangel. Und liegt zu Boden der gemeine Feind, Wer knüpft die neue Freundschaft dann zusammen? Uns ist bekannt, Herr Fürst--wenngleich der Schwede Nichts davon merken soll--daß Ihr mit Sachsen Geheime Unterhandlung pflegt. Wer bürgt uns Dafür, daß wir nicht Opfer der Beschlüsse sind, Die man vor uns zu hehlen nötig achtet? Wallenstein. Wohl wählte sich der Kanzler seinen Mann, Er hätt' mir keinen zähern schicken können. (Aufstehend.) Besinnt Euch eines Bessern, Gustav Wrangel. Von Prag nichts mehr. Wrangel. Hier endigt meinen Vollmacht. Wallenstein. Euch meine Hauptstadt räumen! Lieber tret ich Zurück--zu meinem Kaiser. Wrangel. Wenn's noch Zeit ist. Wallenstein. Das steht bei mir, noch jetzt, zu jeder Stunde. Wrangel. Vielleicht vor wenig Tagen noch. Heut nicht mehr. --Seit der Sesin gefangen sitzt, nicht mehr. (Wie Wallenstein betroffen schweigt.) Herr Fürst! Wir glauben, daß Sie's ehrlich meinen; Seit gestern--sind wir des gewiß--Und nun Dies Blatt uns für die Truppen bürgt, ist nichts, Was dem Vertrauen noch im Wege stünde. Prag soll uns nicht entzweien. Mein Herr Kanzler Begnügt sich mit der Altstadt, Euer Gnaden Läßt er den Ratschin und die kleine Seite. Doch Eger muß vor allem sich uns öffnen, Eh' an Konjunktion zu denken ist. Wallenstein. Euch also soll ich trauen, ihr nicht mir? Ich will den Vorschlag in Erwägung ziehn. Wrangel. In keine gar zu lange, muß ich bitten. Ins zweite Jahr schon schleicht die Unterhandlung; Erfolgt auch diesmal nichts, so will der Kanzler Auf immer sie für abgebrochen halten. Wallenstein. Ihr drängt mich sehr. Ein solcher Schritt will wohl Bedacht sein. Wrangel. Eh' man überhaupt dran denkt, Herr Fürst! Durch rasche Tat nur kann er glücken. (Er geht ab.) Sechster Auftritt Wallenstein. Terzky und Illo kommen zurück. Illo. Ist's richtig? Terzky. Seid ihr einig? Illo. Dieser Schwede Ging ganz zufrieden fort. Ja, ihr seid einig. Wallenstein. Hört! Noch ist nichts geschehn, und--wohl erwogen, Ich will es lieber doch nicht tun. Terzky. Wie? Was ist das? Wallenstein. Von dieser Schweden Gnade leben! Der Übermütigen? Ich trüg' es nicht. Illo. Kommst du als Flüchtling, ihre Hilf' erbettelnd? Du bringest ihnen mehr, als du empfängst. Wallenstein. Wie war's mit jenem königlichen Bourbon, Der seines Volkes Feinde sich verkaufte Und Wunden schlug dem eignen Vaterland? Fluch war sein Lohn, der Menschen Abscheu rächte Die unnatürlich frevelhafte Tat. Illo. Ist das dein Fall? Wallenstein. Die Treue, sag ich euch, Ist jedem Menschen wie der nächste Blutsfreund, Als ihren Rächer fühlt er sich geboren. Der Sekten Feindschaft, der Parteien Wut, Der alte Neid, die Eifersucht macht Friede; Was noch so wütend ringt, sich zu zerstören, Verträgt, vergleicht sich, den gemeinen Feind Der Menschlichkeit, das wilde Tier zu jagen, Das mordend einbricht in die sichre Hürde, Worin der Mensch geborgen wohnt--denn ganz Kann ihn die eigne Klugheit nicht beschirmen. Nur an die Stirne setzt' ihm die Natur Das Licht der Augen, fromme Treue soll Den bloßgegebnen Rücken ihm beschützen. Terzky. Denk von dir selbst nicht schlimmer als der Feind, Der zu der Tat die Hände freudig bietet. So zärtlich dachte jener Karl auch nicht, Der Öhm und Ahnherr dieses Kaiserhauses, Der nahm den Bourbon auf mit offnen Armen, Denn nur vom Nutzen wird die Welt regiert. Siebenter Auftritt Gräfin Terzky zu den Vorigen. Wallenstein. Wer ruft Euch? Hier ist kein Geschäft für Weiber. Gräfin. Ich komme, meinen Glückwunsch abzulegen. --Komm ich zu früh etwa? Ich will nicht hoffen. Wallenstein. Gebrauch dein Ansehn, Terzky. Heiß sie gehn. Gräfin. Ich gab den Böhmen einen König schon. Wallenstein. Er war darnach. Gräfin. (zu den andern) Nun, woran liegt es? Sprecht! Terzky. Der Herzog will nicht. Gräfin. Will nicht, was er muß? Illo. An Euch ist's jetzt. Versucht's, denn ich bin fertig, Spricht man von Treue mir und von Gewissen. Gräfin. Wie? da noch alles lag in weiter Ferne, Der Weg sich noch unendlich vor dir dehnte, Da hattest du Entschluß und Mut--und jetzt, Da aus dem Traume Wahrheit werden will, Da die Vollbringung nahe, der Erfolg Versichert ist, da fängst du an, zu zagen? Nur in Entwürfen bist du tapfer, feig In Taten? Gut! Gib deinen Feinden Recht! Da eben ist es, wo sie dich erwarten. Den Vorsatz glauben sie dir gern; sei sicher, Daß sie's mit Brief und Siegel dir belegen! Doch an die Möglichkeit der Tat glaubt keiner, Da müßten sie dich fürchten und dich achten. Ist's möglich? Da du so weit bist gegangen, Da man das Schlimmste weiß, da dir die Tat Schon als begangen zugerechnet wird, Willst du zurückziehn und die Frucht verlieren? Entworfen bloß ist's ein gemeiner Frevel, Vollführt ist's ein unsterblich Unternehmen; Und wenn es glückt, so ist es auch verziehn, Denn aller Ausgang ist ein Gottes Urtel. Kammerdiener. (tritt herein) Der Oberst Piccolomini. Gräfin. (schnell) Soll warten. Wallenstein. Ich kann ihn jetzt nicht sehn. Ein andermal. Kammerdiener. Nur um zwei Augenblicke bittet er, Er hab ein dringendes Geschäft-- Wallenstein. Wer weiß, was er uns bringt. Ich will doch hören. Gräfin. (lacht) Wohl mag's ihm dringend sein. Du kannst's erwarten. Wallenstein. Was ist's. Gräfin. Du sollst es nachher wissen. Jetzt denke dran, den Wrangel abzufert'gen. (Kammerdiener geht.) Wallenstein. Wenn eine Wahl noch wäre--noch ein milderer Ausweg sich fände--jetzt noch will ich ihn Erwählen und das Äußerste vermeiden. Gräfin. Verlangst du weiter nichts, ein solcher Weg Liegt nah vor dir. Schick diesen Wrangel fort. Vergiß die alten Hoffnungen, wirf dein Vergangnes Leben weg, enschließe dich, Ein neues anzufangen. Auch die Tugend Hat ihre Helden, wie der Ruhm, das Glück. Reis hin nach Wien zum Kaiser stehndes Fußes, Nimm eine volle Kasse mit, erklär, Du hab'st der Diener Treue nur erproben, Den Schweden bloß zum besten haben wollen. Illo. Auch damit ist's zu spät. Man weiß zu viel. Er würde nur das Haupt zum Todesblocke tragen. Gräfin. Das fürcht ich nicht. Gesetzlich ihn zu richten, Fehlt's an Beweisen; Willkür meiden sie. Man wird den Herzog ruhig lassen ziehn. Ich seh, wie alles kommen wird. Der König Von Ungarn wird erscheinen, und es wird sich Von selbst verstehen, daß der Herzog geht; Nicht der Erklärung wird das erst bedürfen. Der König wird die Truppen lassen schwören, Und alles wird in seiner Ordnung bleiben. An einem Morgen ist der Herzog fort. Auf seinen Schlössern wird es nun lebendig, Dort wird er jagen, baun, Gestüte halten, Sich eine Hofstatt gründen, goldne Schlüssel Austeilen, gastfrei große Tafel geben, Und kurz ein großer König sein--im Kleinen! Und weil er klug sich zu bescheiden weiß, Nichts wirklich mehr zu gelten, zu bedeuten, Läßt man ihn scheinen, was er mag; er wird Ein großer Prinz bis an sein Ende scheinen. Ei nun! der Herzog ist dann eben auch Der neuen Menschen einer, die der Krieg Emporgebracht; ein übernächtiges Geschöpf der Hofgunst, die mit gleichem Aufwand Freiherrn und Fürsten macht. Wallenstein. (steht auf, heftig bewegt) Zeigt einen Weg mir an aus diesem Drang, Hilfreiche Mächte! einen solchen zeigt mir, Den ich vermag zu gehn--Ich kann mich nicht, Wie so ein Wortheld, so ein Tugendschwätzer, An meinem Willen wärmen und Gedanken-- Nicht zu dem Glück, das mir den Rücken kehrt, Großtuend sagen: Geh! Ich brauch dich nicht! Wenn ich nicht wirke mehr, bin ich vernichtet; Nicht Opfer, nicht Gefahren will ich scheun, Den letzten Schritt, den äußersten, zu meiden; Doch eh' ich sinke in die Nichtigkeit, So klein aufhöre, der so groß begonnen, Eh' mich die Welt mit jenen Elenden Verwechselt, die der Tag erschafft und stürzt, Eh' spreche Welt und Nachwelt meinen Namen Mit Abscheu aus, und Friedland sei die Losung Für jede fluchenswerte Tat. Gräfin. Was ist denn hier so wider die Natur? Ich kann's nicht finden, sage mir's--oh! laß Des Aberglaubens nächtliche Gespenster Nicht deines hellen Geistes Meister werden! Du bist des Hochverrats verklagt; ob mit --Ob ohne Recht, ist jetzo nicht die Frage-- Du bist verloren, wenn du dich nicht schnell der Macht Bedienst, die du besitzest--Ei! wo lebt denn Das friedsame Geschöpf, das seines Lebens Sich nicht mit allen Lebenskräften wehrt? Was ist so kühn, das Notwehr nicht entschuldigt? Wallenstein. Einst war mir dieser Ferdinand so huldreich; Er liebte mich, er hielt mich wert, ich stand Der Nächste seinem Herzen. Welchen Fürsten Hat er geehrt wie mich?--Und so zu enden! Gräfin. So treu bewahrst du jede kleine Gunst, Und für die Kränkung hast du kein Gedächtnis? Muß ich dich dran erinnern, wie man dir Zu Regenspurg die treuen Dienste lohnte? Du hattest jeden Stand im Reich beleidigt; Ihn groß zu machen, hattest du den Haß, Den Fluch der ganzen Welt auf dich geladen, Im ganzen Deutschland lebte dir kein Freund, Wei du allein gelebt für deinen Kaiser. An ihn bloß hieltest du bei jenem Sturme Dich fest, der auf dem Rgenspurger Tag Sich gegen dich zusammenzog--da ließ er Dich fallen! Ließ dich fallen! Dich dem Bayern, Dem Übermütigen, zum Opfer fallen! Sag nicht, daß die zurückgegebne Würde Das erste, schwere Unrecht ausgesöhnt. Nicht wahrlich guter Wille stellte dich, Dich stellte das Gesetz der herben Not An diesen Platz, den man dir gern verweigert. Wallenstein. Nicht ihrem guten Willen, das ist wahr! Noch seiner Neigung dank ich dieses Amt. Mißbrauch ich's, so mißbrauch ich kein Vertrauen. Gräfin. Vertrauen? Neigung?--Man bedurfte deiner! Die ungestüme Presserin, die Not, Der nicht mit hohlen Namen, Figuranten Gedient ist, die die Tat will, nicht das Zeichen, Den Größten immer aufsucht und den Besten, Ihn an das Ruder stellt, und müßt sie ihn Aufgreifen aus dem Pöbel selbst--die setzte dich In dieses Amt und schrieb dir die Bestallung. Denn lange, bis es nicht mehr kann, behilft Sich dies Geschlecht mit feilen Sklavenseelen Und mit den Drahtmaschinen seiner Kunst-- Doch wenn das Äußerste ihm nahe tritt, Der hohle Schein es nicht mehr tut, da fällt Es in die starken Hände der Natur, Des Riesengeistes, der nur sich gehorcht, Nichts von Verträgen weiß und nur auf ihre Bedingung, nicht auf seine, mit ihm handelt. Wallenstein. Wahr ist's! Sie sahn mich immer, wie ich bin, Ich hab sie in dem Kaufe nicht betrogen, Denn nie hielt ich's der Mühe wert, die kühn Umgreifende Gemütsart zu verbergen. Gräfin. Vielmehr--du hast dich furchtbar stets gezeigt. Nicht du, der stets sich selber treu geblieben, Die haben Unrecht, die dich fürchteten Und doch die Macht dir in die Hände gaben. Denn Recht hat jeder eigene Charakter, Der übereinstimmt mit sich selber, es gibt Kein andres Unrecht als den Widerspruch. Warst du ein andrer, als du vor acht Jahren Mit Feuer und Schwert durch Deutschlands Kreise zogst, Die Geißel schwangest über alle Länder, Hohn sprachest allen Ordnungen des Reichs, Der Stärke fürchterliches Recht nur übtest Und jede Landeshoheit niedertratst, Um deines Sultans Herrschaft auszubreiten? Da war es Zeit, den stolzen Willen dir Zu brechen, dich zur Ordnung zu verweisen! Doch wohl gefiel dem Kaiser, was ihm nützte, Und schweigend drückt' er diesen Freveltaten Sein kaiserliches Siegel auf. Was damals Gerecht war, weil du's für ihn tatst, ist's heute Auf einmal schändlich, weil es gegen ihn Gerichtet wird? Wallenstein. (aufstehend) Von dieser Seite sah ich's nie--Ja! dem Ist wirklich so. Es übte dieser Kaiser Durch meinen Arm im Reiche Taten aus, Die nach der Ordnung nie geschehen sollten. Und selbst den Fürstenmantel, den ich trage, Verdank ich Diensten, die Verbrechen sind. Gräfin. Gestehe denn, daß zwischen dir und ihm Die Rede nicht kann sein von Pflicht und Recht, Nur von der Macht und der Gelegenheit! Der Augenblick ist da, wo du die Summe Der großen Lebensrechnung ziehen sollst, Die Zeichen stehen sieghaft über dir, Glück winken die Planeten dir herunter Und rufen: es ist an der Zeit! Hast du Dein Lebenlang umsonst der Sterne Lauf Gemessen?