Bahnhof Leipzig-Leutzsch

Sicherungstechnik, Strecke nach Merseburg, Unfallhergang, »D-Zug« → Schnellzug


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[[Datei:Leipzig Leutzsch Bahnhof Bahnsteige.jpg|mini|links|Ehemalige Bahnsteige, 2009]]
 
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Der Bahnhof wurde am 22. März 1856 mit der Thüringer Eisenbahn eröffnet und trug zunächst den Namen ”Barneck” (nach dem nahe gelegenen Rittergut Barneck). Später wurde er in ”Leutzsch” umbenannt. Nach der Eingemeindung der Gemeinde Leutzsch in die Stadt Leipzig zum 1. Januar 1922 erhielt er den noch heute gültigen Namen ”Leipzig-Leutzsch”.
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Der Bahnhof wurde am 22. März 1856 mit der Thüringer Eisenbahn eröffnet und trug zunächst den Namen ”Barneck” (nach dem nahe gelegenen Rittergut Barneck). Später wurde er in ”Leutzsch” umbenannt. Nach der Eingemeindung der Gemeinde Leutzsch in die Stadt Leipzig zum 1. Januar 1922 erhielt er den noch heute gültigen Namen ”Leipzig-Leutzsch”. Mit dem Bau der zum Leipziger Güterringes gehörenden Strecke erhielt der Bahnhof Leipzig-Leutzsch vier mechanische Stellwerke. 1931 wurde als letzte die Strecke [[Bahnstrecke Merseburg–Leipzig-Leutzsch|von Merseburg]] in den Bahnhof eingeführt.
  
Im Jahr 1969 wurde der Bahnhof Leipzig-Leutzsch einer der ersten Haltepunkte der [[S-Bahn Mitteldeutschland|S-Bahn Leipzig]].
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Im Jahr 1969 wurde der Bahnhof Leipzig-Leutzsch einer der ersten Haltepunkte der [[S-Bahn Mitteldeutschland|S-Bahn Leipzig]]. Im Zug der Vorbereitung für den S-Bahn-Betrieb erhielt der Bahnhof in den Stellwerksbereichen Lo und Lä Lichtsignale, im Stellwerksbereich Ls Richtung Plagwitz nur an den durchgehenden Hauptgleisen. In diesem Zusammenhang wurden auf dem Ostkopf zwei elektrisch ferngestellte Weichen mit einem Abzweigradius von 1200 Metern und eine Flachkreuzung mit beweglichen Doppelherzstückspitzen eingebaut. Damit wurden Fahrten von und nach Leipzig-Plagwitz mit 100{{nnbsp}}km/h möglich.
  
Im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts verlor der Bahnhof zunehmend seine Funktion als Regionalbahnhof. Die Straßenbahnlinie, die seit 1899 zum Bahnhof führte, wurde 2001 von den [[Leipziger Verkehrsbetriebe]]n eingestellt.
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Im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts verlor der Bahnhof zunehmend seine Funktion als Regionalbahnhof. 1998 wurde der Reiseverkehr Richtung Merseburg eingestellt, schon Anfang 1999 erfolgte darauf die Stilllegung der Strecke. Der Linienbetrieb auf der Straßenbahnstrecke, die seit 1899 vom Rathaus Leutzsch durch die Rathenaustraße zum Bahnhof führt, wurde 2001 von den [[Leipziger Verkehrsbetriebe]]n eingestellt.
  
 
[[Datei:Montage Inselbahnsteig Fertigteil Leipzig Leutzsch 2010.jpg|mini|Montage des [[Mittelbahnsteig]]s mit Fertigteilen, 2010]]
 
