ASIEN/PHILIPPINEN – Bischof von Caloocan: “Friedensnobelpreis für Maria Ressa lässt uns hoffen”

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Manila – “Dies ist der erste Nobelpreis, der jemals an einen philippinischen Staatsbürger verliehen wurde. Die Tatsache, dass der Preis einer Frau und brillanten Journalistin, Maria Ressa, verliehen wird, die sich durch ihre Professionalität in der aktuellen politischen Situation auf den Philippinen auszeichnet, kann ihre Mitbürgern, die die Demokratie lieben, nur stolz machen und hoffen lassen”, so der designierte Vorsitzender der philippinischen Bischofskonferenz, Bischof Pablo Virgilio David von Caloocan, zur Verleihung des Friedensnobelpreises 2021 an die philippinische Journalistin Maria Ressa und den russischen Reporter Dmitri Muratow. Die beiden erhielten den Preis für ihre Bemühungen zum Schutz der Meinungsfreiheit auf den Philippinen und in Russland.
“Diese Auszeichnung hätte nicht aktueller sein können als jetzt, wo sich das Land auf die bevorstehenden Wahlen im Mai 2022 vorbereitet”, betont Bischof David. “Viele Menschen sehen in diesem Ereignis die einzige Hoffnung, unsere Institutionen vor der Zerstörung durch populistische Demagogen oder autoritäre Führer zu retten. Im Zusammenhang mit der scheinbar nicht enden wollenden Pandemiekrise”, so die Analyse des Prälaten weiter, “hat sich das politische Schlachtfeld für die Wahlen praktisch in die virtuelle Arena der modernen Social Media-Plattformen verlagert“.
Hier setze auch Maria Ressas Arbeit an: “Sie hat eingehend untersucht, wie die öffentliche Meinung praktisch unter die Kontrolle gut finanzierter politischer Cyber-Krimineller geraten ist“, erklärt er. „Sie hat gut dokumentiert, wie unzählige gut bezahlten Trolle angeheuert wurden, die unzählige gefälschte Nutzer-Konten unterhalten und die sozialen Medien ständig mit Fake News überschwemmen und die Boten der Wahrheit mit Hasskommentaren und mit verschleierten Drohungen und Cyber-Mobbing aller Art bombardieren.”
“Die Tatsache, dass diese zierliche Frau mit der großen Seele, die es gewagt hat, vor allem den stimmlosen Witwen und Waisen des so genannten ‘Krieges gegen die Drogen’ eine Stimme zu geben, nun im Rampenlicht der Weltöffentlichkeit steht, kann uns nur auf das Beste hoffen lassen”, so Bischof David weiter.
Bei der Bekanntgabe der Namen der Friedensnobelpreisträger am 7. Oktober erklärte das norwegische Nobelkomitee, Ressa und Muratow, die aus 329 Nominierten ausgewählt wurden, und betont in der Begründung , sie seien “Vertreter aller Journalisten, die dieses Ideal verteidigen. Ein freier, unabhängiger und faktenbasierter Journalismus dient dem Schutz vor Machtmissbrauch, Lügen und Kriegspropaganda”. “Ohne Meinungs- und Pressefreiheit wird es schwierig sein, die Brüderlichkeit zwischen den Nationen, die Abrüstung und eine bessere Weltordnung erfolgreich zu fördern”, heißt es in einer Mitteilung des Komitees.
Maria Ressa, Mitbegründerin des Online-Nachrichtenportals “Rappler”, wurde für ihren unermüdlichen Kampf für die Meinungsfreiheit gewürdigt und weil sie den Mut hatte, “den Machtmissbrauch, die Gewaltanwendung und den wachsenden Autoritarismus in ihrem Heimatland, den Philippinen, aufzudecken”. Wegen ihrer Arbeit wurde sie von Politikern unter Druck gesetzt und strafrechtlich verfolgt: Sie wurde wegen des angeblichen Verbrechens der “Cyber-Diffamierung” angeklagt und verurteilt und ist auf Kaution frei.
“Diese Auszeichnung ist eine Ehre für alle philippinischen Medien, die für unsere Demokratie, Rede- und Pressefreiheit kämpfen”, so auch Professor Fernando D. Paragas, Dozent der Kommunikationsforschung der Universität der Philippinen in Diliman. Glenda M. Gloria, Chefredakteurin von „Rappler“ und eine der Mitbegründerinnen, sagte den Lesern des Portals: “Dieser Preis gehört Ihnen. Wir von Rappler fühlen uns geehrt und sind überwältigt von der Auszeichnung, die zu keinem besseren Zeitpunkt hätte kommen können, da Journalisten und die Wahrheit in der heutigen Zeit angegriffen werden und in Gefahr sind”.
Die Foreign Press Association in the Philippines betonte, die Verleihung des Nobelpreis Ressas an Maria Ressa sei ein Sieg für die Verfechter der Pressefreiheit auf den Philippinen, die nach wie vor eines der gefährlichsten Länder der Welt für Journalisten seien. “Dies ist nicht nur eine Anerkennung ihrer Arbeit, sondern auch eine Würdigung der Bedeutung der Presse- und Meinungsfreiheit in ihren Ländern und auf der ganzen Welt”, fügte die National Union of Journalists of the Philippines hinzu.
Die amtierende philippinische Vizepräsidentin Leni Robredo bezeichnete Ressas Sieg als “eine Anerkennung und Bestätigung ihrer Bemühungen um Wahrheit und Verantwortungsbewusstsein”.