ASIEN/IRAK – Patriarch Sako: “Der Synodale Weg könnte von den Erfahrungen der Ostkirchen profitieren”

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Bagdad – Auf dem von Papst Franziskus eingeschlagenen Weg der kirchlichen “Synodalität” in der gesamten katholischen Kirche könne man “von den Erfahrungen der alten Ostkirchen” profitieren, die apostolischen Ursprungs sind und in denen die Synode als “seit den frühen Jahrhunderten bezeugte ständige kanonische Struktur” bewahrt wurde. Dies betont der chaldäischen Patriarchen Louis Raphael Sako, Primas einer der größten katholischen Ostkirchen. In einer mit historischen und theologischen Bezügen und pastoralen Anmerkungen gespickten Reflexion bringt der irakische Kardinal auch konkrete Vorschläge als persönlichen Beitrag ein, die im Hinblick auf die nächste ordentliche Versammlung der Bischofssynode der Katholischen Kirche, die im Oktober 2023 in Rom zum Thema „Für eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Teilhabe und Mission“ stattfinden wird, nützlich erscheinen. Patriarch Sako schlägt unter anderem vor, für jeden Kontinent eine Art „ständige Synode“ einzurichten, die aus einer kleinen Anzahl von Bischöfen aus derselben kontinentalen Region besteht.
In seinem vom chaldäischen Patriarchat veröffentlichten Beitrag unterstreicht der irakische Kardinal, dass die Wiederentdeckung der Synodalität nicht nur technisch-organisatorische Aspekte der Verwaltung kirchlicher Körperschaften berührt, sondern aus dem Wesen der Kirche selbst schöpft. Indem er auf das Zweite Vatikanischen Konzil verweist , erinnert er an die Bedeutung des griechischen Worts “Synode” , erinnert Louis Raphael Sako daran, dass “die Kirche ihrem Wesen nach Synode ist” und zitiert dabei das Johannesevangelium. Auf ihrem Weg durch die Geschichte habe die Kirche „Beziehungen der Teilhabe und Gemeinschaft“ entwickelt und habe sich „in den verschiedenen menschlichen und lokalen Realitäten trotz der Schwierigkeiten“ konkret verkörpert. Aus diesem Grund dürfe „die Kirche nicht unbeweglich bleiben“, vielmehr müsse sie frei bleiben und sich bewegen wie der Geist, der weht, „wo er will“ , sich erneuern und wandeln. Es sei vielsagend, dass die Evangelientexte Christus und die Apostel beim Gehen zeigen. Die Kirche „geht ebenfalls und bleibt nicht stehen“. Auch hierfür – fügt der Chaldäische Patriarch hinzu, sei “die Einladung von Papst Franziskus ein wahres Zeichen”, und die Synode von 2023 “könnte eine Gelegenheit sein, konkret über pastorale Leitlinien, theologische Programme und administrative Proprojekte nachzudenken, ausgehend von konkreten Situationen, in denen die Kirche lebt und arbeitet“.
Auf der Reise durch die Geschichte, so der chaldäische Patriarch, haben die Kirchen des Ostens, einschließlich derer, die die volle Gemeinschaft mit der Kirche von Rom nie verloren oder erneut bekräftigt haben, im Laufe der Zeit eine größere Vertrautheit mit der ursprünglichen Dynamik bewahrt, zur kirchlichen Synodalität und den von ihr inspirierten kanonischen Strukturen. “Die Synode der Ostkirchen” erinnert an Patriarch Sako, “ist eine seit den frühen Jahrhunderten erhaltene permanente kanonische Struktur”, und “der Codex der Ostkirchen unterscheidet zwischen der ständigen Synode einer patriarchalischen Kirche und der Generalsynode ihrer Bischöfe”. Während die Ständige Synode “aus dem Patriarchen und vier für eine Amtszeit von fünf Jahren ernannten Bischöfen besteht “, wird die Generalsynode aller Bischöfe der Kirche “einmal im Jahr oder bei Bedarf einberufen”. Die Ostkirchen – führt den Primas der Chaldäischen Kirche aus – führen die Arbeit der Synode „kraft der Jurisdiktionsvollmacht des Patriarchen über seine eigene Kirche sui iuris aus, in der er Oberhaupt und Vater ist. Die Synode ist auch ein Zeichen der gemeinsamen Verantwortung der Bischöfe mit ihrem Patriarchen“. Die Synode stärke die Bande zwischen den einzelnen Diözesen “zwischen ihnen und mit dem Patriarchen und dem Petrusnachfolger, wobei die Vielfalt in der Einheit respektiert wird”. Synodale Strukturen sind nicht nur repräsentative Organe, sondern sie wirkten sich konkret auf das Leben der kirchlichen Gemeinschaften aus, “indem sie Bestimmungen erlassen und Entscheidungen für die richtige Verwaltung treffen”. Es bestehe eine Verpflichtung der “Erneuerung und Reform”, so der Patriarch weiter, „die unter der Inspiration des Heiligen Geistes steht”. Einheit – bemerkte der irakische Kardinal – bedeute keine Homologation und müsse anerkennen, dass sich die Welt und die Gesellschaft ständig weiterentwickeln. Auch aus diesem Grund lohne es sich, die Synodalität auch als „eine Besonderheit des Weges der ganzen Weltkirche“ neu zu entdecken. Mit dem Nachfolger Petri, so Patriarch Sako weiter „handelt die Kirche trotz der großen Vielfalt, die die katholische Kirche ausmacht, kollegial, gerade um die christliche Gemeinschaft mit Weisheit und Sorgfalt, mit besonderer Rücksicht auf künftige Generationen, aufzubauen und zu formen und zu ermöglichen, dass jeder Gläubige seinen Glauben hic et nunc leben und überall Liebe und Hoffnung verbreiten kann».
Um die Synodalität in der Kirche “sichtbarer” schlägt der chaldäische Patriarch abschließend vor in Anlehnung an die Struktur der “Ständigen Synode” in den Ostkirchen auf jedem Kontinent „eine Art ständigen Synode einzurichten, die aus einer kleinen Zahl von Bischöfen aus diesem geografischen Gebiet besteht“. Die Römische Kurie, fügt Sako hinzu, sei zwar eine „wertvolle Unterstützung“, aber „die Bürokratie ist manchmal anstrengend und langsam“. Gleichzeitig hält es der chaldäische Patriarch für sinnvoll, “den Bischofskonferenzen mehr Autorität zu verleihen, damit sie sich den anspruchsvollen Herausforderungen stellen können, denen sie täglich ausgesetzt sind”. All dies, betont der Patriarch abschließend und erinnert an das Band der hierarchischen Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom, das das wesentliche Unterscheidungsmerkmal jeder katholischen Kirche ist, “kann nur nützlich sein, wenn man in Harmonie mit dem Heiligen Vater handelt und sich ständig an das Band erinnert, das uns mit dem Nachfolger Petri verbindet“.