[[Datei:Montage Inselbahnsteig Fertigteil Leipzig Leutzsch 2010.jpg|mini|Montage des [[Mittelbahnsteig]]s mit Fertigteilen, 2010]]
Im Zuge der umfangreichen Neuordnung des S-Bahnverkehrs im Großraum Leipzig zum Aufbau des Netzes der [[S-Bahn Mitteldeutschland]] wurden die Reiseverkehrsanlagen des Bahnhofs Leipzig-Leutzsch und des Haltepunktes ”Industriegelände West” zu einer neuen Zugangsstelle an der [[Georg-Schwarz-Straße]] zusammengefasst. Es entstanden neue Bahnsteige an der Strecke Leipzig–Großkorbetha (140&nbsp;m langer [[Mittelbahnsteig]]) sowie an der Strecke Leipzig–Probstzella (zwei 140&nbsp;m lange [[Außenbahnsteig]]e). Treppen und Aufzüge verbinden diese mit der Georg-Schwarz-Straße, wodurch eine bessere Umsteigemöglichkeit zum [[Busverkehr in Leipzig|Bus-]] und [[Straßenbahn Leipzig|Straßenbahnnetz]] der Stadt entstand. Die alten Bahnsteige wurden abgebrochen und die Gleisanlagen in veränderter Lage neu errichtet.<ref>[http://www.zvnl.de/cms/components/com_docman/dl2.php?archive=0&file=TlZQa3VyenBkZi5wZGY= Kurzfassung des Nahverkehrsplans 2008 des ZVNL]{{Toter Link|url=http://www.zvnl.de/cms/components/com_docman/dl2.php?archive=0&file=TlZQa3VyenBkZi5wZGY=|date=2018-03}} (PDF, 779 kB); Seite 19</ref><ref>{{Internetquelle |url=http://www.jaeger-bernburg.de/geschaeftsbereiche/grossprojekte/projektkomplex-leipzig-leutzsch-leipzig-plagwitz.html |titel=Projektkomplex Leipzig-Leutzsch / Leipzig-Plagwitz |hrsg=Jaeger Gruppe Bernburg |offline=1 |archiv-url=https://web.archive.org/web/20131215101503/http://www.jaeger-bernburg.de/geschaeftsbereiche/grossprojekte/projektkomplex-leipzig-leutzsch-leipzig-plagwitz.html |archiv-datum=2013-12-15 |zugriff=2013-07-13}}</ref>
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Im Zuge der umfangreichen Neuordnung des S-Bahnverkehrs im Großraum Leipzig zum Aufbau des Netzes der [[S-Bahn Mitteldeutschland]] wurden die Reiseverkehrsanlagen des Bahnhofs Leipzig-Leutzsch und des Haltepunktes ”Industriegelände West” zu einer neuen Zugangsstelle an der [[Georg-Schwarz-Straße]] zusammengefasst. Zwischen den Stammgleisen der Strecke Leipzig–Großkorbetha wurde ein 140{{nnbsp}}m langer [[Mittelbahnsteig|Inselbahnsteig]] eingerichtet, an der Strecke Leipzig–Probstzella zwei ebenfalls 140{{nnbsp}}m lange [[Außenbahnsteig]]e. Treppen und Aufzüge verbinden diese mit der Georg-Schwarz-Straße, wodurch eine bessere Umsteigemöglichkeit zum [[Busverkehr in Leipzig|Bus-]] und [[Straßenbahn Leipzig|Straßenbahnnetz]] der Stadt entstand. Die alten Bahnsteige wurden abgebrochen und die Gleisanlagen in veränderter Lage neu errichtet.<ref>[http://www.zvnl.de/cms/components/com_docman/dl2.php?archive=0&file=TlZQa3VyenBkZi5wZGY= Kurzfassung des Nahverkehrsplans 2008 des ZVNL]{{Toter Link|url=http://www.zvnl.de/cms/components/com_docman/dl2.php?archive=0&file=TlZQa3VyenBkZi5wZGY=|date=2018-03}} (PDF, 779 kB); Seite 19</ref><ref>{{Internetquelle |url=http://www.jaeger-bernburg.de/geschaeftsbereiche/grossprojekte/projektkomplex-leipzig-leutzsch-leipzig-plagwitz.html |titel=Projektkomplex Leipzig-Leutzsch / Leipzig-Plagwitz |hrsg=Jaeger Gruppe Bernburg |offline=1 |archiv-url=https://web.archive.org/web/20131215101503/http://www.jaeger-bernburg.de/geschaeftsbereiche/grossprojekte/projektkomplex-leipzig-leutzsch-leipzig-plagwitz.html |archiv-datum=2013-12-15 |zugriff=2013-07-13}}</ref>
  
 
Seit Ende 2011 wird der Bahnhof aus der [[Betriebszentrale (DB Netz)|Betriebszentrale]] Leipzig ferngesteuert. Die zuständige [[Elektronisches Stellwerk#Aufbau und Technik|Unterzentrale (UZ)]] ist die UZ [[Bahnhof Leipzig-Wahren|Leipzig-Wahren]], das entsprechende, an die UZ Leipzig-Wahren angeschlossene, [[Elektronisches Stellwerk#Aufbau und Technik|ESTW-A]] befindet sich vor Ort im Bahnhof Leipzig-Leutzsch. Hersteller des Elektronischen Stellwerks ist die Firma [[Thales Group|Thales]].<ref>{{cite web|url=http://www.deutschebahn.com/site/bahn/de/presse/presseinformationen/ssat/ssat20111215.html |title=Wichtiger Meilenstein: Neue Stellwerkstechnik in Leipzig-Leutzsch, Leipzig-Plagwitz und Großlehna in Betrieb |publisher=Deutsche Bahn AG |date=2011-12-15| accessdate=2012-01-22}}</ref>
 
