ASIEN/MYANMAR – Militär belagert und verwüsten baptistische Kirche: Anschläge auf Christen häufen sich

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Hakha – In Myanmar wurde eine Baptistenkirche von Soldaten eingenommen und verwüstet, nachdem diese das Dorf Tlang Rua in der Diözese Hakha im burmesischen Bundesstaat Chin im Nordwesten Myanmars überfallen und sich anschließend in der Kirche verschanzt hatten. Bei dem Angriff auf das Dorf am 19. Oktober wurden auch 12 Häuser niedergebrannt. Als die Einheimischen von der Ankunft der Armee erfuhren, flüchteten mehr als 1.200 Bewohner der Gegend in den Wald, wo sie sich nun trotz heftigen Regendällen und Kälte versteckt halten. Der Pastor der Baptistengemeinde, Rev. Thawng verurteilt “die blinde Gewalt dieser Handlungen gegen Zivilisten, die mit Razzien gegen Rebellen gerechtfertigt werden” und stellt fest, dass solche Handlungen gegen Kirchen häufig vorkommen, und dass “das Soldaten in Myanmar zu Dieben und Terroristen geworden sind”. “Niemand wurde getötet, aber dieser Akt ist scharf zu verurteilen, es ist ein feiges, fanatisches und antireligiöses Verhalten des Militärs”, sagt auch der katholische Priester Pfarrer Francis Suan, gegenüber Fides.
Zu dem Vorfall kam es wenige Tage nach dem Brand eines ganzen Dorfes, einschließlich einer Baptistenkirche, in dem ebenfalls in Chin gelegenen Dorf Rialto am 13. Oktober. Die jüngsten Vorfälle, die christliche Pastoren, Dörfer und Gotteshäuser betrafen, werfen unter christlichen Gläubigen in Myanmar Fragen auf. Ein burmesischer Priester, Pfarrer Noel Hran Tin Thang, sagte gegenüber Fides: “In der allgemeinen Atmosphäre der Gewalt sehen wir Angriffe auf christliche Kirchen, während buddhistischen Pagoden verschont bleiben. Wie kommt das? Die Mitglieder der Widerstandskräfte sind Burmesen aller Religionen und ethnischen Gruppen. Warum diese Wut gegen Christen?”.
Die Gläubigen erinnern daran, dass im vergangenen Monat myanmarische Soldaten Cung Biak Hum, einen 31-jährigen Baptistenpastor ermordeten, der ein Feuer löschen wollte, das durch einen militärischen Bombenangriff im Bundesstaat Chin entstanden war . Menschenrechtsgruppen, Medien und Kirchenmitarbeiter haben etwa 20 Vorfälle dokumentiert, bei denen christliche Kirchen, Kirchenvertreter und Laien getroffen wurden oder ins Kreuzfeuer gerieten: Gotteshäuser wurden von Bomben getroffen, Pfarrer und Gläubige verhaftet, Kirchen als Militärstützpunkte genutzt. Die Armee rechtfertigt Angriffe auf Kirchen häufig mit der Behauptung, dass sich Rebellen in den Gebäuden verstecken.
Katholiken und andere Gläubige befürchten Vergeltungsmaßnahmen gegen christliche Gemeinden und scheuen sich daher, zu den Gottesdiensten in die Kirchen zu gehen. Während die Zusammenstöße zwischen der regulären Armee und den Widerstandskräften andauern, sind es oft Priester wie Pfarre Celso Ba Shwe, Apostolischer Administrator von Loikaw im Bundesstaat Kayah, die zu den Menschen gehen, um Trost und Hoffnung zu spenden. “In den Fußstapfen des Guten Hirten gehen wir hinaus, um im Namen Christi geistliche Nahrung, Trost und Solidarität zu spenden”, betont der Apostolische Administrator gegenüber Fides.
“Seit Beginn der politischen und sozialen Krise haben die Kirchen den Menschen, die vor dem Konflikt fliehen, im Rahmen einer Willkommenskultur humanitären Hilfe und Unterkunft gewährt”, erklären einheimische Priester und Ordensleute gegenüber Fides. Außerdem bieten sie in vielen Kirchen, Krankenhäusern, Ambulanzen und christlichen Einrichtungen medizinische Versorgung an.
Bei einer zu 90% buddhistischen Bevölkerung machen Christen in Myanmar etwa 6 % der Gesamtbevölkerung aus. Sie stammen hauptsächlich aus ethnischen Minderheiten, weshalb sie seit langem von der Armee angefeindet werden, sowohl wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit als auch wegen ihrer Religion. Die ethnische Mehrheit der Bamar, die überwiegend buddhistisch ist, ist auch in der Politik und in der Armee vorherrschend, und in der Vergangenheit hat die kulturelle und soziale Förderung des Bamar-Buddhismus die Minderheiten an den Rand gedrängt und benachteiligt.
Laut der letzten Volkszählung von 2016 leben die Christen in Myanmar hauptsächlich in den Bundesstaaten Chin, Kayah und Kachin. Im Bundesstaat Chin sind etwa 85% der 478.000 Einwohner Christen; im Bundesstaat Kayah bekennen sich 46% der 286.000 Einwohner zum Christentum; im Bundesstaat Kachin, im äußersten Norden Myanmars, an der Grenze zu China, sind 34% der 1,6 Millionen Einwohner Christen.
Die militärische Gewalt gegen christliche Minderheiten ist Teil eines umfassenderen Vorgehens gegen die Widerstandsbewegung, die sich im ganzen Land ausbreitet. Die Vereinten Nationen erklärten, dass 3 Millionen Frauen, Kinder und Männer im Myanmar der Zeit nach dem Putsch aufgrund von Konflikten, Ernährungsunsicherheit, Naturkatastrophen und der Covid-19-Pandemie dringend Hilfe und Schutz benötigen.