ASIEN/INDIEN – Jesuit zum “Tag der Verfassung”: „Lektion von den Bauern lernen“

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Neu Delhi – “Am 26. November feiern wir in Indien den Tag der Verfassung. Wir müssen den Buchstaben und den Geist, den uns unsere Verfassungsväter 1949 gegeben haben, verinnerlichen und uns zu eigen machen. Diese großartige Charta muss geachtet, geschützt und in allen Einzelheiten umgesetzt werden, und zwar für jeden einzelnen Bürger unseres Landes und insbesondere für diejenigen, deren Rechte und Freiheiten mit Füßen getreten werden“, dies betont der indische Jesuit und Schriftsteller Cedric Prakash, der sich für die Förderung der Menschenrechte und der sozialen Rechte einsetzt.
“Dank des unermüdlichen Kampfes und der großen Opfer der Bauern“, fährt der Jesuit fährt fort „sind nun drei Gesetze aufgehoben worden. Mehr als ein Jahr lang dauerte ihr Protest an, mit Blut, Schweiß, Mühsal und Tränen. Sie haben sich nicht von Drohungen oder abfälligen Bemerkungen einschüchtern lassen. Die Regierung und ein Teil der Bevölkerung waren ihnen gegenüber feindselig eingestellt. Sie wurden von den meisten Medien ignoriert. Doch die Bauern machten weiter und siegten. Das ist eine Lektion, die wir alle lernen müssen”.
“Die Nation hat noch viele kritische und dringende Probleme zu lösen“, so Pater Prakash weiter, „Erstens sollte das berüchtigte Anti-Terror-Gesetz “Unlawful Activities Prevention Act” sofort aufgehoben werden. Es wird als Waffe eingesetzt, um einzuschüchtern und zu schikanieren, zu inhaftieren und zu töten, wie wir auch im Fall von Pater Stan Swamy gesehen haben. Es wird eingesetzt, um Andersdenkende zum Schweigen zu bringen und gegen diejenigen vorzugehen, die sich für Wahrheit und Gerechtigkeit einsetzen; gegen diejenigen, die für die in der indischen Verfassung verankerten Rechte und Freiheiten eintreten; gegen diejenigen, die Adivasi und Dalits begleiten; gegen diejenigen, die mehr Rede- und Meinungsfreiheit fordern”.
Nach Ansicht von Pater Prakash “sollte auch das Gesetz zur Änderung der Staatsbürgerschaft zurückgezogen werden“. „Diese Maßnahmen sind eklatant diskriminierend und widersprechen dem Buchstaben und dem Geist der indischen Verfassung”, betont der Jesuit. “Wir haben auch drei vom Parlament im September 2020 verabschiedete Gesetze zum Arbeitsrecht, die abgeschafft werden müssen“, so der Ordensmann weiter, „Die gewöhnlichen Arbeitnehmer in unserem Land haben unter der Pandemie sehr gelitten. Mehrere Bestimmungen verletzen die Rechte der Arbeitnehmer; außerdem war das Verfahren, in dem sie verabschiedet wurden, undurchsichtig. Alle zentralen Gewerkschaften hatten sich dagegen ausgesprochen und ihre Einwände mehrfach vorgetragen. Die Regierung ließ sich jedoch nicht beirren. Die Bauern zeigen uns, dass Gesetze aufgehoben werden können, wenn sich die Gewerkschaften organisieren und zusammenschließen”.
Pater Prakash ruft insbesondere auch dazu auf, die Rechte und die Würde der Adivasi und der indigenen stämme, die in den Wäldern wohnen, zu respektieren und bezieht sich damit auf die Absicht des Ministeriums für Umwelt, Wälder und Klimawandel, die bestehenden Gesetze zu ändern, um Investitionen multinationaler Unternehmen und staatliche Konzessionen für Holzeinschlag und Bergbau zu erleichtern. “Mehr als zwei Millionen Waldbewohner sind von Zwangsumsiedlung und dem Verlust ihrer Lebensgrundlage bedroht, wenn sie ihren Lebensraum verlieren”. Pater Stan Swamy und andere “kämpften für diese Rechte, die den Adivasi verweigert wurden”, während weiterhin die Umwelt und die wertvolle biologische Vielfalt zerstört würden, so der Jesuit.
Schließlich, so Pater Prakash, “ist die National Educational Policy 2020 in ihrer jetzigen Form grob undemokratisch und verfassungswidrig, da sie wichtige Entscheidungen im Bildungsbereich trifft, der in die Zuständigkeit der Bundesstaaten fällt. Darüber hinaus ist diese Politik so konzipiert, dass sie Teile der indischen Elite bevorzugt und arme und benachteiligte Bevölkerungsgruppen ausschließt”.