AFRIKA/UGANDA – Gegen Menschenhandel und Missbrauch: Comboni Missionsschwestern helfen Straßenkindern

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Kampala – “Die Mädchen zwischen 10 und 15 Jahren sind in einer Blechhütte zusammengepfercht, wo sie sogar zu 30 oder 40 schlafen“, so Schwester Fernanda Cristinelli zum weit verbreiteten Phänomen des Menschenhandels. „Jeden Morgen machen sie sich auf den Weg zum Markt, um Bohnen und Erdnüsse zu putzen. Die Armut in diesem Teil Ugandas ist so groß, dass sich viele Familien dazu überreden lassen, ihre Kinder gegen ein paar Groschen im Monat Dorfbewohnern anzuvertrauen. Was die Mütter nicht wissen, ist, dass ihre Kinder in einem Netzwerk von Menschenhändlern mit Ziel Kampala landen werden. Hier erwartet sie das Betteln auf der Straße, aber auch der sexuelle Missbrauch der Frauen und das Überleben bei Wasser und Brot in einem Slum, in dem sich die Situation durch die Pandemie noch verschlimmert hat. Deshalb haben wir im Namen Jesu beschlossen, etwas für sie zu tun, um ihnen ihre Würde und Liebe zurückzugeben“. Die 58jährige italienische Ordensfrau ist seit 32 Jahren als Comboni-Missionarin in Afrika tätig.
Die Region Karamoja im Nordosten Ugandas wird von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen als eine der ärmsten Regionen der Welt eingestuft: 1,2 Millionen Einwohner, von denen 61 % unterhalb der Armutsgrenze leben. “Mädchen im Alter von 15 Jahren haben meist schon mehr als ein Kind und durchschnittlich hat jede Mutter acht Kinder“, so Schwester Fernanda, die jeden Monat von Moroto in Karamoja in die Hauptstadt pendelt, wo sie ein Projekt für Kinder, die Opfer von Menschenhandel sind, ins Leben gerufen hat.
Im März 2019 konnte dank der Finanzierung durch die Italienische Bischofskonferenz und der Agentur der Vereinigten Staaten für internationale Entwicklung , das „St. Daniel Comboni Children Center“ eröffnet werden. Es handelt sich dabei um ein Tageszentrum, in dem Straßenkinder einige Stunden ihres Tages verbringen können. „Hier”, so die Missionsschwester, “können sie spielen, essen und vor allem liebevoll umsorgt werden. In eineinhalb Jahren haben uns 200 Kinder besucht”. Neben den Ordensfrauen und einer Beraterin arbeiten im Zentrum auch Sozialarbeiterinnen und Psychologinnen, die die sexuell missbrauchten Mädchen begleiten: “Wir haben ein Rehabilitierungs-Projekt gestartet”, so die Ordensfrau, “bei dem wir den Frauen die Konsequenzen jeder einzelnen Handlung bewusst machen. Für die älteren Jungen”, fährt sie fort, “bieten wir eine Berufsausbildung an, damit sie eine bessere Arbeit finden; die jüngeren versuchen wir sie aus den Händen derer zu befreien, die mit ihnen Geld verdienen. Die einzige Möglichkeit, sie von der Straße zu holen, ist, sie in die Schule zu schicken”.
„Das Problem”, so Schwester Fernanda, “ist, dass einige Kinder, die nicht untergebracht werden können, am Ende des Schuljahres wieder auf die Straße in Kampala zurückkehren. Das können wir nicht zulassen. Auch weil wir den Wunsch nach einer besseren Zukunft in ihren Augen lesen: Es sind wunderbare Kinder, die sich aufgrund der schrecklichen Erfahrungen, die sie gemacht haben, ein besseres Leben und eine andere Zukunft wünschen”.

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