--den Quadranten und den Zirkel Geführt?--den Zodiak, die Himmelskugel Auf diesen Wänden nachgeahmt, um dich herum Gestellt in stummen, ahnungsvollen Zeichen Die sieben Herrscher des Geschicks, Nur um ein eitles Spiel damit zu treiben? Führt alle diese Zurüstung zu nichts, Und ist kein Mark in dieser hohlen Kunst, Daß sie dir selbst nichts gilt, nichts über dich Vermag im Augenblick der Entscheidung? Wallenstein. (ist während dieser letzten Rede mit heftig arbeitendem Gemüt auf und ab gegangen und steht jetzt plötzlich still, die Gräfin unterbrechend) Ruft mir den Wrangel, und es sollen gleich drei Boten satteln. Illo. Nun, gelobt sei Gott! (Eilt hinaus.) Wallenstein. Es ist sein böser Geist und meiner. Ihn Straft er durch mich, das Werkzeug seiner Herrschsucht, Und ich erwart es, daß der Rache Stahl Auch schon für meine Brust geschliffen ist. Nicht hoffe, wer des Drachen Zähne sät, Erfreuliches zu ernten. Jede Untat Trägt ihren eignen Rach-Engel schon, Die böse Hoffnung, unter ihrem Herzen. Er kann mir nicht mehr traun,--so kann ich auch Nicht mehr zurück. Geschehe denn, was muß. Recht stets behält das Schicksa, denn das Herz In uns ist sein gebietrischer Vollzieher. (Zu Terzky.) Bring mir den Wrangel in mein Kabinett, Die Boten will ich selber sprechen. Schickt Nach dem Octavio! (Zur Gräfin, welche eine triumphierende Miene macht.) Frohlocke nicht! Denn eifersüchtig sind des Schicksals Mächte. Voreilig Jauchzen greift in ihre Rechte. Den Samen legen wir in ihre Hände, Ob Glück, ob Unglück aufgeht, lehrt das Ende. (Indem er abgeht, fällt der Vorhang.) Zweiter Aufzug Ein Zimmer Erster Auftritt Wallenstein. Octavio Piccolomini. Bald darauf Max Piccolomini. Wallenstein. Mir meldet er aus Linz, er läge krank, Doch hab ich sichre Nachricht, daß er sich Zu Frauenberg versteckt beim Grafen Gallas. Nimm beide fest und und schick sie mir hieher. Du übernimmst die spanischen Regimenter, Machst immer Anstalt und bist niemals fertig, Und treiben sie dich, gegen mich zu ziehn, So sagst du Ja und bleibst gefesselt stehn. Ich weiß, daß dir ein Dienst damit geschieht, In diesem Spiel dich müßig zu verhalten. Du rettest gern, so lang du kannst, den Schein; Extreme Schritte sind nicht deine Sache, Drum hab ich diese Rolle für dich ausgesucht, Du wirst mir durch dein Nichtstun diesesmal Am nützlichsten--Erklärt sich unterdessen Das Glück für mich, so weißt du, was zu tun. (Max Piccolomini tritt ein.) Jetzt, Alter, geh. Du mußt heut nacht noch fort. Nimm meine eignen Pferde.--Diesen da Behalt ich hier--Macht's mit dem Abschied kurz! Wir werden uns ja, denk ich, alle froh Und glücklich wiedersehn. Octavio. (zu seinem Sohn) Wir sprechen uns noch. (Geht ab.) Zweiter Auftritt Wallenstein. Max Piccolomini. Max. (nähert sich ihm.) Mein General-- Wallenstein. Der bin ich nicht mehr, Wenn du des Kaisers Offizier dich nennst. Max. So bleibt's dabei, du willst das Heer verlassen? Wallenstein. Ich hab des Kaisers Dienst entsagt. Max. Und willst das Heer verlassen? Wallenstein. Vielmehr hoff ich, Mir's enger noch und fester zu verbinden. (Er setzt sich.) Ja, Max. Nicht eher wollt' ich dir's eröffnen, Als bis des Handelns Stunde würde schlagen. Der Jugend glückliches Gefühl ergreift Das Rechte leicht, und eine Freude ist's, Das eigne Urteil prüfend auszuüben, Wo das Exempel rein zu lösen ist. Doch, wo von zwei gewissen Übeln eins Ergriffen werden muß, wo sich das Herz Nicht ganz zurückbringt aus dem Streit der Pflichten, Da ist es Wohltat, keine Wahl zu haben, Und eine Gunst ist die Notwendigkeit. --Die ist vorhanden. Blicke nicht zurück. Es kann dir nichts mehr helfen. Blicke vorwärts! Urteile nicht! Bereite dich, zu handeln. --Der Hof hat meinen Untergang beschlossen, Drum bin ich willens, ihm zuvorzukommen. --Wir werden mit den Schweden uns verbinden. Sehr wackre Leute sind's und gute Freunde. (Hält ein, Piccolominis Antwort erwartend.) --Ich hab dich überrascht. Antwort mir nicht. Ich will dir Zeit vergönnen, dich zu fassen. (Er steht auf und geht nach hinten. Max steht lange unbeweglich, in den heftigsten Schmerz versetzt; wie er eine Bewegung macht, kömmt Wallenstein zurück und stellt sich vor ihn.) Max. Mein General!--Du machst mich heute mündig. Denn bis auf diesen Tag war mir's erspart, Den Weg mir selbst zu finden und die Richtung. Dir folgt' ich unbedingt. Auf dich nur braucht' ich Zu sehn und war des rechten Pfads gewiß. Zum ersten Male heut verweisest du Mich an mich selbst und zwingst mich, eine Wahl Zu treffen zwischen dir und meinem Herzen. Wallenstein. Sanft wiegte dich bis heute dein Geschick, Du konntest spielend deine Pflichten üben, Jedwedem schönen Trieb Genüge tun, Mit ungeteiltem Herzen immer handeln. So kann's nicht ferner bleiben. Feindlich scheiden Die Wege sich. Mit Pflichten streiten Pflichten. Du mußt Partei ergreifen in dem Krieg, Der zwischen deinem Freund und deinem Kaiser Sich jetzt entzündet. Max. Krieg! Ist das der Name? Der Krieg ist schrecklich, wie des Himmels Plagen, Doch er ist gut, ist ein Geschick, wie sie. Ist das ein guter Krieg, den du dem Kaiser Bereitest mit des Kaisers eignem Heer? O Gott des Himmels! was ist das für eine Veränderung! Ziemt solche Sprache mir Mit dir, der wie der feste Stern des Pols Mir als die Lebensregel vorgeschienen! Oh! welchen Riß erregst du mir im Herzen! Der alten Ehrfurcht eingewachsnen Trieb Und des Gehorsams heilige Gewohnheit Soll ich versagen lernen deinem Namen? Nein! wende nicht dein Angesicht zu mir! Es war mir immer eines Gottes Antlitz, Kann über mich nicht gleich die Macht verlieren; Die Sinne sind in deinen Banden noch, Hat gleich die Seele blutend sich befreit! Wallenstein. Max, hör mich an. Max. Oh! tu es nicht! Tu's nicht! Sieh! deine reinen, edeln Züge wissen Noch nichts von dieser unglücksel'gen Tat. Bloß deine Einbildung befleckte sie, Die Unschuld will sich nicht vertreiben lassen Aus deiner hoheitblickenden Gestalt. Wirf ihn heraus, den schwarzen Fleck, den Feind. Ein böser Traum bloß ist es dann gewesen, Der jede sichre Tugend warnt. Es mag Die Menschheit solche Augenblicke haben, Doch siegen muß das glückliche Gefühl. Nein, du wirst so nicht endigen. Das würde Verrufen bei den Menschen jede große Natur und jedes mächtige Vermögen, Recht geben würd' es dem gemeinen Wahn, Der nicht an Edles in der Freiheit glaubt Und nur der Ohnmacht sich vertrauen mag. Wallenstein. Streng wird die Welt mich tadeln, ich erwart es. Mir selbst schon sagt' ich, was du sagen kannst. Wer miede nicht, wenn er's umgehen kann, Das Äußerste! Doch hier ist keine Wahl, Ich muß Gewalt ausüben oder leiden-- So steht der Fall. Nichts anders bleibt mir übrig. Max. Sei's denn! Behaupte dich in deinem Posten Gewaltsam, widersetze dich dem Kaiser, Wenn's sein muß, treib's zur offenen Empörung, Nicht loben werd ich's, doch ich kann's verzeihn, Will, was ich nicht gut heiße, mit dir teilen. Nur--zum Verräter werde nicht! Das Wort Ist ausgesprochen. Zum Verräter nicht! Das ist kein überschrittnes Maß, kein Fehler, Wohin der Mut verirrt in seiner Kraft. Oh! das ist ganz was anders--das ist schwarz, Schwarz, wie die Hölle! Wallenstein. (mit finsterm Stirnfalten, doch gemäßigt) Schnell fertig ist die Jugend mit dem Wort, Das schwer sich handhabt, wie des Messers Schneide; Aus ihrem heißen Kopfe nimmt sie keck Der Dinge Maß, die nur sich selber richten. Gleich heißt ihr alles schändlich oder würdig, Bös oder gut--und was die Einbildung Phantastisch schleppt in diesen dunkeln Namen, Das bürdet sie den Sachen auf und Wesen. Eng ist die Welt, und das Gehirn ist weit. Leicht beieinander wohnen die Gedanken, Doch hart im Raume stoßen sich die Sachen; Wo eines Platz nimmt, muß das andre rücken, Wer nicht vertrieben sein will, muß vertreiben; Da herrscht der Streit, und nur die Stärke siegt. --Ja, wer durchs Leben gehet ohne Wunsch, Sich jeden Zweck versagen kann, der wohnt Im leichten Feuer mit dem Salamander Und hält sich rein im reinen Element. Mich schuf aus gröberm Stoffe die Natur, Und zu der Erde zieht mich die Begierde. Dem bösen Geist gehört die Erde, nicht Dem guten. Was die Göttlichen uns senden Von oben, sind nur allgemeine Güter; Ihr Licht erfreut, doch macht es keinen reich, In ihrem Staat erringt sich kein Besitz. Den Edelstein, das allgeschätzte Gold Muß man den falschen Mächten abgewinnen, Die unterm Tage schlimmgeartet hausen. Nicht ohne Opfer macht man sie geneigt, Und keiner lebet, der aus ihrem Dienst Die Seele hätte rein zurückgezogen. Max. (mit Bedeutung) Oh! fürchte, fürchte diese falschen Mächte! Sie haltennicht Wort! Es sind Lügengeister, Die dich berückend in den Abgrund ziehn. Trau ihnen nicht! Ich warne dich--Oh! kehre Zurück zu deiner Pflicht. Gewiß! du kannst's! Schick mich nach Wien. Ja, tue das. Laß mich, Mich deinen Frieden machen mit dem Kaiser. Er kennt dich nicht, ich aber kenne dich, Er soll dich sehn mit meinem reinen Auge, Und sein Vertrauen bring ich dir zurück. Wallenstein. Es ist zu spät. Du weißt nicht, was geschehn. Max. Und wär's zu spät--und wär' es auch soweit, Daß ein Verbrechen nur vom Fall dich rettet, So falle! Falle würdig, wie du standst. Verliere das Kommando. Geh vom Schauplatz. Du kannst's mit Glanze, tu's mit Unschuld auch. --Du hast für andre viel gelebt, leb endlich Einmal dir selber, ich begleite dich, Mein Schicksal trenn ich nimmer von dem deinen-- Wallenstein. Es ist zu spät. Indem du deine Worte Verlierst, ist schon ein Meilenzeiger nach dem andern Zurückgelegt von meinen Eilenden, Die mein Gebot nach Prag und Eger tragen. --Ergib dich drein. Wir handeln, wie wir müssen. So laß uns das Notwendige mit Würde, Mit festem Schritte tun--Was tu ich Schlimmres, Als jener Cäsar tat, des Name noch Bis heut das Höchste in der Welt benennet? Er führte wider Rom die Legionen, Die Rom ihm zur Beschützung anvertraut. Warf er das Schwert von sich, er war verloren, Wie ich es wär', wenn ich entwaffnete. Ich spüre was in mir von seinem Geist. Gib mir sein Glück, das andre will ich tragen. (Max, der bisher in einem schmerzvollen Kampfe gestanden, geht schnell ab. Wallenstein sieht ihm verwundert und betroffen nach und steht in tiefe Gedanken verloren.) Dritter Auftritt Wallenstein. Terzky. Gleich darauf Illo. Terzky. Max Piccolomini verließ dich eben? Wallenstein. Wo ist der Wrangel? Terzky. Fort ist er. Wallenstein. So eilig? Terzky. Es war, als ob die Erd' ihn eingeschluckt. Er war kaum von dir weg, als ich ihm nachging, Ich hatt' ihn noch zu sprechen, doch--weg war er, Und niemand wußte mir von ihm zu sagen. Ich glaub, es ist der Schwarze selbst gewesen, Ein Mensch kann nicht auf einmal so verschwinden. Illo. (kommt) Ist's wahr, daß du den Alten willst verschicken? Terzky. Wie? Den Octavio! Wo denkst du hin? Wallenstein. Er geht nach Frauenberg, die spanischen Und welschen Regimenter anzuführen. Terzky. Das wolle Gott nicht, daß du das vollbringst! Illo. Dem Falschen willst du Kriegsvolk anvertrauen? Ihn aus den Augen lassen, grade jetzt, In diesem Augenblicke der Entscheidung? Terzky. Das wirst du nicht tun. Nein, um alles nicht! Wallenstein. Seltsame Menschen seid ihr. Illo. Oh! nur diesmal Gib unsrer Warnung nach. Laß ihn nicht fort. Wallenstein. Und warum soll ich ihm dies eine Mal Nicht trauen, da ich's stets getan? Was ist geschehn, Das ihn um meine gute Meinung brächte? Aus