ASIEN/PHILIPPINEN – Kirchenvertreter zu bevorstehenden Wahlen: “Bürger sollen Wahlrecht verantwortungsvoll ausüben”

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Manila – “Die Bürger sind aufgerufen, ihr Wahlrecht verantwortungsvoll auszuüben, während das Land noch von der Pandemie gezeichnet ist”: so lautet der Appell mehrerer hochrangige katholischer Kirchenvertreter auf den Philippinen mit Blick auf die allgemeinen Wahlen am 9. Mai 2022, bei denen der Präsident, das Parlament und viele lokale Verwaltungsbeamte gewählt werden. Unterdessen wurde von einigen Politikern des Landes bereits in Erwägung gezogen, die Wahl zu verschieben, sollte die Pandemie nicht überwunden werden.
Trotz der Pandemie seien die Wahlen im nächsten Jahr ein entscheidender Moment im sozialen und politischen Leben des Landes, dem größte Aufmerksamkeit gewidmet werden müsse, betont hingegen Bischof Pablo Virgilio David von Kalookan, der gewählte Vorsitzende der philippinischen Bischofskonferenz . Bei der Organisation der Wahl in einer Zeit der Pandemie müsse man sehr vorsichtig sein, damit “die derzeitige Gesundheitskrise nicht von einigen Sektoren genutzt wird, um die Wahlen zu behindern”, sagte er. “Es muss sichergestellt werden, dass die Wahlen abgehalten werden und dass die Vorbereitungen unter Einhaltung der Gesetze und der Gesundheitsprotokolle erfolgen”, betonte er und forderte die zuständigen Behörden auf, für einen reibungslosen Ablauf der Wahlen zu sorgen und die Integrität der Stimmzettel zu gewährleisten. Ziel sei es, so Bischof David, dass “diese Wahlen transparent, ehrlich, sorgfältig, glaubwürdig und friedlich sind”. „Damit dies geschehen kann”, sagte er, “ist die umfassende Beteiligung der Bürgerschaft absolut notwendig“. Auch die katholischen Gläubigen sollten sich in politische Aktivitäten und Themen einbringen, denn “Politik ist die höchste Form der Nächstenliebe” und “politisches Engagement ist ein integraler Bestandteil eines verantwortungsvollen Bürgers”. “Es gehört zu unserem Leben als Bürger, das Gemeinwohl unseres Landes zu achten und zu pflegen”, sagte der Prälat.
Der Caritas-Präsident der Philippinen, Bischof Jose Collin Bagaforo von Kidapawan, über das Thema Wahlen Anlässlich der Gründung des Bündnisses “Halalang Marangal 2022”, in dem sich über 20 katholischen und nicht-katholischen Organisationen zusammenschließen, die sich gemeinsam für “verantwortungsvolle und transparente Wahlen” einsetzen wollen. Neben Caritas gehören dem Bündnis unter anderem die Bischofskommission für indigene Völker, die Bischofskommission für die Jugend, die Vereinigung der Ordensoberen auf den Philippinen , die Katholische Bildungsvereinigung der Philippinen und Radio Veritas846 an. Das Netzwerk beabsichtige, einen Prozess “Unterscheidung und gemeinsame Aktion zum Wohle des Landes und der Heiligkeit der Wahl” anzustoßen, so Pfarrer Antonio Labiao, Exekutivsekretär des Bündnisses.
“Unsere politische Wahl spiegelt unsere Werte wider”, so Bischof Bagaforo bei der Vorstellung der neuen Initiative. „Die Stimmabgabe”, erklärte er, “zeigt, wer ich bin. Die von den Menschen abgegebenen Stimmen sind ein Spiegel dessen. Unsere Stimme ist Ausdruck und Bekräftigung unserer Menschenwürde, eines Grundprinzips der katholischen Soziallehre”. Das Wahlrecht, so fügte er hinzu, “ist ein Geschenk Gottes an die Menschen und die Art und Weise, wie wir es nutzen, ist unser Geschenk an unser Land. Es ist die Erfüllung der eigenen Verantwortung, am sozialen und politischen Leben unseres Landes teilzunehmen und es zu beeinflussen“. Da die Nation von zahlreichen Problemen und Herausforderungen, einschließlich der Pandemie, erschüttert werde, “verdienen die philippinischen Bürger eine Führungspersönlichkeit mit dem Herzen eines Dieners”, sagte er. Aber um “eine echte Führungspersönlichkeit im Dienste des Volkes” zu sein, so fuhr er fort, “muss man Kompetenz, Erfahrung, Mitgefühl, Freundlichkeit, Leidenschaft und Ausdauer besitzen“. “Eine effektive Führungspersönlichkeit gibt die Richtung vor und inspiriert die Familie Gottes, sich unermüdlich für die Verbesserung der Lebensbedingungen aller Filipinos einzusetzen, wobei der Schwerpunkt auf den Randgruppen und Ausgegrenzten liegt”, so Bischof Bagaforo abschließend.
Agnes Brazal, Dozentin an der „De La Salle University“ in Manila und an der St. Vincent School of Theology in der Hauptstadt, merkte an, dass “sein Wahlrecht klug zu nutzen bedeutet, persönlich an der Förderung des Reiches Gottes teilzunehmen”. Wegen der Pandemie haben viele Filipinos Bedenken, sich bei der Wahlkommission registrieren zu lassen. Die Wählerregistrierung, die eigentlich am 30. September enden sollte, wurde deshalb bis zum 31. Oktober verlängert, um es allen Bürgern zu ermöglichen, sich in das Wählerverzeichnis einzutragen, damit sie ihr Wahlrecht ausüben können. Laut Brazal besteht immer noch eine gewisse Angst, sich mit dem Virus anzustecken: “Wenn es die Pandemie nicht gäbe, hätte es schon mehr Anmeldungen gegeben”, bekräftigt sie.
Voraussichtlich wird die Wahlkommission im Januar 2022 die Liste der offiziellen Kandidaten für die auf den 9. Mai 2022 angesetzten Parlamentswahlen veröffentlichen, einschließlich derjenigen, die für das Amt des Präsidenten, des Vizepräsidenten, für die Sitze der 12 Senatoren und für die 308 Mitglieder des Repräsentantenhauses kandidieren.
Hinzu kommen 81 Gouverneure und stellvertretende Gouverneure, 780 Sitze in den Provinzräten, 1.634 Bürgermeister und stellvertretende Bürgermeister von Gemeinden, 13.546 Sitze in den Gemeinderäten. Nach der philippinischen Verfassung von 1987 finden alle sechs Jahre, jeweils am zweiten Montag im Mai, allgemeine Wahlen statt. Auf den Philippinen, wo 48 % der fast 110 Millionen Einwohner unter 25 Jahre alt sind, bekennen sich etwa 80 % der Bevölkerung zur katholischen Religion.