AFRIKA/SOMALIA – Bischof Bertin zu den bevorstehenden Wahlen: “Ich bin vorsichtig optimistisch”

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Mogadischu – “Nach der Ende Mai in Somalia erzielten politischen Einigung herrscht ein vorsichtiger Optimismus mit Blick auf die bevorstehenden Wahlen. Ich setze dabei den Akzent eher auf das Adjektiv ‘vorsichtig’ als auf das Substantiv ‘Optimismus’, denn seit ich in Somalia oder jedenfalls am Horn von Afrika lebe und arbeite, habe ich viele solche Versuche, die schlecht ausgegangen sind”, so Giorgio Bertin, Apostolischer Administrator von Mogadischu und Bischof von Dschibuti, der seit Mai 2001 in Dschibuti wohnhaft ist, aber zuvor auch in Somalia lebte in einem Kommentar zu den Turbulenzen in dem afrikanischen Land, die dank der beharrlichen Verhandlungen unter der Leitung von Premierminister Roble, zumindest vorerst zu Ende zu sein scheinen, womit ein Punkt erreicht wurde, der hoffentlich einen Wendepunkt hat.
Der Bischof erklärt: „Ich lebe in Dschibuti, aber ich habe die Verantwortung für Somalia, wohin ich regelmäßig reise. Die letzten Monate seit Anfang 2021 waren besonders hart, geprägt von politischen Turbulenzen sowie den üblichen Anschlage insbesondere von Seiten der Al-Shabbaab-Miliz. Vor allem in den Beziehungen zwischen den verschiedenen Staaten der somalischen Föderation, aber auch in den Beziehungen zu Äthiopien und Kenia kam es aufgrund der umstrittenen Offshore-Ölfelder zwischen den Staaten zu starken Spannungen. Innenpolitisch waren die Wahlen das Hauptthema, man begann mit der Idee des allgemeinen Wahlrechts, aber wie ich von Anfang an sagte, war das Ziel praktisch unmöglich zu erreichen. Das Einwohnermeldeamt existiert zum Beispiel nicht einmal in den Städten, denn es wurde alles zwischen ’90 und ’91 zerstört. Zusätzlich gibt es ein großes Sicherheitsproblem in einigen Gebieten, die vollständig unter der Kontrolle der Al-Shabbaab oder anderen Kräften wie der IS sind“.
Der Apostolische Administrator erklärt, dass schließlich ein Modell auf Clanbasis gewählt wurde: “Nach verschiedenen Diskussionen“, so der Bischof, „wurde seit Juni eine zweimonatige Frist gestellt, um auf Clanbasis ausgewählte Kandidaten vorzustellen, die nach ihrer Wahl wiederum den Präsidenten wählen“.
In einem Land, mit fast ausschließlich islamischer Mehrheit, ist eine stabile christliche Präsenz sehr gering. Das christlichen Zeugnisses derer, die als Katholiken in Somalia leben, sei deshalb kostbar: “Ich habe nur einen Priester, der in Somaliland im Norden tätig ist“, so Bischof Bertin, „und die heilige Messe in Privatwohnungen zelebriert. Im Übrigen wird die christliche Präsenz durch die Truppen der italienischen, burundischen und ugandischen Armee, die Teil von Amisom , der UNO oder anderen Einrichtungen gewährleistet mit ihren beiden Militärgeistlichen . Außerdem gibt es Mitarbeiter internationaler NGOs, darunter spezifisch christliche wie Caritas Somalia, Catholic Relief Service und andere. Auch in der Vergangenheit war die Präsenz von Christen hauptsächlich ausländischer Herkunft, bis 1990 hieß es, dass es über 2000 Christen waren, davon 90% aus dem Ausland, insbesondere Italiener, darunter auch Professoren der staatlichen Universität. Aber über die physische Präsenz hinaus gibt es eine moralische Präsenz, die im Land eine eigene große Bedeutung hat und sich durch die Worte des Papstes ausdrückt: Der Papst erinnert sich oft an die schwierige Situation und erregt internationale Aufmerksamkeit, während ich selbst regelmäßig das Land besuche und die anwesenden gläubigen Laien ermutige, durch ihr Engagement, ihre Arbeit und ihr humanitäres Handeln ein christliches Zeugnis abzulegen. Ich bitte sie, „Missionare“ zu sein und jedem zu helfen, zu verstehen, wie wichtig es ist, Unterschiede zu respektieren und sich alle als Brüder und Schwestern zu verhalten. Abschließend möchte ich auf die Existenz einer kurzen Radiosendung hinweisen, die jeden Sonntag über Radio Vatikan ausgestrahlt wird: 12 Minuten, um die Stimme der Kirche in dieses Gebiet zu bringen”.