eurer Grille, nicht der meinen, soll ich Mein alt erprobtes Urteil von ihm ändern? Denkt nicht, daß ich ein Weib sei. Weil ich ihm Getraut bis heut, will ich auch heut ihm trauen. Terzky. Muß es denn der just sein? Schick einen andern. Wallenstein. Der muß es sein, den hab ich mir erlesen. Er taugt zu dem Geschäft, drum gab ich's ihm. Illo. Weil er ein Welscher ist, drum taugt er dir. Wallenstein. Weiß wohl, ihr wart den beiden nie gewogen, Weil ich sie achte, liebe, euch und andern Vorziehe, sichtbarlich, wie sie's verdienen, Drum sind sie euch ein Dorn im Auge! Was Geht euer Neid mich an und mein Geschäft? Daß ihr sie haßt, das macht sie mir nicht schlechter. Liebt oder haßt einander, wie ihr wollt, Ich lasse jedem seinen Sinn und Neigung, Weiß doch, was mir ein jeder von euch gilt. Illo. Er geht nicht ab--müßt' ich die Räder ihm am Wagen Zerschmettern lassen. Wallenstein. Mäßige dich, Illo! Terzky. Der Questenberger, als er hier gewesen, Hat stets zusammen auch gesteckt mit ihm. Wallenstein. Geschah mit meinem Wissen und Erlaubnis. Terzky. Und daß geheime Boten an ihn kommen Vom Gallas, weiß ich auch. Wallenstein. Das ist nicht wahr. Illo. Oh! du bist blind mit deinen sehenden Augen! Wallenstein. Du wirst mir meinen Glauben nicht erschüttern, Der auf die tiefste Wissenschaft sich baut. Lügt er, dann ist die ganze Sternkunst Lüge. Denn wißt, ich hab ein Pfand vom Schicksal selbst, Daß er der treuste ist von meinen Freunden. Illo. Hast du auch eins, daß jenes Pfand nicht lüge? Wallenstein. Es gibt im Menschenleben Augenblicke, Wo er dem Weltgeist näher ist als sonst Und eine Frage frei hat an das Schicksal. Solch ein Moment war's, als ich in der Nacht, Die vor der Lützner Aktion vorherging, Gedankenvoll an einen Baum gelehnt, Hinaussah in die Ebene. Die Feuer Des Lagers brannten düster durch den Nebel, Der Waffen dumpfes Rauschen unterbrach, Der Runden Ruf einförmig nur die Stille. Mein ganzes Leben ging, vergangenes Und künftiges, in diesem Augenblick An meinem inneren Gesicht vorüber, Und an des nächsten Morgens Schicksal knüpfte Der ahnungsvolle Geist die fernste Zukunft. Da sagt' ich also zu mir selbst:" So vielen Gebietest du! Sie folgen deinen Sternen Und setzen, wie auf eine große Nummer, Ihr Alles auf dein einzig Haupt und sind In deines Glückes Schiff mit dir gestiegen. Doch kommen wird der Tag, wo diese alle Das Schicksal wieder auseinanderstreut, Nur wen'ge werden treu bei dir verharren. Den möcht' ich wissen, der der Treuste mir Von allen ist, die dieses Lager einschließt. Gib mir ein Zeichen, Schicksal! Der soll's sein, Der an dem nächsten Morgen mir zuerst Entgegenkommt mit einem Liebeszeichen". Und dieses bei mir denkend, schlief ich ein. Und mitten in die Schlacht ward ich geführt Im Geist. Groß war der Drang. Mir tötete Ein Schuß das Pferd, ich sank, und über mir Hinweg, gleichgültig, setzten Roß und Reiter, Und keuchend lag ich, wie ein Sterbender, Zertreten unter ihrer Hufe Schlag. Da faßte plötzlich hilfreich mich ein Arm, Es war Octavio--und schnell erwach ich, Tag war es, und--Octavio stand vor mir. "Mein Bruder", sprach er, "reite heute nicht Den Schecken, wie du pflegst. Besteige lieber Das sichre Tier, das ich dir ausgesucht. Tu's mir zu Lieb'. Es warnte mich ein Traum." Und dieses Tieres Schnelligkeit entriß Mich Banniers verfolgenden Dragonern. Mein Vetter ritt den Schecken an dem Tag, Und Roß und Reiter sah ich niemals wieder. Illo. Das war ein Zufall. Wallenstein. (bedeutend) Es gibt keinen Zufall; Und was uns blindes Ohngefähr nur dünkt, Gerade das steigt aus den tiefsten Quellen. Versiegelt hab ich's und verbrieft, daß er Mein guter Engel ist, und nun kein Wort mehr! (Er geht.) Terzky. Das ist mein Trost, der Max bleibt uns als Geisel. Illo. Und der soll mir nicht lebend hier vom Platze. Wallenstein. (bleibt stehen und kehrt sich um) Seid ihr nicht wie die Weiber, die beständig Zurück nur kommen auf ihr erstes Wort, Wenn man Vernunft gesprochen stundenlang! --Des Menschen Taten und Gedanken, wißt! Sind nicht wie Meeres blind bewegte Wellen. Die innre Welt, sein Mikrokosmus, ist Der tiefe Schacht, aus dem sie ewig quellen. Sie sind notwendig, wie des Baumes Frucht, Sie kann der Zufall gaukelnd nicht verwandeln. Hab ich des Menschen Kern erst untersucht, So weiß ich auch sein Wollen und sein Handeln. (Gehen ab.) Vierter Auftritt Zimmer in Piccolominis Wohnung. Octavio Piccolomini reisefertig. Ein Adjutant. Octavio. Ist das Kommando da? Adjutant. Es wartet unten. Octavio. Es sind doch sichre Leute, Adjutant? Aus welchem Regimente nahmt Ihr sie? Adjutant. Von Tiefenbach. Octavio. Dies Regiment ist treu. Laßt sie im Hinterhof sich ruhighalten, Sich niemand zeigen, bis Ihr klingeln hört; Dann wird das Haus geschlossen, scharf bewacht, Und jeder, den Ihr antrefft, bleibt verhaftet. (Adjutant ab.) Zwar hoff ich, es bedarf nicht ihres Dienstes, Denn meines Kalkuls halt ich mich gewiß. Doch es gilt Kaisers Dienst, das Spiel ist groß, Und besser zu viel Vorsicht als zu wenig. Fünfter Auftritt Octavio Piccolomini. Isolani tritt herein. Isolani. Hier bin ich--Nun! wer kommt noch von den andern? Octavio. (geheimnisvoll) Vorerst ein Wort mit Euch, Graf Isolani. Isolani. (geheimnisvoll) Soll's losgehn? Will der Fürst was unternehmen? Mir dürft Ihr trauen. Setzt mich auf die Probe. Octavio. Das kann geschehn. Isolani. Herr Bruder, ich bin nicht Von denen, die mit Worten tapfer sind Und, kommt's zur Tat, das Weite schimpflich suchen. Der Herzog hat als Freund an mir getan, Weiß Gott, so ist's! Ich bin ihm alles schuldig. Auf meine Treue kann er baun. Octavio. Es wird sich zeigen. Isolani. Nehmt Euch in acht. Nicht alle denken so. Es halten's hier noch viele mit dem Hof Und meinen, daß die Unterschrift von neulich, Die abgestohlne, sie zu nichts verbinde. Octavio. So? Nennt mir doch die Herren, die das meinen. Isolani. Zum Henker! Alle Deutschen sprechen so. Auch Esterhazy, Kaunitz, Deodat Erklären jetzt, man müss' dem Hof gehorchen. Octavio. Das freut micht. Isolani. Freut Euch? Octavio. Daß der Kaiser noch So gute Freunde hat und wackre Diener. Isolani. Spaßt nicht. Es sind nicht eben schlechte Männer. Octavio. Gewiß nicht. Gott verhüte, daß ich spaße! Sehr ernstlich freut es mich, die gute Sache So stark zu sehn. Isolani. Was Teufel! Wie ist das? Seid Ihr denn nicht?--Warum bin ich denn hier? Octavio. (mit Ansehen) Euch zu erklären, rund und nett, ob Ihr Ein Freund wollt heißen oder Feind des Kaisers. Isolani. (trotzig) Darüber werd ich dem Erklärung geben, Dem's zukommt, diese Frag' an mich zu tun. Octavio. Ob mir das zukommt, mag dies Blatt Euch lehren. Isolani. Wa--was? Das ist des Kaisers Hand und Siegel. (Liest.) "Als werden sämtliche Hauptleute unsrer Armee der Ordre unsers lieben, treuen, Des Generalleutnant Piccolomini, Wie unsrer eignen"--Hum--Ja--So--Ja, ja! Ich--mach Euch meinen Glückwunsch, Generalleutnant. Octavio. Ihr unterwerft Euch dem Befehl? Isolani. Ich--aber Ihr überrascht mich auch so schnell--Man wird Mir doch Bedenkzeit, hoff ich-- Octavio. Zwei Minuten. Isolani. Mein Gott, der Fall ist aber-- Octavio. Klar und einfach. Ihr sollt erklären, ob Ihr Euren Herrn Verraten wollet oder treu ihm dienen. Isolani. Verrat--Mein Gott--Wer spricht denn von Verrat? Octavio. Das ist der Fall. Der Fürst ist ein Verräter, Will die Armee zum Feind hinüberführen. Erklärt Euch kurz und gut. Wollt Ihr dem Kaiser Abschwören? Euch dem Feind verkaufen? Wollt Ihr? Isolani. Was denkt Ihr? Ich des Kaisers Majestät Abschwören? Sagt' ich so? Wann hätt' ich das Gesagt? Octavio. Noch habt Ihr's nicht gesagt. Noch nicht. Ich warte drauf, ob Ihr es werdet sagen. Isolani. Nun seht, das ist mir lieb, daß Ihr mir selbst Bezeugt, ich habe so was nicht gesagt. Octavio. Ihr sagt Euch also von dem Fürsten los? Isolani. Spinnt er Verrat--Verrat trennt alle Bande. Octavio. Und seid entschlossen, gegen ihn zu fechten? Isolani. Er tat mir Gutes--doch wenn er ein Schelm ist, Verdamm' ihn Gott! die Rechnung ist zerrissen. Octavio. Mich freut's, daß Ihr in gutem Euch gefügt. Heut nacht in aller Stille brecht Ihr auf Mit allen leichten Truppen; es muß scheinen, Als käm' die Ordre von dem Herzog selbst. Zu Frauenberg ist der Versammlungsplatz, Dort gibt Euch Gallas weitere Befehle. Isolani. Es soll geschehn. Gedenkt mir's aber auch Beim Kaiser, wie bereit Ihr mich gefunden. Octavio. Ich werd es rühmen. (Isolani geht. Es kommt ein Bedienter.) Oberst Buttler? Gut. Isolani. (zurückkommend) Vergebt mir auch mein barsches Wesen, Alter. Herr Gott! Wie konnt' ich wissen, welch große Person ich vor mir hatte! Octavio. Laßt das gut sein. Isolani. Ich bin ein lust'ger alter Knab', und wär' Mir auch ein rasches Wörtlein übern Hof Entschlüpft zuweilen, in der Lust des Weins, Ihr wißt ja, bös war's nicht gemeint. (Geht ab.) Octavio. Macht Euch Darüber keine Sorge!--Das gelang! Glück, sei uns auch so günstig bei den andern! Sechster Auftritt Octavio Piccolomini. Buttler. Buttler. Ich bin zu Eurer Ordre, Generalleutnant. Octavio. Seid mir als werter Gast und Freund willkommen. Buttler. Zu große Ehr' für mich. Octavio. (nachdem beide Platz genommen) Ihr habt die Neigung nicht erwidert, Womit ich gestern Euch entgegenkam. Wohl gar als leere Formel sie verkannt. Von Herzen ging mir jener Wunsch, es war Mir Ernst um Euch, denn eine Zeit ist jetzt, Wo sich die Guten eng verbinden sollten. Buttler. Die Gleichgesinnten können es allein. Octavio. Und alle Guten nenn ich gleichgesinnt. Dem Menschen bring ich nur die Tat in Rechnung, Wozu ihn ruhig der Charakter treibt; Denn blinder Mißverständnisse Gewalt Drängt oft den Besten aus dem rechten Gleise. Ihr kamt durch Frauenberg. Hat Euch Graf Gallas Nichts anvertraut? Sagt mir's. Er ist mein Freund. Buttler. Er hat verlorne Worte nur gesprochen. Octavio. Das hör ich ungern, denn sein Rat war gut. Und einen gleichen hätt' ich Euch zu geben. Buttler. Spart Euch die Müh--mir die Verlegenheit, So schlecht die gute Meinung zu verdienen. Octavio. Die Zeit ist teuer, laßt uns offen reden. Ihr wißt, wie hier die Sachen stehn. Der Herzog Sinnt auf Verrat, ich kann Euch mehr noch sagen, Er hat ihn schon vollführt; geschlossen ist Das Bündnis mit dem Feind vor wen'gen Stunden. Nach Prag und Eger reiten schon die Boten, Und morgen will er zu dem Feind uns führen. Doch er betrügt sich, denn die Klugheit wacht, Noch treue Freunde leben hier dem Kaiser, Und mächtig steht ihr unsichtbarer Bund. Dies Manifest erklärt ihn in die Acht, Spricht los das Heer von des Gehorsams Pflichten, Und alle Gutgesinnten ruft es auf, Sich unter meiner Führung zu versammeln. Nun wählt, ob Ihr mit uns die gute Sache, Mit ihm der Bösen böses Los wollt teilen? Buttler. (steht auf) Sein Los ist meines. Octavio. Ist das Euer letzter Entschluß? Buttler. Er ist's. Octavio. Bedenkt Euch, Oberst Buttler. Noch habt Ihr Zeit. In meiner treuen Brust Begraben bleibt das raschgesprochne Wort. Nehmt es zurück. Wählt eine bessere Partei. Ihr habt die gute nicht ergriffen. Buttler. Befehlt Ihr sonst nocht etwas, Generalleutnant? Octavio. Seht Eure weißen Haare! Nehmt's zurück. Buttler. Lebt wohl! Octavio. Was? Diesen guten, tapfern Degen Wollt Ihr in solchem Streite ziehen? Wollt In Fluch den Dank verwandeln, den Ihr Euch Durch vierzigjähr'ge Treu verdient um Östreich? Buttler. (bitter lachend) Dank vom Haus Östreich! (Er will gehen.) Octavio. (läßt ihn bis an die Türe gehen, dann ruft er) Buttler! Buttler. Was beliebt? Octavio. Wie war es mit dem Grafen? Buttler. Grafen! Was? Octavio. Dem Grafentitel, mein ich. Buttler. (heftig auffahrend) Tod