Seit Ende 2011 wird der Bahnhof aus der [[Betriebszentrale (DB Netz)|Betriebszentrale]] Leipzig ferngesteuert. Die zuständige [[Elektronisches Stellwerk#Aufbau und Technik|Unterzentrale (UZ)]] ist die UZ [[Bahnhof Leipzig-Wahren|Leipzig-Wahren]], das entsprechende, an die UZ Leipzig-Wahren angeschlossene, [[Elektronisches Stellwerk#Aufbau und Technik|ESTW-A]] befindet sich vor Ort im Bahnhof Leipzig-Leutzsch. Hersteller des Elektronischen Stellwerks ist die Firma [[Thales Group|Thales]].<ref>{{cite web|url=http://www.deutschebahn.com/site/bahn/de/presse/presseinformationen/ssat/ssat20111215.html |title=Wichtiger Meilenstein: Neue Stellwerkstechnik in Leipzig-Leutzsch, Leipzig-Plagwitz und Großlehna in Betrieb |publisher=Deutsche Bahn AG |date=2011-12-15| accessdate=2012-01-22}}</ref>
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== Unfall ==
 
== Unfall ==
Am 10. Juli 1973 entgleiste im Bahnhof Leipzig-Leutzsch der D-Zug 703 infolge überhöhter Geschwindigkeit. Wegen angespannter Betriebssituation sollte der Schnellzug nicht planmäßig über das Gleis 1, sondern über Gleis 3 fahren. Der Lokomotivführer bemerkte den Fahrbegriff „Fahrt mit 40&nbsp;km/h“ am [[Zwischensignal]] auf der Westseite des Bahnsteiges zunächst nicht und bremste verspätet. Mit einer Geschwindigkeit von 80&nbsp;km/h entgleiste die Lokomotive daraufhin in der Weichenverbindung und prallte mit voller Wucht in das [[Fahrdienstleiterstellwerk]]. Auch der erste Wagen entgleiste, und die nachfolgenden Wagen des Schnellzugs schoben sich ineinander. Das Stellwerk wurde schwer beschädigt. Vier Tote, unter ihnen auch der Lokomotivführer, sowie 25 Verletzte waren zu beklagen. Der Heizer rettete sich mit einem Sprung von der Lokomotive. Das beschädigte Stellwerksgebäude wurde wieder aufgebaut, die neugebaute Gebäudeseite ist am grauen Putz anstelle des roten Klinkermauerwerkes erkennbar.<ref>{{Literatur | Titel=Die DR vor 25 Jahren – 1973 | Verlag=[[EK-Verlag]]}}</ref>
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Am 10. Juli 1973 entgleiste im Bahnhof Leipzig-Leutzsch der Schnellzug 703 infolge überhöhter Geschwindigkeit. Wegen der angespannten Betriebssituation sollte er nicht planmäßig über das durchgehende Hauptgleis 1 der Strecke Leipzig–Großkorbetha, sondern über Gleis 3, das durchgehende Hauptgleis der Strecke Leipzig-Leutzsch–Probstzella fahren und im Bereich des Befehlsstellwerkes Lä auf die Strecke nach Großkorbetha zurückgeleitet werden. Der Lokomotivführer bemerkte die einschränkenden Fahrtbegriffe ”Fahrt mit 100{{nnbsp}}km/h, Fahrt mit 40{{nnbsp}}km/h erwarten” am Einfahr- und ”Fahrt mit 40{{nnbsp}}km/h“ am [[Zwischensignal]] auf der Westseite des Bahnsteiges zunächst nicht und bremste verspätet. Mit einer Geschwindigkeit von 80{{nnbsp}}km/h entgleiste die Lokomotive daraufhin in der Weichenverbindung und prallte mit voller Wucht in das [[Fahrdienstleiterstellwerk]]. Auch der erste Wagen entgleiste, und die nachfolgenden Wagen des Schnellzugs schoben sich ineinander. Das Stellwerk wurde schwer beschädigt. Vier Tote, unter ihnen auch der Lokomotivführer, sowie 25 Verletzte waren zu beklagen. Der Heizer rettete sich mit einem Sprung von der Lokomotive. Das beschädigte Stellwerksgebäude wurde wieder aufgebaut, die neugebaute Gebäudeseite ist am grauen Putz anstelle des roten Klinkermauerwerkes erkennbar.<ref>{{Literatur | Titel=Die DR vor 25 Jahren – 1973 | Verlag=[[EK-Verlag]]}}</ref>
  
 
== Bedienung ==
 
== Bedienung ==