AFRIKA/SOMALIA – Bischof Bertin: “Wir dürfen vorsichtig optimistisch sein”

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Mogadischu – “Manchmal treffe ich Leute, die mich fragen: ‘Wie kannst du nach so vielen Jahren noch hoffen, dass sich die Situation in Somalia ändert?’ Und ich antworte, dass sich in den letzten Monaten etwas bewegt hat, aber vor allem, dass ich immer noch hoffe, weil ich an Gott glaube, und der Glaube erlaubt mir zu glauben, dass der Mensch nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen wurde und daher zur Vernunft kommen kann“. Nach 30 Jahren schwerwiegender Instabilität und Kriegen sowie gescheiterten politischen Versuchen vertraut der Apostolischer Administrator von Mogadischu und Bischof von Dschibuti, Giorgio Bertin auf Gott mit und hofft auf einen beginnenden Demokratisierungsprozess in Somalia. Der Bischof, der seit den 1970er Jahren bis zum Sturz von Siad Barre in Somalia lebte, berichtet im Gespräch mit Fides: “Die Lage ist immer noch angespannt. Wir sollten aber immer noch vorsichtig optimistisch sein, denn zwischen dem scheidenden Präsidenten Abdullaih Mohamed, genannt ‘Farmajo’, und dem Premierminister Mohamed Hussein Roble ist eine Einigung über den Wahlprozess herangereift, der zur Wahl eines neuen Präsidenten führen soll”, sagt er und fährt fort: “Natürlich sind wir noch weit vom Ziel entfernt, sobald die parlamentarische Versammlung gebildet ist, sollte sie zusammenkommen, um den Präsidenten zu wählen. Soweit ich weiß, konnte sie noch nicht einberufen werden, auch wenn ich in den letzten Tagen Gerüchte über die bevorstehende Wiederwahl von Farmajo gehört habe. Dies sind Gerüchte, die sich meiner Meinung nach tatsächlich auf seine Wiederwahl beziehen. Es sei denn, es ist bereits etwas Außergewöhnliches geschehen und sie melden es immer noch nicht”.
Die Ungewissheit, das Fehlen gesicherter Nachrichten und die Instabilität spiegeln eindeutig die politische Situation wider, in der sich Somalia befindet: “Es hätten Wahlen für die parlamentarische Versammlung stattfinden müssen”, so Bischof Bertin, „aber alles muss einen langen Prozess im Kontext eines sehr empfindlichen Gleichgewichts durchlaufen“. „Wie ich bereits mehrfach gesagt habe, ist das allgemeine Wahlrecht hier noch immer undenkbar“, erklärt er, „weil es unmöglich ist, die Sicherheit in den ländlichen Gebieten zu gewährleisten, die von der Al Shabab kontrolliert werden, aber auch, weil wir mehr als 2,5 Millionen Binnenvertriebene und eine Million Flüchtlinge haben. Wie kann man sie einladen? Wie kann man sie registrieren? Das ist eine riesige Aufgabe und im Moment noch unmöglich. Selbst für sicherere und höher entwickelte Länder wäre dies eine gewaltige Aufgabe. Positiv ist jedoch, dass wir zumindest im Vergleich zur Vergangenheit mit einer breiteren Wählerschaft vorgehen, das ist ein Schritt nach vorn”.
Viele internationale Interessen konzentrieren sich auf Somalia und werden auch die politische Agenda der kommenden Monate bestimmen. “Es wird wichtig sein zu verstehen, wie sich die internationalen Akteure, die hier viel Einfluss haben, bewegen werden“, betont Bischof Bertin, „denn es sind nicht nur die Somalier, die im internen politischen Prozess entscheidend sind. Länder wie Katar, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, ganz zu schweigen von der Türkei, haben vorherrschende Interessen und Einflüsse. Dann gibt es noch andere Akteure wie die EU und die USA, die politische Präferenzen haben können. Die Hoffnung ist jedenfalls immer dieselbe: dass ein Präsident gewählt wird, dass so schnell wie möglich eine Regierung gebildet wird und dass sich alle in den Dienst ihres Landes und der gemeinsamen Interessen stellen, insbesondere für die am meisten Benachteiligten in unserer Gesellschaft. Wir hoffen auch, dass es einen echten Dialog mit den Gegnern geben wird, um eine Nation wiederzubeleben, die im Moment nur auf dem Papier ein Land ist, weil sie nicht als solches funktioniert“.
„Um die Wahrheit zu sagen, ich habe nicht viele Elemente, um zu sagen, dass dies der richtige Zeitpunkt ist, ich habe viele gesehen“, so der Apostolische Administrator von Mogadischu abschließend. „Realistischerweise könnte es passieren, dass zumindest Mogadischu mehr Sicherheit und stärkere Institutionen vorfindet und dass sie angesichts der Ereignisse in der Vergangenheit die seit 30 Jahren dramatische Situation ernst nehmen“.