und Teufel! Octavio. (kalt) Ihr suchtet darum nach. Man wies Euch ab. Buttler. Nicht ungestraft sollt Ihr mich höhnen. Zieht! Octavio. Steckt ein. Sagt ruhig, wie es damit ging. Ich will Genugtuung nachher Euch nicht verweigern. Buttler. Mag alle Welt doch um die Schwachheit wissen, Die ich mir selbst nie verzeihen kann! --Ja! Generalleutnant, ich besitze Ehrgeiz, Verachtung hab ich nie ertragen können. Es tat mir wehe, daß Geburt und Titel Bei der Armee mehr galten als Verdienst. Nicht schlechter wollt' ich sein als meinesgleichen, So ließ ich mich in unglücksel'ger Stunde Zu jenem Schritt verleiten--Es war Torheit! Doch nicht verdient' ich, sie so hart zu büßen! --Versagen konnte man's--Warum die Weigerung Mit dieser kränkenden Verachtung schärfen, Den alten Mann, den treu bewährten Diener Mit schwerem Hohn zermalmend niederschlagen, An seiner Herkunft Schmach so rauh ihn mahnen, Weil er in schwacher Stunde sich vergaß! Doch einen Stachel gab Natur dem Wurm, Den Willkür übermütig spielend tritt-- Octavio. Ihr müßt verleumdet sein. Vermutet Ihr Den Feind, der Euch den schlimmen Dienst geleistet? Buttler. Sei's, wer es will! Ein niederträcht'ger Bube, Ein Höfling muß es sein, ein Spanier, Der Junker irgend eines alten Hauses, Dem ich im Licht mag stehn, ein neid'scher Schurke, Den meine selbstverdiente Würde kränkt. Octavio. Sagt. Billigte der Herzog jenen Schritt? Buttler. Er trieb mich dazu an, verwendete Sich selbst für micht, mit edler Freundeswärme. Octavio. So? Wißt ihr das gewiß? Buttler. Ich las den Brief. Octavio. (bedeutend) Ich auch--doch anders lautete sein Inhalt. (Buttler wird betroffen.) Durch Zufall bin ich im Besitz des Briefs, Kann Euch durch eignen Anblick überführen. (Er gibt ihm den Brief.) Buttler. Ha! was ist das? Octavio. Ich fürchte, Oberst Buttler, Man hat mit Euch ein schändlich Spiel getrieben. Der Herzog, sagt Ihr, trieb Euch zu dem Schritt?-- In diesem Briefe spricht er mit Verachtung Von Euch, rät dem Minister, Euren Dünkel, Wie er ihn nennt, zu züchtigen. (Buttler hat den Brief gelesen, seine Knie zittern, er greift nach einem Stuhl, setzt sich nieder.) Kein Feind verfolgt Euch. Niemand will Euch übel. Dem Herzog schreibt allein die Kränkung zu, Die ihr empfangen; deutlich ist die Absicht. Losreißen wollt' er Euch von Eurem Kaiser-- Von Eurer Rache hofft' er zu erlangen, Was Eure wohlbewährte Treu ihn nimmer Erwarten ließ bei ruhiger Besinnung. Zum blinden Werkzeug wollt' er Euch, zum Mittel, Verworfner Zwecke Euch verächtlich brauchen. Er hat's erreicht. Zu gut nur glückt' es ihm, Euch wegzulocken von dem guten Pfade, Auf dem Ihr vierzig Jahre seid gewandelt. Buttler. (mit der Stimme bebend) Kann mir des Kaisers Majestät vergeben? Octavio. Sie tut noch mehr. Sie macht die Kränkung gut, Die unverdient dem Würdigen geschehn. Aus freiem Trieb bestätigt sie die Schenkung, Die Euch der Fürst zu bösem Zweck gemacht. Das Regiment ist Euer, das Ihr führt. Buttler. (will aufstehen, sinkt zurück. Sein Gemüt arbeitet heftig, er versucht zu reden und vermag es nicht. Endlich nimmt er den Degen vom Gehänge und reicht ihn dem Piccolomini) Octavio. Was wollt Ihr? Faßt Euch. Buttler. Nehmt! Octavio. Wozu? Besinnt Euch. Buttler. Nehmt hin! Nicht wert mehr bin ich dieses Degens. Octavio. Empfangt ihn neu zurück aus meiner Hand Und führt ihn stets mit Ehre für das Recht. Buttler. Die Treue brach ich solchem gnäd'gen Kaiser! Octavio. Macht's wieder gut. Schnell trennt Euch von dem Herzog. Buttler. Mich von ihm trennen! Octavio. Wie? Bedenkt Ihr Euch? Buttler. (furchtbar ausbrechend) Nur von ihm trennen? Oh! er soll nicht leben! Octavio. Folgt mir nach Frauenberg, wo alle Treuen Bei Gallas sich und Altringer versammeln. Viel andre bracht' ich noch zu ihrer Pflicht Zurück, heut nacht entfliehen sie aus Pilsen. Buttler. (ist heftig bewegt auf und ab gegangen und tritt zu Octavio mit entschlossenem Blick) Graf Piccolomini! Darf Euch der Mann Von Ehre sprechen, der die Treue brach? Octavio. Der darf es, der so ernstlich es bereut. Buttler. So laßt mich hier, auf Ehrenwort. Octavio. Was sinnt Ihr? Buttler. Mit meinem Regimente laßt mich bleiben. Octavio. Ich darf Euch trauen. Doch sagt mir, was Ihr brütet? Buttler. Die Tat wird's lehren. Fragt mich jetzt nicht weiter. Traut mir! Ihr könnt's! Bei Gott! Ihr überlasset Ihn seinem guten Engel nicht!--Lebt wohl! (Geht ab.) Bedienter. (bringt ein Billet) Ein Unbekannter bracht's und ging gleich wieder. Des Fürsten Pferde stehen auch schon unten. (Ab.) Octavio. (liest) "Macht, daß Ihr fortkommt. Euer treuer Isolan." --Oh! läge diese Stadt erst hinter mir! So nah dem Hafen sollten wir noch scheitern? Fort! Fort! Hier ist nicht länger Sicherheit Für mich. Wo aber bleibt mein Sohn? Siebenter Auftritt Beide Piccolomini. Max. (kömmt in der heftigsten Gemütsbewegung, seine Blicke rollen wild, sein Gang ist unstet; er scheint den Vater nicht zu bemerken, der von ferne steht und ihn mitleidig ansieht. Mit großen Schritten geht er durch das Zimmer, bleibt wieder stehen und wirft sich zuletzt in einen Stuhl, gerad vor sich hin starrend) Octavio. (nähert sich ihm). Ich reise ab, mein Sohn. (Da er keine Antwort erhält, faßt er ihn bei der Hand.) Mein Sohn, leb wohl! Max. Leb wohl! Octavio. Du folgst mir doch bald nach? Max. (ohne ihn anzusehen). Ich dir? Dein Weg ist krumm, er ist der meine nicht. (Octavio läßt seine Hand los, fährt zurück.) Oh! wärst du wahr gewesen und gerade, Nie kam es dahin, alles stünde anders! Er hätte nicht das Schreckliche getan, Die Guten hätten Kraft bei ihm behalten, Nicht in der Schlechten Garn wär' er gefallen. Warum so heimlich, hinterlistig lauernd Gleich einem Dieb und Diebeshelfer schleichen? Unsel'ge Falschheit! Mutter alles Bösen! Du jammerbringende, verderbest uns! Wahrhaftigkeit, die reine, hätt' uns alle, Die welterhaltende, gerettet. Vater! Ich kann dich nicht entschuldigen, ich kann's nicht. Der Herzog hat mich hintergangen, schrecklich, Du aber hast viel besser nicht gehandelt. Octavio. Mein Sohn, ach! ich verzeihe deinem Schmerz. Max. (steht auf, betrachtet ihn mit zweifelhaften Blicken) Wär's möglich, Vater? Vater? Hättest du's Mit Vorbedacht bis dahin treiben wollen? Du steigst durch seinen Fall. Octavio, Das will mir nicht gefallen. Octavio. Gott im Himmel! Max. Weh mir! Ich habe die Natur verändert, Wie kommt der Argwohn in die freie Seele? Vertrauen, Glaube, Hoffnung ist dahin, Denn alles log mir, was ich hochgeachtet. Nein! Nein! Nicht alles! Sie ja lebt mir noch, Und sie ist wahr und lauter wie der Himmel. Betrug ist überall und Heuchelschein Und Mord und Gift und Meineid und Verrat, Der einzig reine Ort ist unsre Liebe, Der unentweihte in der Menschlichkeit. Octavio. Max! Folg mir lieber gleich, das ist doch besser. Max. Was? Eh' ich Abschied noch von ihr genommen? Den letzten--Nimmermehr! Octavio. Erspare dir Die Qual der Trennung, der notwendigen. Komm mit mir! Komm, mein Sohn! (Will ihn fortziehn.) Max. Nein! So wahr Gott lebt! Octavio. (dringender) Komm mit mir, ich gebiete dir's, dein Vater. Max. Gebiete mir, was menschlich ist. Ich bleibe. Octavio. Max! In des Kaisers Namen, folge mir! Max. Kein Kaiser hat dem Herzen vorzuschreiben. Und willst du mir das einzige noch rauben, Was mir mein Unglück übrigließ, ihr Mitleid? Muß grausam auch das Grausame geschehn? Das Unabänderliche soll ich noch Unedel tun, mit heimlich feiger Flucht, Wie ein Unwürdiger mich von ihr stehlen? Sie soll mein Leiden sehen, meinen Schmerz, Die Klagen hören der zerrißnen Seele Und Tränen um mich weinen--Oh! die Menschen Sind grausam, aber sie ist wie ein Engel. Sie wird von gräßlich wütender Verzweiflung Die Seele retten, diesen Schmerz des Todes Mit sanften Trostesworten klagend lösen. Octavio. Du reißest dich nicht los, vermagst es nicht. Oh! komm, mein Sohn, und rette deine Tugend! Max. Verschwende deine Worte nicht vergebens, Dem Herzen folg ich, denn ich darf ihm trauen. Octavio. (außer Fassung, zitternd) Max! Max! Wenn das Entsetzliche mich trifft, Wenn du--mein Sohn--mein eignes Blut--ich darf's Nicht denken! dich dem Schändlichen verkaufst, Dies Brandmal aufdrückst unsers Hauses Adel, Dann soll die Welt das Schauderhafte sehn, Und von des Vaters Blute triefen soll Des Sohnes Stahl im gräßlichen Gefechte. Max. Oh! hättest du vom Menschen besser stets Gedacht, du hättest besser auch gehandelt. Fluchwürd'ger Argwohn! Unglücksel'ger Zweife! Es ist ihm Festes nichts und Unverrücktes, Und alles wanket, wo der Glaube fehlt. Octavio. Und trau ich deinem Herzen auch, wird's immer In deiner Macht auch stehen, ihm zu folgen? Max. Du hast des Herzens Stimme nicht bezwungen, So wenig wird der Herzog es vermögen. Octavio. Oh! Max, ich seh dich niemals wiederkehren! Max. Unwürdig deiner wirst du nie mich sehn. Octavio. Ich geh nach Frauenberg, die Pappenheimer Laß ich dir hier, auch Lothringen, Toscana Und Tiefenbach bleibt da, dich zu bedecken. Sie lieben dich und sind dem Eide treu Und werden lieber tapfer streitend fallen, Als von dem Führer weichen und der Ehre. Max. Verlaß dich drauf, ich lasse fechtend hier Das Leben oder führe sie aus Pilsen. Octavio. (aufbrechend) Mein Sohn, leb wohl! Max. Leb wohl! Octavio. Wie? Keinen Blick Der Liebe? Keinen Händedruck zum Abschied? Es ist ein blut'ger Krieg, in den wir gehn, Und ungewiß, verhüllt ist der Erfolg. So pflegten wir uns vormals nicht zu trennen. Ist es denn wahr? Ich habe keinen Sohn mehr? (Max fällt in seine Arme, sie halten einander lange schweigend umfaßt, dann entfernen sie sich nach verschiedenen Seiten.) Dritter Aufzug Saal bei der Herzogin von Friedland. Erster Auftritt Gräfin Terzky. Thekla. Fräulein von Neubrunn. Beide letztern mit weiblichen Arbeiten beschäftigt. Gräfin. Ihr habt mich nichts zu fragen, Thekla? Gar nichts? Schon lange wart ich auf ein Wort von Euch. Könnt Ihr's ertragen, in so langer Zeit Nicht einmal seinen Namen auszusprechen? Wie? Oder wär' ich jetzt schon überflüssig, Und gäb' es andre Wege als durch mich? Gesteht mir, Nichte. Habt Ihr ihn gesehn? Thekla. Ich hab ihn heut und gestern nicht gesehn. Gräfin. Auch nicht von ihm gehört? Verbergt mir nichts. Thekla. Kein Wort. Gräfin. Und könnt so ruhig sein! Thekla. Ich bin's. Gräfin. Verlaßt uns, Neubrunn. (Fräulein von Neubrunn entfernt sich.) Zweiter Auftritt Gräfin Thekla. Gräfin. Es gefällt mir nicht, Daß er sich grade jetzt so still verhält. Thekla. Gerade jetzt! Gräfin. Nachdem er alles weiß! Denn jetzo war's die Zeit, sich zu erklären. Thekla. Sprecht deutlicher, wenn ich's verstehen soll. Gräfin. In dieser Absicht schickt' ich sie hinweg. Ihr seid kein Kind mehr, Thekla. Euer Herz Ist mündig, denn Ihr liebt, und kühner Mut Ist bei der Liebe. Den habt Ihr bewiesen. Ihr artet mehr nach Eures Vaters Geist Als nach der Mutter ihrem. Darum könnt Ihr hören, Was sie nicht fähig ist zu tragen. Thekla. Ich bitt Euch, endet diese Vorbereitung. Sei's was es sei. Heraus damit! Es kann Mich mehr nicht ängstigen als dieser Eingang. Was habt Ihr mir zu sagen? Faßt es kurz. Gräfin. Ihr müßt nur nicht erschrecken-- Thekla. Nennt's! Ich bitt Euch. Gräfin. Es steht bei Euch, dem Vater einen großen Dienst Zu leisten-- Thekla. Bei mir stünde das! Was kann-- Gräfin. Max Piccolomini liebt Euch. Ihr könnt Ihn unauflöslich an den Vater binden. Thekla. Braucht's dazu meiner? Ist er es nicht schon? Gräfin. Er war's. Thekla. Und warum sollt' er's nicht mehr sein, Nicht immer bleiben? Gräfin. Auch am Kaiser hängt er. Thekla. Nicht mehr, als Pflicht und Ehre von ihm fordern. Gräfin. Von seiner Liebe fordert man Beweise, Und nicht von seiner Ehre--Pflicht und Ehre! Das sind vieldeutig doppelsinn'ge Namen, Ihr sollt sie ihm auslegen, seine Liebe Soll seine Ehre ihm erklären. Thekla. Wie? Gräfin. Er soll dem Kaiser oder Euch entsagen. Thekla. Er wird den Vater gern in den Privatstand Begleiten. Ihr vernahmt es von ihm selbst, Wie sehr er wünscht, die Waffen wegzulegen. Gräfin. Er soll sie nicht weglegen, ist die Meinung, Er soll sie für den Vater ziehn. Thekla. Sein Blut, Sein Leben wird er für den Vater freudig Verwenden, wenn ihm Unglimpf widerführe. Gräfin. Ihr wollt mich nicht erraten--Nun so hört. Der Vater ist vom Kaiser abgefallen, Steht im Begriff, sich zu dem Feind zu schlagen Mitsamt dem ganzen Heer-- Thekla. O meine Mutter! Gräfin. Es braucht ein großes Beispiel, die Armee Ihm nachzuziehn. Die Piccolomini Stehn bei dem Heer in Ansehn, sie beherrschen Die Meinung, und entscheidend ist ihr Vorgang. Des Vaters sind wir sicher durch den Sohn-- --Ihr habt jetzt viel in Eurer Hand. Thekla. O jammervolle Mutter! Welcher Streich des Todes Erwartet dich!