Archivi tag: Dehmel

Richard Dehmel – Deutsches Tum

Humane Epistel

Lieber Freund! ich sitze verstimmt bei Schillern und Goethen,
plötzlich reicht mir die Magd deine Bescherung aus Rom.
Nämlich die hellen Gemächer und glänzenden Säle der Beiden
hatt ich verlassen und saß zwischen dem Küchengerät,
wo’s drin dampfte und schmorte, der Xenien salziges Frühstück
wider den schlechten Geschmack ihrer gepriesenen Zeit.
Da empfahl ich mich gern, und Goethe lächelte nickend,
denn er witterte wohl etwas Italisches (altro…)

Richard Dehmel – Glockenklänge an Bismarck

am Tage seiner Amtsenthebung, 20. März 1890

Glocken, Glocken, wir
Mund der Macht,
oft wehklagten wir dem Donner,
oft frohlockten wir dem Flammensturm;
heut, Volk, frohlocken,
heut, Bismarck, klagen wir
dumpf Euch! aber
immer, Glocken,
dröhnt aus unserm
Mund die Macht.

Immer hungrig,
tief auf nach Opfern
stöhnt der Mund der Macht.
Doch auch immer
öffnet weit zu. hohen Jubellauten
dann den Mund die dunkle Mutter;
denn noch immer
zeugt (altro…)

Richard Dehmel – Blinde Liebe – Eine Geschichte aus den höchsten Kreisen

Wie soll ich diese rührende Geschichte bloß erzählen, daß meine zarte Leserin sich nicht die Augen ausweint über die Leiden, von denen ich berichten muß! Es dürfte in der Tat das beste sein, ich teile gleich im voraus mit, daß alles ein wonniges Ende nimmt.

Ich habe also zu berichten von den Ängsten, mit denen ein König und seine Königin sehr viele Jahre lang durch eine böse Fee geplagt wurden, und das (altro…)