AFRIKA/MAROKKO – Pater Jean-Pierre Schumacher ist tot: Er war der letzte Überlebendes des Massakers von Tibhirine

 24 total views,  1 views today

Fes – “Es war so schön”, pflegte der Trappistenmönch Jean-Pierre Schumacher zu sagen, wenn er sich an die langen Jahre des gemeinschaftlichen Lebens erinnerte, die er mit seinen Mitbrüdern im algerischen Kloster Thibirine verbrachte, das 1996 Schauplatz eines der bekanntesten Ereignisse des christlichen Martyriums der letzten Jahrzehnte wurde. Nun hat auch er, der letzte “Überlebende” von Thibirine, diese Welt verlassen. Sein Herz blieb am Morgen des 21. Novembers, dem Christkönigsfest, in der Stille des Klosters Notre-Dame de l’Atlas in Midelt an den Hängen des marokkanischen Atlas, der letzten Trappistengarnison in Nordafrika, stehen.
Bruder Jean-Pierre wäre im kommenden Februar 98 Jahre alt geworden. Er war 1967 als Mönch nach Algerien gezogen. Die Rührung in seinen Augen bei der Erinnerung an das tägliche Klosterleben, das von der Gnade berührt war und das er mit seinen Mitbrüdern teilte, die als Märtyrer starben, ist eine Garantie für das Paradies , denn sie war das leuchtende Zeichen dafür, dass nicht Heldentum oder Hingabe, sondern nur Dankbarkeit für ein genossenes Glück dazu führen kann, dass man sich zum Glauben an Christus bekennt, der jedes echte christliche Zeugnis nährt, bis zum Martyrium.
Der Obere Christian de Chergé und die anderen sechs Mitbrüder von Frére Jean-Pierre wurden in der Nacht vom 26. auf den 27. März 1996 in einem vom Bürgerkrieg zerrissenen Land entführt. Er war zusammen mit einem weiteren Mitbruder Amèdèe der Entführung entgangen, weil er in dieser Nacht als Pförtner in einem Gebäude neben dem Kloster Dienst hatte. Zwei Monate nach der Entführung wurden die abgetrennten Köpfe der sieben Mönche an einer Straße gefunden. Die Täter des Massakers wurden nie mit Sicherheit identifiziert. Offizielle wurden geheime Banden der „Bewaffneten Islamischen Gruppe“ verantwortlich gemacht zu während unabhängige Untersuchungen auf eine mögliche Verwicklung des algerischen Militärgeheimdienstes in die Angelegenheit hinwiesen.
Vier Jahre nach dem Martyrium seiner Mitbrüder war Jean-Pierre nach Marokko gezogen und wurde Prior der Trappistengemeinschaft Notre-Dame de l’Atlas. Mehrmals gestand er, dass ihn eine schwere Frage immer begleitete: “Warum hat der Herr mich am Leben gelassen?”. Im Laufe der Zeit erkannte er, dass sein Schicksal als “Überlebender” des Massakers mit der Aufgabe zusammenfiel, “Zeugnis von den Ereignissen in Tibhirine abzulegen und die Erfahrung der Gemeinschaft mit unseren muslimischen Mitmenschen bekannt zu machen, die wir jetzt hier im Kloster Midelt in Marokko fortsetzen”.
In ihrer neuen Heimat bezeichneten sich Bruder Jean-Pierre und Bruder Amédée als der “kleine Rest” von Tibhirine: “Unsere Anwesenheit im Kloster”, sagte er, “war ein Zeichen der Treue zum Evangelium, zur Kirche und zum algerischen Volk”. Die Trappisten von Tibhirine “wollten” nicht zu Märtyrern werden. Aber in Treue zu ihrer klösterlichen Berufung scheuten sie sich nicht davor, Zielscheibe der blinden Gewalt zu werden, die in jenen Jahren das Land heimsuchte. Als Franzosen hätten sie gehen können, aber sie taten es nicht. In Tibhirine”, erzählte Frère Jean-Pierre dem französischen Journalisten François Vayne, “läuteten die Glocken des Klosters und die Muslime haben uns nie gebeten, sie zum Schweigen zu bringen. Wir respektieren uns gegenseitig im Herzen unserer gemeinsamen Berufung: Gott anzubeten”. Mit seinem erfüllten Lächeln legte Bruder Jean-Pierre ein unvergleichliches Zeugnis vom Schatz einer monastischen Erfahrung ab, die in den Quellen des Gebets und der Liturgie überraschende Wege gefunden hat, den Namen Christi in Wort und Tat zu bekennen: “In Marokko”, so erzählte der Mönch, der dem Massaker von Tibhirine entkommen war, “leben wir diese Gemeinschaft im Gebet, wenn wir nachts aufstehen, um zu beten, zur gleichen Zeit, wenn unsere muslimischen Nachbarn vom Muezzin geweckt werden”. “Die Treue zum Gebet”, fügte Bruder Jean-Pierre hinzu, “ist das Geheimnis unserer Freundschaft mit den Muslimen”.