--Sie wird's nicht überleben. Gräfin. Sie wird in das Notwendige sich fügen. Ich kenne sie--Das Ferne, Künftige beängstigt Ihr fürchtend Herz; was unabänderlich Und wirklich da ist, trägt sie mit Ergebung. Thekla. O meine ahnungsvolle Seele--Jetzt-- Jetzt ist sie da, die kalte Schreckenshand, Die in mein fröhlich Hoffen schaudernd greift. Ich wußt' es wohl--O gleich, als ich hier eintrat, Weissagte mir's das bange Vorgefühl, Daß über mir die Unglückssterne stünden-- Doch warum denk ich jetzt zuerst an mich-- O meine Mutter! meinen Mutter! Gräfin. Faßt Euch. Brecht nicht in eitle Klagen aus. Erhaltet Dem Vater einen Freund, Euch den Geliebten, So kann noch alles gut und glücklich werden. Thekla. Gut werden! Was? Wir sind getrennt auf immer!-- Ach, davon ist nun gar nicht mehr die Rede. Gräfin. Er läßt Euch nicht! Er kann nicht von Euch lassen. Thekla. O der Unglückliche! Gräfin. Wenn er Euch wirklich liebt, wird sein Entschluß Geschwind gefaßt sein. Thekla. Sein Entschluß wird bald Gefaßt sein, daran zweifelt nicht. Entschluß! Ist hier noch ein Entschluß? Gräfin. Faßt euch. Ich höre Die Mutter nahn. Thekla. Wie werd ich ihren Anblick Ertragen! Gräfin. Faßt Euch. Dritter Auftritt Die Herzogin. Vorige. Herzogin. (zur Gräfin) Schwester! Wer war hier? Ich hörte lebhaft reden. Gräfin. Es war niemand. Herzogin. Ich bin so schreckhaft. Jedes Rauschen kündigt mir Den Fußtritt eines Unglücksboten an. Könnt Ihr mir sagen, Schwester, wie es steht? Wird er dem Kaiser seinen Willen tun, Dem Kardinal die Reiter senden? Sprecht, Hat er den Questenberg mit einer guten Antwort entlassen? Gräfin. --Nein, das hat er nicht. Herzogin. O dann ist's aus! Ich seh das Ärgste kommen. Sie werden ihn absetzen, es wird alles wieder So werden wie zu Regenspurg. Gräfin. So wird's Nicht werden. Diesmal nicht. Dafür seid ruhig. (Thekla, heftig bewegt, stürzt auf die Mutter zu und schließt sie weinend in die Arme.) Herzogin. O der unbeugsam unbezähmte Mann! Was hab ich nicht getragen und gelitten In dieser Ehe unglücksvollem Bund! Denn gleich wie an ein feurig Rad gefesselt, Das rastlos eilend, ewig, heftig treibt, Bracht' ich ein angstvoll Leben mit ihm zu, Und stets an eines Abgrunds jähem Rande Sturzdrohend, schwindelnd riß er mich dahin. --Nein, weine nicht, mein Kind. Laß dir mein Leiden Zu keiner bösen Vorbedeutung werden, Den Stand, der dich erwartet, nicht verleiden. Es lebt kein zweiter Friedland; du, mein Kind, Hast deiner Mutter Schicksal nicht zu fürchten. Thekla. O lassen Sie uns fliehen, liebe Mutter! Schnell! Schnell! Hier ist kein Aufenthalt für uns. Jedwede nächste Stunde brütet irgend Ein neues, ungeheures Schreckbild aus! Herzogin. Dir wird ein ruhigeres Los!--Auch wir, Ich und dein Vater, sahen schöne Tage; Der ersten Jahre denk ich noch mit Lust. Da war er noch der fröhlich Strebende, Sein Ehrgeiz war ein mild erwärmend Feuer, Noch nicht die Flamme, die verzehrend rast. Der Kaiser liebte ihn, vertraute ihm, Und was er anfing, das mußt' ihm geraten. Doch seit dem Unglückstag zu Regenspurg, Der ihn von seiner Höh' herunterstürzte, Ist ein unsteter, ungesell'ger Geist Argwöhnisch, finster über ihn gekommen. Ihn floh die Ruhe, und dem alten Glück, Der eignen Kraft nicht fröhlich mehr vertrauend, Wandt' er sein Herz den dunkeln Künsten zu, Die keinen, der sie pflegte, noch beglückt. Gräfin. Ihr seht's mit Euren Augen--Aber ist Das ein Gespräch, womit wir ihn erwarten? Er wird bald hier sein, wißt Ihr. Soll er sie In diesem Zustand finden? Herzogin. Komm, mein Kind. Wisch deine Tränen ab. Zeig deinem Vater Ein heitres Antlitz--Sieh, die Schleife hier Ist los--Dies Haar muß aufgebunden werden. Komm, trockne deine Tränen. Sie entstellen Dein holdes Auge--Was ich sagen wollte? Ja, dieser Piccolomini ist doch Ein würd'ger Edelmann und voll Verdienst. Gräfin. Das ist er, Schwester. Thekla. (zur Gräfin, beängstigt.) Tante, wollt Ihr mich Entschuldigen? (Will gehen.) Gräfin. Wohin? Der Vater kommt. Thekla. Ich kann ihn jetzt nicht sehn. Gräfin. Er wird Euch aber Vermissen, nach Euch fragen. Herzogin. Warum geht sie? Thekla. Es ist mir unerträglich, ihn zu sehn. Gräfin. (zur Herzogin). Ihr ist nicht wohl. Herzogin. (besorgt) Was fehlt dem lieben Kinde? (Beide folgen dem Fräulein und sind beschäftigt, sie zurückzuhalten. Wallenstein erscheint, im Gespräch mit Illo.) Vierter Auftritt Wallenstein. Illo. Vorige. Wallenstein. Es ist noch still im Lager? Illo. Alles still. Wallenstein. In wenig Stunden kann die Nachricht da sein Aus Prag, daß diese Hauptstadt unser ist. Dann können wir die Maske von uns werfen, Den hiesigen Truppen den getanen Schritt Zugleich mit dem Erfolg zu wissen tun. In solchen Fällen tut das Beispiel alles. Der Mensch ist ein nachahmendes Geschöpf, Und wer der Vorderste ist, führt die Herde. Die Prager Truppen wissen es nicht anders, Als daß die Pilsner Völker uns gehuldigt, Und hier in Pilsen sollen sie uns schwören, Weil man zu Prag das Beispiel hat gegeben. --Der Butler, sagst du, hat sich nun erklärt? Illo. Aus freiem Trieb, unaufgefordert kam er, Sich selbst, sein Regiment dir anzubieten. Wallenstein. Nicht jeder Stimme, find ich, ist zu glauben, Die warnend sich im Herzen läßt vernehmen. Uns zu berücken, borgt der Lügengeist Nachahmend oft die Stimme von der Wahrheit Und streut betrügliche Orakel aus. So hab ich diesem würdig braven Mann, Dem Butler, stilles Unrecht abzubitten; Denn ein Gefühl, des ich nicht Meister bin, Furcht möcht' ich's nicht gern nennen, überschleicht In seiner Nähe schaudernd mir die Sinne Und hemmt der Liebe freudige Bewegung. Und dieser Redliche, vor dem der Geist Mich warnt, reicht mir das erste Pfand des Glücks. Illo. Und sein geachtet Beispiel, zweifle nicht, Wird dir die Besten in dem Heer gewinnen. Wallenstein. Jetzt geh und schick mir gleich den Isolan Hieher, ich hab ihn mir noch jüngst verpflichtet. Mit ihm will ich den Anfang machen. Geh! (Illo geht hinaus, unterdessen sind die übrigen wieder vorwärts gekommen.) Wallenstein. Sieh da, die Mutter mit der lieben Tochter! Wir wollen einmal von Geschäften ruhn-- Kommt! Mich verlangte, eine heitre Stunde Im lieben Kreis der Meinen zu verleben. Gräfin. Wir waren lang nicht so beisammen, Bruder. Wallenstein. (beiseite, zur Gräfin) Kann sie's vernehmen? Ist sie vorbereitet? Gräfin. Noch nicht. Wallenstein. Komm her, mein Mädchen. Setz dich zu mir. Es ist ein guter Geist auf deinen Lippen, Die Mutter hat mir deine Fertigkeit Gepriesen, es soll eine zarte Stimme Des Wohllauts in dir wohnen, die die Seele Bezaubert. Eine solche Stimme brauch Ich jetzt, den bösen Dämon zu vertreiben, Der um mein Haupt die schwarzen Flügel schlägt. Herzogin. Wo hast du deine Zither, Thekla? Komm. Laß deinem Vater eine Probe hören Von deiner Kunst. Thekla. O meine Mutter! Gott! Herzogin. Komm, Thekla, und erfreue deinen Vater. Thekla. Ich kann nicht, Mutter-- Gräfin. Wie? Was ist das, Nichte! Thekla. (zur Gräfin) Verschont mich--Singen--jetzt--in dieser Angst Der schwer beladnen Seele--vor ihn singen-- Der meine Mutter stürzt ins Grab! Herzogin. Wie, Thekla, Launen? Soll dein güt'ger Vater Vergeblich einen Wunsch geäußert haben? Gräfin. Hier ist die Zither. Thekla. O mein Gott--Wie kann ich-- (Hält das Instrument mit zitternder Hand, ihre Seele arbeitet im heftigsten Kampf, und im Augenblick, da sie anfangen soll, zu singen, schaudert sie zusammen, wirft das Instrument weg und geht schnell ab.) Herzogin. Mein Kind--o sie ist krank! Wallenstein. Was ist dem Mädchen? Pflegt sie so zu sein? Gräfin. Nun weil sie es denn selbst verrät, so will Auch ich nicht länger schweigen. Wallenstein. Wie? Gräfin. Sie liebt ihn. Wallenstein. Liebt! Wen? Gräfin. Den Piccolomini liebt sie. Hast du es nicht bemerkt? Die Schwester auch nicht? Herzogin. O war es dies, was ihr das Herz beklemmte? Gott segne dich, mein Kind! Du darfst Dich deiner Wahl nicht schämen. Gräfin. Diese Reise-- Wenn's deine Absicht nicht gewesen, schreib's Dir selber zu. Du hättest einen andern Begleiter wählen sollen! Wallenstein. Weiß er's? Gräfin. Er hofft sie zu besitzen. Wallenstein. Hofft Sie zu besitzen--Ist der Junge toll? Gräfin. Nun mag sie's selber hören! Wallenstein. Die Friedländerin Denkt er davonzutragen? Nun! Der Einfall Gefällt mir! Die Gedanken stehen ihm nicht niedrig. Gräfin. Weil du so viele Gunst ihm stets bezeugt, So-- Wallenstein. --Will er mich auch endlich noch beerben. Nun ja! Ich lieb ihn, halt ihn wert; was aber Hat das mit meiner Tochter Hand zu schaffen? Sind es die Töchter, sind's die einz'gen Kinder, Womit man seine Gunst bezeugt? Herzogin. Sein adeliger Sinn und seine Sitten-- Wallenstein. Erwerben ihm mein Herz, nicht meine Tochter. Herzogin. Sein Stand und seine Ahnen-- Wallenstein. Ahnen! Was! Er ist ein Untertan, und meinen Eidam Will ich mir auf Europens Thronen suchen. Herzogin. O lieber Herzog! Streben wir nicht allzuhoch Hinauf, daß wir zu tief nicht fallen mögen. Wallenstein. Ließ ich mir's so viel kosten, in die Höh' Zu kommen, über die gemeinen Häupter Der Menschen weg zu ragen, um zuletzt Die große Lebensrolle mit gemeiner Verwandtschaft zu beschließen?--Hab ich darum-- (Plötzlich hält er inne, sich fassend.) Sie ist das einzige, was von mir nachbleibt Auf Erden; eine Krone will ich sehn Auf ihrem Haupte, oder will nicht leben. Was? Alles--Alles! setz ich dran, um sie Recht groß zu machen--ja in der Minute, Worin wir sprechen-- (Er besinnt sich.) Und ich sollte nun, Wie ein weichherz'ger Vater, was sich gern hat Und liebt, fein bürgerlich zusammengeben? Und jetzt soll ich das tun, jetzt eben, da ich Auf mein vollendet Werk den Kranz will setzen-- Nein, sie ist mir ein langgespartes Kleinod, Die höchste, letzte Münze meines Schatzes, Nicht niedriger fürwahr gedenk ich sie Als um ein Königszepter loszuschlagen-- Herzogin. O mein Gemahl! Sie bauen immer, bauen Bis in die Wolken, bauen fort und fort Und denken nicht dran, daß der schmale Grund Das schwindelnd schwanke Werk nicht tragen kann. Wallenstein. (zur Gräfin) Hast du ihr angekündigt, welchen Wohnsitz Ich ihr bestimmt? Gräfin. Noch nicht. Entdeckt's ihr selbst. Herzogin. Wie? Gehen wir nach Kärnten nicht zurück? Wallenstein. Nein. Herzogin. Oder sonst auf keines Ihrer Güter? Wallenstein. Sie würden dort nicht sicher sein. Herzogin. Nicht sicher In Kaisers Landen, unter Kaisers Schutz? Wallenstein. Den hat des Friedlands Gattin nicht zu hoffen. Herzogin. O Gott, bis dahin haben Sie's gebracht? Wallenstein. In Holland werden Sie Schutz finden. Herzogin. Was? Sie senden uns in lutherischen Länder? Wallenstein. Der Herzog Franz von Lauenburg wird Ihr Geleitsmann dahin sein. Herzogin. Der Lauenburger? Der's mit dem Schweden hält, des Kaisers Feind? Wallenstein. Des Kaisers Feinde sind die meinen nicht mehr. Herzogin. (sieht den Herzog und die Gräfin schreckensvoll an) Ist's also wahr? Es ist? Sie sind gestürzt? Sind vom Kommando abgesetzt? O Gott Im Himmel! Gräfin. (seitwärts zum Herzog) Lassen wir sie bei dem Glauben. Du siehst, daß sie die Wahrheit nicht ertrüge. Fünfter Auftritt Graf Terzky. Vorige. Gräfin. Terzky! Was ist ihm? Welches Bild des Schreckens! Als hätt' er ein Gespenst gesehn! Terzky. (Wallenstein bei Seite führend, heimlich) Ist's dein Befehl, daß die Kroaten reiten? Wallenstein. Ich weiß von nichts. Terzky. Wir sind verraten! Wallenstein. Was? Terzky. Sie sind davon, heut nacht, die Jäger auch, Leer stehen alle Dörfer in der Runde. Wallenstein. Und Isolan? Terzky. Den hast du ja verschickt. Wallenstein. Ich? Terzky. Nicht? Du hast ihn nicht verschickt? Auch nicht Den Deodat? Sie sind verschwunden beide. Sechster Auftritt Illo. Vorige. Illo. Hat dir der Terzky-- Terzky. Er weiß alles. Illo. Auch daß Maradas, Esterhazy, Götz, Colalto, Kaunitz dich verlassen?