AFRIKA/SWASILAND – Bischof Ponce de León: “Wir brauchen einen inklusiven Dialog”

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Manzini – “Wir leben in einer Zeit der Unsicherheit und Spannung. Seit Beginn der Krise, die Ende Juni letzten Jahres ausbrach, haben wir bei unseren Treffen mit dem Interims-Premierminister darauf hingewiesen, dass der einzige Ausweg aus der Sackgasse der Dialog ist, der aber nur dann funktionieren kann, wenn er alle Seiten einbezieht. Wir wissen, dass der Dialog hier praktiziert wird, aber die eigentliche Herausforderung besteht heute darin, dass er wirklich inklusiv wird, und bis jetzt kann er nicht als solcher angesehen werden“, so der aus Argentinien stammende Bischof José Luís Gerardo Ponce de León von Manzini, der einzigen Diözese von Swasiland, zu Fides. Das kleine Land, die letzte absolute Monarchie Afrikas, das bis vor einigen Monaten für seine relative Ruhe bekannt war, stürzte zu Beginn des Sommers nach Massendemonstrationen, die von der Polizei blutig niedergeschlagen wurden, ins Chaos.
“Nehmen Sie zum Beispiel den jüngsten Besuch der Delegation der Entwicklungsgemeinschaft des Südlichen Afrika “, so Bischof, „Die Delegierten trafen mit verschiedenen Gesprächspartnern, NROs, politischen Organisationen und Verbänden zusammen. Zahlreiche soziale Organisationen wurden jedoch nicht berücksichtigt, weil jemand von oben entschied, dass es besser sei, sie nicht einzubeziehen. Diese Vorgehensweise verärgert die Menschen noch mehr. Die Regierung und der König erwecken nicht den Eindruck, dass sie den Weg des Dialogs beschreiten wollen. Bei unserem Treffen mit den zivilen Behörden sprachen wir, als Vertreter des Kirchenrates, von der Notwendigkeit eines umfassenden Dialogs und boten an, Gesprächspartner zu finden, die sich an den Verhandlungstisch setzen. Wir sind dann mit vielen Menschen zusammengetroffen und haben bei einem weiteren Treffen mit dem neuen Regierungschef einen Bericht vorgelegt. Die Antwort lautete jedoch, dass es aufgrund der dritten Welle des Virus unmöglich sei, neue Treffen mit allen Vertretern zu organisieren. In der Zwischenzeit sind die Infektionen zwar zurückgegangen, aber es gibt keine neuen Möglichkeiten für einen Dialog”.
“Die Situation hat sich seit dem Ausbruch der Pandemie verschlechtert, und die Unruhen haben die Lage noch angespannter und instabiler gemacht“, so Bischof José Luís Gerardo Ponce de León weiter, „Vor einigen Monaten wurde ein Bericht veröffentlicht, in dem Swasiland als eines der Länder mit der größten Ungleichhiet der Welt bezeichnet wurde. Es gibt eine große Kluft in der Gesellschaft. Die Hälfte der Jugendlichen ist arbeitslos, und viele junge Menschen sehen keine Hoffnung für die Zukunft: Das kann zu Wut und Gewalt führen. Am 29. Juni, als die Gewalt ihren Höhepunkt erreichte, konnte ich nicht nach Hause gelangen, auf dem Weg dorthin stieß ich auf viele wütende und frustrierte junge Menschen; wenn die Regierung nichts Konkretes unternimmt, wird die Wut bleiben. In unserem Land ist die Grundschule kostenlos, aber ab der Oberstufe muss man Gebühren zahlen, und viele Familien können sich das nicht leisten. Diejenigen, die es schaffen, zu studieren und ihren Abschluss zu machen, haben große Schwierigkeiten, eine Arbeit zu finden, und die Familien sehen ihre enormen Anstrengungen für die Ausbildung ihrer Kinder zunichte gemacht”.
Nach den gewaltsamen Zusammenstößen im Juli ist allmählich eine relative Ruhe eingekehrt: “Heute ist die Armee im ganzen Land ohne Unterbrechung im Einsatz. Die Ausgangssperre für Covid 19 wurde nur um eine Stunde verkürzt, obwohl sich die Situation zum Besseren gewendet hat. Es gibt keine Zusammenstöße mehr auf der Straße, aber wir haben Berichte über Zwischenfälle und Gewalt auf lokaler Ebene”.
Der Kirchenrat treffe sich unterdessen mit Vertretern aller gesellschaftlichen Bereiche des Landes auf der Suche nach Lösungen: “Wir sind der festen Überzeugung, dass der fehlende Dialog darauf zurückzuführen ist, dass wir noch nicht bereit sind, ihn zu führen“, resümiert der Bischof. „Sind wir wirklich bereit, uns gegenseitig zuzuhören? Diese Frage ist sehr wichtig… Nicht nur die Regierung, sondern auch die Gesellschaft muss sich anstrengen. Die katholische Kirche mischt sich in die Debatte ein, rät in Erklärungen zu einer am Gemeinwohl orientierten Haltung und unterstützt auch finanziell die bedürftigsten Familien. Für das schwerwiegende Problem der Schulgebühren haben wir einer Reihe von Familien angeboten, mindestens 20 Prozent der Kosten selbst zu tragen, und wenn wir die Mittel durch Spenden haben, versuchen wir auch, einen höhere Anteil zu übernehmen anzubieten”.