Hannibal (Netzwerk)

Mitglieder und Struktur: beleg zu terrorismus


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In dem Chatnetzwerk [[Telegram]] existierten neben einer Nord-Gruppe, die Gruppen Ost, West und Süd – organisiert entlang der geografischen Aufteilung der [[Wehrbereichsverwaltung]]. Daneben existierten Gruppen für Österreich und die Schweiz. In der Süd-Gruppe, der größten und aktivsten Gruppe, war André S. Administrator.<ref name=”IMI”>Luca Heyer: [https://www.imi-online.de/download/IMI-Studie2019-4%20Hannibal-Web.pdf ”Der Hannibal-Komplex. Ein militantes, rechtes Netzwerk in Bundeswehr, Geheimdiensten, Polizei, Justiz und Parlamenten.”] In: IMI Nr. 4, 13. Juni 2019, ISSN 1611-213X / PDF</ref>
 
In dem Chatnetzwerk [[Telegram]] existierten neben einer Nord-Gruppe, die Gruppen Ost, West und Süd – organisiert entlang der geografischen Aufteilung der [[Wehrbereichsverwaltung]]. Daneben existierten Gruppen für Österreich und die Schweiz. In der Süd-Gruppe, der größten und aktivsten Gruppe, war André S. Administrator.<ref name=”IMI”>Luca Heyer: [https://www.imi-online.de/download/IMI-Studie2019-4%20Hannibal-Web.pdf ”Der Hannibal-Komplex. Ein militantes, rechtes Netzwerk in Bundeswehr, Geheimdiensten, Polizei, Justiz und Parlamenten.”] In: IMI Nr. 4, 13. Juni 2019, ISSN 1611-213X / PDF</ref>
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Allein der Gruppe „[[Nordkreuz]]“ gehören mehr als 30 sogenannte [[Prepper]] an, die über den Messenger-Dienst Telegram miteinander verbunden sind und sich auf den „Tag X“ vorbereiten – den Zusammenbruch der staatlichen Ordnung durch eine Flüchtlingswelle oder islamistische Anschläge -, auf die anschließende Liquidierung politischer Gegner.
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Alle Mitglieder von „Nordkreuz“ haben Zugang zu Waffen, verfügen über Zehntausende Schuss Munition und sind geübte Schützen. Gegen drei der Männer ermittelt parallel die Staatsanwaltschaft Schwerin, weil ihnen vorgeworfen wird, seit April 2012 illegal rund 10.000 Schuss Munition sowie eine Maschinenpistole aus Beständen des LKA abgezweigt zu haben.
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Die „Prepper“ hätten aus ihrem regionalen Umfeld unter Zuhilfenahme von Dienstcomputern der Polizei knapp 25.000 Namen und Adressen zusammengetragen, bevorzugt von Lokalpolitikern von SPD, Grünen, Linken und CDU, die sich als „Flüchtlingsfreunde“ zu erkennen gegeben und Flüchtlingsarbeit geleistet hätten.<ref>Ostsee-Zeitung: „Todeslisten“, Leichensäcke, Ätzkalk: Nazi-Gruppe bereitete weitere Angriffe vor.[https://www.ostsee-zeitung.de/Nachrichten/Politik/Verfassungsschutz-warnte-Bundestag-Namenslisten-Leichensaecke-Aetzkalk-Nazi-Gruppe-bereitete-weitere-Angriffe-auf-Fluechtlingsfreunde-vor]</ref>
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Ermittler werfen einem Anwalt aus Rostock und einem Kriminalpolizisten aus West-Mecklenburg vor, Listen angelegt zu haben mit Politikern, Aktivisten, Personen aus dem linken Spektrum. Die, so der Vorwurf, wollten die beiden Männer an einem Tag X töten.
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Seit zwei Jahren ermittelt die Bundesanwaltschaft gegen die beiden Männer in Norddeutschland, bekannt wurden die Vorwürfe, als das Bundeskriminalamt im August 2017 Razzien bei den Beschuldigten und vier Zeugen durchführte.<ref>taz: ”Betroffene werden informiert.”[https://taz.de/Prepper-Netzwerk-mit-Feindesliste/!5604104/]</ref>
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Die Opposition verlangt weitere Aufklärung, vor allem auch darüber, ob angesichts der großen Zahl von Personen, die sich auf den „Todeslisten“ von Rechtsextremisten befinden, nicht schon längst weitere Todesopfer rechter Gewalt zu beklagen gewesen sind, von denen die Öffentlichkeit bislang nichts weiß.<ref>Ostsee-Zeitung: „Todeslisten“, Leichensäcke, Ätzkalk: Nazi-Gruppe bereitete weitere Angriffe vor.[https://www.ostsee-zeitung.de/Nachrichten/Politik/Verfassungsschutz-warnte-Bundestag-Namenslisten-Leichensaecke-Aetzkalk-Nazi-Gruppe-bereitete-weitere-Angriffe-auf-Fluechtlingsfreunde-vor]</ref>
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„Ich erwarte eigentlich schon von einem Innenminister, der ja auch Landtagskollege ist, Antworten darauf, wie man mit solchen Listen umgeht“, sagt Eva-Maria Kröger von der Linkspartei. „Wir haben mehrfach nachgefragt, wer da draufsteht, aber keine Informationen bekommen. Das finde ich äußerst problematisch.“<ref>taz: ”Betroffene werden informiert.”[https://taz.de/Prepper-Netzwerk-mit-Feindesliste/!5604104/]</ref>
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„Die Planungen, die sich nun offenbaren, sind in Ausmaß und Konkretisierung massiv besorgniserregend“, sagte Grünen-Innenexperte [[Konstantin von Notz]] dem [[RedaktionsNetzwerk Deutschland|RND]]. „Unser Staat ist in der Pflicht, die sich hier abzeichnenden und bisher unübersichtlichen Netzwerkstrukturen zu analysieren, aufzuklären und mit allen staatlichen Mitteln zu bekämpfen“, sagte der Grünen-Politiker.<ref>Ostsee-Zeitung: „Todeslisten“, Leichensäcke, Ätzkalk: Nazi-Gruppe bereitete weitere Angriffe vor.[https://www.ostsee-zeitung.de/Nachrichten/Politik/Verfassungsschutz-warnte-Bundestag-Namenslisten-Leichensaecke-Aetzkalk-Nazi-Gruppe-bereitete-weitere-Angriffe-auf-Fluechtlingsfreunde-vor]</ref>
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Das Erstellen von sogenannten Todes- oder Feindeslisten durch rechtsextreme bis rechtsterroristische Gruppierungen ist in der gewaltbereiten rechten Szene nicht unüblich.[https://www.ostsee-zeitung.de/Nachrichten/Politik/Verfassungsschutz-warnte-Bundestag-Namenslisten-Leichensaecke-Aetzkalk-Nazi-Gruppe-bereitete-weitere-Angriffe-auf-Fluechtlingsfreunde-vor]</ref>
  
 
=== Franco A. ===
 
=== Franco A. ===