-- Terzky. Teufel! Wallenstein. (winkt) Still! Gräfin. (hat sie von weitem ängstlich beobachtet, tritt hinzu) Terzky! Gott! Was gibt's? Was ist geschehen? Wallenstein. (im Begriff aufzubrechen) Nichts! Laßt uns gehen. Terzky. (will ihm folgen) Es ist nichts, Therese. Gräfin. (hält ihn). Nichts? Seh ich nicht, daß alles Lebensblut Aus euren geisterbleichen Wangen wich, Daß selbst der Bruder Fassung nur erkünstelt? Page. (kommt) Ein Adjutant fragt nach dem Grafen Terzky. (Ab. Terzky folgt dem Pagen.) Wallenstein. Hör, was er bringt-- (Zu Illo.) Das konnte nicht so heimlich Geschehen ohne Meuterei--Wer hat Die Wache an den Toren? Illo. Tiefenbach. Wallenstein. Laß Tiefenbach ablösen unverzüglich Und Terzkys Grenadiere aufziehn.--Höre! Hast du von Buttlern Kundschaft? Illo. Buttlern traf ich. Gleich ist er selber hier. Der hält dir fest. (Illo geht. Wallenstein will ihm folgen.) Gräfin. Laß ihn nicht von dir, Schwester! Halt ihn auf-- Es ist ein Unglück-- Herzogin. Großer Gott! Was ist's? (Hängt sich an ihn.) Wallenstein. (erwehrt sich ihrer). Seid ruhig! Laßt mich! Schwester! liebes Weib, Wir sind im Lager! Da ist's nun nicht anders, Da wechseln Sturm und Sonnenschein geschwind, Schwer lenken sich die heftigen Gemüter, Und Ruhe nie beglückt des Führers Haupt-- Wenn ich soll bleiben, geht! Denn übel stimmt Der Weiber Klage zu dem Tun der Männer. (Er will gehen. Terzky kömmt zurück.) Terzky. Bleib hier. Von diesem Fenster muß man's sehn. Wallenstein. (zur Gräfin) Geht, Schwester! Gräfin. Nimmermehr! Wallenstein. Ich will's. Terzky. (führt sie beiseite, mit einem bedeutenden Wink auf die Herzogin) Therese! Herzogin. Komm, Schwester, weil er es befiehlt. (Gehen ab.) Siebenter Auftritt Wallenstein. Graf Terzky. Wallenstein. (ans Fenster tretend) Was gibt's denn? Terzky. Es ist ein Rennen und Zusammenlaufen Bei allen Truppen. Niemand weiß die Ursach, Geheimnisvoll, mit einer finstern Stille, Stellt jedes Korps sich unter seine Fahnen, Die Tiefenbacher machen böse Mienen, Nur die Wallonen stehen abgesondert In ihrem Lager, lassen niemand zu Und halten sich gesetzt, so wie sie pflegen. Wallenstein. Zeigt Piccolomini sich unter ihnen? Terzky. Man sucht ihn, er ist nirgends anzutreffen. Wallenstein. Was überbrachte denn der Adjutant? Terzky. Ihn schickten meine Regimenter ab, Sie schwören nochmals Treue dir, erwarten Voll Kriegeslust den Aufruf zum Gefechte. Wallenstein. Wie aber kam der Lärmen in das Lager? Es sollte ja dem Heer verschwiegen bleiben, Bis sich zu Prag das Glück für uns entschieden. Terzky. O daß du mir geglaubt! Noch gestern Abends Beschwuren wir dich, den Octavio, Den Schleicher, aus den Toren nicht zu lassen, Du gabst die Pferde selber ihm zur Flucht-- Wallenstein. Das alte Lied! Einmal für allemal, Nichts mehr von diesem törichten Verdacht! Terzky. Dem Isolani hast du auch getraut, Und war der erste doch, der dich verließ. Wallenstein. Ich zog ihn gestern erst aus seinem Elend. Fahr hin! Ich hab auf Dank ja nie gerechnet. Terzky. Und so sind alle, einer wie der andre. Wallenstein. Und tut er Unrecht, daß er von mir geht? Er folgt dem Gott, dem er sein Lebenlang Am Spieltisch hat gedient. Mit meinem Glücke Schloß er den Bund und bricht ihn, nicht mit mir. War ich ihm was, er mir? Das Schiff nur bin ich, Auf das er seine Hoffnung hat geladen, Mit dem er wohlgemut das freie Meer Durchsegelte; er sieht es über Klippen Gefährlich gehn und rettet schnell die Ware. Leicht wie der Vogel von dem wirtbarn Zweige, Wo er genistet, fliegt er von mir auf, Kein menschlich Band ist unter uns zerrissen. Ja, der verdient, betrogen sich zu sehn, Der Herz gesucht bei dem Gedankenlosen! Mit schnell verlöschten Zügen schreiben sich Des Lebens Bilder auf die glatte Stirne, Nichts fällt in eines Busen stillen Grund, Ein muntrer Sinn bewegt die leichten Säfte, Doch keine Seele wärmt das Eingeweide. Terzky. Doch möcht' ich mich den glatten Stirnen lieber Als jenen tiefgefurchten anvertrauen. Achter Auftritt Wallenstein. Terzky. Illo kömmt wütend. Illo. Verrat und Meuterei! Terzky. Ha! was nun wieder? Illo. Die Tiefenbacher, als ich Ordre gab, Sie abzulösen--Pflichtvergeßne Schelmen! Terzky. Nun? Wallenstein. Was denn? Illo. Sie verweigern den Gehorsam. Terzky. So laß sie niederschießen! O gib Ordre! Wallenstein. Gelassen! Welche Ursach geben sie? Illo. Kein andrer sonst hab ihnen zu befehlen Als Generalleutnant Piccolomini. Wallenstein. Was--Wie ist das? Illo. So hab er's hinterlassen Und eigenhändig vorgezeigt vom Kaiser. Terzky. Vom Kaiser--Hörst du's, Fürst! Illo. Auf seinen Antrieb Sind gestern auch die Obersten entwichen. Terzky. Hörst du's! Illo. Auch Montecuculi, Caraffa Und noch sechs andre Generale werden Vermißt, die er bered't hat, ihm zu folgen. Das hab er alles schon seit lange schriftlich Bei sich gehabt vom Kaiser und noch jüngst Erst abgeredet mit dem Questenberger. (Wallenstein sinkt auf einen Stuhl und verhüllt sich das Gesicht.) Terzky. O hättest du mir doch geglaubt! Neunter Auftritt Gräfin. Vorige. Gräfin. Ich kann die Angst--ich kann's nicht länger tragen, Um Gotteswillen, sagt mir, was es ist. Illo. Die Regimenter fallen von uns ab. Graf Piccolomini ist ein Verräter. Gräfin. O meine Ahnung! (Stürzt aus dem Zimmer.) Terzky. Hätt' man mir geglaubt! Da siehst du's, wie die Sterne dir gelogen! Wallenstein. (richtet sich auf) Die Sterne lügen nicht, das aber ist Geschehen wider Sternenlauf und Schicksal. Die Kunst ist redlich, doch dies falsche Herz Bringt Lug und Trug in den wahrhaft'gen Himmel. Nur auf der Wahrheit ruht die Wahrsagung; Wo die Natur aus ihren Grenzen wanket, Da irret alle Wissenschaft. War es Ein Aberglaube, menschliche Gestalt Durch keinen solchen Argwohn zu entehren, O nimmer schäm ich dieser Schwachheit mich! Religion ist in der Tiere Trieb, Es trinkt der Wilde selbst nicht mit dem Opfer, Dem er das Schwert will in den Busen stoßen. Das war kein Heldenstück, Octavio! Nicht deine Klugheit siegte über meine, Dein schlechtes Herz hat über mein gerades Den schändlichen Triumph davongetragen. Kein Schild fing deinen Mordstreich auf, du führtest Ihn ruchlos auf die unbeschützte Brust, Ein Kind nur bin ich gegen solche Waffen. Zehnter Auftritt Vorige. Buttler. Terzky. O sieh da! Buttler! Das ist noch ein Freund! Wallenstein (geht ihm mit ausgebreiteten Armen entgegen und umfaßt ihn mit Herzlichkeit) Komm an mein Herz, du alter Kriegsgefährt'! So wohl tut nicht der Sonne Blick im Lenz Als Freundes Angesicht in solcher Stunde. Buttler. Mein General--Ich komme-- Wallenstein. (sich auf seine Schultern lehnend) Weißt du's schon? Der Alte hat dem Kaiser mich verraten. Was sagst du? Dreißig Jahre haben wir Zusammen ausgelebt und ausgehalten. In einem Feldbett haben wir geschlafen, Aus einem Glas getrunken, einen Bissen Geteilt, ich stützte mich auf ihn, wie ich Auf deine treue Schulter jetzt mich stütze; Und in dem Augenblick, da liebevoll Vertrauend meine Brust an seiner schlägt, Ersieht er sich den Vorteil, sticht das Messer Mir listig lauernd, langsam in das Herz! (Er verbirgt das Gesicht an Buttlers Brust.) Buttler. Vergeßt den Falschen. Sagt, was wollt Ihr tun? Wallenstein. Wohl, wohl gesprochen. Fahre hin! Ich bin Noch immer reich an Freunden, bin ich nicht? Das Schicksal liebt mich noch, denn eben jetzt, Da es des Heuchlers Tücke mir entlarvt, Hat es ein treues Herz mir zugesendet. Nichts mehr von ihm. Denkt nicht, daß sein Verlust Mich schmerze, oh! mich schmerzt nur der Betrug. Denn wert und teur waren mir die beiden, Und jener Max, er liebte mich wahrhaftig, Er hat mich nicht getäuscht, er nicht--Genug, Genug davon! Jetzt gilt es schnellen Rat-- Der Reitende, den mir Graf Kinsky schickt Aus Prag, kann jeden Augenblick erscheinen. Was er auch bringen mag, er darf den Meutern Nicht in die Hände fallen. Drum geschwind, Schickt einen sichern Boten ihm entgegen, Der auf geheimem Weg ihn zu mir führe. (Illo will gehen.) Buttler. (hält ihn zurück) Mein Feldherr, wen erwartet Ihr? Wallenstein. Den Eilenden, der mir die Nachricht bringt, Wie es mit Prag gelungen. Buttler. Hum! Wallenstein. Was ist Euch? Buttler. So wißt Ihr's nicht? Wallenstein. Was denn? Buttler. Wie dieser Lärmer Ins Lager kam?-- Wallenstein. Wie? Buttler. Jener Bote-- Wallenstein. (erwartungsvoll) Nun? Buttler. Er ist herein. Terzky und Illo. Er ist herein? Wallenstein. Mein Bote? Buttler. Seit mehrern Stunden. Wallenstein. Und ich weiß es nicht? Buttler. Die Wache fing ihn auf. Illo. (stampft mit dem Fuß) Verdammt! Buttler. Sein Brief Ist aufgebrochen, läuft durchs ganze Lager-- Wallenstein. (gespannt) Ihr wißt, was er enthält? Buttler. (bedenklich) Befragt mich nicht! Terzky. Oh--Weh uns, Illo! Alles stürzt zusammen! Wallenstein. Verhehlt mir nichts. Ich kann das Schlimmste hören. Prag ist verloren? Ist's? Gesteht mir's frei. Buttler. Es ist verloren. Alle Regimenter Zu Budweis, Tabor, Braunau, Königingrätz, Zu Brünn und Znaym haben Euch verlassen, Dem Kaiser neu gehuldigt--Ihr selbst Mit Kinsky, Terzky, Illo seid geächtet. (Terzky und Illo zeigen Schrecken und Wut. Wallenstein bleibt fest und gefaßt stehen.) Wallenstein. (nach einer Pause) Es ist entschieden, nun ist's gut--und schnell Bin ich geheilt von allen Zweifelsqualen, Die Brust ist wieder frei, der Geist ist hell: Nacht muß es sein, wo Friedlands Sterne strahlen. Mit zögerndem Entschluß, mit wankendem Gemüt Zog ich das Schwert, ich tat's mit Widerstreben, Da es in meine Wahl noch war gegeben! Notwendigkeit ist da, der Zweifel flieht, Jetzt fecht ich für mein Haupt und für mein Leben. (Er geht ab. Die andern folgen.) Elfter Auftritt Gräfin Terzky. (kommt aus dem Seitenzimmer) Nein! Ich kann's länger nicht--Wo sind sie? Alles Ist leer. Sie lassen mich allein--allein In dieser fürchterlichen Angst--Ich muß Mich zwingen vor der Schwester, ruhig scheinen Und alle Qualen der bedrängten Brust In mir verschließen--Das ertrag ich nicht! --Wenn es uns fehlschlägt, wenn er zu dem Schweden Mit leerer Hand, als Flüchtling, müßte kommen, Nicht als geehrter Bundesgenosse, stattlich, Gefolgt von eines Heeres Macht--Wenn wir Von Land zu Land wie der Pfalzgraf müßten wandern, Ein schmählich Denkmal der gefallnen Größe-- Nein, diesen Tag will ich nicht schaun! und könnt' Er selbst es auch ertragen, so zu sinken, Ich trüg's nicht, so gesunken ihn zu sehn. Zwölfter Auftritt Gräfin. Herzogin. Thekla. Thekla. (will