Neonatizid

Neonatizid bei schwerstbehinderten Neugeborenen: nicht in allen Ländern – in Deutschland z.B. wurde die "embryopathische Indikation" für verfassungswidrig erklärt, wenn auch faktisch über psychische Indikation weiter möglich


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== Neonatizid bei schwerstbehinderten Neugeborenen ==
 
== Neonatizid bei schwerstbehinderten Neugeborenen ==
In den westlichen Kulturen vertreten seit Jahren eine Reihe von Menschen die Meinung, die selektive aktive Tötung bzw. die passiv zum Tode führende Nichtbehandlung von Neugeborenen mit schwersten [[Behinderung (Sozialrecht)|Behinderungen]] oder [[Fehlbildung]]en (zum Beispiel [[Anenzephalie]]) solle legalisiert werden. Eine Vorreiterrolle nehmen in dieser Bewegung u. a. der australische Philosoph und Ethiker [[Peter Singer]] und der britische [[Bioethik]]er John Harris ein. Letzterer vertritt ähnlich wie Singer die Ansicht, dass es „nicht plausibel ist, von einem [[moral]]ischen Wandel während der Reise durch den Geburtskanal auszugehen“ ([[BBC]]-News, 16. Januar 2004). Es ist beispielsweise seit langem gesetzlich legal und von großen Teilen der Gesellschaft toleriert und akzeptiert, bei einer [[Pränataldiagnostik|vorgeburtlich festgestellten]] Behinderung oder Fehlbildung des Kindes – auch bei gegebener oder zu erwartender Lebensfähigkeit des Kindes – einen [[Schwangerschaftsabbruch mit embryopathischer Indikation|Schwangerschaftsabbruch]] vornehmen zu lassen. Darum sei es nicht nachvollziehbar, dass man ein Neugeborenes aufgrund moralischer Prinzipien [[leben]] lassen bzw. am Leben halten müsse, wenn seine Behinderung oder Fehlbildung pränatal nicht erkannt worden sei und den Eltern die Alternative des Abbruchs nicht geboten werden konnte.
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In den westlichen Kulturen vertreten seit Jahren eine Reihe von Menschen die Meinung, die selektive aktive Tötung bzw. die passiv zum Tode führende Nichtbehandlung von Neugeborenen mit schwersten [[Behinderung (Sozialrecht)|Behinderungen]] oder [[Fehlbildung]]en (zum Beispiel [[Anenzephalie]]) solle legalisiert werden. Eine Vorreiterrolle nehmen in dieser Bewegung u. a. der australische Philosoph und Ethiker [[Peter Singer]] und der britische [[Bioethik]]er John Harris ein. Letzterer vertritt ähnlich wie Singer die Ansicht, dass es „nicht plausibel ist, von einem [[moral]]ischen Wandel während der Reise durch den Geburtskanal auszugehen“ ([[BBC]]-News, 16. Januar 2004). Es ist beispielsweise seit langem in vielen westlichen Ländern gesetzlich legal und von großen Teilen der Gesellschaft toleriert und akzeptiert, bei einer [[Pränataldiagnostik|vorgeburtlich festgestellten]] Behinderung oder Fehlbildung des Kindes – auch bei gegebener oder zu erwartender Lebensfähigkeit des Kindes – einen [[Schwangerschaftsabbruch mit embryopathischer Indikation|Schwangerschaftsabbruch]] vornehmen zu lassen. Darum sei es nicht nachvollziehbar, dass man ein Neugeborenes aufgrund moralischer Prinzipien [[leben]] lassen bzw. am Leben halten müsse, wenn seine Behinderung oder Fehlbildung pränatal nicht erkannt worden sei und den Eltern die Alternative des Abbruchs nicht geboten werden konnte.
  
 
Die Kritik an diesen Bestrebungen ist nach wie vor enorm. Insbesondere in Deutschland wird nicht nur von Behindertenorganisationen befürchtet, eine entsprechende Regelung könne einer [[Mentalität]] politischen Raum und rechtliche Legitimation geben, die letztlich gesellschaftliche Einstellungen zu Menschen mit Behinderung hervorrufen könne, welche in der Vergangenheit die [[Aktion T4|nationalsozialistischen „Euthanasie“-Programme]] möglich werden ließen.
 
Die Kritik an diesen Bestrebungen ist nach wie vor enorm. Insbesondere in Deutschland wird nicht nur von Behindertenorganisationen befürchtet, eine entsprechende Regelung könne einer [[Mentalität]] politischen Raum und rechtliche Legitimation geben, die letztlich gesellschaftliche Einstellungen zu Menschen mit Behinderung hervorrufen könne, welche in der Vergangenheit die [[Aktion T4|nationalsozialistischen „Euthanasie“-Programme]] möglich werden ließen.