VATIKAN – Vor einem Monat starb Erzbischof Henryk Hoser: „Missionare sind das Licht der Weltkirche“

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Vatikanstadt – “Jeder Missionar steht für den Wert der Solidarität gegenüber den anderen, aber wenn es nicht die Solidarität der anderen, aller anderen, gegenüber den Missionaren gäbe, wären die Missionare nur die Endstation ihrer selbst und nicht das Licht der Universalkirche, dort, wo sie ihr Zeugnis geben, in Situationen, die oft schwierig, wenn nicht feindlich sind”, so äußerte sich Erzbischof Henryk Hoser im Interview mit Fides am Vorabend seiner Bischofsweihe. Henryk Hoser, SAC, wurde am 22. Januar 2005 zum stellvertretenden Sekretär der Kongregation und Präsidenten der Päpstlichen Missionswerke ernannt.
Der am 27. November 1942 in Warschau geborene Erzbischof Henryk Hoser war von 2005 bis zum 24. Mai 2008 Präsident der Päpstlichen Missionswerke, als Benedikt XVI. ihn zum Erzbischof von Warschau-Prag ernannte. Er starb am 13. August 2021, also vor genau einem Monat, im Alter von 78 Jahren im Krankenhaus des Innenministeriums in Warschau. In den Monaten zuvor hatte er sich mit Corona infiziert, und versuchte sich davon zu erholen, als weitere gesundheitliche Komplikationen auftraten.
Henryk Hoser schloss ein Medizinstudium an der Medizinischen Akademie in Warschau ab. 1969 trat er der Gesellschaft des Katholischen Apostolats bei. Am 16. Juni 1974 wurde er zum Priester geweiht und bereitete sich anschließend auf die Missionsarbeit in Ruanda vor, wo er von 1975 bis 1995 tätig war. Nach einer langen und intensiven Zeit als Missionar, in der er verschiedene Funktionen im pastoralen Bereich ausübte, gründete er das Sozialmedizinische Zentrum und das Zentrum für Familienbildung. Er war Sekretär der bischöflichen Kommission für Gesundheit und später auch der bischöflichen Kommission für die Familie, Präsident der Vereinigung der assoziierten medizinischen Zentren in Kigali , Leiter eines Zentrums für die epidemiologische Überwachung von AIDS und von Programmen zur psychomedizinischen und sozialen Unterstützung der Kranken. Insgesamt 10 Jahre lang war er auch Regionaloberer der Pallottiner. Im Namen der Kongregation für die Evangelisierung der Völker besuchte er verschiedene Priesterseminare in den Missionsgebieten.
Am 22. Januar 2005 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum stellvertretenden Sekretär der Kongregation für die Evangelisierung der Völker und zum Präsidenten der Päpstlichen Missionsgesellschaften und erhob ihn gleichzeitig in den Rang eines Erzbischofs. Kardinal Crescenzio Sepe, Präfekt des Missionsdikasteriums, stand seiner Bischofsweihe am 19. März 2005 in der Kapelle des Päpstlichen „Collegio Urbano“ vor. Die Mitkonsekranten waren Erzbischof Stanislao Dziwisz, der Sondersekretär des Heiligen Vaters, und Seine Erzbischof Taddäus Ntihinyurwa von Kigali .
Papst Benedikt XVI. ernannte ihn am 24. Mai 2008 zum Erzbischof von Warschau-Prag. Im Februar 2017 wurde er von Papst Franziskus als “Sondergesandter des Heiligen Stuhls” nach Medjugorje geschickt. Im darauffolgenden Dezember wurde er zum emeritierten Bischof von Warschau-Prag ernannt, und am 31. Mai 2018 ernannte ihn der Papst zum Apostolischen Visitator mit besonderem Charakter für die Pfarrei Medjugorje auf unbestimmte Zeit und „ad nutum Sanctae Sedis“.
Am Vorabend seiner Bischofsweihe beschrieb Bischof Hoser seine 21-jährige Missionserfahrung wie folgt. “Meine Geschichte unterscheidet sich sicherlich nicht von der aller anderen Missionare. Für mich, wie für alle Missionare, gibt es keinen bestimmten Zeitpunkt, an dem man lernt, Missionar zu sein. Man spürt diese lebensverändernde Berufung, man spürt den Ruf des Herrn, aber dann versteht man, dass man erst mit der Zeit ein Missionar wird. Durch aufeinanderfolgende Erfahrungen. Durch Niederlagen und Erfolge. Durch persönliche Beziehungen zu den Menschen an den Missionsorten. Und noch mehr, wenn man ohne Vorurteile in ihr Leben eintaucht. In ihre Problemen. In ihre individuellen und kollektiven Geschichten. Missionar zu sein bedeutet, Teil der Kulturen der Menschen zu sein, mit denen man in Kontakt kommt… Was man als Inkulturation eines Missionars bezeichnet, ist in Wirklichkeit seine Fähigkeit, in den Kulturen der Völker zu leben, denen er auf seinem Weg der Evangelisierung begegnet”.
Erzbischof Giovanni Pietro Dal Toso, derzeitiger Präsident der Päpstlichen Missionswerke und damit Nachfolger von Erzbischof Hoser in diesem Amt, betont gegenüber Fides: “Ich hatte leider nicht die Gelegenheit, Erzbischof Hoser persönlich kennenzulernen, aber ich weiß, dass er ein großer Missionar war und aus diesem Grund seine Aufgabe als Präsident der Päpstlichen Missionswerke sicherlich mit großem Engagement erfüllen konnte”.
Pater Dinh Anh Nhue Nguyen OFMConv, Generalsekretär der Päpstlichen Missionsunion und Direktor von Fides, sagt: “Wir hier von der Päpstlichen Missionswerken und insbesondere die Redaktion des Fidesdienstes erinnern uns an Erzbischof Hoser mit großer Dankbarkeit für seinen apostolischen Dienst und wir alle vereinen uns im Gebet für ihn, besonders heute dreißig Tage nach seinem Tod. Obwohl ich ihm nicht persönlich begegnet bin, kann ich sagen, dass bei uns für immer eine Spur deines missionarischen Eifers und seiner marianischen Hingabe hinterlassen hat. In der Tat denke ich jedes Mal an ihn, wenn ich die Kapelle der Päpstlichen Missionswerke betrete, die dem heiligen John Henry Newman gewidmet ist . Die Kapelle wurde während der Amtszeit von Erzbischof Hoser restauriert und eine Gedenktafel am Eingang erinnert daran und den ökumenischen Besuch des anglikanischen Erzbischofs Rowan Williams am 24/11/2006. Wir danken dem Herrn, dass er als Präsident die Päpstlichen Missionswerke leiten durfte”.