die Herzogin zurückhalten) O liebe Mutter, bleiben Sie zurück! Herzogin. Nein, hier ist noch ein schreckliches Geheimnis, Das mir verhehlt wird--Warum meidet mich Die Schwester? Warum seh ich sie voll Angst Umhergetrieben, warum dich voll Schrecken? Und was bedeuten diese stummen Winke, Die du verstohlen heimlich mit ihr wechselst? Thekla. Nichts, liebe Mutter! Herzogin. Schwester, ich will's wissen. Gräfin. Was hilft's auch, ein Geheimnis draus zu machen! Läßt sich's verbergen? Früher, später muß Sie's doch vernehmen lernen und ertragen! Nicht Zeit ist's jetzt, der Schwäche nachzugeben, Mut ist uns not und ein gefaßter Geist, Und in der Stärke müssen wir uns üben. Drum besser, es entscheidet sich ihr Schicksal Mit einem Wort--Man hintergeht Euch, Schwester. Ihr glaubt, der Herzog sei entsetzt--der Herzog Ist nicht entsetzt--er ist-- Thekla. (zur Gräfin gehend) Wollt Ihr sie töten? Gräfin. Der Herzog ist-- Thekla. (die Arme um die Mutter schlagend). O standhaft, meine Mutter! Gräfin. Empört hat sich der Herzog, zu dem Feind Hat er sich schlagen wollen, die Armee Hat ihn verlassen, und es ist mißlungen. (Während dieser Worte wankt die Herzogin und fällt ohnmächtig in die Arme ihrer Tochter.) Dreizehnter Auftritt Ein großer Saal beim Herzog von Friedland. Wallenstein. (im Harnisch) Du hast's erreicht, Octavio--Fast bin ich Jetzt so verlassen wieder, als ich einst Vom Regenspurger Fürstentage ging. Da hatt' ich nichts mehr als mich selbst--doch was Ein Mann kann wert sein, habt ihr schon erfahren. Den Schmuck der Zweige habt ihr abgehauen, Da steh ich, ein entlaubter Stamm! Doch innen Im Marke lebt die schaffende Gewalt, Die sprossend eine Welt aus sich geboren. Schon einmal galt ich euch statt eines Heeres, Ich einzelner. Dahingeschmolzen vor Der schwed'schen Stärke waren eure Heere, Am Lech sank Tilly, euer letzter Hort; Ins Bayerland, wie ein geschwollner Strom, Ergoß sich dieser Gustav, und zu Wien In seiner Hofburg zitterte der Kaiser. Soldaten waren teuer, denn die Menge Geht nach dem Glück--Da wandte man die Augen Auf mich, den Helfer in der Not, es beugte sich Der Stolz des Kaisers vor dem Schwergekränkten: Ich sollte aufstehn mit dem Schöpfungswort Und in die hohlen Läger Menschen sammeln. Ich tat's. Die Trommel ward gerührt. Mein Name Ging wie ein Kriegsgott durch die Welt. Der Pflug, Die Werkstatt wird verlassen, alles wimmelt Der altbekannten Hoffnungsfahne zu-- --Noch fühl ich mich denselben, der ich war! Es ist der Geist, der sich den Körper baut, Und Friedland wird sein Lager um sich füllen. Führt eure Tausende mir kühn entgegen, Gewohnt wohl sind sie, unter mir zu siegen, Nicht gegen mich--Wenn Haupt und Glieder sich trennen, Da wird sich zeigen, wo die Seele wohnte. (Illo und Terzky treten ein.) Mut, Freunde, Mut! Wir sind noch nicht zu Boden. Fünf Regimenter Terzky sind noch unser Und Buttlers wackre Scharen--Morgen stößt Ein Heer zu uns von sechzehntausend Schweden. Nicht mächt'ger war ich, als ich vor neun Jahren Auszog, dem Kaiser Deutschland zu erobern. Vierzehnter Auftritt Vorige. Neumann, der den Grafen Terzky beiseite führt und mit ihm spricht. Terzky. (zu Neumann). Was suchen Sie? Wallenstein. Was gibt's? Terzky. Zehn Kürassiere Von Pappenheim verlangen dich im Namen Des Regiments zu sprechen. Wallenstein. (schnell zu Neumann) Laß sie kommen. (Neumann geht hinaus.) Davon erwart ich etwas. Gebet acht, Sie zweifeln noch und sind noch zu gewinnen. Fünfzehnter Auftritt Wallenstein. Terzky. Illo. Zehn Kürassiere, von einem Gefreiten geführt, marschieren auf und stellen sich nach dem Kommando in einem Glied vor den Herzog, die Honneurs machend. Wallenstein. (nachdem er sie eine Zeitlang mit den Augen gemessen, zum Gefreiten) Ich kenne dich wohl. Du bist aus Brügg' in Flandern, Dein Nam' ist Mercy. Gefreiter. Heinrich Mercy heiß ich. Wallenstein. Du wurdest abgeschnitten auf dem Marsch, Von Hessischen umringt und schlugst dich durch, Mit hundertachtzig Mann durch ihrer tausend. Gefreiter. So ist's, mein General. Wallenstein. Was wurde dir Für diese wackre Tat? Gefreiter. Die Ehr', mein Feldherr, Um die ich bat, bei diesem Korps zu dienen. Wallenstein. (wendet sich zu einem andern) Du warst darunter, als ich die Freiwilligen Heraus ließ treten auf dem Altenberg, Die schwed'sche Batterie hinwegzunehmen. Zweiter Kürassier. So ist's, mein Feldherr. Wallenstein. Ich vergesse keinen, Mit dem ich einmal Worte hab gewechselt. Bringt eure Sache vor. Gefreiter. (kommandiert) Gewehr in Arm! Wallenstein. (zu einem dritten gewendet) Du nennst dich Risbeck, Köln ist dein Geburtsort. Dritter Kürassier. Risbeck aus Köln. Wallenstein. Den schwed'schen Oberst Dübald brachtest du Gefangen ein im Nürenberger Lager. Dritter Kürassier. Ich nicht, mein General. Wallenstein. Ganz recht! Es war Dein ältrer Bruder, der es tat--du hattest Noch einen jüngern Bruder, wo blieb der? Dritter Kürassier. Er steht zu Olmütz bei des Kaisers Heer. Wallenstein. (zum Gefreiten) Nun so laß hören. Gefreiter. Ein kaiserlicher Brief kam uns zu Handen, Der uns-- Wallenstein. (unterbricht ihn) Wer wählte Euch? Gefreiter. Jedwede Fahn' Zog ihren Mann durchs Los. Wallenstein. Nun denn zur Sache! Gefreiter. Ein kaiserlicher Brief kam uns zu Handen, Der uns befiehlt, die Pflicht dir aufzukündigen, Weil du ein Feind und Landsverräter seist. Wallenstein. Was habt ihr drauf beschlossen? Gefreiter. Unsre Kameraden Zu Braunau, Budweis, Prag und Olmütz haben Bereits gehorcht, und ihrem Beispiel folgten Die Regimenter Tiefenbach, Toscana. --Wir aber glauben's nicht, daß du ein Feind Und Landsverräter bist, wir halten's bloß Für Lug und Trug und spanische Erfindung. (Treuherzig.) Du selber sollst uns sagen, was du vorhast, Denn du bist immer wahr mit uns gewesen, Das höchste Zutraun haben wir zu dir, Kein fremder Mund soll zwischen uns sich schieben, Den guten Feldherrn und die guten Truppen. Wallenstein. Daran erkenn ich meine Pappenheimer. Gefreiter. Und dies entbietet dir dein Regiment: Ist's deine Absicht bloß, dies Kriegeszepter, Das dir gebührt, das dir der Kaiser hat Vertraut, in deinen Händen zu bewahren, Östreichs rechtschaffner Feldhauptmann zu sein, So wollen wir dir beistehn und dich schützen Bei deinem guten Rechte gegen jeden-- Und wenn die andern Regimenter alle Sich von dir wenden, wollen wir allein Dir treu sein, unser Leben für dich lassen. Denn das ist unsre Reiterpflicht, daß wir Umkommen lieber, als dich sinken lassen. Wenn's aber so ist, wie des Kaisers Brief Besagt, wenn's wahr ist, daß du uns zum Feind Treuloserweise willst hinüberführen, Was Gott verhüte! ja, so wollen wir Dich auch verlassen und dem Brief gehorchen. Wallenstein. Hört, Kinder-- Gefreiter. Braucht nicht viel Wort. Sprich Ja oder nein, so sind wir schon zufrieden. Wallenstein. Hört an. Ich weiß, daß ihr verständig seid, Selbst prüft und denkt und nicht der Herde folgt. Drum hab ich euch, ihr wißt's, auch ehrenvoll Stets unterschieden in der Heereswoge; Denn nur die Fahnen zählt der schnelle Blick Des Feldherrn, er bemerkt kein einzeln Haupt, Streng herrscht und blind der eiserne Befehl, Es kann der Mensch dem Menschen hier nichts gelten-- So, wißt ihr, hab ich's nicht mit euch gehalten; Wie ihr euch selbst zu fassen angefangen Im rohen Handwerk, wie von euren Stirnen Der menschliche Gedanke mir geleuchtet, Hab ich als freie Männer euch behandelt, Der eignen Stimme Recht euch zugestanden-- Gefreiter. Ja, würdig hast du stets mit uns verfahren, Mein Feldherr, uns geehrt durch dein Vertraun, Uns Gunst erzeigt vor allen Regimentern. Wir folgen auch dem großen Haufen nicht, Du siehst's! Wir wollen treulich bei dir halten. Sprich nur ein Wort, dein Wort soll uns genügen, Daß es Verrat nicht sei, worauf du sinnst, Daß du das Herr zum Feind nicht wollest führen. Wallenstein. Mich, mich verrät man! Aufgeopfert hat mich Der Kaiser meinen Feinden, fallen muß ich, Wenn meine braven Truppen mich nicht retten. Euch will ich mich vertrauen--Euer Herz Sei meine Festung! Seht, auf diese Brust Zielt man! Nach diesem greisen Haupte!--Das Ist span'sche Dankbarkeit, das haben wir Für jene Mordschlacht auf der alten Feste, Auf Lützens Ebnen! Darum warfen wir Die nackte Brust der Partisan' entgegen, Drum machten wir die eisbedeckten Erde, Den harten Stein zu unserm Pfühl; kein Strom War uns zu schnell, kein Wald zu undurchdringlich, Wir folgten jenem Mansfeld unverdrossen Durch alle Schlangenkrümmen seiner Flucht, Ein ruheloser Marsch war unser Leben, Und wie des Windes Sausen, heimatlos, Durchstürmten wir die kriegbewegte Erde. Und jetzt, da wir die schwere Waffenarbeit, Die undankbare, fluchbeladene, getan, Mit unermüdet treuem Arm des Krieges Last Gewälzt, soll dieser kaiserliche Jüngling Den Frieden leicht wegtragen, soll den Ölzweig, Die wohlverdiente Zierde unsers Haupts, Sich in die blonden Knabenhaare flechten-- Gefreiter. Das soll er nicht, solang wir's hindern können. Niemand als du, der ihn mit Ruhm geführt, Soll diesen Krieg, den fürchterlichen, enden. Du führtest uns heraus ins blut'ge Feld Des Todes, du, kein andrer, sollst uns fröhlich Heimführen in des Friedens schöne Fluren, Der langen Arbeit Früchte mit uns teilen-- Wallenstein. Wie? denkt ihr euch im späten Alter endlich Der Früchte zu erfreuen? Glaubt das nicht. Ihr werdet dieses Kampfes Ende nimmer Erblicken! Dieser Krieg verschlingt uns alle. Östreich will keinen Frieden; darum eben, Weil ich den Frieden suche, muß ich fallen. Was kümmert's Östreich, ob der lange Krieg Die Heere aufreibt und die Welt verwüstet, Es will nur wachsen stets und Land gewinnen. Ihr seid gerührt--ich seh den edeln Zorn Aus euren kriegerischen Augen blitzen. O daß mein Geist euch jetzt beseelen möchte, Kühn, wie er einst in Schlachten euch geführt! Ihr wollt mir beistehn, wollt mich mit den Waffen Bei meinem Rechte schützen--das ist edelmütig! Doch denket nicht, daß ihr's vollenden werdet, Das kleine Heer! Vergebens werdet ihr Für euren Feldherrn euch geopfert haben. (Zutraulich.) Nein! Laßt uns sicher gehen, Freunde suchen, Der Schwede sagt uns Hilfe zu, laßt uns Zum Schein sie nutzen, bis wir, beiden furchtbar, Europens Schicksal in den Händen tragen Und der erfreuten Welt aus unserm Lager Den Frieden schön bekränzt entgegenführen. Gefreiter. So treibst du's mit dem Schweden nur zum Schein? Du willst den Kaiser nicht verraten, willst uns Nicht schwedisch machen?--sieh, das ist's allein, Was wir von dir verlangen zu erfahren. Wallenstein. Was geht der Schwed' mich an? Ich haß ihn, wir Den Pfuhl der Hölle, und mit Gott gedenk ich ihn Bald über seine Ostsee heimzujagen. Mir ist's allein ums Ganze. Seht! Ich hab Ein Herz, der Jammer dieses deutschen Volks erbarmt mich. Ihr seid gemeine Männer nur, doch denkt Ihr nicht gemein, ihr scheint mir's wert vor andern, Daß ich ein traulich Wörtlein zu euch rede-- Seht! Fünfzehn Jahr schon brennt die Kriegesfackel, Und noch ist nirgends Stillstand. Schwed' und Deutscher! Papist und Lutheraner! Keiner will Dem andern weichen! Jede Hand ist wider Die andre! Alles ist Partei und nirgends Kein Richter! Sagt, wo soll das enden? wer Den Knäul entwirren, der, sich endlos selbst Vermehrend, wächst--Er muß zerhauen werden. Ich fühl's, daß ich der Mann des Schicksals bin, Und hoff's mit eurer Hilfe zu vollführen. Sechzehnter Auftritt Buttler. Vorige. Buttler. (in Eifer) Das ist nicht wohlgetan, mein Feldherr. Wallenstein. Was? Buttler. Das muß uns schaden bei den Gutgesinnten. Wallenstein. Was denn? Buttler. Es heißt den Aufruhr öffentlich erklären! Wallenstein. Was ist es denn? Buttler. Graf Terzkys Regimenter reißen Den kaiserlichen Adler von den Fahnen Und pflanzen deine Zeichen auf. Gefreiter. (zu den Kürassieren). Rechts um! Wallenstein. Verflucht sei dieser Rat, und wer ihn gab! (Zu den Kürassieren, welche abmarschieren.) Halt, Kinder, halt--Es ist ein Irrtum--Hört-- Und streng will ich's bestrafen--Hört doch! Bleibt. Sie hören nicht. (Zu Illo.) Geh nach, bedeute sie, Bring sie zurück, es koste was es wolle. (Illo eilt hinaus.) Das stürzt uns ins Verderben--Buttler! Buttler! Ihr seid mein böser Dämon, warum mußtet Ihr's In ihrem Beisein melden!--Alles war Auf gutem Weg--Sie waren halb gewonnen-- Die Rasenden, mit ihrer unbedachten Dienstfertigkeit!--O grausam spielt das Glück Mit mir! Der Freunde Eifer ist's, der mich Zugrunde richtet, nicht er Haß der Feinde. Siebzehnter Auftritt Vorige. Die Herzogin stürzt ins Zimmer. Ihr folgt Thekla und die Gräfin. Dann Illo. Herzogin. O Albrecht! Was hast du getan! Wallenstein. Nun das noch! Gräfin. Verzeih mir, Bruder. Ich vermocht' es nicht, Sie wissen alles. Herzogin. Was hast du getan! Gräfin. (zu Terzky) Ist keine Hoffnung mehr? Ist alles denn Verloren? Terzky. Alles. Prag ist in des Kaisers Hand, Die Regimenter haben neu gehuldigt. Gräfin. Heimtückischer Octavio!--Und auch Graf Max ist fort? Terzky. Wo sollt er sein? Er ist Mit seinem Vater über zu dem Kaiser. (Thekla stürzt in die Arme ihrer Mutter, das Gesicht an ihrem Busen verbergend.) Herzogin. (sie in die Arme schließend). Unglücklich Kind! Unglücklichere Mutter! Wallenstein. (beiseite gehend mit Terzky). Laß einen Reisewagen schnell bereit sein Im Hinterhofe, diese wegzubringen. (Auf die Frauen zeigend.) Der Scherfenberg kann mit, der ist uns treu, Nach Eger bringt er sie, wir folgen nach. (Zu Illo, der wiederkommt.) Du bringst sie nicht zurück? Illo. Hörst du den Auflauf? Das ganze Korps der Pappenheimer ist Im Anzug. Sie verlangen ihren Oberst, Den Max zurück, er sei hier auf dem Schloß, Behaupten sie, du haltest ihn mit Zwang, Und wenn du ihn nicht losgebst, werde man Ihn mit dem Schwerte zu befreien wissen. (Alle stehen erstaunt.) Wallenstein. Sagt' ich's nicht? O mein wahrsagend Herz! Er ist noch hier. Er hat mich nicht verraten, hat es nicht Vermocht--Ich habe nie daran gezweifelt. Gräfin. Ist er noch hier, o dann ist alles gut, Dann weiß ich, was ihn ewig halten soll! (Thekla umarmend.) Terzky. Es kann nicht sein. Bedenke doch! Der Alte Hat uns verraten, ist zum Kaiser über, Wie kann er's wagen, hierzusein? Illo. (zum Wallenstein) Den Jagdzug, Den du ihm kürzlich schenktest, sah ich noch Vor wenig Stunden übern Markt wegführen. Gräfin. O Nichte, dann ist er nicht weit! Thekla. (hat den Blick nach der Türe geheftet und ruft lebhaft) Da ist er! Achtzehnter Auftritt Die Vorigen. Max Piccolomini. Max. (mitten in den Saal tretend). Ja! Ja! da ist er! Ich vermag's nicht länger, Mit leisem Tritt um dieses Haus zu schleichen, Den günst'gen Augenblick verstohlen zu Erlauern--Dieses Harren, diese Angst Geht über meine Kräfte! (Auf Thekla zugehend, welche sich ihrer Mutter in die Arme geworfen.) O sieh mich an! Sieh nicht weg, holder Engel. Bekenn es frei vor allen. Fürchte niemand. Es höre, wer es will, daß wir uns lieben. Wozu es noch verbergen? Das Geheimnis Ist für die Glücklichen; das Unglück braucht, Das hoffnungslose, keinen Schleier mehr, Frei unter tausend Sonnen kann es handeln. (Er bemerkt die Gräfin, welche mit frohlockendem Gesicht auf Thekla blickt.) Nein, Base Terzky! Seht mich nicht erwartend, Sicht hoffend an! Ich komme nicht zu bleiben. Abschied zu nehmen, komm ich--Es ist aus. Ich muß, muß dich verlassen, Thekla--muß! Doch deinen Haß kann ich nicht mit mir nehmen. Nur einen Blick des Mitleids gönne mir, Sag, daß du mich nicht hassest. Sag mir's, Thekla. (Indem er ihre Hand faßt, heftig bewegt.) O Gott!--Gott! Ich kann nicht von dieser Stelle. Ich kann es nicht--kann diese Hand nicht lassen. Sag, Thekla, daß du Mitleid mit mir hast, Dich selber überzeugst, ich kann nicht anders. (Thekla, seinen Blick vermeidend, zeigt mit der Hand auf ihren Vater; er wendet sich nach dem Herzog um, den er jetzt erst gewahr wird.) Du hier?--Nicht du bist's, den ich hier gesucht. Dich sollten meine Augen nicht mehr schauen. Ich hab es nur mit ihr allein. Hier will ich, Von diesem Herzen freigesprochen sein, An allem andern ist nichts mehr gelegen. Wallenstein. Denkst du, ich soll der Tor sein und dich ziehen lassen Und eine Großmutsszene mit dir spielen? Dein Vater ist zum Schelm an mir geworden, Du bist mir nichts mehr als sein Sohn, sollst nicht Umsonst in meine Macht gegeben sein. Denk nicht, daß ich die alte Freundschaft ehren werde, Die er so ruchlos hat verletzt. Die Zeiten Der Liebe sind vorbei, der zarten Schonung, Und Haß und Rache kommen an die Reihe. Ich kann auch Unmensch sein, wie er. Max. Du wirst mit mir verfahren, wie du Macht hast. Wohl aber weißt du, daß ich deinem Zorn Nicht trotze, noch ihn fürchte. Was mich hier Zurückhält, weißt du! (Thekla bei der Hand fassend.) Sieh! Alles--alles wollt' ich dir verdanken, Das Los der Seligen wollt' ich empfangen Aus deiner väterlichen Hand. Du hast's Zerstört, doch daran liegt dir nichts. Gleichgültig Trittst du das Glück der Deinen in den Staub, Der Gott, dem du dienst, ist kein Gott der Gnade. Wie das gemütlos blinde Element, Das furchtbare, mit dem kein Bund zu schließen, Folgst du des Herzens wildem Trieb allein. Weh denen, die auf dich vertraun, an dich Die sichre Hütte ihres Glückes lehnen, Gelockt von deiner gastlichen Gestalt! Schnell, unverhofft, bei nächtlich stiller Weile Gärt's in dem tück'schen Feuerschlunde, ladet Sich aus mit tobender Gewalt, und weg Treibt über alle Pflanzungen der Menschen Der wilde Strom in grausender Zerstörung. Wallenstein. Du schilderst deines Vaters Herz. Wie du's Beschreibst, so ist's in seinem Eingeweide, In dieser schwarzen Heuchlers Brust gestaltet. O mich hat Höllenkunst getäuscht. Mir sandte Der Abgrund den verstecktesten der Geister, Den Lügenkundigsten herauf und stellt ihn Als Freund an meine Seite. Wer vermag Der Hölle Macht zu widerstehn! Ich zog Des Basilisken auf an meinem Busen, Mit meinem Herzblut nährt' ich ihn, er sog Sich schwelgend voll an meiner Liebe Brüsten, Ich hatte nimmer Arges gegen ihn, Weit offen ließ ich des Gedankens Tore Und warf die Schlüssel weiser Vorsicht weg-- Am Sternenhimmel suchten meine Augen, Im weiten Weltenraum den Feind, den ich Im Herzen meines Herzens eingeschlossen. --Wär' ich dem Ferdinand gewesen, was Octavio mir war--Ich hätt' ihm nie Krieg angekündigt--nie hätt' ich's vermocht. Er war mein strenger Herr nur, nicht mein Freund, Nicht meiner Treu vertraute sich der Kaiser. Krieg war schon zwischen mir und ihm, als er Den Feldherrnstab in meine Hände legte; Denn Krieg ist ewig zwischen List und Argwohn, Nur zwischen Glauben und Vertraun ist Friede. Wer das Vertraun vergiftet, o der mordet Das werdende Geschlecht im Leib der Mutter. Max. Ich will den Vater nicht verteidigen. Weh mir, daß ich's nicht kann! Unglücklich schwere Taten sind geschehn, Und eine Frevelhandlung faßt die andre In enggeschloßner Kette grausend an. Doch wie gerieten wir, die nichts verschuldet, In diesen Kreis des Unglücks und Verbrechens? Wem brachen wir die Treue? Warum muß Der Väter Doppelschuld und Freveltat Uns gräßlich wie ein Schlangenpaar umwinden? Warum der Väter unversöhnter Haß Auch uns, die Liebenden, zerreißend scheiden? (Er umschlingt Thekla mit heftigem Schmerz.) Wallenstein. (hat den Blick schweigend auf ihn geheftet und nähert sich jetzt). Max! Bleibe bei mir.--Geh nicht von mir, Max! Sieh, als man dich im pragschen Winterlager Ins Zelt mir brachte, einen zarten Knaben, Des deutschen Winters ungewohnt, die Hand War dir erstarrt an der gewichtigen Fahne, Du wolltst männlich sie nicht lassen, damals nahm ich Dich auf, bedeckte dich mit meinem Mantel, Ich selbst war deine Wärterin, nicht schämt' ich Der kleinen Dienste mich, ich pflegte deiner Mit weiblich sorgender Geschäftigkeit, Bis du, von mir erwärmt, an meinem Herzen, Das junge Leben wieder freudig fühltest. Wann hab ich seitdem meinen Sinn verändert? Ich habe viele Tausend reich gemacht, Mit Ländereien sie beschenkt, belohnt Mit Ehrenstellen--dich hab ich geliebt, Mein Herz, mich selber hab ich dir gegeben. Sie alle waren Fremdlinge, du warst Das Kind des Hauses--Max! du kannst mich nicht verlassen! Es kann nicht sein, ich mag's und will's nicht glauben, Daß mich der Max verlassen kann. Max. O Gott! Wallenstein. Ich habe dich gehalten und getragen Von Kindesbeinen an--Was tat dein Vater Für dich, das ich nicht reichlich auch getan? Ein Liebesnetz hab ich um dich gesponnen, Zerreiß es, wenn du kannst--Du bist an mich Geknüpft mit jedem zarten Seelenbande, Mit jeder heil'gen Fessel der Natur, Die Menschen aneinanderketten kannn. Geh hin, verlaß mich, diene deinem Kaiser, Laß dich mit einem goldnen Gnadenkettlein, Mit seinem Widderfell dafür belohnen, Daß dir der Freund, der Vater deiner Jugend, Daß dir das heiligste Gefühl nichts galt. Max. (in heftigem Kampf) O Gott! Wie kann ich anders? Muß ich nicht? Mein Eid--die Pflicht-- Wallenstein. Pflicht, gegen wen? Wer bist du? Wenn ich am Kaiser unrecht handle, ist's Mein Unrecht, nicht das deinige. Gehörst Du dir? Bist du dein eigener Gebieter, Stehst frei da in der Welt, wie ich, daß du Der Täter deiner Taten könntest sein? Auf mich bist du gepflanzt, ich bin dein Kaiser, Mir angehören, mir gehorchen, das Ist deine Ehre, dein Naturgesetz. Und wenn der Stern, auf dem du lebst und wohnst, Aus seinem Gleise tritt, sich brennend wirft Auf ein nächste Welt und sie entzündet, Dukannst nicht wählen, ob du folgen willst, Fort reißt er dich in seines Schwunges Kraft Samt seinem Ring und allen seinen Monden. Mit leichter Schuld gehst du in diesen Streit, Dich wird die Welt nicht tadeln, sie wird's loben, Daß dir der Freund das meiste hat gegolten. Neunzehnter Auftritt Vorige. Neumann. Wallenstein. Was gibt's? Neumann. Die Pappenheimischen sind abgesessen Und rücken an zu Fuß; sie sind entschlossen, Den Degen in der Hand das Haus zu stürmen, Den Grafen wollen sie befrein. Wallenstein. (zu Terzky) Man soll Die Ketten vorziehn, das Geschütz aufpflanzen. Mit Kettenkugeln will ich sie empfangen. (Terzky geht.) Mir vorzuschreiben mit dem Schwert! Geh, Neumann, Sie sollen sich zurückziehn, augenblicks, Ist mein Befehl, und in der Ordnung schweigend warten, Was mir gefallen wird zu tun. (Neumann geht ab. Illo ist ans Fenster getreten.) Gräfin. Entlaß ihn. Ich bitte dich, entlaß ihn! Illo. (am Fenster) Tod und Teufel! Wallenstein. Was ist's? Illo. Aufs Rathaus steigen sie, das Dach Wird abgedeckt, sie richten die Kanonen Aufs Haus-- Max. Die Rasenden! Illo. Sie machen Anstalt, Uns zu beschießen-- Herzogin und Gräfin. Gott im Himmel! Max. (zu Wallenstein). Laß mich Hinunter, sie bedeuten-- Wallenstein. Keinen Schritt! Max. (auf Thekla und die Herzogin zeigend) Ihr Leben aber! Deins! Wallenstein. Was bringst du, Terzky? Zwanzigster Auftritt Vorige. Terzky kommt zurück. Terzky. Botschaft von unsern treuen Regimentern. Ihr Mut sei länger nicht zu bändigen, Sie flehen um Erlaubnis, anzugreifen, Vom Prager- und vom Mühl-Tor sind sie Herr, Und wenn du nur die Losung wolltest geben, So könnten sie den Feind im Rücken fassen, Ihn in die Stadt einkeilen, in der Enge Der Straßen leicht ihn überwältigen. Illo. O komm! Laß ihren Eifer nicht erkalten. Die Buttlerischen halten treu zu uns, Wir sind die größre Zahl und werfen sie Und enden hier in Pilsen die Empörung. Wallenstein. Soll diese Stadt zum Schlac